Guarani Kaiowá

Veröffentlicht am 30. Juni 2016

Drei Aspekte aus dem Guarani Kaiowá-Leben drücken eine Identität aus, welche die “Art und Weise ein Guarani zu sein“ spezifiziert: a) das “ava ñe’ê“ (ava: Mensch, Guarani-Person; ñe’ê: ein Wort, das gleichbedeutend ist mit “Seele“) oder der Sprache, welche die Identität in der verbalen Kommunikation definiert; b) der “tamõi“ (Grossvater) oder mystische Urahn und c) der “ava teko“ (teko: Sein, Lebensweise, Zustand, Sitte, Gesetz, Habitus) oder das Verhalten in der Gesellschaft, gestützt durch die mythologischen und ideologischen Inhalte. Aus der Perspektive dieser Aspekte versteht der “Ava“ (Guarani-Mensch) die Situationen seines Lebens und die Welt, von der er umgeben ist, sie bestimmen sein Schicksal und sind die Referenzen für sein soziales Verhalten (Susnik, 1980: 12).

Trotzdem gibt es zwischen den in Brasilien lebenden Untergruppen – den Guarani-Ñandeva, Guarani-Kaiowa und Guarani-Mbya – Unterschiede in der Sprache, den Sitten, den rituellen Praktiken, der politischen und gesellschaftlichen Organisation, der religiösen Orientierung, und auch in der Interpretation der gelebten Realität, sowie ihrem Umgang mit Situationen in ihrer Geschichte und in ihrer Gegenwart. Der nachfolgende Text vermittelt in erster Linie Informationen über die Gruppen “Ñandeva“ und “Kaiowa“.

Guarani Kaiowá

Andere Namen: Pai-Tavyterã, Tembekuára
Sprachfamilie: Tupi-Guarani
Population: 31.000 (Brasilien 2008), 12.964 (Paraguay 2002)
Region: Bundesstaat Mato Grosso und Paraguay
INHALTSVERZEICHNIS
Geschichte des Erstkontakts
Der Name
Selbstbezeichnung
Die Sprache
Lebensraum
Das Guarani-Territorium
Indigene Territorien
Bevölkerung
Gesellschaftliche Organisation
Politik
Mythologie und Rituale
Rituale
Missionen
Produktive Aktivitäten
Pflege der natürlichen Ressourcen

nach obenGeschichte des Erstkontakts

Archäologische Untersuchungen zeigen, dass die Guarani-Kultur aus den tropischen Wäldern der Becken des Rio Paraná und des oberen Rio Uruguai, sowie der Ausläufer der meridionalen brasilianischen Hochebene stammt (Schmitz: 1979,57). Im 5. Jahrhundert (400 Jahre a.C.) hat sich ihre Kultur bereits von jener der Tupi unterschieden und hatte im 16. Jahrhundert (also zur Zeit der europäischen Entdecker) eine charakteristische Struktur, die sich bis in die Neuzeit erhalten hat. Dieselben Archäologen schätzen, dass ihre kulturelle Entwicklung ungefähr ein Jahrtausend alt ist. Die sogenannten “Proto-Guarani Völker“, aus denen sich die Guarani der Eroberungsperiode (1500) und der Neuzeit entwickelt haben (Susnik: 1975), haben eine Geschichte, die geprägt ist von intensiven Wanderungen innerhalb jener Regionen, die sie als ihren angestammten Lebensraum betrachten.

Zur Zeit der europäischen Entdecker hielten die Völker, welche als Guarani bekannt wurden, eine ausgedehnte Küstenregion besetzt, die sich von Cananeia (BUndesstaat São Paulo) bis nach Rio Grande do Sul erstreckte, und ins Interior bis in die Becken der Flüsse Paraná, Uruguai und Paraguai reichte. Vom Zusammenfluss der Ströme Paraná und Paraguai aus erstreckte sich ihr Lebensraum entlang des Ostufers des Rio Paraguai und beider Ufer des Rio Paraná. Der Rio Tietê, im Norden, und der Rio Paraguai, im Westen, begrenzten ihr Territorium.

Die archäologischen Studien belegen ausserdem, dass in den Jahren 1000/1200 n.C. Gruppen der Guarani-Kultur aus den heute im brasilianischen Westen gelegenen Regionen (Oberlauf der Flüsse Araguaia, Xingu, Arinos, Paraguai), weiter in den Süden abwanderten und Territorien besetzten, die heute den brasilianischen Süden, den Norden Argentiniens und den Osten Paraguays betreffen (Cf. Smith, 1978; 1975; 1979-80).

Ab Ankunft der Portugiesen und Spanier, im 16. bis 18. Jahrhundert, ist die Geschichte der Guarani geprägt von der Präsenz der Jesuiten-Missionare, die sie zum Christentum bekehren wollten, und von der Bedrängnis durch die “Encomenderos“ (die “Encomienda“ im spanischen Kolonialsystem erlaubte, dass der Kolonisator die Indios unter dem offiziellen Deckmantel der Protektion versklavte). Spanier wie Portugiesen betrachteten die Indios gleichermassen als ihre Sklaven.

Nach Ankunft der Europäer wurden die Guarani-Territorien zur Bühne heftiger kriegerischer Auseinandersetzungen; sie hatten sich zu Regionen von strategischer Bedeutung und geopolitischer Relevanz für die damalige historische Situation entwickelt. Für die Spanier bedeuteten sie die Verbindung zwischen Assuncion und Europa – ihre Kontrolle bedeutete ausserdem ein Bollwerk gegen das Vorrücken der Portugiesen aus São Paulo. Und für die Paulistas bedeutete dasselbe Gebiet einen Durchgang zum Interior ihrer Kolonie und damit Zugang zu den erhofften Reichtümern, wie Gold und Diamanten.

Der “Tratado de Tordesilhas“, von 1494 (nach Kolumbus Entdeckung der “Neuen Welt“) der eine Aufteilung der neuen Territorien zwischen Spaniern und Portugiesen regeln sollte, erlaubte in der Tat die verschiedensten Interpretationen hinsichtlich der zu respektierenden Grenzen. Ausserdem sollte man erwähnen, dass das Gebiet zwischen Assuncion und São Paulo/São Vicente nicht mit jenen Reichtümern aufwarten konnte, welche von den Spaniern und ihrem Mythos “Eldorado“ idealisiert wurden. Der einzige Reichtum in diesem Teil von Amerika war für sie die indigene Arbeitskraft der Guarani.

1603 verlangt der Gouverneur von Paraguay nach den Padres der Jesuskompanie, um die Indios zu bekehren. Auf diese Weise wurde ein Teil der Guarani-Bevölkerung mit Gewalt in sogenannten “Aldeamentos“ konzentriert, innerhalb von Missionen, welche von den Jesuiten implantiert und geleitet wurden. Die Initiative zur “Reduktion“ der Indios beabsichtigte, nach der Vorstellung des Kolonisators, diese Menschen in spezifischen Missionen (Reducciones) zusammenzuschliessen, sie zu christianisieren, und so den “Encomenderos“ von Assuncion den Zugang zu den indigenen Arbeitskräften zu erleichtern.

Die Jesuiten-Padres wiedersetzten sich jedoch diesem wirtschaftlichen aber menschenverachtenden Modell und erlaubten nicht, dass ihre Schützlinge in den “Encomiendas“ versklavt werden sollten, und damit unterminierten sie “die Basis, auf der die koloniale Wirtschaft aufgebaut war, und stellten damit die Zukunft der Kolonisten infrage“ (cf. Thomaz de Almeida, 1991; Gadelha, 1980; MCA, 1951). Zwischen 1608 und 1768 bildeten sich Dutzende von “jesuitischen Reduktionen“ in den damaligen Paraguayischen Provinzen von Guaíra (Teil der gegenwärtigen Staaten Paraguay, São Paulo und Paraná), Itatin (Teil des heutigen Mato Grosso do Sul und Ost-Paraguays), Paraná (Teil von Paraná und Santa Catarina) und Tapes (Teil von Santa Catarina, Rio Grande do Sul, Paraguay und Nord-Argentinien).

Im zweiten Quartal des 17.Jahrhunderts zeigten sich die Paulistaner plötzlich “besorgt wegen der “Encomenderos“, die sich in der Umgebung ihrer Siedlung (São Paulo) blicken liessen, um Indios zu rekrutieren“ (Belmonte, 1948: 151). Also rüsteten die Portugiesen ihrerseits Expeditionen aus – die “Bandeirantes“ – in der Absicht, gegen Westen vorzurücken, um den Spaniern bei der “Rekrutierung“ von Eingeborenen zuvorzukommen, wobei ihnen die Jesuiten gegen ihren Willen behilflich waren, denn ihre “Reducciones“ stellten wahre Depots an indigenen Arbeitskräften dar, aus denen sich die Bandeirantes nach Gutdünken und unter Gewaltandrohung bedienten.

Die Daten über die Zahl der von den Bandeiras (militärische Einheit) abtransportierten Indios sind widersprüchlich. 1557 waren es angeblich “40.000 fogos“, also ungefähr 200.000 Individuen, allein in der paraguayischen Provinz Guaíra (cf. Perasso, 16:1987); die “Reducciones“ von San Ignacio und Nossa Senhora de Loreto, am Ufer der Flüsse Pranapanema und Tibagi, ebenfalls in Guaíra, beherbergten zusammen etwa 10.000 “Ava“ im Jahr 1614 (cf. Gadelha, 1980). Ellis Jr. (1946: 60-70) schätzt die Gesamtzahl der Indios, die im 16. und 17.Jahrhundert versklavt wurden, auf circa 357.000.

