Berühmte Indios

Veröffentlicht am 7. November 2009

Zwei Häuptlinge – zwei Schicksale. Der Xavante Juruna und der Caiapó Raoni sind heute die zwei bekanntesten Indianer Brasiliens. Obwohl beide sich in die Welt der Weissen begeben haben, um die Probleme ihrer Völker zu lösen, standen ihre beiden Existenzen in gewisser Weise in Opposition zueinander. Mário Juruna, Sohn des Xavante-Häuptlings Apoenã, wurde im Jahr 1942 in einem Dorf in der Nähe von Barra do Garças (Mato-Grosso) geboren. Sechs Jahre später wurde sein Dorf zum ersten Mal von Weissen kontaktiert – durch die Expedition des Waldläufers Chico Meirelles – in seinem Gefolge zwei Salesianer-Pater. Blutige Zusammenstösse mit den ersten ins Xavante-Gebiet vordringenden Siedlern folgten.

Zehn Jahre später, 1959, entschloss sich Juruna sein Dorf zu verlassen, um das Leben der Weissen aus der Nähe kennen zu lernen. Er arbeitete auf Fazendas, reiste per Anhalter, litt Hunger und kehrte, einige Jahre später, wieder in sein Dorf zurück. Aber dort blieb er nicht lange: in den 70er Jahren begegnete man ihm in den Kabinetts der FUNAI, in Brasília, wo er von einem Angestellten zum andern rannte, um die Demarkation der den Xavante zugesprochenen Ländereien voranzutreiben. Damals bekam er Titelseiten in allen bekannten Zeitungen im Land: sie nannten ihn den „Indianer mit dem Tonbandgerät“, ohne das er nie mehr zu den Regierungsstellen ging – „um alles zu registrieren, was der weisse Mann sagt, damit sie mich nicht einen Lügner nennen“.

1981 wurde Juruna zum Landesabgeordneten innerhalb der PDT-Partei (Demokratische Arbeiter-Partei) gewählt. Als sein Mandat auslief, wurde er von seinen Stammes-genossen verlassen und endete in der totalen Misere, in Brasília.

Caiapó Raoni

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Caiapó Raoni verlor ebenfalls eine Wahl: er wurde als Häuptling seines Stammes von seinem Rivalen Tutu Pompo abgelöst. Er verlor zuhause, aber gewann in der Welt. In Begleitung des Pop-Sängers Sting bereiste er den ganzen Erdball – wurde von einigen der mächtigsten Politiker dieser Welt empfangen und erzielte Aufmerksamkeit und viel Geld für die Indianer am Xingu und in Amazonien. Raoni wurde ebenfalls im Jahr 1942 geboren. Auf der Höhe seines Ruhmes befand er sich im Jahr 1976, als der Franzose Jean-Pierre Dieleux einen Dokumentarfilm über sein Leben drehte. Raoni steht für das Urbild des „guten Indianers“.

Sepé-Tiarajú

War ein Guarani aus São Miguel das Missões, in Rio Grande do Sul, der mit seinen Stammesgenossen dem Vormarsch spanischer und portugiesischer Truppen, während des sogenannten „Guaranítica-Krieges“, trotzte (1754-56). Er wurde 1756 getötet, als er eine Falle für die Spanier vorbereitete.

Filipe Camarão

Wurde im Gebiet des heutigen Rio Grande do Norte geboren. Er liess sich von den Missionaren taufen und heiratete die weisse Clara Camarão, welche nach Indianersitte ihren Mann stets auf dessen Kriegszügen begleitete. Für seine Schlachten gegen die Holländer wurde er vom portugiesisch-spanischen König Philip III. geadelt und bekam Sold und Patent eines „Capitão-Mor“ der Indianer, inklusive einer Pension von 40.000 Reis. Ab dem Jahr 1635 erhielt er den Titel eines „Dom“ sowie eines Ritters des Ordens Christi. Mit seinen Indianern kämpfte Camarão in Porto Calvo, Goiana, Terra Nova, Camandaiatuba, Baia de Todos os Santos, Casa Forte, Rio Guaju und in Aguiar. Seine letzte Schlacht war die von Gurarapes, 1648, als er sich plötzlich krank fühlte und sich nach Engenho Novo de Goiana zurückzog, wo er kurz darauf verstarb. Man setzte ihn in der Kirche Igreja do Arraial bei.

Zorobabé

War ein Häuptling der Potiguar, ein Verbündeter der Franzosen, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Unter dem Druck der ihm überlegenen Portugiesen marschierte er mit 1.300 seiner Stammesbrüder nach Bahia, um die dortige Capitania gegen die anstürmenden Aimoré zu verteidigen. Aber seine Krieger liessen ihn, aus Angst vor der Versklavung, im Stich und bekamen von den Portugiesen die Erlaubnis, sich ins Hinterland von Paraíba zurückziehen zu dürfen, wenn sie vorher den „Quilombo von Palmares“ angriffen – jene Fluchtburg entflohener schwarzer Sklaven. Sie taten es, im Jahr 1603.

Cunhambebe

CunhambebeWar ein Häuptling der Tamoio, welche die Region von Cabo Frio (Rio de Janeiro) bis nach Bertióga (São Paulo) beherrschten. Der französische Pater André Thevet beschreibt den Indianer-Häuptling in seinen Berichten, dessen Gefangener einst der deutsche Söldner Hans Staden gewesen ist (1554-1557). Der Indianer starb an der von weissen Seeleuten eingeschleppten bourbonischen Pest, bald nach der Besetzung der Guanabara-Bucht durch den Franzosen Villegaignon und seine Truppen.

Inácio Abiaru

War ein Häuptling der Guarani, der das paulistanische Fähnlein des Jeronimo Pedroso de Barros 1641 am Rio Mbororê, einem Nebenfluss des Rio Uruguai, vernichtend schlug und damit den Raubzügen der Bandeirantes im extremen Süden ein Ende machte.

André Guacarari

War ein Indianer aus São Borja, im heutigen Bundesstaat Rio Grande do Sul. Bekannt unter seinem angenommenen Taufnamen „Andrezito Artigas“, schlug er die luso-brasilianische Truppe, unter der Führung ihres Kommandeurs Gama-Lobo im Jahr 1817 vernichtend.

Araribóia

AraribiaHäuptling der Temiminó und einstiger Herrscher über die Insel „Ilha de Paranapuã“ war den portugiesischen Invasoren so treu ergeben, dass er sich sogar auf den neuen Namen „Martim Afonso de Sousa“ von ihnen taufen liess. Für seine entscheidende Waffenhilfe bei der Rückeroberung von Rio de Janeiro gegen die Franzosen machten ihn die Portugiesen zum „Ritter des Ordens Christi“ und beschenkten ihn mit einer grosszügigen „Sesmaria“ (Grundstück) in Niterói. Als der Indianer 1547 vom Gouverneur Antônio Salema gerügt wurde, weil er sich erlaubte, in dessen Gegenwart seine Beine zu kreuzen, zog sich Araribóia beleidigt nach Niterói zurück, wo er in Vergessenheit starb.