Arara do Pará

Veröffentlicht am 29. Dezember 2009

Das Indiovolk der Arara do Pará wurde durch ihr kriegerisches Verhalten bekannt und die erschrecklichen Trophäen, welche sie nach einem Sieg von den Körpern ihrer Gegner an sich nahmen: Köpfe für Flöten, Zähne für Ketten und Skalps von der Gesichtshaut. Jedoch schon seit längerer Zeit hat auch die Bereitschaft ihrer Teilnahme an der Aussenwelt und sogar der Aufnahme von Fremden in ihre eingeborene Welt Aufmerksamkeit erregt und der Wissenschaft die Möglichkeit geboten, andere Aspekte ihrer angestammten Lebensweise zu studieren.

Arara do Pará

nach obenDie Annäherung

Nachdem sie Ende der vierziger Jahre als ausgestorben galten – nachdem plötzlich die Nachrichten von ihren Wanderungen in ihrer angestammten Region aufhörten – kehrten die als “Arara” im Tal des mittleren Xingu bekannten Indianer genauso plötzlich wieder auf die Bühne der Existenz zurück, als Anfang der siebziger Jahre der Bau der “Transamazônica” begann. Der Strassenabschnitt, welcher heute die Orte Altamira und Itaituba (Pará) verbindet, verlief wenige Kilometer entfernt von einem grossen Arara-Dorf, in dem sich verschiedene Untergruppen während der Trockenperiode zu versammeln pflegten. Die Strasse durchquerte Pflanzungen, Pfade und Jagdcamps, die traditionell von den Indianern benutzt wurden. Und wenn sie vorher schon ein kleines Volk waren, so wurden sie durch die “Strasse zur nationalen Integration” noch mehr eingeschränkt: das Strassenbett selbst, die zu seiner Konstruktion gerodeten Lichtungen, Querverbindungen Wassergräben und Befestigungsanlagen stellten plötzlich Hindernisse dar, die den Verkehr der Indianer in den Wäldern beeinträchtigten und den traditionellen Beziehungen zwischen den Untergruppen, die verteilt in diesem Gebiet lebten, ein Ende bereiteten.

Das Ergebnis eines langen Annäherungs-Prozesses, seit Anfang 1981 – nach mehr als einem Jahrzehnt frustrierender Kontaktversuche – waren ein paar Untergruppen der Arara, schon gespalten und zurückgezogen lebend. Wenigstens vier dieser Gruppen, südlich der neuen Strasse, auf der Höhe des Kilometers 120 derselben, schlossen sich zusammen, um das Eindringen von Nicht-Indianern in ihr Gebiet zu verhindern. Eine andere Gruppe im Norden, isoliert und dauernd auf der Flucht, wird 1983 kontaktiert – und zwar mit Hilfe der zwei Jahre zuvor kontaktierten Stammesbrüder. Eine weitere Gruppe erreicht man 1987, schon weit weg von der ersteren, von denen sie sich wegen interner Unstimmigkeiten getrennt haben – sie ziehen sich stetig weiter vor weissen Eindringlingen zurück, in immer schwierigere Grenzbereiche ihres Territoriums. Diese letzte Untergruppe befindet sich vielleicht in der dramatischsten Situation von allen, die immer noch andauert, weil die Regierung die endgültige Definition des Arara-Territoriums immer noch hinauszögert!

nach obenGeschichte und Herkunft

Eine Legende über die Entstehung der irdischen Welt erklärt die territoriale Verbreitung der Arara am Zusammenfluss der Flüsse Tocantins und Tapajós.

Die Ursache war eine himmlische Katastrophe, ausgelöst von einem furchtbaren Streit zwischen Verwandten – die irdische Welt wurde zur Bühne einer politischen Vereinbarung zwischen jenen, die als Verursacher der Tragödie dazu verdammt wurden, auf der Erde zu leben.

Eine Teilung in kleine, unabhängige und autonome Untergruppen, integriert in ein Netz von gegenseitigen Hilfeleistungen, besonders zu Zeiten der Jagd und anlässlich von Festlichkeiten, hatte man damals als eine Art Pakt vereinbart, der garantieren sollte, dass sich jener Konflikt, der zur Verdammung auf der Erde geführt hatte, nicht wiederholen könnte. Auch der Name ihres Volkes, dessen sie sich bedienen, hat mit dem Mythos ihrer Herkunft zutun: Ukarãngmã heisst fast wörtlich “Volk der roten Aras” – so nennen sie sich in Referenz an den Beistand jener Vögel nach der Tragödie, welche ihr Leben auf der Erde begründete. Die Legende berichtet nämlich, dass rote Aras viele von ihnen, die heruntergefallen waren, zurück in den Himmel trugen.

