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Die Geschichte der FUNAI » Seite 2

Veröffentlicht am 10. Mai 2013
Romero Jucá Filho – Mai 1986 bis September 1988

Wirtschaftsexperte aus Pernambuco, vorgeschlagen vom Minister Marco Maciel, seinem Landsmann und Chef der “Casa Civil“, er leitete das “Projekt Rondon“.

Er verwirklichte die Dezentralisierung der FUNAI und vertrieb die Indios aus der Hauptstadt Brasília. Als moderner Technokrat unterzeichnete er unzählige technische Vereinbarungen mit anderen Ministerien. In den fünf ersten Monaten seiner Amtszeit war die Belegschaft der FUNAI auf von 3.300 auf mehr als 4.200 Mitarbeiter gestiegen. Allein in Recife, seiner Heimat, wuchs das Büro der FUNAI auf 400 Beschäftigte.

Er machte den Versuch, die Krise der FUNAI aus den Seiten der Presse herauszuhalten, bekam es jedoch mit einer Intervention des TCU (Finanzinspektion) zu tun, wegen der finanziellen Unregelmässigkeiten seiner Institution. Er verteidigte die “pragmatische Linie“ einer Ausbeutung von natürlichen Ressourcen der Indio-Territorien und wurde angeklagt, unzählige Verträge mit der Holz verarbeitenden Industrie abgeschlossen zu haben.

Er manifestierte sich gegen eine Präsenz von Goldschürfern in den Indio-Territorien, unterzeichnete aber 1987 eine Vereinbarung zwischen FUNAI und DNPM zur Ausbeutung von Mineralien innerhalb derselben durch Grossunternehmen. Im Mai 1988 unterschrieb er ein Dokument zur Erarbeitung einer offiziellen Studie über das kulturelle Niveau der Indios. Er verliess die FUNAI, als er zum Gouverneur des Bundesstaates Roraima ernannt wurde und schleppte einen Prozess vor dem obersten Bundesgericht mit sich, weil er die illegale Holzausbeutung in Indio-Territorien autorisiert hatte.

Bereits ausserhalb der FUNAI, als Gouverneur in Roraima, ging er dazu über, den Aufenthalt der Goldschürfer-Invasion im Territorium der Yanomami-Indios zu verteidigen.

Íris Pedro de Oliveira – September 1988 bis März 1990

Advokat – zwischen 1980 und 1983 war er Präsident der Gruppe “Terras do Araguaia/Tocantins“ (Getat), bekannt als ein Organ der Repressalien und Polizeikontrollen. Als Pragmatiker bevorzugte er technische und operationelle Lösungen zur Charakterisierung der indigenen Territorien: Ihre Areale durch natürliche Grenzen zu markieren – indigene Gruppen zu transferieren um Konflikte mit Kolonisten zu vermeiden, etc.

Im Jahr 1980 beschleunigten Landbesetzer eine Invasion des Indio-Territoriums (IT) der Xikrin do Cateté, in Marabá (Bundesstaat Pará) – 1982 entschieden sich “Getat, Eletronorte“ und die FUNAI für eine Neustrukturierung des ITs Parakanã, “um indiskriminierte Kontakte“ zwischen den Familien zu verhindern, die direkt oder indirekt von der Überflutung der UHE betroffen wären – man transferierte sie, mir nichts, dir nichts, an einen Randabschnitt der Transamazônica.

Seine Ernennung bestätigte die Verknüpfung der FUNAI mit den Interessen des CSN. Denunzierungen aus den eigenen Reihen der FUNAI gaben an, dass er sich der internen Flugzeuge bediente, um eine Fazenda in Imperatriz (Bundesstaat Maranhão) zu besuchen, deren Besitzer er war, und wo er eine FUNAI-Administration eingerichtet hatte. Die brach alle Rekorde bezüglich Präsidentenbesuche während seines Mandats. Íris erneuerte das Abkommen mit dem “Instituto Linguistico“ (SIL) und erweiterte dessen Kompetenz auf das gesamte nationale Territorium.

Coronel Airton Alcântara – März bis August 1990

Trat der FUNAI bei, um Coronel Carneiro, vom CSN, zu ersetzen, der während des Mandats von Íris Pedro zum Superintendenten ernannt worden war, jedoch am Tag seines Amtsantritts verstarb.

