Hixkaryana

Veröffentlicht am 30. April 2012

Anlässlich der Rückgabe seines traditionellen Territoriums, am 29. April 2010, sagte der Häuptling Ahtxe Hixkaryana vom Volk der Hixkaryana, des Dorfes “Torre“ am Rio Nhamundá, folgendes von seinen Vorfahren:

“Vor langer Zeit lebten unsere Grosseltern dort unten an der Mündung des Rio Nhamundá, wo sich heute die Stadt Faro befindet. Dort lebten sie mitten unter den Weissen – waren Angestellte von ihnen, spülten ihre Fäkalien weg, lebten wie Hunde. Und wenn sie etwas taten, das ihren Herren missfiel, wurden ihnen die Köpfe abgeschnitten. Sie waren Verfolgte, und deshalb flohen sie von dort, begaben sich bis zu den Quellen des Rio Nhamundá – und dort bin ich geboren, aber unsere Wurzeln liegen im unteren Bereich des Flusses“.

Am gleichen Tag sprach ein anderer Bewohner des Dorfes “Torre“, mit Namen Txikirifu, über den Grund ihrer Rückkehr zum Unterlauf des Flusses: “Unsere Grosseltern wurden von den Weissen verfolgt und retteten sich zum Oberlauf – jetzt kehren wir zurück in unser Land, wir wollen nur ein Stückchen von unserem Land, das einst sehr gross war. Wir haben uns hier versammelt, um für unser Land zu kämpfen, ein Land, das immer uns gehörte. Eigentlich finde ich es kurios, dass wir “für unser Land kämpfen“ müssen – aber so ist es, wir befinden uns an einem Ort, der stets unserem Volk gehörte“.

Hixkaryana

Name

Hixkaryana (Hixka = Rothirsch; Yana = Volk; Hixkaryana = Volk des Rothirschs) ist eine genetische Bezeichnung, mit der verschiedene Gruppen mit ähnlicher Sprache und Kultur bezeichnet werden, die gegenwärtig in den Tälern der Flüsse Nhamundá (Amazonas-Pará) und dem Mittleren Jatapu (Amazonas) leben. Hixkaryana umfasst andere Gruppen, welche wahrscheinlich in der Vergangenheit grössere Bedeutung hatten, und die sich heute noch in lokalen Splittergruppen selbst bezeichnen als: “Kamarayana“ (Kamara=Jaguar – Yana=Volk – also “Jaguarvolk“) – “Yukwarayana“ (Yukwarî=Maniokstärke – Yana=Volk – also “Volk der Maniokstärke“), “Karahawyana“ und “Xowyana“.

Sprache

Die Sprache der Hixkaryana gehört zur linguistischen Familie “Karib“ und wird von allen Mitgliedern dieser Gruppe gesprochen. Die Sprache ähnelt den anderen Dialekten in der Region sehr, sie wird als Basis in den Tälern der Flüsse Trombetas und Mapuera angesehen – zum Beispiel bei den Wai-Wai, den Xereu, Katuena, Karapawyana und Tunayana. Deshalb, und weil die Hixkaryana mit diesen Gruppen enge Beziehungen unterhalten – in einem Netz von ehelichen Verbindungen und Ritualen – kann ihre Sprache als diesen benachbarten Gruppen verständlich angesehen werden. Dasselbe, was mit der Sprache der Wai-Wai geschah – die von evangelischen Missionaren studiert und dann als Modell für die Übersetzung der Bibel (Neues und Altes Testament) benutzt wurde – geschah auch mit der Sprache der Hixkaryana: Sie wurde ebenfalls als Modell für die Übersetzung des Neuen Testaments durch Missionare der SIL (Summer Institute of Linguistics) benutzt und ersetzte die anderen leicht abweichenden Dialekte. Dieses Vorgehen führte dazu, dass die anderen Gruppen der Region die Wai-Wai und die Hixkaryana-Sprache als Regionalsprache benutzten, und heute werden beide Sprachen von den Missionaren weiträumig, bis hinauf in die Guyanas verbreitet.

Die “Kaxuyana“, die am Rio Nhamundá wohnen, sprechen fast alle die Hixkaryana-Sprache – neben ihrer eigenen Sprache, dem Kaxuyana. Andererseits spricht ein Angehöriger des Hixkaryana-Volkes kein Kaxuyana, und diese Tatsache demonstriert, dass die Kaxuyana als “Ausländer“ in dieser Region angesehen werden, und dass sie die Regionalsprache lernen müssen – die Hixkaryana.

Die Mehrheit der Hixkaryana ist in ihrer Muttersprache alphabetisiert worden, sie sind in der Lage, in diesem Idiom zu schreiben und zu lesen. Noch im Jahr 2008 gab es nur eine Grundschule im Dorf “Kassauá“, und viele Jugendliche mussten danach in die Stadt Nhamundá (Bundesstaat Amazonas) wechseln, um weiter im mittleren Level zu studieren. Dann wurde im Jahr 2001 eine Mittelschule im Dorf “Kassauá“ eingerichtet. Ausserdem haben zirka ein Dutzend Hixkaryana inzwischen eine Hochschule besucht – oder sind noch dabei – in den Städten Parintins oder Manaus. Alles in allem sprechen die Frauen und die älteren Leute sehr wenig Portugiesisch – die Hixkaryana-Sprache ist die meist benutzte von allen.

Das linguistische Studium der Hixkaryana-Sprache begann im Jahr 1958 mit der Arbeit des Paares Desmond und Gracie Derbyshire von der SIL. Von da an erstellte man Texte und Kärtchen zur Alphabetisierung, eine Grammatik und die komplette Übersetzung des Neuen Testaments.

nach obenWohngebiet und die Geschichte des Erstkontakts

Gegenwärtig lebt der grösste Teil der Hixkaryana an den Ufern des Mittleren Rio Nhamundá, ein Fluss, der die Bundesstaaten Amazonas und Pará trennt. Es gibt zehn Dörfer auf der Amazonas-Seite und ein Dorf auf der Pará-Seite. Weitere zwei Dörfer befinden sich an einem anderen Fluss, dem Mittleren Jatapu, im Bundesstaat Amazonas. Darüber hinaus gibt es viele Hixkaryana-Familien, die sich mit anderen Gruppen gemischt haben (besonders mit den Katuene, Wai-Wai und Xereu), und die leben in anderen Gegenden, vor allem am Rio Mapuera, im Bundesstaat Pará. Schliesslich muss man noch berücksichtigen, dass sich einige wenige Familien auch vorübergehend in Städten wie Nhamundá, Parintins und Manaus aufhalten.

Die Vorträge der Hixkaryana-Häuptlinge über ihre Rechte an dem Land, welches sie traditionell bewohnten, werden durch die Geschichte der Region bestätigt. Nach Protásio Frikel (1958) gab es zwischen 1725 und 1759 eine katholische Mission am unteren Rio Nhamundá, unter den Indios “Wabui“, die ihrerseits “heruntergekommen“ waren von den Ufern des Rio Trombetas, geführt vom Pater Francisco de São Marcos. Sehr wahrscheinlich sind die Hixkaryana und ihre Zeitgenossen – die in den Dörfern am Rio Nhamundá leben – Nachkommen dieser “Wabui“ vom Rio Trombetas, die sich mit jenen alteingesessenen des Rio Nahamundá gemischt haben. Unter Zuhilfenahme kurzer Biografien und der von den Hixkaryana mündlich überlieferten Geschichten, ausserdem mittels Berichten von Reisenden, von der FUNAI und von Missionaren, gelingt es, eine Zusammenfassung der Bildung und der Auflösung der diversen indigenen Gruppen in den Tälern der Flüsse Nhamundá und Jatapu zu rekonstruieren.

Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts gibt es Informationen über Indios, die am Unteren Nhamundá lebten, an einem Ort, an dem sich heute die Stadt Faro befindet. Durch Konflikte mit den Kolonisten, begannen diese Indios den Rio Nhamundá hinauf zu fliehen – sie trafen auf halbem Weg auch auf andere indigene Gruppen, die sich dort bereits niedergelassen hatten.

Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, beschränkten sich die indigenen Gruppen der Region auf die Besetzung der Oberläufe von Flüssen – in der Regel an Stellen mit schwierigem Zugang (hinter Wasserfällen, an versteckten Bachläufen oder im Innern von Dschungelgebieten), auf der Flucht vor Kolonisierungsfronten der Nicht-Indianer.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts nahmen dann die Indios wieder Kontakt mit Nicht-Indianern auf und als Folge besetzten sie wieder die Ufer der Flüsse Jatapu und Nhamundá.

Nach einem Bericht von “Povos Indígenas no Brasil/1982 (Gallois & Ricardo, 1983) wurden die Indios von Nhamundá und Jatapu Opfer einer Grippe-Epidemie, nach der sich die Überlebenden auf eine Reihe kleinerer Dörfer verteilten.

Die Daten des SPI (Indianerschutz), zitiert vom Indio-Experten der FUNAI Sebastião Amâncio Costa (1982), informieren, dass 1942 unbekannte Indios im Gebiet des Rio Novo angetroffen wurden, einem Nebenfluss des Oberen Jatapu.

Eine evangelische Missionsfront unter der Leitung von Desmond Derbyshire, vom Summer Institute of Linguistics (SIL) liess sich unter den Indios des Rio Nhamundá nieder (1958) im Dorf “Kassauá“. Die Hixkaryana stellten sich für die Anwerbung kleinerer lokaler Gruppen zur Verfügung, die vorher verteilt am Oberen Nhamundá und dem Rio Jatapu gelebt hatten (Gallois & Ricardo, 1983). Im Dorf Kassauá hatten die Missionare einen Sanitätsposten installiert und eine Schule eingerichtet, um die Indios in der Hixkaryana-Sprache und in Portugiesisch zu unterrichten.

Eine andere evangelische Missionsfront aus Nordamerika, die “Unevangelized Fields Mission“, installierte sich zu Beginn der 50er Jahre im Süden Guyanas und lockte eine grosse Zahl von Wai-Wai-Indios und andere Gruppen des Mapuera-Beckens nach dort – auch ein Teil der Hixkaryana der Flüsse Nhamundá und Jatapu folgten der Verlockung. Lediglich 15 Hixkaryana-Familien widersetzten sich der Aufforderung durch die befreundeten Wai-Wai (letztere waren durch die Mission in Guyana zum Christentum bekehrt worden), und verblieben in ihrer Region am Rio Nhamundá. Das waren die folgenden Familien: “Kaywerye, Tohkoro, Waraka, Mahxawa, Juno, Awatxare, Mohtî, Txawa, Uemko, Erefoka, Hanami, Tavino, Wari, Atxatiko und Copoi“.

In Übereinstimmung mit dem Projekt FUNAI/Radam (FUNAI, 1976: 11-14) befand sich noch bis 1960 am rechten Ufer des Mittleren Rio Jatapu ein Dorf mit zirka 30 bis 40 Hixkaryana und Xowyana, in der Nähe des Ortes, an dem sich der Indianerposten vom Jatapu erhob, am Wasserfall Santa Maria.

Nach Informationen, die aus Dokumenten der FUNAI stammen (proc. 3115/81), und aus dem Dokument des Indio-Experten Sebastião Amâncio da Costa (1982), entdeckte eine Gruppe von Latexsammlern eine Indio-Gruppe am Igarapé (Bach) Cidade Velha, einem rechten Zufluss des Oberen Jatapu. Einige Personen dieses Kontakts wurden zum “Posto Indigena (PIN) Jatapu geschleust, wo sie bis 1982 lebten. Von diesen Indios erfuhr man, dass zu jener Zeit eine grosse Zahl von “Karara“-Indios am Rio Cidade Velha, am Igarapé das Pedras (rechter Nebenfluss des Oberen Jatapu), am Igarapé Cidade Encantada (linker Nebenfluss des Oberen Jatapu) und an den Flüssen Novo, Jatapuzinho und Baracuxi wohnten.

Um 1960 herum liess sich ein Unternehmen für Mineralienförderung, die “Companhia Siderúrgica da Amazônia“ (Siderama) im Gebiet des PIN von Jatapu nieder, am linken Ufer des Rio Jatapu. Ein Jahr später – nach oralen Berichten der Hixkaryana vom Nhamundá – wurden die indigenen Bewohner der Dörfer am Jatapu von einer Epidemie heimgesucht – viele starben, und die Überlebenden wanderten ab zum Dorf Kassauá, am Rio Nhamundá. Am Posten Jatapu verblieb lediglich eine Karara-Familie – bestehend aus einem Vater und zwei erwachsenen Kindern – die inmitten von Nicht-Indianern zu existieren versuchten. Dann wurde 1975 der PIN Jatapu aufgelöst und auch diese Familie wanderte ab zum Rio Nhamundá.

Ab 1972 leiteten die rund um die Mission “Kanashen“, in Guyana, konzentrierten Indios einen Verteilungsprozess ein: Eine Gruppe wanderte ab in die Region Anauá im Bundesstaat Roraima – eine andere wanderte ab zum Dorf “Araraparu“ im südlichen Surinam – und eine dritte wendete sich zum Rio Mapuera, im Bundesstaat Pará. Die Hixkaryana-Familien, die am Rio Nhamundá verblieben, unterstützten die Rückkehr der “Verwandten“ zum Mapuera, indem sie ihnen Maniokmehl abgaben und pflanzliche Ableger, um neue Felder anlegen zu können, auf denen sie traditionsgemäss Maniok, Bananen, Zuckerrohr, Cará, Ananas etc. anbauten. Ausserdem festigte sich dadurch das Netz zur Verehelichung und des rituellen Austauschs zwischen den Hixkaryana des Dorfes Kassauá und anderen indigenen Gruppen, die ins neue Dorf am Rio Mapuera einzogen.

Im Jahr 1970 installierte die FUNAI einen Posten in “Cachoeira Porteira“ (am Rio Nhamundá) und 1971 im Dorf Kassauá (am Rio Nhamundá). 1977 verliess der SIL das Gebiet. Die FUNAI, unter der Administration des Postenchefs in Kassauá, Raimundo Nonato, übernahm die medizinische Versorgung und die Erziehung. Ausserdem wurde sie zum Lieferanten von Industriegütern für die Indios, mittels einer Kantine (Salz, Zucker, Munition, Arbeitswerkzeug, etc.) und als Gegenleistung kommerzialisierte sie in der Stadt native Produkte, wie Maniokmehl, Kunsthandwerk, und vor allem Paranüsse. Die damalige administrative Logik und Politik der FUNAI sah vor, den Kontakt der Indios mit den Weissen und ihren Städten (inklusive den Kontakt mit Geld) weitestgehend zu verhindern, in der Absicht, ihre Sprache und Gebräuche zu bewahren und jedweden Kontakt mit nicht-indigenen Bräuchen zu verhindern – vor allem auch wegen Krankheiten. Diese Philosophie wurde bis gegen Ende der 80er Jahre aufrecht erhalten.