Nach Simonsen (1937) sind circa 520.000 Sklaven zur Zuckerproduktion im Nordosten während des 17.Jahrhunderts eingesetzt worden – davon waren 350.000 schwarze Sklaven und 170.000 Indios. Im 18.Jahrhundert, geschätzt nach Daten der Zuckerproduktion in “Arrobas“ (alte Gewichtseinheit – 1 Arroba = 15 Kilogramm) bestätigt Simonsen, dass das Gesamt der dazu benötigten Sklaven in etwa 1.300.000 gewesen sei – ein Viertel davon Indios, also circa 320.000. In der Kolonialperiode, so der Anthropologe Meliá (1986: 61-2), gab es in der Provinz Tape (heute Rio Grande do Sul, Santa Catarina und ein Teil von Paraná), eine geschätzte Anzahl von 60.000 Guarani.

Guaíra betreffend, unterteilt dieser Autor die Geschichte in drei Zyklen: “Encomenderos“ – durch die zwischen 200.000 und 1 Million Guarani-Indios gefangen genommen wurden; “Jesuitico“ – circa 50.000 Seelen; “Bandeirante“ – circa 60.000. Nach Gadelha (1980: 175), der über demografische Daten in Itatim informiert, waren 1688 noch 9.925 Individuen nach einem Überfall der Bandeirantes in dieser Provinz übriggeblieben. Taunay (1951: I, 61) informiert, der Provinz Guaíra entsprechend, dass “die Zahl der versklavten Indios durch die Paulistas (Bandeirantes) die 200.000 übertraf.

Allein der Überfall von 1629 kostete die Freiheit von mehr als 50.000“. Derselbe Autor berichtet auch, dass 1625 die Provinz Itatim “mehr als 4.000 sesshafte Indios und 150 spanische Kolonisten“ zählte. Er betont, dass der Terminus “Indio“ als “Indio de flecha“ verstanden werden kann, das heisst, als Angehöriger einer mittleren Familie von vier Personen, was somit circa 20.000 Individuen entspricht.

Holanda (1945: 29), informiert ebenfalls über Guaíra, dass “nicht weniger als siebenhundert Flösse, ungeachtet der vielen einzelnen Kanus, die mehr als 12.000 Individuen auf Befehl des Padre Montoya den Rio Paraná hinunter brachten“, um sie vor dem Angriff der Bandeirantes in Sicherheit zu bringen. Cassiano Ricardo (1970: 93-4) informiert, dass die Schätzung der Historiker sich auf “hunderttausend Indios in Guaíra“ beläuft. Varnhagen schätzt die Zahl der von den Bandeirantes zwischen 1614 und 1639 eingefangenen Indios auf nicht weniger als 300.000.

Padres und Indios der “Reducciones“ versuchten vergeblich, den Überfällen der Bandeirantes zu widerstehen, die paraguayische Dörfer zerstörten und die Guarani-Refugien der Jesuiten-Missionare gnadenlos angriffen, die sich in den Flusstälern des Paranapanema, Tibagi, Ivaí, Piquiri und Iguaçu gebildet hatten. Die Bandeirantes aus São Paulo folgten den Flüssen Tietê und Paranapanema bis zur Mündung in den Rio Paraná und dann auf diesem grossen Strom weiter nach Süden, um sich die Guarani-Indios der Missionen Guaíra und Tapes zu bemächtigen.

Nachdem sie diese Missionen zwischen 1628 und 1632 geplündert hatten, gründeten die Jesuiten zwischen den Flüssen Mbotetey (heute Rio Miranda) und Apa die Mission Itatin, die jedoch ebenfalls nur kurzen Bestand hatte (siehe Melià und Alii 1976; Susnik 1979-80; Thomaz de Almeida 1991).

Die Gegenwart der Bandeirantes führte zu einer territorialen Umbesetzung in jener Zeit, Indios und Padres sahen sich zur Flucht in Gebiete gezwungen, die sich weit weg vom Aktionsbereich der “paulistanischen Teufel“ befanden. Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch die Bandeirantes zogen auch die Padres und Indios von Itatin es vor, sich noch weiter nach Süden zurückzuziehen und überquerten, in der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts den Rio Apa, um sich im südlichen Teil des heutigen Bundesstaates Mato Grosso do Sul niederzulassen – sie wurden später als die gegenwärtige Untergruppe “Guarani-Kaiowa“ oder “Paĩ-Tavyterã“ anerkannt, und sie leben dort noch heute.

Die spanische “Província del Guairá“ befand sich “zwischen den Flüssen Paranapanema, Paraná, Iguaçu und einer unbestimmten Demarkationslinie, welche die spanischen von den portugiesischen Territorien trennte, festgelegt im “Tratado de Tordesilhas“, und sie entsprach hinsichtlich ihrer Fläche circa 85% des heutigen brasilianischen Bundesstaates Paraná“ (Blasi, 1977: 150).

Die Verbannung der Jesuiten aus der portugiesischen Kolonie durch den Marquês de Pombal, Anfang des 17.Jahrhunderts, war von besonderer Bedeutung für die Guarani-Bevölkerung, denn sie mobilisierte nicht nur die Indios der “Reducciones“, sondern auch jene, die bis dato nicht unter dem Einfluss der Padres gestanden hatten – die koloniale Realität erfuhr eine Neudimensionierung. Es macht Sinn, mit der Hypothese zu arbeiten, dass die Paĩ-tavyterã oder Kaiowa von den antiken Guarani der Itatin-Mission abstammen, und dass die heutigen Ñandeva die Nachkommen der indigenen Bevölkerung der Provinzen Paraná und Guaíra sind (V. Meliá: 1976; Almeida: 1991), und dass sie, infolge historischer Umstände, sich ab dem 17.Jahrhundert im Süden des heutigen Bundesstaates Mato Grosso do Sul niedergelassen haben.

Ab dem “Tratado de Madrid“ (1750) und der Demarkation der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay (1752), erscheinen die Guarani wieder in den Berichten der Demarkations-Expeditionen. Als diese den Rio Iguatemi (Mato Grosso do Sul) hinauffahren, berichten sie von einer “Nation, die hier lebt, bekannt als die “Monteces“ (Berg- Waldbewohner), es sind Leute zu Fuss, die in Wäldern leben, zweifellos ist dieser Berg ihre Wohnung, und so haben wir ihnen nicht misstraut, bis wir dann vom Wald umgeben waren“ (Fonseca, 1937: 358). Diese “Monteces“ oder “Caaguá“ sind jene Indios, die sich von den Jesuiten nicht in ihre “Reducciones“ hatten locken lassen, eine Kategorie von Eingeborenen, die sich der besonderen historischen Situation bewusst widersetzten, um sich ihre Freiheit zu bewahren.

Von da an, bis gegen Ende des 19.Jahrhunderts, gibt es keine Informationen mehr über jene Eingeborenen. Man kann annehmen, dass ein Teil der indigenen Bevölkerung aus den “Reducciones“ sich mit der paraguayischen Gesellschaft gemischt hat – teilweise auch mit der regionalen brasilianischen. Ein anderes Kontingent aus Guaíra und Itatin soll, nach der Vertreibung der Jesuiten, sich wieder bei ihren nicht christianisierten Verwandten eingegliedert haben. Es sind die Nachkommen jener Guarani, denen wir heutzutage begegnen, die sich in den Wäldern ihrer Territorien bis Ende des 19.Jahrhunderts verborgen hielten. Ihre Verstecke im Wald und ihre stete Bereitschaft zur Flucht hielten die Guarani fern von den Grenzbereichen der expandierenden Zivilisation, deren Bedrohung kontinuierlich wuchs.

Der Südwesten des Bundesstaates Mato Grosso do Sul und der Osten Paraguays, die heutzutage als Kaiowa- und Ñandeva-Territorien ineinander übergehen, waren bis ins 20. Jahrhundert frei von intensiven kolonisatorischen Invasionen – stattdessen bildeten sie ein “Refugium“ für die hier erwähnte Guarani-Bevölkerung. Ab dem letzten Jahrzehnt des 19. bis ins zweite Jahrzehnt des 20.Jahrhunderts, wurde ein grosser Teil des Guarani-Territoriums zum Ziel einer Ausbeutungs-Kampagne – nicht im Sinne einer Kolonisierung, sondern einer Extraktion vom Mate-Blättern, forciert von Unternehmen, die ein Monopol für dieses Produkt in einer Region besassen, welche die heutigen Bundesstaaten Paraná, Mato Grosso do Sul, den Norden von Argentinien und den Osten von Paraguay umfasste.

Diese Unternehmen waren auch im Besitz von Vollmachten, welche das Eindringen und die Landbesetzung von Kolonisten oder Konkurrenten in diesen Regionen verhinderten (cf. Thomaz de Almeida, 1991), die vorübergehende Verpachtung ermöglichte die Kontrolle jener Regionen durch die Industrieunternehmen, die sie bis 1920/30 frei von Invasoren hielten und die Wälder unangetastet liessen. In ihnen lebten die Guarani eine Reihe von Jahren relativ sorgenfrei.

