Indio Bemalung

Veröffentlicht am 8. November 2009

WIR, WIE WIR WAREN
Eine Selbstbetrachtung von Laurinda Komaeda aus dem Volk der Bakairi – übertragen von Darlene Taukane, Lehrerin an der Schule der Bakairi.

“Unsere Vorfahren waren es, die sich schon mit Farben aus der Natur ihre Körper bemalten. Seit dem Anfang unserer Existenz waren wir schon so – dort, wo unsere Heimat war, wo wir geboren wurden, dort haben wir uns bemalt. Die Männer bemalten sich mit den Farben und Formen des Mannes, und die Frauen bemalten sich mit ihren. Das gehört zu uns – ist unsere eigene Kultur – und bis heute sind wir die Enkel unserer Vorfahren geblieben, die ihre Bemalung bewahrt haben. Wir benutzen Jenipapo und Urucum für unsere Bemalung – niemals werden wir unsere Körperbemalung vergessen.

Heutzutage, da wir die Kultur der Weissen kennen gelernt haben, benutzen wir Kleider und Kämme, um uns zu schmücken, aber trotzdem machen wir auch Gebrauch von unserer traditionellen Bemalung, unseren Tänzen und unserer Musik. Wir veranstalten den “Kadoeté“ – in ihm pflegen wir unsere Tradition – aber die Frauen haben da nichts zu suchen – wir Frauen respektieren das, denn dies ist unser Schicksal und war schon immer so in unserem Volk, seit wir geboren wurden. Und so haben auch die Männer ihre besondere Bemalung – mit Urucum, Holzkohle und Tabatinga (weissem Lehm).

Das sind die Sachen, die ich darüber zu erzählen weiss. Ich bin aus der hiesigen Generation – bin hier geboren, an diesem Ort, aber habe schon viele ältere Personen gehört, die sagen, das es genauso ist. Fertig.“

DIE KÖRPERBEMALUNG DER IM BEISPIEL DER BAKAIRI

Sie wird in vier Grundfarben angelegt: dem Blauschwarz der Genipapo-Frucht – dem Ziegelrot der Urucum-Pflanzenkapsel – dem stumpfen Schwarz der Holzkohle und dem kalkigen Weiss des Tabatinga-Lehms.

bemalung_GenipapoMit der Farbe des Genipapo (blauschwarz) werden die grafischen Grundmotive auf den Körper gezeichnet (man benutzt dazu Stäbchen, die an einem Ende mit Rohbaumwolle umwickelt sind und so als “Pinsel“ dienen – wie unsere bekannten Wattestäbchen) – Muster, die stets mit Tieren assoziiert sind. Die Urucum-Farbe (rot) wird vor dem Auftragen mit Pequi-Öl gemischt – auf der Stirn und auf den Füssen wird sie dann dick und grell aufgetragen, während der restliche Körper einen verdünnten Auftrag erhält, der die schwarze Zeichnung mit Genipapo wirkungsvoll hervorhebt. Die Holzkohle wird für die feinen Gesichtsmuster verwendet – hierzu benutzt man ein Buriti-Stäbchen ohne Baumwolle, denn die Linien werden in diesem Fall nicht gemalt sonder gedruckt. Es gibt die verschiedensten Gesichtsbemalungen, die meist verwendete heisst “Kavida“ und entspricht dem Ara (Grosspapagei).

Zur Zubereitung der Genipapo-Farbe wird die gleichnamige Frucht grün gepflückt (dann hat die Farbe eine bessere Qualität) und ihr Fruchtfleisch wird gemahlen. Dann fügt man der Masse etwas Wasser bei. Nun wird die Masse in ein Tuch gefüllt und über einem Gefäss ausgepresst – der Saft wird dann über Feuer erhitzt. Wenn er schäumt, ist die Farbe fertig. Weil sie nach einiger Zeit an Schwärze zunimmt, lässt man sie mindestens einen Tag bis zum Gebrauch stehen.

bemalung_kinderErst nachdem die schwarze Genipapo-Bemalung getrocknet ist, legt man die entsprechenden Felder mit der roten Urucum-Farbe an. Letztere findet sich in jedem indianischen Haushalt schon vorbereitet in Form einer harten Kugel, die mit Maisblättern umwickelt aufbewahrt wird – sie stammt aus einem ähnlichen Zubereitungsprozess, verdirbt aber im Gegensatz zur Genipapo nicht so rasch. Will man sie benutzen, so löst man Teile von ihr in Pequi-Öl, und fertig ist die rote Farbe.

Man beginnt mit der Bemalung, indem man den zu bemalenden Körperteil mit dünnen Linien abgrenzt. Dieser Teil liegt beim weiblichen Körper stets an den Körperseiten – in Höhe der mittleren bis unteren Rippenbögen bis hinunter zu den Fussknöcheln (siehe Zeichnung). Anschliessend wird die Zeichnung aufskizziert – ein Netz geometrischer Formen, die entsprechend der ausgesuchten spezifischen Bemalung von Person zu Person variieren können. Später werden dann bestimmte Felder auch noch mit Genipapo ausgefüllt, und es entstehen sehr reizvolle schwarze Muster auf rötlichem Untergrund, von denen wir im Anschluss ein paar präsentieren möchten.

“Menxu Tâtagâneim“
Süsswasserfisch
“Kanra Iguyry“
Fischgrätenmuster
“Myty Iery“
Vogel
bemalung_Menxu_Ttagneim bemalung_Kanra_Iguyry bemalung_Myty_Iery
“Kuma“
Japuíra-Vogel
“Kado ety Emydy Wogonron“
Süsswasserfisch
“Menxu“
Fisch
bemalung_Kuma bemalung_Kado_ety_Emydy_Wogonron bemalung_Menxu
“Semimu“
Fledermaus
“Âgudo“
Anakonda
“Xurui“
Pintado-Fisch
bemalung_Semimu bemalung_gudo bemalung_Xurui
“Tuturein“
Boa Constrictor
“Tywigâ Tokolâ Tawonreim
“Libelle
bemalung_Tuturein bemalung_4_frauen bemalung_Tywig_Tokol