Als Volk einer Sprache aus der Karib-Familie gehören die Arara zur gleichen linguistischen Unterfamilie wie die Apiacá vom Tocantins (ausgerottet), die Yaruma (ausgerottet) und die Ikpeng, letztere leben heute im “Parque Indigena do Xingu“ – Völker, die sich auf ein weites Territorium verteilten, welches das gesamte Tal des oberen und mittleren Xingu, sowie den Rio Iriri, umfasste. Geografisch gesehen besetzen die Indianerstämme dieser Arara-Unterfamilie ein Gebiet zwischen den grössten demografischen Konzentrationen von Karib sprechenden Stämmen: dem Bergland von Guyana und den Quellflüssen des oberen Rio Xingu.

Infolgedessen ist die Region der Flüsse Ronuro, Batovi, Culiseu, Culuene (eben die Quellflüsse des Rio Xingu, heute das Gebiet des Parque Indigena do Xingu) höchst wahrscheinlich der Original-Lebensraum der Völker dieser sprachlichen Unterfamilie. Ihr Aufbruch aus dem Xingu-Becken scheint parallel zur Wanderung der Kayapó stattgefunden zu haben, die aus der Umgebung des Rio Araguaia in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgebrochen sind und das Gebiet des mittleren Xingu gegen Anfang des 20. Jahrhunderts besiedelten.

Die gesamte Region zwischen dem Tapajós und dem Tocantins und besonders das Tal des Rio Xingu scheint ein Gebiet konstanter Bewegung eingeborener Gruppen gewesen zu sein – bis zum Anfang des zweiten Viertels des vergangenen Jahrhunderts, als Einwanderungswellen aus dem brasilianischen Nordosten die demografische Dynamik der Region zu beeinflussen begannen und die Existenz der dort lebenden eingeborenen Völker bedrohten.

Mythologische Erzählungen der Arara bezeichnen die rechte Seite des Rio Xingu als den Ort, wo alles begonnen haben soll: die Formierung der gegenwärtigen Welt, die Schaffung des Arara-Volkes, die Verteilung der Untergruppen und der Anfang jener Konflikte mit ihren “traditionellen“ Feinden. Historische Daten bestätigen den Verkehr der Arara zwischen den beiden Ufern des mittleren Xingu, unterhalb des “Back Grande“ in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sowohl die historischen Informationen – wie zum Beispiel ihre Konflikte mit Jägern und Arbeitern im Auftrag der Landesregierung – als auch das Erinnerungsvermögen der Ältesten des Stammes, bezeichnen das Gebiet in der Nähe von Altamira, schon unterhalb der Mündung des Rio Iriri, als den Ort der grössten Konzentration von Arara-Untergruppen in der Vergangenheit.

Schon während seiner Expedition zum Xingu im Jahr 1896 erwähnte der Reisende Henri Coudreau die Existenz der “wilden Arara“ – Untergruppen ohne jedweden Kontakt mit den Weissen – am linken Ufer des Rio Xingu, im Gebiet zwischen dem Rio Curuá (auf der linken Seite des oberen Rio Iriri) und nicht weit vom Amazonas ». Ein strategischer Ort, an dem sich die Möglichkeiten ökologischer Anpassung vervielfachten und man die Nutzung verschiedenster Naturprodukte optimieren konnte, welche charakteristisch für die Täler des Xingu und des Amazonas sind. Gleichzeitig bescherte jene Wasserscheide den Arara ganz unterschiedliche Jagdreviere – deshalb vor allem produktiver und sowohl in der Trocken- wie der Regenperiode ergiebig!

nach obenKontakt mit der nationalen Gesellschaft

Die Geschichte des Kontakts zwischen den Arara und der nationalen Gesellschaft ist relativ lang. Seit 1850 gibt es Berichte von friedlichen Kontakten zwischen Arara-Indianern und Bewohnern der Flussregion des Xingu und des Iriri in der Nähe von Altamira. 1853 erscheinen sie zum ersten Mal in offiziellen Registern, und zwar in Berichten des Präsidenten der Provinz Pará, nachdem sie sich am Unterlauf des Xingu in friedlicher Absicht gezeigt hatten. 1861 hält sich eine Arara-Gruppe zirka zehn Tage unter Latex-Sammlern auf – unterhalb des grossen Wasserfalls des Rio Iriri. 1873 nimmt der Bischof Dom Macedo Costa einige Mitglieder des Arara-Volkes mit in die Stadt Belém.

Zwischen 1889 und 1894 werden die Arara von Latex-Sammlern im Gebiet der Wasserscheide von Amazonas und Xingu/Iriri verfolgt. Während seiner Expedition zum Xingu, 1986, trifft Coudreau nur auf eine einzige Indianerin vom Stamm der Arara, sammelt jedoch einige weitere Informationen über sie : über ihren friedlichen Charakter in der gesamten Xingu-Region, über die sprichwörtliche Schönheit ihrer Frauen, ihre Umgänglichkeit mit anderen Indianervölkern und, er erfährt auch von der Existenz “wilder Arara”. In den ersten Jahrzehnten desselben Jahrhunderts besuchen die Arara bei verschiedenen Gelegenheiten den Ort Altamira.