Ab der 1930er Jahre, und noch intensiver ab 1960, nahm eine systematische, effektive Kolonisierung der Guarani-Territorien ihren Anfang, weisse Siedler lösten eine Prozess rücksichtsloser Enteignung und Vertreibung der Indios von ihrem Territorium aus. Während der Amtszeit des SPI (Organisation zum Schutz indigener Rechte), im Jahr 1913, werden in der Umgebung von Bauru (Interior von São Paulo) indigene Reservate gegründet, welche die Front zur Kontaktaufnahme mit den “Kaingang“ und den “Terena“, geleitet von Curt Nimuendaju, unterstützen und die Abwanderungsbewegung der Guarani in Richtung der Atlantikküste umleiten sollen. Nach einer Krankheitsepidemie, die zahlreiche indigene Familien in Araribá dezimierte, und ohne die Ñandeva-Familien anlocken zu können, die sich bereits an der Küste installiert hatten, waren auch die Guarani auf ihrem Marsch zur Küste nicht mehr aufzuhalten.

Der SPI gründete die Indigenen Posten (IP) Padre Anchieta, im Dorf Itariri, und den IP Peruibe, im Dorf Bananal – beide an der Südküste des Bundesstaates São Paulo. In Paraná schuf man weitere indigene Reservate für Kaingang und Guarani, in denen diesen Indios ein Modell für Ackerbau, Arbeit und Entwicklung aufoktruiert (etwas unfreiwillig aufaufgedrängt zu bekommen) wurde, das in krassem Gegensatz zu den indigenen Traditionen, Kultur und Lebensart stand, jedoch auf der damals gängigen Politik einer Integration der Indios in die sie umgebende nationale Gesellschaft basierte.

nach obenDer Name

Eine die Guarani betreffende Nomenklatur (Namensverzeichnis) ist, im Vergleich mit anderen Aspekten ihres traditionellen Wissens, ein schwieriges Thema angesichts der Vielzahl von Namen, die man ihnen im Lauf ihrer Geschichte gegeben hat, und jenen, mit denen sie sich selbst bezeichnen. Reisende und Abenteurer des 16. und 17.Jahrhunderts klassifizierten sie allgemein als “Indios aus der Generation der Guarani” (Cabeza de Vaca 1971; Azara 1969; MCA, 1952) und präsentierten eine lange Liste mit Namen, die für die Bevölkerung jener “Nation“ in Gebrauch sein sollten, die sich, laut Beschreibung jener ersten Kolonisatoren, auf kleine Gruppen oder Divisionen beschränkte, welche den Namen eines politischen oder religiösen Führers trugen, manchmal auch den Namen des Ortes, an dem sie lebten.

Unter einem gleichlautenden Namen konnte man verschiedene “Kommunen“ identifizieren, die entlang der Ufer eines bestimmten Flusses, im Umkreis einer Quelle oder innerhalb eines Wäldchens existierten, darüber hinaus hatte jede von ihnen einen zusätzlichen Eigennamen… so gibt es also eine ungewöhnlich grosse Anzahl von Namen, die den Guarani von den Eroberern zugeordnet wurden, wie zum Beispiel “Mbiguas, Caracara, Timbus, Tucagues, Calchaguis, Quiloazaz, Carios, Itatines, Tarcis, Bombois, Curupaitis, Curumais, Caaiguas, Guaranies, Tapes, Ciriguanas“ (cf. Azara, 1969:203).

Koenigswald, der zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts von ihnen spricht (1908), bekräftigt Informationen verschiedener Quellen bezüglich der bevorzugten Initiative der Guarani, sich in den Wäldern und an schwer zugänglichen Orten zu verstecken, um sich von den Weissen zu entfernen und einen Kontakt zu vermeiden. Interessant ist auch Koenigswalds Aussage bezüglich der damals gebräuchlichen Namen für diese Eingeborenen, ohne eine subgruppale Unterscheidung: “Cayua de Caa“ = Wald und “Awa“ = Mann oder Mensch. In der Literatur finden wir eine schier endlose Reihe von Bezeichnungen für diese Eingeborenen, in denen entweder “Wald“ oder “Mensch“ enthalten sind, manchmal auch beide – zum Beispiel: Cayua, Caygua, Caaygua, Cayagua, Cagoa, Cayoa, Caygoa, Cayowa, Caingua, Caa-owa, Cahahyba, Cahuahiva, Cabaiva und Ubayha.

Wenige Reisende kamen in näheren Kontakt mit den scheuen Cayuas. Nach der Ausweisung der Jesuiten verschwanden ganze Völker, und so wissen wir von ihnen kaum mehr als ihre Namen. Nur in den weit entlegenen Regionen des Interiors, mit äusserst schwierigem Zugang, fanden wir Stämme, die sich seit eh und je abseits der Weissen gehalten hatten, und die nach ihren eigenen Sitten und Gebräuchen lebten. Ihr feindliche Gesinnung und das Misstrauen dieser Horden gegen alles, was ihnen fremd war, machte ein detaillierteres Studium ihrer Lebensweise extrem schwierig“ (Koenigswald, 1908: 1-2-3).

Erst die ethnografischen Studien von Nimuendaju (1912/1954, 1978, 1987), Métraux (1927), Watson (1952) und Schaden (1952/1974) erweiterten das Wissen über diese Völker. Erst durch diese Studien wurden die subgruppalen Eigenheiten identifiziert, die linguistischen Besonderheiten definiert und die gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und religiöse Organisation, sowie ihre materielle Kultur, erklärt.

Die nicht-indigene Bevölkerung von Paraguay, die sich der Guarani-Sprache bedient, bezieht sich auf die Guarani mit dem Terminus “Ava“ (Guarani-Mensch), den auch die Untergruppen der Guarani benutzen, die im Land leben. In Brasilien werden die Termini “Paisano“ oder “Patrício“ (der aus demselben Land stammt) von den Indigenen benutzt, wenn sie sich im Gespräch mit Weissen auf andere Guarani beziehen. In Mato Grosso do Sul, und in der gesamten Südregion Brasiliens, werden diese ethnischen Gruppen im allgemeinen und diskriminativ als “Bugres“ bezeichnet, ein Terminus, den man vermeiden sollte, weil er eine rassistische Einstellung in sich trägt.

nach obenSelbstbezeichnung

Die Guarani-Kaiowa, wie sie aus der anthropologischen Literatur Brasiliens bekannt sind, akzeptieren die Bezeichnung “Paĩ“, die von den Göttern des Paradieses benutzt wird, wenn sie das Wort an die Menschen richten, so informiert Cadogan (1959), jedoch der Name, welcher ihnen am besten entspricht, ist “Tavyterã“ oder “Paĩ-tavyterã“ – in der wörtlichen Übersetzung: “Mitglied des Volkes der wahren Erde der Zukunft“ (távy-yvy-ete-rã). Die Guarani-Ñandeva bezeichnen diese “Paĩ-kaiowa” als “Tembekuára” (durchbohrte Lippe), wegen ihrer Sitte, die Unterlippe der jungen Männer anlässlich ihrer Initiations-Zeremonie zu durchbohren und einen kleinen Pflock aus Baumharz in die Öffnung einzuführen.

Der Name “Kaiowa“ stammt wahrscheinlich aus dem Terminus “KA’A O GUA“, das sind “jene, die aus dem (hohen, dichten – ausgedrückt durch das Suffix “O“) Wald stammen“, und damit werden die gegenwärtigen Guarani-Kaiowa oder “Paĩ-tavyterã“ charakterisiert. Spricht man dagegen von den heutigen Guarani-Mbya, benutzt man den Terminus „KA’A GUA“ (ohne das Suffix „O“) – die auch aus dem Wald stammen, der aber in diesem Fall nicht als hoch oder dicht angesehen wird.

Die Ñandeva sind eine Untergruppe der Guarani, die von ihresgleichen auch als “Ava-Chiripa“ oder “Ava-Guarani“ bezeichnet werden (Schaden, 1974 und Nimuendaju, 1978) oder auch als “Ava-katu-ete“ (Bartolomé, 1991). Ñhandeva ist nach Schaden: “… die Selbstbezeichnung aller Guarani. Sie benutzen gerne Ausdrücke wie “ñandevaekuere“ (unsere Leute), “ñandeva ete“ (das sind unsere Leute). “Txe Nhandeva ete“ (ich bin Guarani, einer der Unseren) und andere ähnliche Äusserungen. Ich schlage daher vor, dass man den Namen “Ñandeva” für diese Untergruppe reserviert” (1974: 2).

Der Terminus “ñandeva” bedeutet “wir” oder “wir alle”. In der ethnografischen Literatur werden die Ñandeva als “Chiripa“ von Metraux (1948) bezeichnet; Susnik (1961) bezieht sich auf diese Untergruppe als „Chiripa Guarani“ oder “Ava-Katu-Ete“ (“wahre authentische Menschen“), der letzte Ausdruck wird auch von Bartolomé (1977) benutzt; “Ava Guarani“ (Guarani-Mensch) ist nach Cadogan (1959) die von ihnen benutzte Selbstbezeichnung. In Mato Grosso do Sul sind sie bekannt als Guarani und in Paraguay als Chiripa, was sich auf ihre traditionelle rituelle Bekleidung bezieht, die typisch für sie ist.

nach obenDie Sprache

Die Guarani-Sprache wird von verschiedenen Völkern gesprochen und auf unterschiedliche Art und Weise. Nach Darstellung des Linguistikers Aryon Dall’Igna Rodrigues sprechen die Ñandeva, Kaiowa und Mbya Dialekte der Guarani-Sprache, welche zur Sprachfamilie Tupi-Guarani, aus dem linguistischen Stamm Tupi, gehören. Zu diesem Verzeichnis gehören auch die “Chiriguano, Guarani-Ñandeva (aus dem Paraguayischen Chaco), Ache, Guarayos und Izozeños, Bewohner von Bolivien und Paraguay. Eine Variante des Guarani wird auch von der nicht indigenen Bevölkerung Paraguays gesprochen – wahrscheinlich 90% – einem Land mit zwei Sprachen: Spanisch und Guarani.