Ab der 80er Jahre – mit der Besitz-Regulierung und der Demarkation des Indianer-Territoriums (IT) Nhamundá/Mapuera – begannen sich die Bewohner des Dorfes Kassauá zu verteilen, und neue Dörfer wurden am Unterlauf der Flüsse angelegt: “Cachoeirinha, Cachoeira Porteira, Jutaí, Riozinho“ und “Cafezal“.

Ab der 90er Jahre, in Abwesenheit des SIL und einer geringen Präsenz der FUNAI in ihrem Gebiet, begannen die Hixkaryana ihre Besuche in den umliegenden Städten der Region (Nhamundá, Parintins und Manaus) zu intensivieren – entweder um sich finanzielle Mittel durch den Verkauf ihrer Güter (Kunsthandwerk, Maniokmehl und Paranüsse) zu sichern, oder um sich um medizinische Versorgung und Erziehungsmöglichkeiten zu kümmern. Viele junge Hixkaryana begannen eine Schule in der Stadt Nhamundá zu besuchen. Gegen Ende des Jahrzehnts 1990 gründete man den “Conselho Geral dos Hixkaryana“ (Ratsversammlung).

Um 2000 herum verstärkte sich die Abwanderung aus dem Dorf Kassauá – neue Dörfer entstanden auch ausserhalb des IT Nhamundá/Mapuera und ausserhalb des IT Trombetas/Mapuera – das Interesse der Indios galt einer näheren Umgebung der Städte und ihrer Vorteile – der assistenziellen Politik und der begehrten Konsumgüter. Gleichzeitig verfolgten die Hixkaryana mit dieser Bewegung das Ziel, ihre traditionellen Ländereien am Mittleren Rio Nhamundá wieder zu besetzen. Von oben nach unten entstanden folgende neue Dörfer: “Matrinxã, Gavião, Torre, Areia“ und “Belontra“.

Im Jahr 2002 wurde der Sitz des PIN Nhamundá, im Dorf Kassauá, in die Stadt Nhamundá verlegt. Im gleichen Jahr kehrte ein Teil der Hixkaryana, unter der Führung von Yereyere und seinem Schwiegersohn Wayarafan, zum Rio Jatapu zurück, wo sie zwei neue Dörfer gründeten – eins mit Namen “Santa Maria“ (wo bis 1970 der PIN Jatapu existiert hatte) und, ein bisschen weiter den Fluss hinauf, das andere mit Namen “Bacaba“.

Zu Beginn des Jahres 2010, nach einem internen Konflikt zwischen Wayarafan und seinem Schwiegervater Yereyere, verliess der erste mit seiner Familie (Vater, Mutter und die verheirateten und unverheirateten Kinder) das Dorf “Santa Maria“, um ein neues Dorf am Rio Nhamundá zu gründen – es heisst “Capiúba“.

nach obenRegulierung der Hixkaryana-Ländereien

Das Indianer-Territorium Nhamundá-Mapuera befindet sich in den Bundesstaaten Amazonas und Pará (übergreifend), in den Munizipien Faro, Oriximiná und Nhamundá. Die erste Arbeitsgruppe zum Studium und der Begrenzung dieses ITs wurde 1976 zusammengestellt vom Projekt FUNAI/Radam – sie hat in jener Zeit ein Areal von 950.000 Hektar abgegrenzt. Eine zweite Arbeitsgruppe zur Identifizierung des Areals wurde am 12. Januar 1981 geschaffen, um die Daten der ersten Equipe zu vervollständigen. Die koordinierende Anthropologin dieser zweiten Arbeitsgruppe, Maria da Penha Cunha de Almeida, argumentierte zu jener Zeit, dass man in den Vorschlag der Equipe FUNAI/Radam noch die indigenen Felder auf beiden Seiten des Rio Mapuera einbegreifen müsse.

Andererseits, obwohl jener Anthropologin bekannt war, dass die Hixkaryana auf dem Rio Jatapu zu fischen pflegten, dass sie ausserdem permanente Behausungen an diesem Fluss bis zu Beginn der 70er Jahre unterhielten, wurde dieses Gebiet des Rio Jatapu nicht in das vorgesehene IT Nhamundá-Mapuera aufgenommen. Dessen ungeachtet machte derselbe Identifikationsbericht darauf aufmerksam, dass am Oberlauf des Rio Jatapu drei Dörfer mit unbekannten Indios existierten. Wie jene Maria da Penha C. de Almeida bestätigte, lag dieses Gebiet in der Nachbarschaft der Hixkaryana, die bei ihren Fischausflügen zum Jatapu zu gehen pflegten, und auch öfter jene unbekannten Indios besuchten – deshalb empfahl sie “die zukünftige Schaffung eines Parks, um zukünftige Invasionsprobleme von Indianer-Territorien zu verhindern“.

Nach diesen Studien wurde das IT Nhamundá-Mapuera, mit einem Gesamt von 1.022.400 Hektar zum permanenten Besitz der Gruppen Hixkaryana, Kaxuyana, Waiwai, Katuena, Mawayana und Xereu erklärt – und der Beginn seiner Demarkierung auf den 25. November 1982 festgelegt. Eine neue Arbeitsgruppe brauchte dazu mehrere Jahre, sodass die gesetzliche Absegnung durch ein publiziertes Dekret schliesslich am 18. August 1989 stattfand – jetzt hatte das IT Nhamundá/Mapuera eine offiziell bestätigte Fläche von 1.049.520 Hektar.

Der Regulierungsprozess des Indianer-Territoriums Trombetas/Mapuera, eine Fortsetzung des IT Nhamundá/Mapuera, wurde 1987 mit einem Invasionsverbot des vorgesehenen Areals eingeleitet – man hatte festgestellt, dass sich innerhalb seiner Grenzen schon verschiedene isolierte, indigene Gruppen aufhielten. Die Identifizierung- und Begrenzungs-Studien dieses Gebietes begannen Ende 2000 und wurden 2004 beendet – eine entsprechende Erklärung wurde dann am 16. September 2005 vom Justizminister unterzeichnet – zugesichert wurden den Indios 3.970.000 Hektar. Der ganze Prozess wurde schliesslich am 21. Dezember 2009 mit der Unterschrift des Präsidenten der Republik rechtskräftig. Dieses “Indianerland“ der beiden benachbarten ITs umfasst nun ein Gesamt von rund 5 Millionen Hektar – allerdings ohne jene Dörfer am mittleren Rio Nhamundá (Matrinxã, Gavião, Torre, Areia, Cupiuba, Belontra) und denen am mittleren Rio Jatapu (Santa Maria und Bacaba). Der Identifikationsbericht des IT Trombetas/Mapuera schlägt vor, diese Areale in einer zukünftigen Studie zur Demarkation einzubegreifen und ihr den Namen “Médio Trombetas/Jatapu“ zu geben – und die traditionelle Besetzung der “Kaxuyana“ am Rio Cachorro nicht zu vergessen.

