Indio-Spiele

Veröffentlicht am 8. November 2009

Die so genannten „Indianischen Spiele“ gehören zu den wichtigsten kulturellen Manifesten Brasiliens. Jedes Jahr verwandelt sich dieses Ereignis in eine grosse Demonstration des Friedens, welche die gegenseitige Harmonie und Ausgeglichenheit der beteiligten Stammesgesellschaften beweist. Über die friedliche Verbrüderung hinaus ist es das Ziel dieses Indianer-Sportfestes, alle Indianervölker zu integrieren, ihre traditionellen Sportarten zu pflegen, und ihrer Ausübung den Wert beizumessen, der ihnen gebührt. Bei den Wettkämpfen stehen das Andenken und die Tradition im Vordergrund – deshalb wird das Ereignis durch folgenden Wahlspruch geprägt: „Wichtig als der Wettkampf ist die die Teilnahme an der Feier“!

Historische Entwicklung

indio_spiele_logoDie Realisierung der „Indianischen Spiele“, nach olympischem Vorbild, war einer der Träume aller indianischen Kommunen Brasiliens, die selbst eine traditionelle Sportmodalität betrieben. Und dieses Ideal haben die Indianer, wann immer man ihnen dazu Gelegenheit gab, über viele Jahre in ihre Forderungen an die Regierung eingebracht – immer wieder haben sie die deutliche Formulierung einer nationalen Politik verlangt, welche sich mit den Fragen der Gesellschaft beschäftigen sollte – vor allem der indianischen. Solche Meetings zwischen den Regierungsvertretern und den Indianern standen oft unter grossem Druck, und erstere gewannen den Eindruck, dass die Indianer unter konstanter Depression litten.

Aber so war es keineswegs. Innerhalb ihrer eingeborenen Gesellschaft waren sie es seit eh und je gewohnt, sowohl Trauer als auch ihre Freude in gemeinsamen traditionellen Festen auszudrücken – ihre Gefühle herauszulassen während der Herstellung ihres Federschmucks, dem Bemalen ihrer Körper, ihren rituellen Tänzen und Gesängen, der Begleitung durch ihre Musikinstrumente und ihrer traditionellen sportlichen Begegnungen. Und ihre Häuptlinge suchten nach der Anerkennung dieser Manifeste ihrer Kultur durch die Landesregierung und nach einer Verbreitung – nicht nur, um sie den Nicht-Indianern zu zeigen, sondern um damit die mehr als 180 noch existierenden eingeborenen Ethnien Brasiliens, die mehr als 200 verschiedene Sprachen sprechen, einander anzunähern und gemeinsame Interessen bei der Regierung durchzusetzen. Gemeinsam ersuchte ein Gremium von Indianerhäuptlingen bereits am Anfang der 80er Jahre die Landesregierung in Brasília sowie auch die Regierungen der Bundesländer auf, um die Mittel für die Realisierung der „Indianischen Spiele“ zu verlangen.

Aber erst 16 Jahre später waren sie am Ziel: Im Jahr 1996 wurde zum ersten Mal das Sportministerium  geschaffen, und der dafür gewählte Minister Edson Arantes do Nascimento – der Welt besser bekannt unter seinem Spitznamen „Pelé“ – verabschiedete einen Kostenvoranschlag, der endlich dem Anliegen der Indianer nach ihren „Spielen“ stattgeben sollte.

Im Oktober desselben Jahres fand in der Hauptstadt Goiánia (Bundesstaat Goiás) die erste Ausgabe die „Jogos dos Povos Indigenas“ statt. Die Veranstaltung vereinte damals 400 Athleten aus 25 verschiedenen Stämmen. Die gesamte Aktionslinie – angefangen von der Gesamtkonzeption bis zum Ausbau des Veranstaltungsgeländes (Olympisches Dorf), seiner Strukturen und auch der Definition der verschiedenen Modalitäten – alles machten die Indianer selbst.


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