Wenn man die grossen Entfernungen zwischen den verschiedenen Guarani-Untergruppen bedenkt, sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Dialekten relativ gering. In territorialen Grenzsituationen, wo Kontakte zwischen Guarani-Untergruppen bestehen (wie im Fall der Ocoy und Tekoha Añetete, in Paraná zwischen Mbya und Ñhandeva), oder bei verschiedenen Untergruppen im gleichen Territorium (wie bei Kaiowa und Ñhandeva in Dourados, bei den Caarapó und Amambai in Mato Grosso do Sul; oder bei Chiripa und Mbya in Paraná), kann man Abweichungen in den einzelnen Dialekten beobachten.

Alle drei Gruppen entwickeln eine starke Energie, ihre Sprache am Leben zu erhalten, und nichts deutet an, dass sich das ändern wird, auch nicht durch den Einfluss der Schulerziehung und der interethnischen Beziehungen. Der Sprache, oder besser dem Wort, kommt bei den Guarani der Gegenwart eine kosmologische und religiöse Bedeutung zu, es stellt ein bedeutendes Element zur Erhaltung ihrer ethnischen Identität dar.

nach obenLebensraum

Die Kaiowa bewohnen die Südregion des Bundesstaates Mato Grosso do Sul, und ihre Dörfer sind auf einem Gebiet verteilt, das sich bis zu den Flüssen Apa, Dourados und Ivinhema im Norden, und in südlicher Richtung bis zur Serra Mbarakaju und den Nebenflüssen des Rio Jejui, in Paraguay, erstreckt – das sind circa 100km von Ost nach West, und ebenfalls circa 100km auf beiden Seiten der Cordilheira do Amambaí (eine Bergkette, welche die Grenze zwischen Brasilien und Paraguay markiert), inklusive sämtliche Zuflüsse von Apa, Dourados, Ivinhema, Amambaí und das linke Ufer des Rio Iguatemi, welches die südliche Grenze des Kaiowa-Territoriums bildet und die nördliche des Territoriums der Ñandeva, ausserdem die Flüsse Aquidabán (Mberyvo), Ypane, Arroyo, Guasu, Aguaray und Itanarã auf der Seite von Paraguay – insgesamt circa 40 Quadratkilometer. Das Kaiowa-Territorium grenzt im Norden an das der Terena, im Osten und Süden an das der Guarani-Mbya und der Guarani- Ñandeva. Einige Familien der Kaiowa leben gegenwärtig auch in Dörfern in der Nachbarschaft der Mbya, an der Küste der Bundesstaaten Espirito Santo und Rio de Janeiro.

Das heutige Territorium Ñandeva liegt zum einen Teil im Bundesstaat Mato Grosso do Sul, zum andern im Bundesstaat Paraná, und ein weiterer Teil erstreckt sich über die Grenze nach Ost-Paraguay hinein. Abwanderungen der Ñhandeva aus Paraguay, zu Beginn des 20-Jahrhunderts, gründeten Siedlungen im Bundesstaat São Paulo, sowohl im Interior als auch an der Küste, auch in Santa Catarina, im Interior von Paraná und Rio Grande do Sul.

In Paraguay konzentrieren sie sich im Gebiet zwischen den Flüssen Jejui Guasu, Corrientes und Acaray, ihre Nachbarn im Süden sind die Mbya, im Norden die Paï-Kaiowa und im Osten die Aché. In Brasilien leben sie am Rio Iguatemi und seinen Nebenflüssen, man findet sie auch im Umfeld der Mündung desselben Flusses in den Rio Paraná.

nach obenDas Guarani-Territorium

Die Guarani bezeichnen jene Gebiete, die sie als ihren Lebensraum betrachten, als “Tekoha”. Das Tekoha ist der physische Raum – Erde, Wald, Savanne, Gewässer, Tiere, Pflanzen, etc. – wo sie sich im “Teko“ realisieren, in ihrer “Art zu leben“ – ein Guarani zu sein. Dazu gehören die gesellschaftlichen Beziehungen der makro-familiären Gruppen, die innerhalb eines bestimmten physischen Raumes leben und miteinander verkehren. Idealerweise sollte dieser Raum auch einen „Ka’aguy” (Wald) beinhalten, ein verehrtes Element von grosser Bedeutung im Leben dieser Eingeborenen, eine Quelle zum Sammeln von Nahrungsmitteln und Rohstoffen.

Der Wald ist auch ein wichtiges Element innerhalb ihrer Kosmologie, er ist die Bühne für ihre mythologischen Erzählungen und die Wohnung unzähliger Geister. Unentbehrlich sind auch die Flächen für die Anlage von familiären oder kollektiven Pflanzungen, für die Errichtung ihrer Behausungen und für die rituellen Aktivitäten. Es muss ein Ort sein, der die physischen (geografischen und ökologischen) und auch die strategischen Voraussetzungen erfüllt, der es erlaubt, auf der Basis einer Beziehung zwischen Grossfamilien, eine territoriale und politisch- religiöse Einheit zu schaffen.

Innerhalb seiner Grenzen sollte das “Tekoha“ idealerweise ein Bevölkerungsgleichgewicht besitzen, gutes Wasser, gute Erde zur Bepflanzung, geeignete Flächen zur Bebauung und zur Viehzucht. Vor allem muss Wald vorhanden sein und das entsprechende Ökosystem, wie jagdbare Tiere, fischreiche Gewässer, Rohstoffe für den Hausbau und Utensilien, Früchte zum Sammeln, Heilpflanzen, etc. etc..

Man sollte die traditionellen, historischen Konditionen nicht vergessen, unter denen die Indios es gewohnt waren, ihr Leben zu führen und ihr “Tekoha“ zu gestalten. Die Situation der verschiedenen Guarani-Untergruppen in den letzten vierzig Jahren, macht es unbestreitbar notwendig, ihren Anforderungen entsprechende Gebiete zur Verfügung zu stellen und zu demarkieren. Den reduzierten, legalisierten Territorien stehen inzwischen unüberwindbare Hindernisse gegenüber, die von der nicht-indigenen Gesellschaft geschaffen wurden.

Im Vergleich zu den besetzten Territorien der Vergangenheit, kann man eine drastische Schrumpfung der gesellschaftlichen Morphologie feststellen, mit einem winzigen Grundbesitz und einem disproportionalen räumlichen Verhältnis zur Grösse der einzelnen Familien. Für die Beschaffenheit eines “Tekoha“ und seiner indigenen Auffassung waren die historischen Fakten der neokolonialen Intervention von grundlegender Bedeutung, denn sie haben die territoriale Kontinuität unterbrochen, welche die Indios gewöhnt waren.

Die durch den Kontakt erfolgte historische Situation charakterisiert die Beziehungen zwischen Indios und Weissen ab der ersten Jahrzehnte des 20.Jahrhunderts, als der Staat die ersten Anstrengungen machte, die Indios zu territorialisieren (Oliveira 1998), indem er ihnen Gebiete innerhalb fester Grenzen aufzwang. Die Auferlegung von territorialen Zugangs- und Besitzregeln seitens des brasilianischen Staates, unvereinbar mit den indigenen Spezifikationen ihres Territoriums, hatte signifikante Folgen für die geografische Organisation der Guarani, desgleichen für ihr kulturelles Leben und für die politische Haltung gegenüber ihren interethnischen Beziehungen.

Im speziellen Fall der Guarani führte der Versuch sie anzusiedeln zu einer Entstehung von Kontrollmechanismen und Machtpositionen, welche die Bedeutung der “Mburuvixa“ als politische Führer steigerten, deren Position der “Capitão“ übergeordnet war, eine vom Vormundschaftsorgan als Mittler zwischen der indigenen Kommune und dem Staat anerkannte Autoritätsperson.

Durch diese Veränderungen in ihrem gewohnten Lebenszyklus sahen sich die zu einem bestimmten territorialen Raum gehörigen Grossfamilien nicht mehr in der Lage, ihre Konflikte zu lösen, indem sie sich frei durch ihr Territorium bewegten, denn das sollte sich nun plötzlich ändern. Im Verlauf der Präsenz der Kolonisatoren wurden die Guarani gezwungen, sich den Regeln der Weissen anzupassen, und dazu gehörte in erster Linie, dass sie sich daran zu gewöhnen hatten, sich fortan mit Territorien von vorgeschriebener Grösse zu bescheiden.

nach obenIndigene Territorien

Mit der Gründung des “Serviço de Proteção aos Índios (SPI)”, im Jahr 1910, der im Jahr 1967 in die “Fundação Nacional do Índio“ (FUNAI) verwandelt wird, besitzt der Brasilianische Staat einen spezifischen Organismus zur praktischen Umsetzung seiner Politik gegenüber der indigenen Bevölkerung des Landes. Eine der bedeutendsten Massnahmen des SPI war die Verlegung des 5. Regionalen Inspektoriums, ursprünglich in Bauru (Bundesstaat São Paulo), nach Campo Grande (Bundesstaat Mato Grosso do Sul), um so in der Lage zu sein, “eine immense Menge an Caiuá-Individuen“ (übliche Allgemeinbezeichnung für Kaiowa und Ñandeva) zu betreuen, die “über die Matepflanzungen verstreut, ohne festen Wohnsitz“ lebten – so beschreibt ein Mitarbeiter die Situation (Estigarribia, 1927).