nach obenGesellschaftliche Organisation

Die Regel der Wohnungsnahme in der Hixkaryana-Gesellschaft ist matrilokal (eine Norm, die von einem jungen Paar verlangt, im Heim der Brauteltern zu wohnen – oder auch in deren näherer Umgebung). Die Abstammung der Kinder wird bilateral betrachtet (Abstammung und Übertragung von Rechten und Pflichten werden sowohl väterlicherseits als auch mütterlicherseits bestimmt). Die Figur der Chefs oder Häuptlings gibt es in diesem Fall nicht – wohl aber die des “Herrn des Dorfes“. Das ist eine Person, deren Führung (eventuell auch vorübergehend) auf der Tatsache beruht, besonders grosszügig zu sein, die meisten oder grössten Felder zu besitzen, und der seine Schwiegersöhne oder seine Brüder um sich geschart hat. Dieser “Herr des Dorfes“ kann ausserdem die Funktion eines Schamanen (Heiler) innehaben. Letzterer ist nicht zu verstehen als “Feiticeiro“ (Zauberer) – dem man übernatürliche Kräfte nachsagt, die er gegen eine andere Person einzusetzen vermag, und die sogar zum Tod des Betroffenen führen können – ein solcher Zauberer oder Hexer wird fast immer als “Person von aussen“ identifiziert, aus einer anderen Gruppe oder einem anderen Dorf. Aus Beschuldigungen der “Feitiçaria“ (Zauberei, Hexerei) entstehen meistens Abspaltungen lokaler Gruppen – man trennt sich und gründet mit seinen Angehörigen ein neues Dorf. Allerdings gibt es für die Neugründung oder Verlegung eines Dorfes auch andere Gründe – zum Beispiel das Verschwinden jagdbarer Tiere oder der Rückgang der Ernte, Schädlinge auf den Feldern oder auch der Tod eines bedeutenden Mitglieds der Gruppe. Was auch immer der Grund sein mag, in der Regel geschieht der Wechsel eines Wohnortes durchschnittlich alle fünf Jahre – um sich in einem neuen Umfeld und seinen unverbrauchten Ressourcen einzurichten.

Fragt man einen indigenen Bewohner am Rio Nhamundá, zu welchem Volk er gehöre, wird er höchst wahrscheinlich antworten, dass er “Hixkaryana“ sei. Bei längerer Unterhaltung wird er dann aber stolz erzählen, dass er Kamarayana, oder Karahawyana, oder Yukwarayana, oder Xereu, oder Xowyana ist. Viele dieser Untergruppen haben ihre Wurzeln in anderen, nicht mehr existierenden Gruppen, deren Sprache nur geringe Abweichungen aufwies, die aber von den gleichen kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten geprägt waren. Und weil diese geringen Unterschiede bis heute im grossen “Hixkaryana-Agglomerat“ existieren, können sie nicht aus einer “ethnischen Abstammung“ erklärt werden (noch viel weniger deuten sie auf eine Clan-Vergangenheit hin), sondern sie sind das Ergebnis der Erinnerung und Überlieferung von Wohnorten (unterschiedliche Igarapés und Nebenflüsse des Mittleren Jatapu, des Oberen, Mittleren und Unteren Nhamundá, sowie Zuflüssen des Rio Mapuera), wo die Vorfahren jener Gruppen einst gelebt haben.

Anschliessend ein paar Beispiele aus dem Leben von Angehörigen unterschiedlicher Gruppen, die sich aber alle zum grossen Volk der Hixkaryana gehörig verstehen.

nach obenWirhta

Sein Vater Kurupumna und seine Mutter Pexu waren Hixkaryana. Wirhta erblickte das Licht der Welt am Oberlauf des Rio Nhamundá, in einem Dorf, das sie “Watkiwi“ nannten, gelegen am Igarapé (Bach) “Warua“. Viele Hixkaryana und Xowyana lebten dort, die engen Kontakt mit den Indios vom Rio Jatapu pflegten. Wirhta bekam seine erste Tochter noch im Dorf Watkiwi. Kurz vor der Geburt seiner zweiten Tochter riet ihm der Dorfschamane: “Du kannst kein Blut sehen – also bleib nicht in der Nähe deiner Frau“ und schickte ihn in ein anderes Dorf. Während er dort weilte, starben seine Frau und das Kind während der Entbindung.

Sein Onkel Mohtî wollte, dass Wirhta sich mit einer anderen Frau des Dorfes Watkiwi verheirate, aber die wollte nicht – sie hatte ihn schon früher nicht gewollt, und ihre Meinung hatte sich nicht geändert. Zu jener Zeit (Ende der 50er Jahre) waren die Indios Wai-Wai vom oberen Rio Mapuera von evangelischen Missionaren ins südliche Guyana gelockt worden (wie schon berichtet), wo sie im Dorf “Kanashen“ zum Christentum bekehrt wurden. Dann kamen sie zurück – bis hinunter in die Region des Rio Nhamundá – in der Absicht, auch die Hixkaryana nach “Kanashen“ zu bringen. Wirhta, ohne eine Frau, entschied sich, den Wai-Wai zu folgen – und dort verheiratete er sich wieder mit einer Karapawyana-Frau, die zuvor am Rio Jatapu gelebt hatte – mit ihr hatte er verschiedene Kinder. Die wuchsen nun unter den Wai-Wai auf, lernten ihre Sprache und fühlten sich daher mehr oder weniger der Wai-Wai-Gruppe angehörig. Um 1972 – mit dem Rausschmiss der evangelischen Missionare aus Guyana durch eine Regierung mit sozialistischen Tendenzen – löste sich die dortige Indio-Konzentration auf: Eine Gruppe begab sich zum Rio Anauá (Bundesstaat Roraima), die andere zur Mission “Araraparu“ (in Surinam), eine dritte Gruppe ging zum Rio Mapuera (Bundesstaat Pará), und eine vierte blieb im Süden von Guyana. Wirhta folgte jenen, die sich zum Rio Mapuera begaben – und dort blieb er bis ins Jahr 1985.

Ende 1985 starb einer seiner Söhne und er, auf der Flucht vor einem möglichen Akt der Hexerei, begab sich wieder zum Rio Nhamundá, ins Dorf Kassauá, in Begleitung seiner unverheirateten Söhne. Von dort zog er wenig später dann um ins Dorf “Riozinho“, unterhalb von Kassauá, ebenfalls am Rio Nhamundá – und dort wohnt er immer noch.

nach obenCopoi

Er wurde am Oberlauf des Rio Nhamundá geboren und wuchs auch dort auf – schon in der Nähe des Rio Jatapu. Das Dorf seiner Kindheit hiess “Matika“ und befand sich inmitten des Regenwaldes (zu jener Zeit errichteten die Hixkaryana ihre Dörfer weit weg von den grösseren Flüssen, weil sie die Invasion und Verfolgung der Weissen fürchteten). Wenig später zog er um ins Dorf “Marawa“ – fast am linken Ufer des mittleren Rio Jatapu gelegen. Später zog er den Fluss hinunter und gründete das Dorf “Eremtu“, ebenfalls am linken Ufer des Rio Jatapu. Dieses Dorf bekam bald den Status eines Handelszentrums für verschiedene periphere Dörfer flussauf und jenen der Igarapés im Innern – zeitweise wohnten hier viele Personen, die meisten Hixkaryana und Xowyana. Viele Jahre lang pendelte Copoi zwischen den beiden Dörfern “Marawa“ und “Eremtu“ hin und her.