Alcântara wurde Präsident und behielt seine Position während der Übergangsphase, die vom neuen Präsidenten der Republik, Fernando Collor de Mello, eingeleitet worden war. Dieser verfügte, die FUNAI dem Justizministerium zu unterstellen, nachdem er das Innenministerium aufgelöst hatte. Um sich in seiner neuen Position zu festigen, unternahm Alcântara ein paar Sympathie heischende Schachzüge betreffs der Indio-Experten und Anthropologen, indem er Dekrete zur Reintegration der Territorien Uru-Eu-Wau-Wau und Kaiabi Gleba Sul unterzeichnete.

Auf der anderen Seite erarbeitete er eine Liste mit 880 Bediensteten, die ab sofort in den Status “zur Verfügung halten“ versetzt werden sollten, indem er als Argument eine administrative „Hexenjagd“ anführte, in die er auch Anthropologen und Indio-Experten als “zur Verfügung“ einschloss.

Sergeant Cantídio Guerreiro Guimarães – August 1990 bis Juli 1991

Unteroffizier der Reserve bei der Luftwaffe (wo er als Sergeant der Wartung und Reparatur von Flugzeugen gedient hatte), persönlicher Freund des Ex-Präsidenten Romero Jucá und regionaler Superintendent der FUNAI in Cuiabá von 1986-87. Gegen beide läuft ein Prozess beim Bundesgerichtshof wegen Autorisierung illegaler Abholzung im IT Uru-Eu-Wau-Wau.

Cantídio war Gehilfe des Ex-Präsidenten Íris Pedro de Oliveira und Kabinettschef des Staatsanwalts der Republik, Clóvis Ferro Costa. In dieser Funktion autorisierte er – genehmigt von Ferro – die Benutzung der Strasse, deren 38 Kilometer langer Abschnitt durch das Territorium der Indios Waimiri-Atrari führt. Vor seiner Ernennung zum Präsidenten der FUNAI war er Mitglied in der Vertretung des Bundesstaates Amapá in Brasília.

Er wurde seines Amtes enthoben durch Anschuldigungen der Indios vom Xingu – von der auch die Presse Wind bekam – dass er im Assessor “Parque Indígena do Xingu“ nackte Indianerinnen fotografiere und “Mädchen und Jugendliche belästige“!

Sidney Ferreira Possuelo – Juli 1991 bis Mai 1993

Der Indio-Spezialist und Waldläufer leitete die Koordinationsabteilung “Isoliert lebende Indios“ der FUNAI, als er am 28. 06. 1991 vom Präsidenten Collor de Mello ernannt wurde – als Substitut von Cantídio Guimarrães, der am 21.06. entlassen worden war. Possuelo erhielt freie Hand für eventuelle administrative Veränderungen und konzentrierte sich als Priorität auf den Fall “Goldschürfer im Yanomami-Gebiet“ und die Demarkierung von 266 ausstehenden ITs.

Karriere-Mitarbeiter der FUNAI und Chef der Kontaktfront der Arara-Indios“ (Bundesstaat Pará) in den 80er Jahren, erinnerte er den Präsidenten Collor unermüdlich an die Widerrufung der Dekrete 23, 24, 25 und 26 (vom 04.09.91), die der FUNAI die Verantwortung für die Erziehung, Gesundheit, produktive Projekte und Umwelt in indigenen Territorien entzogen hatten, um sie anderen Ministerien zuzuteilen.

Sidney setzte eine administrative Reform in die Tat um, mit Beginn am 20.01. 1992, als er seinen Superintendenten, Edívio Batistelli seines Amtes enthob. Aber nicht nur der musste seinen Stuhl räumen, sondern hintereinander alle Superintendenten der regionalen Aussenstellen. Sämtliche Aktivitäten – von der allgemeinen Planung der FUNAI bis zur Verwaltung der entferntesten Aussenposten – wurden fortan direkt der Präsidentschaft unterstellt. Die Superintendanzen wurden in die Kategorie “Regionale Administrationen“ integriert – die sich insgesamt zu 46 Aussenstellen summieren.

In seiner Amtszeit kräftigte er das Verhältnis der FUNAI mit verschiedenen NGOs. Zur Erschaffung des CDDI lud er Repräsentanten der NGOs zu seiner Gründung ein und unterzeichnete vier partnerschaftliche Abkommen mit diesen Organisationen, ihm bei der Demarkation der Indio-Territorien beizustehen. Er stiess auf starken internen Widerstand deshalb. Die bedeutendste Tat seiner Amtszeit war die Demarkation des Yanomami-Territoriums, was ihm durch die politische Bereitschaft des Präsident Collor erleichtert wurde, weil dieser in Anbetracht der bevorstehenden “ECO-92“ solche Prozesse der Anerkennung indigener Landrechte befürwortete.