Während unterschiedlichen Momenten der Geschichte wurden Untergruppen der Arara zu kleineren Abwanderungen innerhalb des riesigen Territoriums gezwungen, welches sie innehatten – Schuld daran waren einmal andere Indianer (besonders Kayapó und Juruna) zum andern Verfolgungen von Latex-Sammlern, Jägern oder Siedlern. Seit Anfang 1950 stiessen solche Jäger oder Sammler oft zufällig auf die Arara, die bis zum Ende jenes Jahrzehnts in ihren ehemaligen Wohngebieten am Flussufer aufzutauchen pflegten.

Im Jahr 1961 werden die Arara von der Polizei aus Altamira beschossen, die sie angeblich wegen der Tötung des Lieblingsschweins eines Siedlers vom Stadtrand verfolgten. 1963 werden Schildkrötenjäger, die den Rio Pentecaua hinauffuhren, von den Indianern angegriffen, die Bäume fällen, um damit den Flusslauf zu sperren und die Jäger in der Falle zu haben. 1964 folgt der Waldläufer Alfonso Alves da Cruz die Pfade der Indianer am Rio Pentecaua: sie waren breit und lang, sehr sauber, so als ob sie dauernd benutzt würden und zwar von zahlreichen Individuen. Auch die dabei entdeckten Pflanzungen waren gross und umsichtig angelegt. Man schätzte die Gruppe auf mehr als 300 Individuen. Die Jahre 1964 und 1965 bringen eine grosse Bewegung von Kayapó (Untergruppe “Kubenkankren”) in jene Region, in der die grössten Konflikte mit den Arara stattfanden. Diese Konflikte mit den Kayapó halten sich immer noch in der Erinnerung der Arara als Auslöser von Flucht und Trennung und dem Verschwinden verschiedener alter lokaler Stammesverbände.

Die späten sechziger Jahre bringen dann eine grundsätzliche Wendung in der Dynamik der gesamten Region rund um den Ort Altamira, als die Arbeiten zur Konstruktion der Transamazônica-Strasse aufgenommen werden und das Profil der Gegend radikal verändern. Die Pläne der Strasse durch den Regenwald des Amazonas sehen ihren Verlauf mitten durch die Wasserscheide der Becken Xingu/Iriri und Amazonas vor (wo die besten geo-morphologischen Bedingungen zu ihrer Konstruktion gegeben sind) – und die Transamazônica wird zu einer bisher nicht existierenden “Barriere” für die Indianer, indem sie das von den Arara traditionell besetzte und genutzte Terrain in zwei Hälften unterteilt – die Strasse wird zur Grenze und zum Hindernis der Beziehungen zwischen verschiedenen Arara-Untergruppen.

Der Schock, den Implantierung neuer Projekte rund um das Bett der Transamazônica auf die traditionellen Lebensgewohnheiten der Arara auslöste, betraf insbesondere ihre gewohnte territoriale Verteilung und die politische Artikulation der lokalen Gruppen, sowie ihre bisherigen Möglichkeiten der extensiven Nutzung der verschiedenen Ökotypen (Mikro-Ambiente der Bäche, die zum hydrografischen System von Amazonas und Xingu/Iriri gehören). Die strategische Verwundbarkeit verschiedener lokaler Gruppen in der Trasse nahegelegenen Dörfern, die nun dem Druck der einmarschierenden Nicht-Indianer ausgesetzt waren, die Beschneidung ihres nutzbaren Territoriums auf lediglich das Xingu/Iriri-Becken – mit dem Verlust des Zugangs zum grössten Teil der Wasserläufe des Amazonasbeckens (welche sich im Norden der Transamazônica befinden) und der daraus resultierende Verlust der Flexibilität in der Nutzung der verschiedenen Ökotypen, das waren die bedeutendsten Folgen, die sich aus den Projekten rund um die neue Strasse für die Arara ergaben.

nach obenUntergruppen, Gebiete und Dörfer

Traditionell existierte zwischen den einzelnen Gruppen der Arara ein interkommunales Netz verschiedener Leistungen, mit denen man die Grundprinzipien des gesellschaftlichen Zusammenlebens definierte: Die politische Autonomie und wirtschaftliche Unabhängigkeit waren der Zusammenarbeit in den rituellen Zirkeln vorbehalten; die ehelichen Verbindungen andererseits – unter Berücksichtigung des resisidenziellen Prinzips, welches die Arara anwandten – verteilten die Männer und ihre Angehörigen auf die verschiedensten Untergruppen innerhalb jenes interkommunalen Netzes. Die Möglichkeit, diese traditionellen Regeln der Arara-Gesellschaft (Verteilung und Unabhängigkeit, Artikulation und Zusammenschluss) auch in der Praxis verwirklichen zu können, hing offensichtlich von der Kapazität jeder einzelnen Untergruppe ab, mit den andern zu kommunizieren. Ihre jüngere Geschichte – betroffen von erzwungenen Abwanderungen und der Suche nach neuem Lebensraum und wirtschaftlichen Existenzmöglichkeiten, die nicht von einer Invasion von Aussen bedroht sind – hat die Kriterien der Wahl für eine Niederlassung der einzelnen lokalen Gruppen verändert : Man sucht nicht mehr nach Autonomie und Unabhängigkeit als Bedingung für eine rituelle Zusammenarbeit und für die ehelichen Verbindungen – heute steht das einfache physische Überleben an erster Stelle. Und so können ihre neu errichteten Dörfer jener doppelten Bedingung nach Autonomie und Unabhängigkeit und gleichzeitiger periodischer Artikulation mit anderen lokalen Gruppen auch nicht mehr entsprechen. Gegen ihre traditionelle Form der Verteilung auf ihr Territorium, gegen die politische Autonomie und die wirtschaftliche Unabhängigkeit zusammen mit einer rituellen Zusammenarbeit und entsprechenden ehelichen Verbindungen, hat die jüngere Geschichte der Arara ihren Möglichkeiten, den Modus operandi ihres kommunalen Leistungsnetzes aufrecht zu erhalten, harsche Grenzen gesetzt.