1963 installierte der antike SPI (Serviço de Proteção aos Índios) einen Posten in der Nähe des Wasserfalls “Santa Maria”, am rechten Ufer des Rio Jatapu, und Copois Familie wurde, zusammen mit verschiedenen anderen, die sich am Oberen Jatapu befanden, von der Möglichkeit angezogen, dort verschiedene Industriegüter eintauschen zu können. Zu jener Zeit wurde der Rio Jatapu oft von Latexsammlern und Pelzjägern aufgesucht – und die Krankheit brach aus – viele Indios starben, andere verliessen den SPI-Posten, um zum Oberlauf des Rio Nhamundá zu ziehen. Lange Zeit wechselte Copoi von einer Seite zur andern – vom Rio Nhamundá zum Rio Jatapu, und umgekehrt. Es gab wenige Frauen unter den Überlebenden, sodass Copoi sich mit einer “Xereu-Frau“ abfinden musste, der Einzigen in seiner Gruppe, die noch übrig war.

Später wurde ihm der erste Sohn, Pedro Arwoka, geboren – im Dorf “Mutuma“, am Rio Nhamundá. Im Gegensatz zu vielen anderen Hixkaryana-Familien, liess Copoi sich nicht bewegen, mit ihnen zur evangelischen Mission nach Guyana zu ziehen – er verblieb sein ganzes Leben lang in den Dörfern des Rio Nhamunda und des Rio Jatapu – bis er sich schliesslich im Dorf “Riozinho“ etablierte, wo er noch immer wohnt.

nach obenAhtxe

“Ich wurde im Dorf “Krikrikî“ geboren, am Igarapé Warua, am rechten Ufer des Rio Nhamundá. Zu jener Zeit kamen die Weissen dorthin auf der Suche nach “Pau-rosa“ (Swartzia fistuloides) sie brachten viele Krankheiten – Masern, Durchfall, viele unserer Leute starben. Wir zogen um zum Igarapé Kuruni, in ein Dorf mit Namen “Tohkuri“, wo es bereits Pflanzungen gab mit Maniok und Bananen – andere Leute wohnten schon da, die Familie von Pedro Waraka hatte sich dort angesiedelt. Später ging ich ins Dorf Kassauá (am rechten Ufer des Rio Nhamundá), um dort zu bleiben, zusammen mit der Familie Candinho Kaywerye. Ich blieb eine Zeit lang in “Tohkuri“ und einen andere in “Kassauá“. Dann legte ich ein Feld an auf der anderen Seite des Flusses (linkes Ufer) – am Igarapé Matariu, hab den Ort “Mekutîrî (Ort des Affen) genannt.

Ich wollte dort mein Dorf hinbauen, aber dann traf ich dort Ewká (Schamane und Führer der Wai-Wai, der Anfang der 50er Jahre zum Christentum übergetreten war), und der sagte mir, dass ich nicht mehr so weit weg vom Dorf “Kassauá“ wohnen dürfe, in dem jetzt die Missionare angekommen waren (das Paar Derbyshire, vom SIL im Jahr 1958). Ewká sagte, dass ich bei Candinho Kaywerye (Führer, der von den Missionaren “vorbereitet“ worden war) wohnen sollte, der damals “Herr des Dorfes“ Kassauá war. Später kam dann die FUNAI nach Kassauá (1971) und brachte Angelhaken, Shorts zum Anziehen, Flinten, Waren – alles was unsere Leute brauchten, und deshalb kamen auch alle dort zusammen. Die FUNAI blieb dort eine lange Zeit – es gab viel Material im Dorf. Das war gut. Bis dann eines Tages der Chef vom FUNAI-Posten, Raimundo Nonato, sich an die Frau vom “Dorfherrn“ Candinho heranmachte. Das hat dem nicht gefallen – er berief eine Versammlung ein und erklärte, dass er den Chef der FUNAI rausschmeissen würde. Und damit war in Kassauá alles zu Ende – alle Waren, die wir durch die FUNAI bekamen, waren plötzlich weg. Und bis heute trauern wir jener Zeit mit der FUNAI nach – es gab Motoren, die Licht machten – alles war hell in der Nacht. Als die FUNAI ging (Ende der 80er Jahre) war alles aus – nichts gab es mehr, es fehlten uns Haumesser, Sicheln – es gab niemand mehr, der unsere Paranüsse kaufen wollte (der Postenchef Raimundo Nonato vermittelte den Verkauf der Paranüsse für die Hixkaryana). Das machte mir grosse Schmerzen. Ob ich wohl hier weggehe? Dachte ich. Wir gründeten das Dorf “Jutai”, weiter unten am Fluss – da habe ich 10 Jahre lang gelebt. Jedermann in Jutai mochte mich – ich hab viele Dinge an die Leute dort verschenkt – aber der Häuptling dort war nicht so mein Fall. Hab gedacht: warum nicht ein Dorf für uns selbst gründen? Also entschlossen wir uns (die Familie) dieses Dorf hier zu gründen (Anfang des Jahres 2000), das Dorf “Torre“ (ausserhalb des von der FUNAI demarkierten ITs). Wir stehlen schliesslich kein Land von niemandem, denn hier, in der Vergangenheit, wohnten meine Verwandten, meine Vorfahren. Ich möchte diese Erde demarkieren, ich selbst werde das tun, wenn es die FUNAI nicht macht, denn hier werde ich wohnen bleiben – hier war es, wo mein Volk in der Vergangenheit gewohnt hat“.

nach obenTxikirifu

“Amkoroci” war die Mutter meiner Mutter (“Xuari”). Sie erzählte Xuari, und die erzählte es meinem Vater (Joaquim Wanawa), dass vor sehr langer Zeit ihre Eltern dort unten gelebt haben, in der Nähe der Stadt “Faro“. Zu jener Zeit kamen die Holzfäller dorthin – die Weissen. Es gab viel Krieg, und die Vorfahren flohen den Fluss hinauf (Rio Nhamundá, oberhalb des Wasserfalls “Cachoeira da Fumaça“, der “Kaximo“ in der Hixkaryana-Sprache heisst). Meine Grossmutter, die Mutter von Xuari, liess sich in dem Dorf “Mutuma“ nieder, das vom Vater von Joaquim Wanawa gegründet wurde, der mein Vater war. Dann gründeten sie ein Jagd-Camp am Wasserfall und legten ein Feld an auf der anderen Seite vom Fluss (linke Seite). Und dort blieben wir dann wohnen – das war unser Dorf, das wir “Kaximo“ nannten. Zur damaligen Zeit (1958) kam der Missionar (Desmond Derbyshire) in Begleitung eines anderen Weissen, der sich Mário Rossi nannte – der kannte die Hixkaryana bereits. Der Missionar kam mit der Bibel von Gott. Aber mein Vater (Joaquim Wanawa), der bereits von den katholischen Padres unterrichtet worden war, sagte zu ihm: “Ich kann mich dir nicht hingeben, weil ich schon den Padres gehöre – also werde ich dir nur meinen ältesten Sohn geben, Juno, der wird das Wort deines Gottes lernen“.

Als damals dieser Desmond in unser Dorf kam, war eine Person gestorben, und alle glaubten, dass dieser Missionar eine Hexerei gemacht hatte – alle hatten sie Angst vor ihm. Nach einer gewissen Zeit starb mein Vater im Dorf Kaximo – dort haben wir ihn begraben. Dann entschlossen wir uns, dieses Dorf zu verlassen – wir zogen flussauf und liessen uns erneut in “Mutuma“ nieder. Dort hat dann Desmond gesagt, dass wir zu Wenige seien und zum Dorf Kassauá weiterziehen sollten, um uns mit den Familien von Pedro Waraka und Candinho Kaywerye zu vereinen. Die FUNAI war schon dort in Kassauá, wo ich dann bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr aufwuchs.