Sidney Possuelo wurde schliesslich am 19.05.1993 von Justizminister Maurício Corrêa auf Anordnung des Präsidenten Itamar Franco entlassen. In der Version von Possuelo selbst “rollte sein Kopf“ aus drei Gründen: Einem offenen Konflikt mit dem Minister Henrique Hargreaves vom Zivil-Kabinett, der Ernennungen für Chefposten der FUNAI in Acre und Goiânia eigenmächtig vorgenommen hatte – Druck seitens der Militärs, die sich mit seinen Demarkationen der Indio-Territorien an der Grenze nicht abfinden wollten – und Druck seitens beleidigter Industrieunternehmen, die sich durch seine Indio-Politik als Verlierer fühlten, wie zum Beispiel die Mineralien-Ausbeuter.

Cláudio dos Santos Romero – Mai bis September 1993

Er hatte die Position eines Assistenz-Generaldirektors der FUNAI inne, als man ihn zum Präsidenten des Organs nominierte – am 20.05.1993. Er galt als Karriere-Funktionär der FUNAI und koordinierte seit Mitte der 70er Jahre das “Projekt Xavante“, dessen wichtigstes Ziel die Demarkation des Xavante-Territoriums war – ein Territorium, das von der Kolonisationsfront besetzt war, ausserdem führte er Erziehungs- und kommunale Entwicklungs-Projekte durch.

Er war auch Direktor des “Parque Nacional do Xingu“ und unterstützte damals die Kayapó Metuktire in der Demarkation des ITs Capoto/Jarina. Er übernahm die Präsidentschaft der FUNAI mit dem Versprechen, dass es keine Unterbrechungen in der Fortsetzung jener Arbeiten geben werde, die sein Vorgänger Possuelo angefangen hatte.

In den vier Monaten, die er an der Spitze der FUNAI stand, gestaltete Romero seine Amtsführung auf widersprüchliche Art und Weise. Er sagte, dass der Präsident Itamar Franco kein politisches Interesse daran habe, die konstitutionelle Frist vom 05.10. wahrzunehmen, um die Demarkation der Indio-Territorien im Land bis dahin zu regulieren – er wurde gezwungen, diesen Kommentar öffentlich zurückzunehmen.

Im August 1993 wurde er mittels eines internen Dossiers beschuldigt, 1983 die “Assessoria de Segurança e Informação“ – den SNI der FUNAI – denunziert zu haben, anlässlich einer Verschwörung der Mitarbeiter gegen den damaligen Präsidenten des Organs, Oberst Paulo Leal. Romero gab zu, das er einen Bericht geschrieben habe, in dem er Mitarbeiter der FUNAI denunziert habe, aber er verwahrte sich gegen den Vorwurf, ein Spion des Militärregimes gewesen zu sein.

Er sagte, dass die denunzierten Mitarbeiter geplant hatten, den Sitz der FUNAI zu invadieren, aufgehetzt von dem damaligen Abgeordneten Mário Juruna und vom damaligen Vize-Gouverneur von Rio de Janeiro, Darcy Ribeiro. Damals war Romero Direktor des Parks am Xingu und sagte, dass er interessiert gewesen sei, von der FUNAI-Direktion die Demarkation der Indio-Territorien in seinem Gebiet zu erhalten, und aus diesem Grund wäre er gegen die Bewegung gewesen.

Romero wurde am 03.09.1993 entlassen – inmitten von widersprüchlichen Nachrichten über das so genannte “Abschlachten der Yanomami in Haximu“, ein Geschehen, dessen von ihm veröffentlichte Zahlen von der Presse heruntergespielt wurden. Er diskutierte mit Mitgliedern des Parlaments in Roraima und drohte, ihnen das Betreten des ITs Yanomami zu verbieten – gleichzeitig autorisierte er einen Besuch ausländischer Diplomaten bei den Yanomami, ohne vorher den Regierungspalast zu konsultieren.

Ausserdem schuf er einen Affront indem er erklärte, dass er sich den Ratschlägen des neuen Ministers für Amazonien, Rubens Ricúpero, nicht unterordnen werde.

Dinarte Nobre Madeiro – September 1993 bis September 1995

Der neue Präsident trat sein Amt an der Spitze der FUNAI an am 03.09.1993 und verblieb immerhin zwei Jahre lang in seiner Spitzenposition. Zuvor war er 23 Jahre lang Mitarbeiter des Regierungsorgans gewesen, vor seiner Ernennung zum Präsidenten hatte er als Assessor der Präsidentschaft in der Nordostregion gewirkt und befand sich in Boa Vista (Bundesstaat Roraima), wo er den Rückzug der Goldschürfer aus dem IT Yanomami koordinierte.