Die Situation nach dem Kontakt brachte ihnen in Wirklichkeit eine Verkleinerung ihres Lebensraumes, mit einem daraus folgenden Verlust der territorialen Nutzung in traditioneller Art und Weise, sowie eine Behinderung und demografische Konzentration der verschiedenen traditionellen Untergruppen.
Es gibt zwei für die Arara gesetzmässig definierte Territorien, in unterschiedlicher juristischer und geografischer Situation: das “Terra Indigena Arara” und das “Terra Indigena Cachoeira Seca do Iriri”. Ersteres bezieht sich auf die Arara-Untergruppen, welche zwischen 1981 und 1983 kontaktiert wurden, das zweite auf die Gruppe, welche erst im Jahr 1987 entdeckt wurde. Das Gebiet nördlich der Transamazônica wurde von den Indianern verlassen – sowohl als Lebensraum als auch hinsichtlich seiner wirtschaftlichen Nutzung.

Alle Indianer, mit denen man zwischen 1981 und 1983 Kontakt bekam, wurden im Süden der Transamazânica-Trasse angesiedelt, anfänglich in zwei verschiedenen Dörfern und später, in einem einzigen Dorf. Heute lebt der grösste Teil der Arara in einem Dorf, welches von der FUNAI nach dem Kontakt innerhalb des IT Arara angelegt wurde, in der Nähe des Baches Laranjal – die Bevölkerung beträgt etwas mehr als 100 Individuen. Einen kleinen Teil der Bevölkerung – ungefähr zwanzig Personen – die vorher ebenfalls im Dorf Laranjal gelebt hatten, hat man zu einem Wachposten der FUNAI versetzt, der am Rande der Transamazônica errichtet wurde – sie bilden den Kern einer weiteren “Hausbewohner-Gruppe”. Das IT Arara hat insgesamt 139 Bewohner.

Die am weitesten entfernte, und noch relativ isoliert von den anderen, ist die 1987 kontaktierte Untergruppe, zusammengefasst in einem Dorf in der Nähe des Flüsschens “Cachoeira Seca”, am oberen Rio Iriri, im IT Cachoeira Seca – mit 56 Personen, alle Nachkommen einer einzigen Frau (die bis 1994 noch gelebt hat). Die Bevölkerung der Arara betrug im Jahr 1998 insgesamt 195 Individuen.

Zur Zeit ihres traditionellen interkommunalen Leistungsnetzes (wirtschaftlich, zeremoniell, ehelich etc.), vor dem Kontakt, dienten die grossen Zusammenkünfte während der Trockenperiode sowohl zeremoniellen Zwecken als auch der gesellschaftlichen Beziehung zwischen den einzelnen, auf das Territorium verteilten Untergruppen. Heutzutage, ungeachtet ihrer erzwungenen Lebensgemeinschaft in einem einzigen Dorf und ihrer Aufsplitterung in “Hausbewohner-Gruppen”, verhalten sie sich grundsätzlich immer noch so, als befänden sie sich in ihrer traditionellen Situation – in grosser Unabhängigkeit und Autonomie. Der Kontakt-Schock hat sich besonders in den “erzwungenen Wohngemeinschaften” bemerkbar gemacht: Der Tod einiger alter Führer und Schwiegerväter während und gleich nach dem Prozess der Annäherung (an die zivilisierte Welt) hat Verbindungen zwischen Personen unterbrochen, die mit anderen Hausbewohner-Gruppen liiert waren – sie haben sich mit ihren “neuen” Nachbarn reorganisiert. Obwohl man die wahrscheinlichen Langzeitfolgen des Kontaktprozesses noch nicht ganz abschätzen kann, hat sich die Arara-Bevölkerung seit der Annäherung erfreulich vermehrt – etwa 30% der heutigen Stammesmitglieder sind bereits in einer Situation permanenten Kontakts mit der nationalen Bevölkerung geboren worden. Es ist klar, dass solche tiefgreifenden Veränderungen viele bedauernswerte Konsequenzen mit sich brachten, aber noch scheinen sich die Grundzüge des gesellschaftlichen Lebens der Arara intakt gehalten zu haben – und auch der fundamentale Status der einzelnen Untergruppen hat überlebt.