Von dort aus zog ich mit der Familie von Ahtxe zum Dorf “Jutai“, wo wir zehn Jahre lang lebten – dort heiratete mein Sohn die Tochter von Ahtxe. Als dann sein Schwiegervater den Fluss hinab ging und das Dorf “Torre“ gründete, sagte mein Sohn: “Ich werde mit meinem Schwiegervater ziehen, denn der gründet ein neues Dorf, ich muss mitgehen“. Und ich antwortete ihm: “In Ordnung, mein Sohn, also gehen wir alle, die ganze Familie, denn dort unten haben meine Grosseltern einst gewohnt“. Und nun sind wir alle hier, wir müssen mehr Felder anlegen, wir brauchen Land für die Jagd, zum Fischen – deshalb müssen wir unser Land demarkieren. Wir stammen von hier – in der Vergangenheit wurden meine Grosseltern den Fluss hochgejagt – aber wir sind von hier“.

nach obenBevölkerung und Dörfer

Das traditionalle Hixkaryana-Dorf bestand nur aus einem einzigen Gemeinschaftshaus, in dessen Innerem die gesamte Bevölkerung wohnte (zwischen 30 und 50 Personen), aufgeteilt in Kernfamilien. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Dorfes lag zwischen 4 und 6 Jahren. Dieses traditionelle Modell wurde dann stark vernachlässigt, als die Missionare des SIL (Summer Institute of Linguistics) 1958 in ihr Gebiet gekommen waren – und später, 1970, die FUNAI. Diese beiden “Fronten“ veränderten die Situation der Hixkaryana auf zweierlei Weise: Erstens wuchs die Bevölkerung zusehends durch eine bessere medizinische Versorgung, und zweitens konzentrierte sich diese Bevölkerung in und um ein einziges Dorf – Kassauá.

Deshalb fand während der 80er Jahre, und noch einmal ab dem Jahr 2000, eine starke Abwanderungsbewegung von Kassauá statt – neue Dörfer wurden gegründet: 10 am Rio Nhamundá und 2 am Rio Jatapu. Allerdings ist es nicht leicht, die jeweilige Zahl der Bewohner in jedem dieser Dörfer zu bestimmen, einmal wegen der verschiedenen Geburten und Heiraten – unter der Regel der matrilokalen Residenz, (eine Norm, nach der das Paar zu den Eltern der Braut umzieht), zum andern wegen des traditionellen und immer noch gültigen Prozesses Verteilung lokaler Gruppen, aus dem kontinuierlich neue Arrangements und wieder Auflösungen hinsichtlich der Familienbindungen entstehen, und sich daraus auch neue Wohnorte ergeben.

Die Basis der Dörfer “Areia“ und “Cafezal“ bilden Bewohner, welche den Gruppen „Kaxuyana“ und “Kahyana“ angehören – und es gibt ein paar gemischte Familien, zwischen “Hixkaryana/ Kaxuyana/ Kahyana“.

nach obenBevölkerungswachstum

2010: 1012 Personen
(inklusive der “gemischten” Familien mit den “Kaxuyana“ der Dörfer “Cafezal“ und „Areia“ in einem Gesamt von 70 Personen).
2002: 900 Personen (Quelle: Caixeta de Queiroz, 2008: 258)
1981: 307 Personen (Quelle: Almeida, 1981)
1978: 291 Personen (Quelle: Nonato Nunes, 1978)
1972: 140 Personen (Quelle: Nonato Nunes, 1978)
1959: 100 Personen (Quelle: Derbyshire, 1965: 05)

nach obenTraditionelle Lebensweise und ihre Veränderungen

Der traditionelle Standard der Hixkaryana-Dörfer – so wie jenes Dorf in der Guyana-Region (vor allem für die Gruppen des Kulturkomplexes Tarumã/Parukoto), bestand aus einem grossen und einzigen Gemeinschaftshaus, in dem matrilokale Grossfamilien wohnten. Nicht selten gab es an der Seite dieses Hauses ein oder zwei Unterkünfte, die zur Zubereitung von Speisen benutzt wurden, zur Herstellung von Kunsthandwerk oder für Besucher des Dorfes. Das Gemeinschaftshaus hatte Platz für 30 bis 50 Personen. Die einzelnen Dörfer lagen weit auseinander, in der Nähe eines Flusses oder Igarapés (Bach) – sie hatten eine durchschnittliche Lebensdauer von 4 bis 6 Jahren.

Mit Ankunft der Missionare in dieser Region, im Jahr 1958, und mit der anschliessenden Bekehrung der Gruppe, erfuhr dieser Standard eine Veränderung. Heutzutage wohnen die Kernfamilien in getrennten Häusern. Obwohl die architektonische Struktur dieser Häuser zum grössten Teil noch jener der antiken Gemeinschaftshäuser entspricht (also ein Haus in konischer Form, direkt auf dem Erdboden ruhend, gedeckt mit Palmstroh und ohne interne Unterteilung), beginnen doch auch einige Besitzer dieser individuellen Häuser die regionale Struktur der weissen Siedler zu übernehmen (also eine Struktur aus Häcksel und Lehm, interne Unterteilung in mehrere Räume, Bedachung mit Dachpfannen aus Asbest oder Zinkblech). Jedoch auch heute noch hat ein solches Dorf ein grosses Haus (Umaná), in dem niemand wohnt, und in dem die öffentlichen Events (wie Versammlungen mit den verschiedenen Regierungsorganen), die Feste und zeremoniellen Tänze stattfinden.

Die Dörfer können heutzutage wesentlich mehr Personen aufnehmen und auch länger bestehen, als der antike Standard es erlaubte. Das Dorf Kassauá, zum Beispiel, hatte im Jahr 2010 mehr als 500 Bewohner – es befindet sich seit mehr als 50 Jahren am gleichen Platz. Gegenwärtig gilt als Ideal eines Dorfes, wenn es eine Kirche oder eine Kulthaus hat, einen Erste-Hilfe-Posten und eine Schule.

Vielen traditionellen Praktiken wurde entsagt durch die Aktionen der Missionare, darunter auch die Nacktheit in der Öffentlichkeit, der Gebrauch von Tabak, die fermentierten Getränke (der “Caxiri“), sowie auch Rituale und Feste während der solche Getränke konsumiert wurden, die polygamen Relationen und die schamanistischen Praktiken – das alles wurde von den Missionaren zu „Teufelswerk“ erklärt und als Sünde bezeichnet. Vielleicht den grössten Verlust überhaupt erlitten diese Naturvölker durch die Verbannung des Schamanismus, denn mit ihm verbanden sie ihre eigene Mythologie und ihre Verbindung mit der Natur, durch ihn erlebten sie das Wunder der Heilung des Körpers wie des Geistes – man kann sagen, dass der Schamanismus ihre autonomische Vervollkommnung garantierte – die sie ohne ihn aufgaben.

Das erkannten auch einige Wenige von ihnen. Noch heute werden immer wieder Personen der “Hexerei“ angeklagt, und viele Veranstaltungen werden durch eine native Kosmologie erklärt – also, nicht alles ist vergessen, nicht alles aus den antiken Lehren konnten die ignoranten Missionare ausmerzen. Und wenn auch ein grosser Teil der traditionellen Feste nicht mehr praktiziert werden, so gibt es doch eine ganz besondere Art der Hixkaryana-Inszenierung gegenüber der Aussenwelt, die aktiv weiterlebt anlässlich der christlichen Feste (Weihnachten und Ostern) oder während der so genannten “Konferenzen“ der lokalen Kirchen, zu denen bestimmte Gruppen weite Reisen unternehmen, um bei den christlichen Feiern dabei zu sein – und die von den Indios fast immer mit einem indigenen kosmologischen Hintergrund verquickt werden.

