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Und auch zum Oktoberfest 2011 waren wieder zahlreiche deutsche Gruppen angereist, um in den drei Wochen des Megaspektakels mehr als eine halbe Million Menschen zu unterhalten. Vier Bühnen stehen in den verschiedenen Hallen auf dem Veranstaltungsgelände “Parque Vila Germânica” bereit, zu Spitzenzeiten verfolgen zwischen 10.000 und 15.000 Besucher die Auftritte der verschiedenen Bands. Damit jedoch jedes Jahr aufs Neue die beliebten Stimmungsmacher auf dem größten deutschen Volksfest des amerikanischen Kontinenten präsent sind, haben sich die Organisatoren ein ausgefeiltes Konzept ausgedacht. Sämtliche “Importgruppen” werden in Deutschland angeworben und bekommen lediglich Flug, Unterkunft und Verpflegung gestellt. Die abendlichen rund zweistündigen Auftritte erfolgen dann komplett ohne Gage. “Anders ist das ganze sonst finanziell gar nicht zu bewältigen” verrät José Carlos Oechsler im Gespräch mit dem BrasilienPortal. Der gebürtige Blumenauer, in dessen Familie bereits in der vierten Generation trotz der Entfernung zur ursprünglichen Heimat perfektes Deutsch gesprochen wird, leitet die Musik-Kommission des Festes und fliegt dafür jedes Jahr nach Deutschland. Dort trifft es sich mit den verschiedenen Gruppen, sieht sich die Auftritte an und versucht sie für das Oktoberfest im Süden Brasiliens zu gewinnen. Dabei legt er vor allem Wert auf das Repertoire. 90 Prozent der Musikstücke sollen in deutscher Sprache vorgetragen werden, nur zehn Prozent internationale Hits sind erwünscht. “Wir machen faktisch keinen Gewinn, denn das beim Oktoberfest eingenommene Geld soll ja hier in Blumenau zirkulieren” betont Oechsler und verteidigt damit zugleich die Ticketpreise, die am Wochenende umgerechnet rund sieben Euro betragen. Schüler, Studenten und Senioren zahlen dabei nur die Hälfte, dies mache etwa 45 Prozent aller verkauften Karten aus. Und zudem sei der Eintritt in einer “traditionellen Tracht” sowieso frei. Dass die Kapellen und Bands aus Deutschland auch ohne finanziellen Anreiz gerne kommen, sei der Beliebtheit des Oktoberfestes zu verdanken. Manche Gruppen wollten einfach nur einen Auftritt in Brasilien in ihrer Vitae stehen haben, für andere sei es einfach ein kostenloser Urlaub in Brasilien. Denn bei zwei Stunden Spielzeit am Tag bliebe genügend Zeit für Ausflüge in die nähere Umgebung oder an die rund 50 Kilometer entfernte Atlantikküste.
Nicht jede musikalische Attraktion kann Oechsler jedoch einfach so einfliegen lassen. Auch er müsse ein Budget beachten, inzwischen habe sich sogar eine kleine Warteliste gebildet. “Bis in das Jahr 2014 haben wir jetzt schon Anfragen vorliegen” erzählt er voller Stolz. “Aber ob eine Gruppe im kommenden Jahr wiederkommt, hängt natürlich auch davon ab, wie sie bei den Zuschauern ankommt” so Oechsler mehr als überzeugend. Daher wurden gleichermaßen einheimische Gruppen verpflichtet, diese bekommen allerdings eine entsprechende Gage. Prämisse ist jedoch auch hier, dass überwiegend deutsch gesungen wird. Die Einheimischen freut es, für einen Deutschen mag der teilweise starke Akzent befremdlich wirken, doch eines ist klar: beim Oktoberfest in Blumenau war schon immer Wille wichtiger als die letztendliche Umsetzung. Und so blickt man auch gelassen über die reichlichen Rechtschreibfehler im offiziellen Programm oder auf den Anzeigetafeln hinweg, wenn man versucht, mal wieder ganz besonders Deutsch zu sein. Hauptsache, alle singen mit! Weitere Artikel über das Oktoberfest in Blumenau:Fotos: BrasilienPortal / Dietmar Lang (IAPF) |
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