Er verteidigte die Notwendigkeit einer Befehlsgewalt der FUNAI über die Polizei, um grössere Autonomie und Mobilität bei der Bekämpfung der Goldschürfer zu bekommen, die in die Indio-Territorien eindringen.

Madeiro wurde während eines Regierungswechsels in seiner Position gehalten, und im Gesamt verhielt er sich sehr diskret in seiner Amtszeit – ohne Denunzierungen hinsichtlich irgendwelcher administrativer Unzulänglichkeiten. Trotzdem wurde Dinarte vom Justizminister Nelson Jobim und auch vom Präsidenten Fernando Henrique Cardoso öffentlich gedemütigt.

Schliesslich gab er seinen Rücktritt bekannt, indem er als Grund seine Meinungsverschiedenheiten mit dem Exekutiv-Sekretär des Ministeriums Milton Selligman in der Frage der Demarkation von Indio-Territorien angab, vor allem denen der Xavante am Rio Suiá-Missu. Der Minister akzeptierte seinen Rücktritt nicht. Daraufhin zog er sich von der offiziellen Indio-Politik zurück und stellte seinen Posten zur Verfügung.

Márcio José Brando Santilli – September 1995 bis März 1996

Er wurde vom Präsidenten der Republik Fernando Henrique Cardoso selbst vorgeschlagen – einen Tag nach einer Versammlung im “Palácio da Alvorada“, deren Teilnehmer, ausser dem Präsidenten, der Justizminister Nelson Jobim und eine Gruppe von Anthropologen waren. Santilli war nicht der Bevorzugte von Jobim – als Exekutivsekretär des “Instituto Socioambiental“ in Brasília, brauchte er einen Monat, um den Vorschlag anzunehmen, einer Zeit, während der er selbst dem Minister Jobim andere Kandidaten vorschlug.

Zuvor hatte er verschiedene NGOs konsultiert, die sich mit der indigenen Politik beschäftigten, betreffs der Gelegenheit, die Herausforderung anzunehmen, eine schrottreife FUNAI zu administrieren und einem neuen Dekret über die Demarkation der Indio-Territorien die Stirn zu bieten – einer Massnahme, die bereits vom Präsidenten Fernando Henrique Cardoso entschieden worden war.

Santilli hatte Philosophie studiert und war Abgeordneter der Partei PMDB von São Paulo (1982-86) und Mitglied der politischen Gruppe des damaligen Präsidenten FHC. Während seines parlamentarischen Mandats war er Mitglied der Kommission für Auslandsbeziehungen und der Indio-Kommission in der Abgeordnetenkammer.

Von 1987 bis 88 war er die Schlüsselfigur in der “Coordenação Nacional dos Povos lndígenas na Constituinte”, welche die Aufgabe hatte, Indios und zivile Hilfsorganisationen, mit dem Nationalkongress zusammenzuführen. 1989, zusammen mit einer Gruppe Indios, Anthropologen und Juristen, gründete und leitete Santilli den NDI, eine NGO mit Sitz in Brasília, die eine führende Rolle in der praktischen Anwendung kollektiver Rechte der Indios spielte, indem sie diese in paradigmatischen, juristischen Streitigkeiten vertrat. 1994 war er einer der Gründer des “Instituto Socioambiental“.

Der CIMI (Missionsrat) bezeichnete seine Ernennung als “einen Versuch der Regierung, günstige politische Voraussetzungen zu schaffen, um das administrative Prozedere der Demarkation von Indio-Territorien zu ändern“. Ausser der Katholischen Kirche gewann Santilli viele interne Gegner durch die Entlassung von korrupten Funktionären in der Xavante- und Kayapó-Region, durch seine Abschaffung der Unterkunftszahlungen für Xavante-Häuptlinge während ihres Aufenthalts in Brasília, durch die Schliessung regionaler FUNAI-Administrationen und durch die Verkündung einer allgemeinen administrativen Reform.

Er bot verschiedenen regionalen Rebellionen und Entführungen von FUNAI-Angestellten durch aufgehetzte Indios die Stirn, und hielt sich wacker, als sein Büro in Brasília von einer Gruppe Xavante in Begleitung des GLOBO-Fernsehkanals invadiert wurde. Santilli erklärte schliesslich seinen Rücktritt aufgrund von fehlender Unterstützung seitens des Justizministeriums, das die finanziellen Mittel der FUNAI nicht erhöhen wollte und stattdessen Mittel zurückhielt, die ihm zu diesem Zweck vom Nationalen Schatzamt überwiesen worden waren.