Im Dorf Laranjal hat sich jede einzelne der antiken lokalen Gruppen schliesslich eingeordnet – im allgemeinen innerhalb einer einzigen residenziellen Gruppe, als Ausdruck ihrer kollektiven Natur. Diese residenziellen Einheiten präsentieren sich als grosse kollektive Häuser, die sich um die Figur eines schon sehr alten Mannes scharen, dem Vater des grössten Teils der Frauen und Schwiegervater der erwachsenen Männer, welche dort leben. Obwohl sie lediglich unter dem Namen ihres betagten Führers auftreten und auch juristisch gesehen keine klare Position einnehmen, gebührt jenen residenziellen Gruppen dennoch, was ihren gesellschaftlichen Charakter betrifft, eine offensichtliche Anerkennung in der Öffentlichkeit: jedes Individuum wird als Mitglied zu einer bestimmten Hausbewohnergruppe gezählt, und die kollektiven Häuser funktionieren in der Tat als unabhängige soziale Einheiten, die innerhalb verschiedenster gesellschaftlicher Aspekte als eine Art Kollektiv operieren.

Im Gegensatz zum Dorf Larajal präsentiert sich das von den anderen Stammesmitgliedern um den FUNAI-Posten angelegte Dorf am Bach “Cachoeira Seca” einfach als eine kleine, unordentliche Anhäufung von Häusern, die von Einheiten verschiedener Ehepaare besetzt sind. Sicher auch deshalb, weil es sich in diesem Fall um eine einzige lokale Gruppe handelt, deren Isolierung von den andern das Ergebnis ihrer besonderen Geschichte ist – und mit ihr hat die traditionelle residenzielle Konfiguration ihren Status verloren.

Die residenziellen Gruppen werden von unterschiedlichen Logiken zusammengehalten. Ehen werden auf einer minimalen exogamischen Basis der durch Geburt verbundenen Gruppe geschlossen. Die uxorilokale Residenz, fast eine Selbstverständlichkeit für die erste Heirat eines Mannes (die Arara sind im allgemeinen poligam), ist ein wichtiges Prinzip der Rekrutierung für eine Hausbewohnergruppe, das aber oft gegen individuelle Ansprüche unterschiedlichster Art zurückstehen muss (Prestige und persönliche Verwandtschaften, Solidaritätspakte und Kooperation zwischen Personen, etc.). Und wenn die verwandtschaftlichen Beziehungen einen bedeutende Bedingung in der Komposition der Hausbewohnergruppen darstellen, so ist eine andere die Notwendigkeit, dass solche Hausbewohnergruppen sich auch als effiziente Kooperationseinheiten beweisen : sie müssen aus einer hinreichenden Zahl von erwachsenen Männern bestehen, die sich bezüglich der kollektiven Aufgaben solidarisch verhalten (bei der Jagd während der Trockenperiode, der Bearbeitung des kollektiven Feldes, etc.). Verwandtschaft und die Notwendigkeit zur Kooperation sind Prinzipien auf denen eine residenzielle Gruppe funktioniert : die Verwandtschaft zwingt zu einer Form von kompulsiver Kooperation (konkret der “Dienst an der Braut”, den der Ehemann seinem Schwiegervater und den Schwagern schuldet), und den die Arara zu umgehen versuchen – während sie die Blutsverwandtschaft und formelle Freundschaft (Partnerschaften zur Jagd und bei der Kriegsführung) in einer anderen Art der Kooperation anerkennen, weniger tiefgreifend und eher freundschaftlich (die aber, virtuell gesehen, ebenso verpflichtend ist wie die erste).

Es gibt etliche Ungereimtheiten von denen die persönlichen Gründe abhängen, welche die Art und Weise der Verteilung der Bevölkerung auf die verschiedenen Häuser beeinflussen. Im Dorf Laranjal, zum Beispiel, gibt es drei anerkannte residenzielle Gruppen, aber fünf verschiedene Häuser: zwei davon werden von verehelichten Einheiten bewohnt, die aus nicht ersichtlichen Gründen autonom als Hausbewohnergemeinschaft, gesellschaftlich aber in grössere residenzielle Gruppen integriert sind.

Die Arara haben keinen bestimmten Ausdruck für “Dorf” – einer Konzentration von Häusern innerhalb eines gemeinsamen Lebensraums. Diese Unbestimmtheit zwischen Haus und Dorf weist auch auf die Tatsache hin, dass in der Vergangenheit – noch gar nicht lange her – ein einziges Haus den gesamten Wohnbezirk einer lokalen Gruppe in sich vereinte.

nach obenWirtschaft, Kosmologie und rituelles Leben

Gegenwärtig ist das Dorf Laranjal die privilegierte Bühne des gesellschaftlichen Lebens der Arara. Der Wachposten und das Dorf von “Cachoeira Seca”, als Lebensraum nur einer einzigen residenziellen Gruppe, besitzen keine kollektive Form von erarbeiteten Interaktionen – so wie sie im Patio des grossen Dorfes, besonders während der Trockenperiode, der Zeit der grossen Jagden und der sie begleitenden Festlichkeiten, stattfinden.