Schliesslich sollte man noch hervorheben, dass zumindest bei der gesellschaftlichen Organisation als solcher, und ihrer matrilokalen Handhabung, alles so geblieben ist, wie ehedem: Die markante Regel, die vom Schwiegersohn die Dienste für den Schwiegervater verlangt, und die Verpflichtung der Familien, sich dieser Regel entsprechend zu verteilen und für die Aktivitäten der Selbsterhaltung zu organisieren, sie besteht unangefochten.

nach obenKosmologie

Das mythologische Universum der Hixkaryana ähnelt dem anderer südamerikanischer Völker. Im Allgemeinen erzählen sie von einer präkosmischen Vergangenheit, in der es keine genaue Unterscheidung zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Wesen gab – mit anderen Worten eine Vergangenheit, in welcher der humane Zustand sich koextensiv zur Natur verhielt. Ausserdem enthüllen die mythologischen Erzählungen Menschen in Tiergestalt, die versuchten, Pflanzen zu kultivieren, Feuer zum Kochen zu bekommen – alles in allem anfingen, in einer Gesellschaft zu leben – wie es, paradoxerweise, viele Tiere bereits praktizierten. Zwei weitere wichtige Themen sind: Die minimalen Unterschiede zwischen ähnlichen Figuren oder Strukturen, wie zum Beispiel zwischen Zwillings-Brüdern – oder die minimalen Unterschiede zwischen Individuen der gleichen Spezies, wie zum Beispiel zwischen Falken und Papageien (für die Indios sind beide “fliegende Tiere“).

Es folgen zwei Mythen, die um diese Thematik kreisen. Die erste, mit dem Titel “Mawari und Woska“ erzählt von diesen ähnlichen “Verwandten“, die doch wieder verschieden sind, und als Stammväter der Hixkaryana angesehen werden. Die Geschichte wurde mir vom “Herrn des Dorfes Matrinxã“, Antônio Mauasa, erzählt. Die “Wai-Wai“ besitzen auch eine Version der gleichen Legende – wenn sie von ihren Stammvätern erzählen, ist sie dabei. Die zweite Geschichte, mit dem Titel “Yaimo“ wurde mir im April 2010 vom “Herrn des Dorfes Torre“, Afonso Ahtxe, erzählt.

nach obenMawari und Woska (erzählt von Mauasa)

“Zu jener Zeit, im Dorf der Kamarayana (Volk des Jaguars), beschützte eine Alte zwei winzige Kreaturen, die aus zwei Eiern der Jabuti (Schildkröte) gekrochen waren: “Mawari“ und “Woska“. Sie setzte sie unters Dach, um zu wachsen – zwischen die Blätter, mit denen das Haus gedeckt war – und sagte niemanden ein Wort von diesem Versteck. Morgens schickte die alte Kamarayana die Jaguare des Dorfes zur Jagd. Der gefleckte Jaguar verfolgte einen Pfad, der schwarze Jaguar einen anderen. Wenig später, ganz plötzlich gegen sieben Uhr am selben Morgen, war der Gefleckte schon wieder zurück – und brachte seine Jagdbeute mit. Während der Schwarze erst am späten Nachmittag mit seiner Beute zurück war – sehr viel später.

Als der Gefleckte ins Dorf kam, betrat er sein Haus, und sein Magen begann zu knurren: grou, grou, grou! “Ich rieche Menschenfleisch, wer ist da“? Und die Alte antwortete: “Niemand, hier ist niemand“! Und später, als der schwarze Jaguar zurückkam, begann sein Magen ebenfalls zu knurren: grou, grou, grou! Und er sagte: “Ich rieche Menschenfleisch, wer ist da“? Und die Alte antwortete: “Niemand – es ist niemand da“!

Am nächsten Tag schickte die alte Kamarayana die beiden Jaguare erneut auf die Jagd – als sie weg waren, nahm die Alte Awari und Woska vom Dach herunter und setzte sie auf den Boden, um ihnen zu essen zu geben, damit sie wachsen konnten. Und als der erste Jaguar zurück war, und sein Magen wieder anfing zu knurren: grou, grou, grou – und er wieder sprach “ich rieche Menschenfleisch, wer ist da“? Da wiederholte die Alte dieselbe verneinende Antwort – und später beim schwarzen Jaguar tat sie dasselbe.

So ging es Tag um Tag – immer dieselben Fragen, immer dieselben Antworten – solange, bis die beiden Kreaturen herangewachsen waren und nun vor Jaguaren keine Angst mehr zu haben brauchten. Sie gingen nun selbst auf die Jagd.

Und mitten im Wald pflanzte Mawari einen Bacaba-Baum (Kumu), Woska ihm nach, pflanzte einen Bacabinha-Baum (Tatinu) – Mawari pflanzte einen Paranuss-Baum (Tîtko), Woska ihm nach, pflanzte einen anderen Nussbaum (Awanama) – Mawari pflanzte eine Buriti-Palme (Ikako), Woska ihm nach, pflanzte eine andere Palme (Karanaru) – Mawari pflanzte eine Bananenstaude (Tuxkma), Woska ihm nach, pflanzte eine wilde Bananenstaude.

Zu jener Zeit besassen diese zwei Helden keine Frauen. Mawari ging fischen und fing einen Fisch, der war eine Frau – sehr schön – also behielt er sie. Am Tag darauf wollte Woska auch eine Frau, also lud Mawari ihn ein, “Timbó“ (Lianengift zum Betäuben der Fische) in den Fluss zu schütten. Sie fingen eine Piranha, mit der Woska sich begnügte. Jedoch beim Sex schnitt die Piranha-Frau dem Woska den Penis ab, und der konnte nun keine Kinder mehr zeugen.

Zu jener Zeit hatte Mawari kein Feld, und er suchte Maniok im Wald. Dort gab es einen Baum, der hatte weder Äste noch Blätter, aber er war voller Maniok. Er sagte zu seiner Frau, dass er Maniok im Wald pflücken wolle. “Wo willst du denn die Maniok finden? Unter der Erde, wo die Maniokwurzeln wachsen“? fragte ihn seine Frau. “Nein, dort im Wald gibt es einen Baum, den muss ich nur schütteln, dann fallen die Manioks von hoch oben herunter auf den Boden“! antwortete ihr Mann. Am nächsten Tag begab sich die Frau zu dem Platz, den ihr Mann angegeben hatte – aber sie fand keinen “Maniokbaum“. Also ging ihr Mann, fand den Baum und schüttelte ihn – und er kehrte mit einem Armvoll Maniok nach Hause zurück. Es dauerte lange Zeit, bis die Frau ihre eigene Art und Weise entwickelt hatte, Maniok zu ernten.

Die Vorfahren des Kamarayana-Volkes sind Kinder von Mawari, aufgezogen in einem Dorf des Kamarayana-Volkes. Dort haben sie schliesslich gelernt, Pflanzen zu kultivieren und Felder anzulegen. Und so ist es, wie es nun mal ist: So waren wir – und wir waren es, die so waren – und immer noch sind. Und das ist alles, was ich dazu sagen will“!