Unter der Perspektive, die indigene Bevölkerung in die okzidentale Welt zu “integrieren“, gründet der SPI acht “Reservate“, welche für die Kaiowa und die Ñandeva in Mato Grosso do Sul bestimmt sind. Auch in São Paulo und Paraná werden solche Reservate nach gleichem Muster gegründet.

Die schon im 16.Jahrhundert bekannten “Aldeamentos“ (Dörfer), verwandelten sich im 20.Jahrhundert in “Indigene Posten“ (PIs), dazu bestimmt, die Indios zu erziehen und für die Arbeit auszubilden. Und die, wie beabsichtigt, entwickelten sich progressiv bis zur totalen Anpassung und Eingliederung in die okzidentale (abendländische) Welt. Die Voraussetzungen und die Wahl der Orte, an denen die PIs für die Guarani von Mato Grosso do Sul errichtet werden sollten, oblag den Funktionären des SPI, und der Organismus dieses “Indio-Schutzes“ respektierte dabei weder traditionelle Lebensräume noch territoriale Konzeptionen der Eingeborenen. Das “Dorf“ wurde zu einer administrativen Einheit unter der Kontrolle von Regierungsbeamten (Cf. Relatório de Inspetoria, SPI, 1924).

Die Folgen liessen nicht lange auf sich warten. Einer der ersten Direktoren des SPI, aus dem Jahr 1913, gab zu bedenken, dass “die Prostitution , welche man in so hohem Masse in den gegründeten Dörfern bemerkt, die unausweichliche Konsequenz einer Besiedelungspolitik ist, die in einem sesshaften Leben Menschen hervorbringt, die nicht die nötige Haltung besitzen, um in einer solchen Gemeinschaft leben zu können“ (Magalhães, 1913:142).

Acht Areale wurden für die Kaiowa und Ñandeva aus Mato Grosso do Sul demarkiert. Aber schon bei Übergabe hatte man sie beschnitten – jede Fläche war von der Regierung (zwischen 1915 und 1928) mit 3.600 Hektar veranschlagt worden, und schon während der Demarkation arrangierten sich die Agenten der Regierung mit den regionalen Interessenten hinsichtlich verschiedener Beschneidungen:

Das Gebiet Guarani-Ñandeva des PI Pirajuy, im Dekret Nr. 835, vom 14.11.1928, mit 3.600 Hektar, wurde 1930 mit nur 2.000 Hektar demarkiert, seine Lokalisierung wurde 1927 von einem Mitarbeiter des SPI bestimmt, der ein anderes Areal “in der Region von Ypehü“, zwei oder drei Léguas (10 bis 15km) von Pirajuy entfernt, aussuchte, um mehr als 500 “Caiuás ohne Bleibe und ohne Dorf“ unterzubringen (Estigarribia, 1927). Die Ñandeva-Kommune dieses Ortes, sie bezeichneten sich selbst als “Potrero Guasu“, verblieb dort bis in die 1960er Jahre, dann wurden sie gezwungen, sich im PI Pirajuy niederzulassen und kehrten erst 1998 zurück, nach ihrer Identifikation 1997.

Seit der 1920er Jahre kann man einen kontinuierlichen Enteignungsprozess der Guarani-Territorien feststellen. In den folgenden Jahrzehnten, bis noch vor wenigen Jahren, konnten sich die Guarani nur am Leben erhalten, indem sie Wälder abholzten, um so landwirtschaftliche Unternehmen auf den frei gewordenen Flächen zu gründen. Wenn sie entdeckt wurden, jagte man sie entweder direkt davon, oder erst nachdem sie ihre Arbeit zur Einrichtung der Fazenda geleistet hatten.

Der Vertreibung gingen in der Regel Ankündigungen und Androhungen von Gewalt voraus, wenn die nichts nützten, folgten nächtliche Besuche von bewaffneten Männern, die die Indios zusammenschlugen oder folterten. Für den Fall, dass diese sich immer noch weigerten, ihre Existenz zu verlassen, erfolgte die gewaltsame Vertreibung: Bewaffnete Individuen zwangen Männer, Frauen und Kinder auf Lastwagen zu steigen, um sie dann im Umkreis irgendeines PI oder einfach am Strassenrand abzuladen.

Um der Einengung auf den vom Staat festgelegten Arealen in Mato Grosso do Sul zu entgehen bemühten sich zahllose makro-familiäre Gruppen, sich in Waldgebieten niederzulassen – nicht selten im nicht genutzten Innern von Fazendas, deren Besitzer ihre Anwesenheit tolerierten. Die Entwaldung der 1970er Jahre vertrieb die Guarani aus ihren Reservaten, die von der neu gegründeten FUNAI als “desaldeados“ (unbewohnt) bezeichnet wurden, während sich die Indios von da an kontinuierlich fortbewegten, auf der Flucht vor der Aggression der Weissen und vorbei an ökologisch entcharakterisierten Gebieten.

Gegen Ende jenes Jahrzehnts, nachdem sie dichte Wälder erreicht hatten, in denen sie sich isoliert von jeglichem Kontakt aufzuhalten gedachten, war es ihnen dann nicht mehr möglich, frontale Zusammenstösse mit den Weissen zu vermeiden, die sie auch in ihren Waldverstecken aufstöberten und sie zu den Indigenen Posten verschleppen wollten. Diese Situation führte dazu, dass sich Ñandeva und Kaiowa organisierten, um ihre verlorenen Territorien von der Staatsregierung einzufordern.

Ihre Entschlossenheit, so berichten Historiker, führte bei allen Guarani von Mato Grosso do Sul zu einem entschlossenen Auftreten hinsichtlich der territorialen Zustände, und sie setzten sich dafür ein, die Bedingungen der Gegenwart kulturell aufzuarbeiten, das heisst, sie rekonsstruierten Beziehungen zur Vergangenheit mittels der Erinnerung verschiedener makro-familiärer Gruppen an jene Territorien, die von ihnen und ihren Vorfahren im Lauf der Zeit bewohnt worden waren – womit sie auch ihre eigene Position als Ureinwohner stärkten.

Aus dieser Selbstbesinnung stammen die Einforderungen ihrer Grundrechte, welche die Guarani von Mato Grosso do Sul in diesen letzten Jahrzehnten vehement betreiben. Es sind präzise Forderungen bezüglich einer direkten Verbindung zwischen den Grossfamilien und spezifischen territorialen Wohngebieten. In diesem Sinne kann man sagen, dass die eingeforderten “Tekoha“ die Summe der traditionell durch bestimmte Grossfamilien besetzten Gebiete darstellte, mit denen kommunale, politische Beziehungen unterhalten wurden, und von denen aus interkommunale Verbindungen über eine erweiterte Region hinaus bestanden.

So kann man von 1977 an eine hartnäckige Gesinnung der Paï-Kaiowa und Ñandeva von Mato Grosso do Sul feststellen, sich ihre Territorien zu sichern, indem sie sich nicht nur widersetzen, die traditionellen Orte zu verlassen an denen sie sich aufhalten, sondern sich von dort aus auch mobilisieren, um jene Territorien zurückzugewinnen, die sie in der Vergangenheit zwangsweise verlassen mussten.

Nicht alle von ihnen besetzten Areale haben sie ganz für sich, nicht alle sind definitiv legalisiert; zahlreiche gerichtliche Verfahren sind noch anhängig – einige schon seit Jahren. Bis 2003 war es ihnen gelungen, 16 Tekoha zurückzugewinnen, insgesamt 24 Areale waren wieder in Händen der Guarani, welche die bis dato existierenden acht Indigenen Posten bei weitem übertrafen.

Es war wahrhaftig ein verbissener Kampf, der zahllose und wiederholte Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Kommunen mit sich brachte, Druck auf die Regierungsämter ausübte, Vertreibungen von Landbesetzern und Inbesitznahme der verlassenen Areale zur Folge hatte, unzählige Gerichtsprozesse und sehr viel Durchhaltevermögen, Geduld, politisches Geschick und Diplomatie seitens der Eingeborenen erforderte, die trotz alledem erstaunlich schnelle Fortschritte in ihrer Organisation machten, um endlich ihre Rechte zu garantieren.

Mit der Erschliessung dieser zurückgewonnenen Gebiete konnte man bald eine positive Entwicklung unter den streitbaren Guarani beobachten, als nämlich die Zahl der Familien an den vorher viel zu dicht bevölkerten Indigenen Posten mit einem Mal deutlich zurückging.

nach obenBevölkerung

Es entspricht nicht der Guarani-Tradition, sich in homogener Form innerhalb eines ihrer Territorien zu organisieren, in halbkreisförmigen, runden oder in Reihen angeordneter Hütten oder Häuser zu wohnen, wie das bei anderen Indio-Völkern Sitte ist. Die zeitgenössischen “Ava“ befinden sich, so wie sie es seit Jahrhunderten gewöhnt sind, innerhalb von kleinen kommunalen Gemeinschaften, welche idealerweise aus drei bis fünf makro-familiären Gruppen bestehen, autonome Arbeitsgruppen, welche sich selbst als “Tekoha“ bezeichnen. Es gibt heute in Brasilien circa 85 offiziell anerkannte Guarani-Gebiete, ausserhalb Dutzende weitere, über die man nicht besonders viel Informationen hat. Die Guarani Brasiliens stehen, wie man im weiteren Verlauf dieses Berichtes sehen wird, immer noch vor grossen finanziellen Problemen.