Die wirtschaftlichen und rituellen Zyklen vereinen sich in der Trockenperiode. Sämtliche Feldarbeit, die während der “feuchten Zeit” des Jahres ausgeführt wird, dient nicht nur dem täglichen Nahrungsbedarf, während die grossen Jagdzüge der “trockenen Zeit” nicht existieren. Während ihre uneingeschränkte Bevorzugung zur festen Ernährung der “Macaxeira” (ungiftige Maniok) gilt, dient fast alles, was sie ausserdem anbauen – Kartoffeln, Cará, Mais und Früchte wie Ananas, Bananen etc. – der Herstellung eines fermentierten Getränks, welches als notwendige Gegengabe für die Jagdbeute der Jäger betrachtet wird, die ihre mehrere Wochen dauernden Jagdzüge aufnehmen, sobald die Regenfälle nachlassen und der Wald trocken genug ist, um die Fährten der jagdbaren Tiere verfolgen zu können.

Der Tausch des Fleisches der Jagdbeute gegen die fermentierten Getränke verlangen stets eine gründliche rituelle Würdigung, in der die residenziellen Gruppen ihren kollektiven Charakter ausdrücken: die eine Gruppe geht auf die Jagd, die andere produziert Getränke als Gegenleistung für das Fleisch, das sie erhalten wird. Während der gesamten Trockenperiode kann man diese Vorbereitungen im Dorf Laranjal beobachten: eine Gruppe zieht los zu einer längeren Jagd, die andere beschäftigt sich mit dem Abernten aller der Feldfrüchte, die man zur Herstellung von Getränken verwenden kann.

In einer Art von wirtschaftlichem Symbolismus betrachtet verstehen sich Fleisch und Getränk innerhalb eines Systems, dessen Zentrum die native Doktrin über die Zirkulation einer vitalen Substanz darstellt, die sie “EKURU” nennen. Diese fliesst mit dem Blut der erlegten Tiere in die Erde und wird durch sie ein Teil der die Pflanzen ernährenden Flüssigkeiten. Die vitale Substanz ist Mittelpunkt der allgemeinen Begierde – nicht nur der Menschen, sondern aller Wesen, welche die Welt bevölkern: Objekt einer allgemeinen Ausbeutung – es ist die EKURU-Substanz, hinter der die Menschen her sind, wenn sie Tiere auf der Jagd erlegen, und wenn sie Pflanzen in fermentiertes Getränk verwandeln – sie nennen es “PIKTU”, eine der bedeutendsten Quellen aus denen die Menschenwesen ihre vitale Substanz gewinnen können.

Die Kapazität der Erde, solche vitalen Substanzen zurück in Nährstoffe der Pflanzen zu verwandeln, aus denen die Menschen dann Getränke herstellen, ist auch Orientierungsgrundlage bei den Bestattungspraktiken der Arara. Traditionell beerdigen die Arara ihre Toten nicht, sondern sie reservieren ihnen eine kleine Plattform im Wald, innerhalb eines kleinen Totenhauses, das zu diesem Zweck angelegt wird. Getrennt von der Erde, kann der Tote langsam trocknen und alle seine noch vorhandene vitale Substanz an die Gruppe von metaphysischen Wesen abgeben, welche seine Leiche zu umgeben pflegen und sich von dem ernähren, was jenem Körper einst Leben verliehen hat. Die Bestattung der Arara ist, so gesehen, eine Art von Rückgabe der vitalen Substanzen, welche von den Menschen der Welt entnommen werden – ein Tausch oder eine eskatologische Wiedergutmachung gegenüber den anderen Wesen auf der Welt.

Anders gesehen, findet die Zirkulation des EKURU zwischen den Lebenden durch den Tausch von Fleisch gegen Getränk statt – und ihren Höhepunkt erreicht sie während der Riten, welche der Rückkehr der Jäger folgen. Auf diese Weise werden die Riten zum Kelch, aus dem die native Doktrin der Zirkulation der vitalen Substanz fliesst und sich zum Artikulationsprinzip der verschiedenen Untergruppen innerhalb eines Schemas von gegenseitiger Abhängigkeit ausbreitet. Die wirtschaftlichen Aktivitäten (Jagd und Feldarbeit), die Prinzipien der Gesellschaftsstruktur (die Verteilung der Untergruppen) und die native Auffassung hinsichtlich der Funktion der Welt, werden Realität durch die rituellen Praktiken, welche sich mit dem Tausch von Fleisch gegen Getränk verbinden. Und, weil sie nun mal eine ihnen eigene, native Auffassung von der Welt haben, dürfen in ihr auch schamanistische Praktiken nicht fehlen.