Anmerkung:
Der Sinn des Ganzen ist der, das der Held “Mawari“ stets versucht, die Dinge perfekt zu “pflanzen“ – während “Woska“ ihn zu kopieren sucht und stets mindere Qualitäten zuwege bringt – und das schmälert den Akt seines Bruders.

nach obenYaimo (erzählt von Ahtxe)

“Einst gab es einen Mann, der lebte allein – er war klein und mager. Er nahm seinen Bogen und Pfeile, um etwas im Wald zu jagen. Unter den Bäumen angelangt, entdeckte er hoch droben eine Gruppe Brüllaffen. Und weil er auch die Zaubereien eines “Pajé“ (Magier, Hexer) beherrschte, verwandelte er sich in einen grossen Raubvogel (Yaimo), flog hinauf zu den Baumkronen und schnappte sich einen der Affen. Dann zurück auf dem Boden in Menschengestalt, nahm er einen Pfeil und durchstach das Herz des toten Affen.

Zurück im Dorf, zeigte er seine Beute herum: “Schaut nur den Affen, den ich geschossen habe – schaut mal, wo ihn mein Pfeil getroffen hat“! Niemand ahnte etwas von seinem Geheimnis. Und eine der Frauen dachte bei sich: “Den werde ich heiraten – der ist ein guter Jäger, mit ihm werde ich niemals Hunger leiden“!

Und so geschah es. Eines Tages rief sie ihren Mann: “Wie wär’s, wollen wir Brüllaffen jagen“? Er war zufrieden. Auf halbem Weg zu dem besagten Baum sagte ihr Mann: “Warte hier einen Moment, ich komme gleich wieder“. Und dann sah sie von weitem den “Homem-Yaimo“ (Raubvogel-Menschen) unter dem Baum, der gerade zwei tote Affen mit einem Pfeil durchstach. Die Frau, versteckt hinter einem Busch, beobachtete sein Tun: “Was macht er nur? Er sieht aus wie ein grosser Vogel! Ob er mich getäuscht hat und gar kein Mensch ist“?

Als die Beiden zurück im Dorf waren, zeigte der Mann stolz seinem Schwiegervater und dessen Söhnen seine Beute: “Schaut nur, was wir geschossen haben, Brüllaffen“! Und seine Frau kommandierte: “Gib Deinem Schwiegervater einen der Affen, wir werden teilen, der andere reicht für uns“! Später verriet die Frau das Geheimnis ihrem Vater: “Mein Mann hat die beiden Affen getötet – aber nicht mit dem Pfeil“. “Tatsächlich, ist das wirklich die Wahrheit“? fragte sich der Vater. Inzwischen dachte seine Tochter: “Ich will nichts essen von dieser Beute – das war kein Mensch, der sie erlegt hat – und ich werde meinen Körper nicht vergiften mit einem Tier, das von einem anderen Tier getötet wurde – ist nicht dasselbe wie von einem Menschen gejagt“!

“Ist das wahr, was meine Tochter mir erzählt hat“? fragte der Schwiegervater nun seinen Schwiegersohn. Der wurde sehr zornig darüber, dass seine Frau das Geheimnis verraten hatte. Und als ihr Ehemann, der sich in einen grossen Raubvogel verwandeln konnte, dachte er: “Ich werde sie beissen, werde sie töten“! Und so geschah es, als die Frau gerade Süsskartoffeln vom Feld holen wollte, dass der grosse Raubvogel sie an den Schultern erfasste und mit ihr in seinen Fängen zu der Krone eines grossen Baumes (Wayana) aufstieg. Der Vater hatte die Szene von weitem beobachtet und schrie: “Der grosse Raubvogel hat meine Tochter entführt – er sitzt dort oben mit ihr in der Baumkrone“!

Im Dorf sprach der Vater der Frau mit seinen Verwandten: “Meine Tochter ist verschwunden, der grosse Raubvogel wird nicht mehr mit ihr zurück kommen. Was kann ich tun“? Dann versammelte er seine Familie: “Wir wollen den Vogel töten, er ist sehr gross, wir brauchen viele Leute“. Man versammelte sich bewaffnet mit Bogen und Pfeilen. Der grosse Raubvogel umkreiste nun das Dorf – näherte sich, setzte sich hoch oben auf einen Baum – verbrachte den ganzen Tag dort und schrie: “Uchim, uchim, uchim! Hab Menschenfleisch gefressen – hat mir geschmeckt – jetzt möchte’ ich mehr“! Die Jäger des Dorfes versammelten sich rund um den Baum. “Wer tötet ihn – wer ist der beste Schütze“? “Ich, ich bin ein guter Jäger“, sagte ein Mann – sein Pfeil stieg empor, war aber zu schwach, um den grossen Vogel in dieser Höhe überhaupt zu erreichen. Und der Vogel frohlockte: “Die kriegen mich nie“! Ein weiterer Jäger sprach: “Du hast es probiert – gebt mir einen dickeren Pfeil, einen stärkeren Bogen, und ich werde ihn treffen“! Dann schoss er zwei Pfeile ab und traf der grossen Raubvogel zweimal. Beim zweiten Mal öffnete der grosse Vogel seine Flügel, und eine Menge Federn stoben davon – verteilten sich und während sie langsam herunter segelten, verwandelten sie sich in andere Vögel – manche in Raubvögel, andere in Papageien, kleinere Falken, wie den “Karauka“ (der auf Auerhähne spezialisiert ist), oder der “Wikoko“ (der am liebsten Tukanen und Fasanen auflauert), oder der “Orinhuru“ (ein Adler, der Frischlinge tragen kann und Riesenschlangen frisst)“.

Ahtxe, der Erzähler dieser Legende, beendete sie folgendermassen: “Dies geschah in der Vergangenheit, und alles ist wahr! Als ich damals am Oberen Nhamundá gelebt habe, ging ich eines Tages in den Wald, um dort ein Kanu aus einem Baumstamm anzufertigen – auf dem Rückweg zu meinem Dorf wurde mein roter Hund von einem grossen Raubvogel angegriffen und aufgefressen. Ich war tagelang hinter dem Räuber her, um ihn zu töten – es ist mir nicht gelungen“.

nach obenQuellenangaben

Über die Hixkaryana gibt es bis heute keine akademische Arbeit oder irgendeine ethnografische Studie über ihre Organisation oder ihre Kosmologie. Während das Studium ihrer Sprache ziemlich vollständig ist – es wurde ab 1958 vom Linguisten und Missionar des SIL Desmond Derbyshire durchgeführt (1961, 1964, 1965, 1965/6, 1974, 1975, 1977, 1978, 1979). Abgesehen davon, wurde recht wenig über dieses Volk geschrieben, und wer es besser kennenlernen will, muss sich mit den Informationsquellen begnügen, die administrativen Berichten und Dokumenten aus dem Regulierungsprozess ihrer Ländereien entstammen (besonders Angaben von Almeida, 1981a und 1981b).

Die Publikation “Povos Indigenas no Brasil“: Amapá/Norden von Pará (Gallois & Ricardo, 1983) präsentiert ein ziemlich vollständiges Panorama hinsichtlich der Geschichte und der Situation der Gruppe zu jener Zeit, zu Beginn der 80er Jahre.

Aktuellere Daten können in der Publikation “Trombetas-Mapuera: Território Indígena” (Caixeta de Queiroz, 2008) konsultiert werden, einer modifizierten und gedruckten Version des Identifikations- und Demarkations-Berichts über das Indianer-Territorium “Trombetas/Mapuera“.

© Ruben Caixeta de Queiroz, Anthropologe, Oktober 2010
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung, Klaus D. Günther

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