Zwischen den besagten Tekoha, und auf dem gesamten Guarani-Territorium, findet ein fast hektisches Kommen und Gehen statt, das von den regen interfamiliären Beziehungen ausgelöst wird und zur gesellschaftlichen Tradition der Guarani gehört. Gründe für diese andauernden Wanderungen (oguata) können Besuche sein, Umzüge, Durchreisen, Eheschliessungen oder Todesfälle, etc., und wegen ihrer Kontinuität und Dynamik, erschweren sie eine methodische Volkszählung über alle Massen, sodass man keine wirklich verlässlichen Bevölkerungszahlen zusammenstellen kann. Daher sind entsprechende Daten über die Guarani stets als “in etwa“ zu betrachten. Ihre andauernde Bewegung ist jedoch nicht mit Abwanderung oder “Nomadentum“ zu verwechseln.

Trotz der fehlenden Volkszählungen und genaueren demografischen Untersuchungen, gibt es Indizien, durch Verhaltensmuster in Gebieten in denen eine genauere Untersuchung möglich war, welche der Allgemeinheit der Guarani eine hohe Fruchtbarkeitsrate und ein entsprechend dynamisches Bevölkerungswachstum attestieren. Wenn man die Daten der Funasa und FUNAI aus dem Jahr 2008 als Basis zugrunde legt – das heisst als ungefähre Daten – bestanden die Guarani in Brasilien damals bereits aus circa 51.000 Personen – davon 31.000 Kaiowa, 13.000 Ñandeva und 7.000 Mbya – ansässig vor allem in Mato Grosso do Sul.

In Argentinien besteht die Guarani-Bevölkerung fast exklusiv aus Mbya und konzentriert sich in der Provinz Missiones – etwa 5.500 Personen. Die Ñandeva-Bevölkerung in Argentinien wird auf circa 1.000 geschätzt (nach G. Grünberg, 2008). Die gegenwärtige Mbya-Bevölkerung beträgt nach diesen Projektionen in etwa 27.380 Personen. Jede Untergruppe und jede Region innerhalb der Guarani-Territorien präsentiert allerdings Besonderheiten hinsichtlich ihrer demografischen Situation oder in Bezug auf den einer bestimmten Kommune zur Verfügung stehenden geografischen Raum.

Die Mehrheit der acht Indigenen Guarani-Posten in Mato Grosso do Sul, die zusammen eine Fläche von acht Arealen bilden, die zwischen 1915 und 1928 vom damaligen Indio-Schutz SPI demarkiert wurden, präsentieren heute eine so hohe demografische Dichte, dass sie zu Situationen mit deutlichen negativen Konsequenzen für die Indios führt. Für die signifikante Zunahme der Bevölkerung in diesen Gebieten sind nicht die Neugeburten der Grund, sondern die systematischen territorialen Restriktionen durch die kolonialen Fronten – sie stehlen den Indios immer mehr von ihrem gesetzlich zugesprochenen Land, mit Duldung einer offiziellen indigenen Politik, die sich auf eine “Integration der Indios in die brasilianische Gesellschaft“ beruft (siehe Kapitel “Indigene Territorien).

Zwischen 1910 und 2000 richtete sich eine Intervention des Brasilianischen Staates auf die Einrichtung von “Aldeamentos” (Dörfer – nach dem Muster jener Missionsdörfer des 17. und 18.Jahrhunderts), winzige Areale, die für die Guarani-Bevölkerung als “Dispersa“ (zur Zerstreuung) gedacht sein sollten. Damit ignorierte man vollkommen die ethnische Tradition dieses Volkes in Bezug auf ihre territoriale Besetzung. Daten des SPI/FUNAI demonstrieren, dass die Bevölkerungszahl jener administrativen Einheiten zwischen 1924 und 1984 sprunghaft anstieg, weil in bestimmten Jahren dieser Periode ganze Kontingente indigener Familien unter Zwang in diese Reservate eingeliefert wurden.

Gleichzeitig stellte man eine Zunahme der Vertreibungen von Guarani-Familien von ihren Ländereien durch weisse Siedler fest, die auf dem gestohlenen Land ihre Fazendas errichteten. Allerdings waren solche illegale Aktionen nicht immer von Erfolg gekrönt, denn die Ñandeva und Kaiowa bestanden auf ihrer charakteristischen Raumverteilung und territorialen Mobilität, obwohl sie gezwungen waren, die Grenzen der kolonialen Intervention in Betracht zu ziehen.

nach obenGesellschaftliche Organisation

Die Basis der gesellschaftlichen Organisation der Guarani, ihrer Wirtschaft und Politik, sind die Grossfamilien, makro-familiäre Gruppen, deren einzelne Mitglieder in der räumlichen Verteilung und Organisation innerhalb des Tekoha, die ihrem Verwandtschaftsgrad entsprechenden Plätze und Positionen einnehmen. Eine solche Gruppe besteht aus der Kernfamilie in Person des Ehepaares, ihren Söhnen, Enkeln, Brüdern, und sie stellt eine Produktions- und Konsumeinheit dar.

Zu jeder Grossfamilie gehört, sozusagen als Bedingung für ihre Existenz, eine Führungskraft, in der Regel ein Mann, den sie “Tamõi“ (Grossvater) nennen, aber es ist auch nicht selten, dass diese Position von einer Frau eingenommen wird, die sie “Jari“ (Grossmutter) nennen – dieser Fall ist besonders oft bei den Ñandeva zu beobachten. Der familiäre Führer schart die Verwandten um sich und orientiert sie politisch und auch religiös. Er fällt auch die Entscheidungen bezüglich des Raumes, den seine Gruppe im Tekoha besetzt und wie die zu seiner Gruppe gehörigen Kernfamilien (Eltern mit ihren Kindern) ihre Wohnungen verteilen, ihre Felder bewirtschaften und die verfügbaren natürlichen Ressourcen nutzen.

Heutzutage leben die Kernfamilien in isolierten Behausungen, die auf der zur Verfügung stehenden Fläche des Tekoha verteilt sind, jedoch ausgerichtet auf das Haus und die Präsenz des Tamõi oder der Jari. Ihre Häuser stehen auf einem zentralen Platz, und rundherum bewegt sich die ganze Familie, dort treffen sich die Mitglieder, und dort gibt es einen Altar (mba’e marangatu) für die “Jeroky“ – heilige Rituale, die im Alltag ihren Platz haben.

Die Männer heiraten zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr, während die Frauen, in der Regel nach der zweiten oder dritten Menstruation, im Alter zwischen 14 bis 17 Jahren, eine Ehe eingehen. Nach der ersten Menstruation wird den Mädchen das Haar abgeschnitten, und sie verbleiben im Haus ihrer Eltern, wo sie zu essen bekommen und nur des nachts, unter elterlicher Begleitung, nach draussen gehen, um ihre Notdurft zu verrichten. Es gibt kein spezifisches Ritual zur Eheschliessung, es ist jedoch Aufgabe der Eltern des jungen Mannes, mit den Eltern der Zukünftigen über den Heiratswunsch ihres Sohnes zu sprechen – so will es die Guarani-Tradition. Und es wird erwartet, dass Sohn und Tochter in der Lage sein werden, ein Haus zu bauen, Kinder zu bekommen und sie aufzuziehen.

Es gibt eine deutliche, nach Geschlechtern getrennte Arbeitsaufteilung in der alltäglichen Arbeitsdynamik der Guarani, und es ist tatsächlich äusserst selten, einen Mann oder eine Frau anzutreffen, die nicht in der Lage sind, die eine oder andere produktive Funktion in diesem Alltag zu bekleiden. Es gibt eine Tendenz in der Tradition dieser Eingeborenen, nach der die frischgebackenen Eheleute ihre Wohnung “uxorilokal“ wählen, das heisst, sie folgen einer traditionellen Sitte, sich nach der Eheschliessung im Haus des Vaters der Braut einzuquartieren, und dort wird der Ehemann als politischer und wirtschaftlicher Assistent seines Schwiegervaters in die Grossfamilie integriert.

Die Eheleute müssen aus unterschiedlichen, nicht blutsverwandten, Grossfamilien stammen, denn es gibt explizite Verbote für Eheschliessungen innerhalb einer Gruppe, die als dieselbe Familie gilt, wodurch auch hier die exogamischen Regeln angewendet werden – aber es gibt keine Vorschriften dafür, mit wem man die Ehe eingehen darf. Eine unerlaubte Ehe – Inzest – zieht mythologische Verwicklungen nach sich, sie ist “Mbora’u“ (ein schlechtes Omen). Im gleichen Sinne beziehen sich die Kaiowa auf die Poligamie, sie bestehen auf ihrem Verbot, im Gegensatz zu den Ñandeva, bei denen man die meisten Fälle von Männern beobachten kann, die mit mehr als einer Frau verheiratet sind.

Die Guarani-Verwandtschaft besteht aus einem System von Beziehungen bilateraler Herkunft, das heisst, es gibt einen gemeinsamen Stammvater, der Tamõi, oder eine gemeinsame Stammmutter, die Jari, der/die als Referenz der familiären Beziehungen gilt, und von dem/der man abstammt. Die Bedeutung der verwandtschaftlichen Beziehungen wird von den Guarani in jeder Situation hervorgehoben. Selbst physische Trennungen führen nicht zum Verlust der Bindungen an jene, die weit weg sind, man erinnert sich stets an sie in den alltäglichen Unterhaltungen, organisiert Besuche und gibt entsprechende Informationen innerhalb der Verwandtschaft weiter.

nach obenPolitik

Die Guaranie sind besonders geschickt in der Führung ihrer politischen Interessen. Jedes Tekoha wird von einem Chef geführt, einem “Capitão“ oder “Cacique“, das sind von den Weissen eingeführte Bezeichnungen für einen indigenen Führer, der die Politik der Kommune gegenüber der okzidentalen Welt vertritt und verbalisiert, besonders vor dem brasilianischen Staat. Die traditionelle Bezeichnung dieses “Wortführers“ ist “Tamõi”, das wurde bereits erwähnt, oder im Fall des politischen Vertreters der Indios, “Mboruvixa“. Es gibt keine zentrale oder totalitäre Machtposition.