Das Schamanentum der Arara ist eine eher diffuse, unter den Männern allgemein verbreitete Angelegenheit – jeder Mann, ob besonders metaphysisch begabt oder nicht, wird in die Geheimnisse eingeweiht und praktiziert, wenigstens zu einem Teil, die Techniken und Künste eines Schamanen. Und es ist ihre Aufgabe, oder wenigstens die Aufgabe derer, die ein etwas grösseres Prestige geniessen, zusammen mit den metaphysischen Mächten dafür zu sorgen, dass die Jagd und die Riten, welche Fleisch und Getränke zirkulieren lassen, von Erfolg gekrönt sind.

Unter den symbolischen Voraussetzungen für die Jagd gibt es ein für die Schamanen reserviertes Ritual, zu dem diese sich mit magischen Formeln innerhalb des Waldes an die metaphysischen Mächte wenden, welche die einzelnen Tierarten kontrollieren (die “OTO”) – von ihnen erbitten sie sich Tierbabies, die von den Stammesmitgliedern grossgezogen werden sollen. Das Fangen von Jungtieren zur Aufzucht wird so als Ergebnis der Kontaktaufnahme eines Schamanen mit einem “OTO” betrachtet, der jene Tierart kontrolliert. Auf der anderen Seite verbietet eine solche Aufzucht eines Jungtieres der entsprechenden Person die Jagd auf dieselbe Spezies – während dieses Verbot für keinen anderen Mann der Gruppe Gültigkeit hat.

Die Musik und Gesänge, welche die Arara während ihrer langen Fest-Zyklen während der Trockenperiode zu Gehör bringen, sind ebenfalls mit Theorie und Praxis der Jagd engstens verbunden. Lange Trompeten aus Bambusrohr führen melodische Stücke aus, welche jeweils den wichtigsten jagdbaren Tierarten zugeordnet werden können. Von Gruppen oder formellen Riegen präsentiert, verkünden diese Trompeten den spirituellen Beschützern den Tod der Tiere und dienen gleichzeitig als Vorwand zur Rückkehr der Jäger in ihr Dorf, nach ihrem langen Aufenthalt im Regenwald. Die Jäger begleiten die einzelnen rituellen Etappen zur Vorbereitung ihrer Rückkunft entsprechend der im Dorf gespielten Musik-Frequenzen – schliesslich sammeln sie sich am Dorfrand und simulieren eine aggressive Invasion desselben, indem sie von allen Seiten laut schreiend hineinrennen und sich erst beruhigen, wenn sie von den zuhause Gebliebenen ihr “PIKTU” als Gegengabe für das mitgebrachte Fleisch bekommen haben.

Im Gesamtausdruck ihrer Symbolik werden die grossen, der kollektiven Jagd gewidmeten Riten, zu einem effizienten Mechanismus, in dem sich ethische und moralische Werte manifestieren, sich konkretisieren und die Bildung einer nativen Idee ihrer Kollektivität fördern. Ein verschachteltes Netz von gegenseitig erbrachten Werten und Prinzipien in Bezug auf gutes Benehmen, Hilfsbereitschaft, Solidarität und Grosszügigkeit findet in den Riten eine privilegierte Ausdrucksform.

nach obenGegenwärtige Situation

Die Arara stehen gegenwärtig vor zwei grossen Problemen. Eins davon ist die aktuelle Situation der ihnen zugesprochen Ländereien mit der immer noch schwebenden offiziellen Anerkennung des IT “Cachoeira Seca do Iriri“ – projektiert als Fortsetzung des IT Arara, was die Rekonstruktion des traditionellen Prozesses der Interaktion mit der dort ansässigen Untergruppe erlauben und ausserdem die räumliche Erweiterung für eine Wiederaufnahme ihrer angestammten Lebensweise bedeuten würde.

1994 folgte ich, als Mitglied der ”Associação Brasileira de Antropologia”, einer Einladung der FUNAI zur Teilnahme an neuen Studien zur Definition des IT Cachoeira Seca do Iriri, wo die 1987 kontaktierte Arara-Untergruppe angesiedelt worden ist. Ungeachtet aller Anstrengungen und des Einsatzes der Indianer selbst, sowie der Vereine und Repräsentanten der Siedler und Landbesetzer, mit denen es wider Erwarten gelang, einen relativ akzeptablen Konsens hinsichtlich der Gebietsgrenzen für beide Seiten zu konstruieren – nachdem man die durch die Bequemlichkeit und Inkompetenz einiger weniger entstandenen Anfangsprobleme endlich beseitigt hatte – hat man den Regulierungsprozess für das Gebiet wieder sich selbst überlassen, aus Gründen, die ich nicht kenne, aber deren Ursachen ich vermute.

Das andere Problem ist die überstürzte, und oft entfremdende Art und Weise, mit der sich die Kontakte zwischen den Indianern und den Tausenden von Siedlern vollziehen, von denen sie umgeben sind. Schon aus ihrer geringen Bevölkerungszahl, ihrem relativ raschen demografischen Wachstum und dem Einfluss der portugiesischen Sprache im Alltag kann man schliessen, dass ihre kulturgesellschaftliche Reproduktion bereits ziemlich kompromittiert ist.

Zwischen 1987 und 1992 gab es selbst unter den Jugendlichen und unter den Frauen – Personen, die in der Regel mit dem Personal des FUNAI-Postens öfter in Kontakt kommen – nur sehr wenige, die der portugiesischen Sprache mächtig waren. Von da an jedoch, mit der progressiven Einführung einer Schule, mit Lehrerinnen, die von der “Prelazia do Xingu” unter Vertrag genommen wurden, begannen Kinder und Jugendliche mit einer intensiveren Anwendung des Portugiesischen – manchmal ersetzten sie ihre native Sprache sogar durch eine portugiesische Unterhaltung untereinander. Aber im Jahr 1994 waren die älteren Erwachsenen, mit nur wenigen Ausnahmen, noch vollkommen einsprachig.

Die Situation wurde kritischer als verschiedene erwachsene Männer – vor allem jene, die zum FUNAI-Posten umgezogen waren – damit begannen, sich durch die Siedler, die Nachbarn des Indianerterritoriums, Zugang zu jenen materiellen Industriegütern zu verschaffen, die ihnen die FUNAI verweigerte: als Gegenleistung vernachlässigten sie oft ihre eigenen Arbeiten zuhause, um den Siedlern ihre Hilfe bei der Ernte oder der Feldarbeit anzubieten. Diese zunehmend konstante Interaktion hat auch den Einfluss der protestantischen Kirche vergrössert – die schon seit längerer Zeit ihre Fühler in Form eines linguistischen Missionars-Doppels unter den Indianern des Postens ausgestreckt hatte – und sie beginnt nun die ersten degenerativen Effekte zu zeitigen, wie den unmässigen und kontextlosen Konsum alkoholischer Getränke, der für die Tradition der Arara fremd, aber unter den Siedlern der Region allgemein üblich ist. Wie lange das alles nur der kleinen Bevölkerungs-Parzelle rund um den Posten beschieden bleibt, die vor der Tür jener perversen Einflüsse lebt, das kann man leider nicht voraussehen. Aber die Zukunft der Arara hängt zweifellos von ihrer Kapazität ab, mit der sie sich trotz ihrer Kontakte zur weissen Bevölkerung, ihre eigenen fundamentalen Werte und Bedingungen zur Erhaltung und Pflege der zentralen Aspekte ihrer Lebensweise, und der Vision von ihrer eigenen Welt, bewahren.

nach obenBemerkungen über die Quellen

Ethnographischen Aufzeichnungen über die Arara erscheinen erstmals in Artikeln von Curt Nimuendajú. Bis dahin gab es höchstens mal vereinzelte historische Informationen in administrativen Relatorien der antiken Provinz Pará. Nachdem sie ab der vierziger Jahre als ausgestorben galten, hat man bis zum Vollzug des erst vor wenigen Jahren verwirklichten Neukontakts mit den Arara nichts mehr von ihnen gehört. Kleine, linguistische Relatorien hat man anfänglich als Kontakthelfer zusammengestellt, die von sprachgewandten Missionaren im Auftrag der FUNAI angefertigt wurden. Ab der zweiten Hälfte der 80er Jahre wurden neue Studien in die Tat umgesetzt. Die Arara-Sprache wird zum Mittelpunkt der phonetischen Beschreibung innerhalb einer Dissertation des Missionars Isaac Souza an der UNICAMP und eines Relatoriums im linguistischen Sektor des Nationalmuseums, erarbeitet von Márnio Teixeira Pinto zum Thema des Studiums der brasilianischen indigenen Sprachen.

Eine erste systematische ethnographische Beschreibung, die sich mit der eingeborenen Auffassung ihrer Doktrin über den Zyklus der vitalen Ekuru-Substanzen befasst, wurde in der Dissertation zum Professor von Márnio Teixeira Pinto vorgestellt, der ausserdem verschiedene thematische Artikel verfasst hat : über Körperbemalung und Schmuck, über familiäre Bindung, Geschichte des Kontakts und erst kürzlich ein Buch herausbrachte, in dem er seine Thesen veröffentlichte – mit einer ausführlicheren Beschreibung hinsichtlich verschiedener Aspekte des gesellschaftlichen Lebens der Arara, in Zusammenhang mit antiken Riten zur Opferung von Feinden, Jagdverhalten, Produktion und Verteilung von Getränken, der bei Riten intonierten Musik, etc. Über die Musik der Arara gibt es ebenfalls Artikel von Jean-Pierre Esteval. Vor kurzem wurden die Rechte für ein kommerzielles Video – zusammengestellt zwischen 1992 und 1994 als unabhängige Produktion der englischen Equilibrium Films und der Nova Films, konsultiert von Márnio Teixeira Pinto – von der National Geographic Society erworben, die gegenwärtig eine neue Version vorbereitet, welche ebenfalls von Márnio Teixeira Pinto als Berater begleitet wird.

© Márnio Teixeira-Pinto – Universidade Federal do Paraná
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung, Klaus D. Günther

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