Die makro-familiären Gruppen sind also weitgehend autonome wirtschaftliche und politische Einheiten, lediglich in bestimmten Momenten, in denen ihr Tekoha vor Problemen steht, von denen alle Mitglieder betroffen sind, wenden sie sich an den “Capitão“.

nach obenMythologie und Rituale

Die Guarani erzählen, das der Schöpfungsprozess der Welt mit Ñane Ramõi Jusu Papa begonnen hat, “Unser grossartiger, ewiger Grossvater“, der sich selbst aus dem “Jasuka“ geschaffen hat, einer vitalen Substanz mit Schöpfungsqualität. Er war es, der auch seine Frau und alle die anderen göttlichen Wesen geschaffen hat. Ñande Jari (Unsere Grossmutter) wurde aus dem Zentrum seines “Jekuaka” geschaffen (eine Art Diadem, das als Ornament Stirn und Kopf bedeckt), dem rituellen Schmuck. Er schuf auch die Erde, die damals die Form einer Scheibe hatte und sich später zur heutigen Kugelform ausdehnte. Er hob auch den Himmel an und schuf die Wälder.

Er lebte nur kurze Zeit auf der Erde, noch bevor sie von den Menschen besetzt wurde, er verliess sie wegen einer Meinungsverschiedenheit mit seiner Frau. Aus Eifersucht war er so wütend, dass er beinahe seine eigene Schöpfung, die Erde, zerstörte, aber Ñande Jari verhinderte das, indem sie einen Gesang anstimmte – den ersten heiligen Gesang zur Rettung der Erde – begleitet vom “Takuapu“, einem femininen Instrument aus Taquara-Rohr, etwa einen Meter lang, das man im Rhythmus der Musik auf den Erdboden stösst und damit einen dumpfen Ton erzeugt. Dieses Instrument begleitet die maskulinen “Mbarakas“, das sind Rasseln aus Kürbissen, gefüllt mit Samenkörnern.

Der Sohn von Ñane Ramõi – er heisst Ñande Ru Paven (Unser aller Vater) – und seine Frau Ñande Sy (Unsere Mutter) waren verantwortlich für die politische Aufteilung der Erde und ihre Besetzung mit den verschiedenen Völkern auf ihren entsprechenden Territorien, und er schuf Berge zur Eingrenzung des Guarani-Territoriums. Ñande Ru Paven stahl das Feuer von den Raben und übergab es den Menschen; er schuf die heilige Flöte (mimbi apyka) und den Tabak (petÿ) für die Rituale, und er war der Erste, der auf der Erde starb.

So wie sein Vater entschied er sich die Erde zu verlassen, wegen eines Streits mit seiner Frau, die mit Zwillingen schwanger war. Der Mythos der Zwillinge ist eine der meist erzählten Geschichten in ganz Südamerika. Pa’i Kuara ist der Enkel von Ñane Ramõi. Ihm wurde, nach vielen Abenteuern auf der Erde, die Verantwortung für die Sonne übertragen, während sein Bruder Jacy die Verantwortung für den Mond bekam.

Eines Tages, als Ñande Sy ihrem Mann entgegenging, fragte sie ihren Sohn, der noch nicht geboren war, welchen Weg sie einschlagen sollte. Und Pa’i Kuara machte seiner Mutter ganz bewusst falsche Angaben, weil sie ihm eine Blume verweigert hatte, die er gerne haben wollte, um damit zu spielen. Irregeführt, erreichte Ñande Sy die Behausung der “Jaguarete” – der wahren Wilden (gemeint sind die Jaguare). Der Grossvater dieser blutgierigen Wesen versuchte vergeblich der Frau das Leben zu retten.

Seine Söhne, die hungrig von einer ergebnislosen Jagd zurückgekommen waren, töteten Ñande Sy und liessen nur ihre kleinen Zwillinge am Leben. Diese, nachdem sie gross geworden waren, trafen den “Papagei der guten Rede“ (parakau ñe’ëngatu), und der erzählte ihnen die Einzelheiten vom Tod ihrer Mutter. Sie beschlossen, sie zu rächen. Pa’i Kuara und sein Bruder Jasy bereiteten eine Falle vor, in der alle Jaguarete starben, ausgenommen eine, die schwanger war – und das ist der Grund, warum die Jaguarete (Jaguare) immer noch auf dieser Erde leben.

Pa’i Kuara und Jasy erlebten viele Abenteuer auf der Erde, bis schliesslich der Erste sich entschied, seinen Vater im Himmel aufsuchen zu wollen. Seine Vorbereitungen für diese Reise bestand aus fasten, tanzen und beten, bis er sich leicht genug fühlte, um hinaufsteigen zu können. Also schoss er eine Reihe von Pfeilen ab, einen über dem anderen, bis er einen Weg konstruiert hatte, der ihn in den Himmel führte, wo er durch das Loch schlüpfte, das seine Pfeile ihm geöffnet hatten. Sein Vater, Ñande Ru Pavë, erkannte seinen authentischen Sohn und übergab ihm die Sonne, damit er sich um sie kümmere.

Die “Paï” halten sich für die direkten Nachkommen, als Enkel, von Pa’i Kuara, dem in ihren Mythen am häufigsten erwähnten göttlichen Wesen, zu dem sie in Momenten des Leids und der Krankheit regelmässig beten. Ausser der klassischen Mythologie über die Erschaffung der Welt, bis zur Ankunft von Pa’i Kuara im Himmel, besitzen die Guarani eine schier endlose Zahl an Erzählungen und Mythen, deren Helden die verschiedensten Tiere sind.

Sie haben sogar eine Mythologie, in deren Mittelpunkt die Geschehnisse der letzten 200 Jahre stehen. Die Mythen von Kasíke Guaira und Kasíke Paragua, zum Beispiel, erzählen von Konflikten und Kriegen mit Brasilianern und Paraguayern, als die ihre Guarani-Territorien besetzten.

Weitere bedeutende göttliche Persönlichkeiten sind die vier “Wächter der menschlichen Seelen“, die in einem der sieben Himmel und in allen vier Richtungen wohnen. Es gibt Wesen, die über das Wasser wachen, über die Tiere und die Pflanzen – und besondere Ehre gebührt Jakaira, die für die Fruchtbarkeit der Felder verantwortlich ist.

nach obenRituale

Die religiösen Aktivitäten der Guarani sind eifrig und häufig, mit Gesängen, Gebeten und Tänzen, die abhängig vom Ort der Handlung, der Situation oder der jeweiligen Umstände, alltäglich stattfinden, bei Einbruch der Dämmerung beginnen und sich über einige Stunden hinziehen. Die Rituale werden von den “Ñanderu” geleitet, das sind religiöse Führer und Orientatoren, sie kümmern sich auch um alltägliche Sorgen, wie zum Beispiel gute Ernten oder ein Ausbleiben des Regens.

Zwei Zeremonien sind von besonderer Bedeutung für die Kaiowa: die des “Avati Kyry“ (des jungen Mais) und die des “Mitã pepy“ oder “Kunumi pepy“ (in Paraguay bei verschiedenen Kommunen üblich – in Brasilien wird sie nur noch bei einer Kommune praktiziert). Die erste findet zur Zeit der noch jungen (grünen) Maispflanzen statt (Februar, März) und wird auch im Fall einer Pflanzung des “Avati morotĩ“ (weisser Mais) zum Gedeihen desselben durchgeführt. Mais ist eine heilige Pflanze für die Guarani, und in ihrem landwirtschaftlichen und religiösen Kalender ist sie dominant.

Wochen mit viel Arbeit von vielen Familien sind nötig für die Zubereitung des “Kãguy“ oder “Chicha“, sowie der Auswahl und Ausstattung des für die Zeremonie ausgesuchten Platzes. “Kãguy” ist ein fermentiertes Getränk, für diese Zeremonie aus weissem Mais hergestellt (es gibt jedoch auch Alternativen aus Maniok, Süsskartoffeln oder Zuckerrohr) – die Zubereitung ist Frauenarbeit.

Die Zeremonie selbst wird geleitet von einem religiösen Führer, einem Schamanen, sie beginnt bei Sonnenuntergang und endet bei Sonnenaufgang des nächsten Tages. Der Schamane muss den “Mborahéi puku” (den langen Gesang) kennen, dessen Verse – die sich nicht wiederholen – nach Beginn der Zeremonie nicht mehr unterbrochen werden dürfen. Jeder vom Ñanderu intonierte Vers wird von der “Gemeinde“ wiederholt, begleitet von den “Mbaraka“, angefertigt und benutzt von den Männern, und den “Takuapu“, benutzt von den Frauen.

Im Morgengrauen, wenn die Zeremonie zuende ist, findet die “Taufe der Ernte“ statt ( Maniok, Zuckerrohr, Kürbis, Süsskartoffel, Mais, etc.), Feldfrüchte, die auf einem Altar deponiert sind. In der folgenden Nacht geht die Zeremonie des “Avati kyry“ weiter mir profanerem Gesang und Tanz – den “Kotyhu“ und den “Guahu“ – an denen sich die gesamte Kommune beteiligt, ausserdem viele Besucher, die dazu eingeladen worden sind.

Erwähnenswert ist auch die Zeremonie des “Mitãmongarai“, zu der die Schamanen die Kinder der Kommune zur “Taufe“ versammeln – dann erhalten sie den “Tera ka’aguy“ (den Namen des Waldes) – das ist ihr Guarani-Name.

nach obenMissionen

Unter den Guarani-Kaiowa und den Guarani-Ñandeva von Mato Grosso do Sul bemüht sich ein unübersichtliches Kontingent der verschiedensten Missionare um ihr Seelenheil – den Indios ihren “wahren Gott“ als Wiedergutmachung für die Verbrechen der Kolonisatoren anzubieten, ist auch in Brasilien jahrhundertealte Tradition.

Hier gibt es evangelisch-protestantische Missionen (seit 1928), methodistische (seit 1978), fundamentalistisch-deutsche (seit 1968) – alle mit traditionellem, evangelischem Hintergrund. Inzwischen haben charismatische Vertreter der Pentecostal-Bewegung (Pfingstgemeinde) in vielen Guarani-Gebieten das Sagen. Die katholische Kirche agiert in diesen Gebieten mittels ihres “Conselho Indigenista Missionário (CIMI)“ – des Indigenen Missionsrates (seit 1978) – er ist es auch, der die Indios im Kampf um ihre Rechte unterstützt und Menschenrechtsverletzungen bei der Regierung denunziert.

nach obenProduktive Aktivitäten

Die Landwirtschaft ist die grundlegende wirtschaftliche Aktivität der Guarani, obwohl sie auch die Jagd und den Fischfang lieben und, wann immer es ihnen möglich ist, in die Praxis umsetzen. Sie praktizieren eine Wirtschaft zur Selbsterhaltung, geprägt von der Verteilung und Erhaltung produzierter Güter, in der die gesellschaftlichen Beziehungen, definiert durch die jeweilige Verwandtschaft, die Art der Produktion bestimmen. Der “Besitz“ (die exklusive Nutzung) der Felder und der Konsum ihrer Produkte steht, nach der Geburt der Kinder des Ehepaares, dieser Kernfamilie zu, was jedoch die Verteilung der produzierten oder erhaltenen Güter, die Arbeit auf den Feldern des Schwiegervaters und die Durchführung von Diensten als “Nachbarschaftshilfe“ der makro-familiären Gruppen nicht ausschliesst.

Die Dimensionen der Felder sind relativ klein – eine Einheit pro Familie ist nicht grösser als 1,5 bis 6 Hektar. An der Bestellung und Pflege der Felder nehmen alle Familienmitglieder teil, allerdings unter Beachtung einer nach Geschlechtern getrennten Arbeitsweise, mit spezifischen Aufgaben und Aktivitäten, die auf die Männer und anderen, die auf die Frauen zugeschnitten sind. Sie pflanzen Mais (Avati morotĩ und Avati tupi), Maniok (Mandi’o), Süsskartoffeln (Jety), Zuckerrohr (Takuare’e), Kürbisse (Andai), Papayas, Orangen, Bananen (Pakova), Erdnüsse (Manduvi), Urucum (Yruku), verschiedene Arten von Bohnen (Kumanda), Reis und andere Produkte zur Ernährung der Familie, ausserdem auch Heilpflanzen (Pohã ñana).

Ihre Felder haben das Überleben der Guarani ermöglicht, sie sind die traditionelle Basis ihrer Wirtschaft, selbst nach den durch den Kontakt mit den Weissen motivierten Veränderungen und einen Zugang zur modernen Technologie. Sie pflanzen nur eine Sorte Mais zur Kommerzialisierung, den “Avati tupi (gelben Mais). Diese Art unterscheidet sich vom “Avati morotĩ” (dem weissen Mais), der ihnen als Pflanze heilig ist und nicht verkauft werden darf, sondern in ihren jährlichen “Avati kyry“-Zeremonien – der “Taufe des Mais“ und anderen Pflanzen eine tragende Rolle spielt.

Es ist Sache der Frauen, den Mais zu zerstampfen und den Chicha zuzubereiten, ausserdem den “Chipa“, eine Art Maiskuchen. Die Varianten und Formen der Maiszubereitung sind vielfältig: Sie produzieren “Avatiku’i“ (Maismehl), “Hu’ikyra“ (Maismehl mit Bananen), “Hu’i raja“ (Maismehl mit Maniok, gekocht mit Pflanzenblättern), “Chipa mbixi“ (Mais auf dem Feuer gegrillt, eingewickelt in grüne Bananenblätter), “Mbeju“ (Maismehl in der Pfanne geröstet), “Avati mbixi“ (Grüner Mais gebraten), “Chipa perõ“ (ein mit der Hand geformter Kuchen aus gebratenem Mais, der dann in heissem Wasser gegart wird), “Chipa jetyiru“ (Mais und Süsskartoffeln gemischt, wie “Chipa perõ“), “Mbaipy (Maisbrei), „Kãguyjy miri“ (geriebener Mais in Wasser gekocht), “Avati pororo“ (Popcorn).

Die gleiche Vielfalt liefert die Maniok in der Guarani-Küche, die zwar keine heilige Pflanze ist, jedoch sich allgemeiner Beliebtheit unter den Guarani erfreut und ebenfalls einen Hauptbestandteil ihrer Ernährung darstellt. Auch die Maniokwurzel bereiten sie auf verschiedene Art und Weise zu, wie zum Beispiel als “Pirekai“ (gebratene Maniok), “Mandi’ o mimoi“ (gekochte Maniok), “Karaku“ (Chicha aus Maniok). Ausserdem werden Süsskartoffeln (Jety) und Zuckerrohr (Takuare’e) ebenfalls in vielfältigen Variationen zubereitet – alle vier Produkte sind auch sehr beliebt bei der Zubereitung von Chicha, dem fermentierten Getränk, das bei ihren Zeremonien und Festlichkeiten aller Art nicht fehlen darf.

nach obenPflege der natürlichen Ressourcen

Ihr traditionelles Wissen über ihre Umwelt und die Natur im allgemeinen, machen die Guarani zu Naturschützern par excellence, selbst unter prekären Bedingungen, in viel zu kleinen Reservaten zusammengepfercht, kann man ihre Sorge um das Wohlergehen der sie umgebenden Natur deutlich erkennen. Sie praktizieren etwas, das von den Agronomen als “Sistema agroflorestal“ (Agroforst-System) genannt wird, in dem sie die Aktivitäten der Jagd, Fischfang, Ackerbau und Ernte miteinander kombinieren – verbunden mit dieser Technik ist die “Pousio“ (Periode, in der die Erde ruht, sich von der Bewirtschaftung erholt, um sich wieder mit Nährstoffen anzureichern).

Im brasilianischen “Manual Agroflorestal para Amazônia” heisst es dazu (1996:18): “Das Agroforst-System ist einen Nutzungsform und Behandlung des Bodens, bei der Bäume und Büsche zusammen mit Agrarkulturen und/oder Tieren auf demselben Areal
genutzt werden, simultan oder als temporäre Sequenz“.

Ein anderer Aspekt, der von Agronomen beobachtet und in Berichten hervorgehoben wurde, nachdem diese mit den Eingeborenen in Kontakt gekommen waren, ist ihre Kapazität, native Samen zu behandeln und aufzubewahren. Sie haben tatsächlich “eine lebende Keimplasma-Bank“ (Spyer, 1996:19), womit sie in grossem Rahmen für die Bewahrung der biologischen Diversifikation sorgen!

In diesem Sinne besitzen sie für jede Pflanzengattung ihrer Kenntnis, Samen unterschiedlicher Varietäten, wie zum Beispiel vom Mais, der Maniok, der Bohnen, der Süsskartoffeln und anderen mehr. Die traditionellen Samen, zu denen auch die der Heilpflanzen gehören und die Pflanzen zur Herstellung von Utensilien, wissen sie stets aufzutreiben, denn sie kennen immer einen oder anderen der Ihren, die solche Samen aufbewahren, wissen, wo sie zu finden sind und begeben sich dorthin, wenn sie Samen oder Ableger brauchen. Der Tausch von Samen, Pflanzen, Ablegern und Heilkräutern gehört zu ihrem Alltag und ist auch ein häufiges Thema bei Begegnungen.

Durch die Nähe der weissen Kontaktfront und die verschiedenen Situationen aufgrund der Überbevölkerung einiger Areale, sind die Ñandeva und Kaiowa gezwungen, auf dem regionalen Markt irgendeiner Hilfsarbeit nachzugehen. Ein paar Jahre zurück gab es noch Bedarf für die Arbeit der Indios auf den entstehenden Fazendas der Region, heutzutage ist dieser Bedarf stark zurückgegangen, seit diese Fazendas inzwischen etabliert sind und für ihre Pflanzungen agrartechnische Ausrüstung benutzen, welche die menschliche Arbeitskraft weitgehend entbehrlich machen.

Diese Mechanisierung ist besonders in Mato Grosso do Sul weit verbreitet, und deshalb ist dort die Arbeitslosenquote für die Indios besonders hoch. In letzter Zeit wurden viele Kaiowa und Ñandeva als Hilfsarbeiter für Alkoholfabriken engagiert, und die befinden sich ziemlich weit entfernt von ihren heimatlichen Tekohas, sodass die Männer wochenlang von ihren Familien getrennt sind.


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© Rubem Ferreira Thomaz de Almeida – Anthropologe – Staatliche Universität von Mato Grosso do Sul – und Fabio Mura – Anthropologe – Oktober 2003
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung Klaus D. Günther

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