Königin des Oktoberfestes

Veröffentlicht am 28. Oktober 2011

Schützenvereine, Trachtengruppen, Bläserchor: bei einem solchen Aufgebot an germanischen Traditionen auf dem Oktoberfest in Blumenau darf natürlich eine waschechte Königin nicht fehlen! Gewählt wird selbige am letzten Tag des Oktoberfestes eines jeden Jahres nach strengen Vorgaben ähnlich wie bei einer Miss-Wahl. Die Kandidatinnen müssen unter anderem mindestens 21 Jahre und 1,65m groß sein, kinderlos, nicht verheiratet oder geschieden sein und seit mindestens 2 Jahren in Blumenau leben. Natürlich legt die Jury auch Wert darauf, dass die zukünftige Repräsentantin ein sympathisches und offenes Auftreten hat.

(1) Oktoberfest-Königin 2012 Fernanda Klaumann (mi.) mit den Prinzessinnen Mariane Klann (li.) und Danieli Sutil Munzi (re.)

Ein Jahr lang repräsentiert dann die Siegerin gemeinsam mit der Zweit- und Drittplatzierten, die den Rang der Prinzessinnen einnehmen, das größte deutsche Volksfest auf dem amerikanischen Kontinent. Vornehmliche Aufgabe dabei ist es, die kommenden Veranstaltungen zu propagieren und in den 3 Wochen des Oktoberfestes die Besucher im „Parque Vila Germânica“ zu begrüssen. Dafür reisen die Exzellenzen auch gerne einmal bis in die Millionen-Metropole São Paulo, zieht der Event doch jährlich Hunderttausende Touristen aus ganz Brasilien in die Kleinstadt im Süden Brasiliens.

Bleibt bei einer dermaßen grosser Verantwortung eigentlich noch Zeit für die Familie und wie viel deutsche Traditionen sind in den brasilianischen Schönheiten tatsächlich noch verankert? Dem BrasilienPortal stand die Fest-Königin des Jahres 2011, Cristiana Krüger, ausführlich Rede und Antwort.

Drei Wochen dauert das Oktoberfest, das bedeutet drei Wochen ohne Pause vor Ort im „Parque Vila Germânica“. Das Fest ist fast vorbei, überwiegt jetzt die Müdigkeit oder immer noch die Freude?
Nach jetzt 18 Tagen des Festes sind wir natürlich ein wenig müde. Wir arbeiten jeden Tag und jede Nacht bis in den frühen Morgen. Wir stehen die ganze Zeit über zur Verfügung um die Touristen und die Einwohner von Blumenau zu begrüßen. Aber wir machen das ja, damit es das beste Oktoberfest hier im „Parque Vila Germânica“ wird.

Sind diese Kleider denn nun wirklich typisch deutsch oder eher der Tradition von Blumenau nachempfunden?
Also als erstes muss man natürlich immer fröhlich und sympathisch sein. Und natürlich offen gegenüber den Besuchern. Dann muss man mindestens 21 Jahre alt sein, seit zwei Jahren in Blumenau wohnen, darf nicht verheiratet sein und keine Kinder haben. Und muss mindestens 1,65m groß sein. Es ist also so ähnlich wie bei einer Miss-Wahl. Der Wettbewerb geht einen Monat und man muss natürlich auch die entsprechende Zeit dann im kommenden Jahr haben, um den Verpflichtungen nachzukommen.

Gewählt wurdest du ja bereits am letzten Tag des Oktoberfestes im vergangenen Jahr. Was für Verpflichtungen hast du denn das Jahr über gehabt?
Als erstes mussten wir uns natürlich allen in Blumenau vorstellen. Und dann sind wir viel durch Brasilien in andere Städte gereist um Werbung zu machen. Man steht dabei sehr in der Öffentlichkeit und da sind natürlich auch alle Freunde und die Familie involviert. Bezüglich meinem Berufsleben hat sich nicht viel geändert, aber es in meinem Privatleben war es doch eine große Umstellung.

Nach den Wettbewerbsregeln habt jede ein Preisgeld von monatlich 800 R$ (ca. 340 Euro) monatlich erhalten. Was hast du denn mit dem Geld angestellt?
Ich habe das Geld in ein Auto investiert.

(2) Die Exzellenzen von 2011: Unsere Interview-Partnerin Königin Cristiana (mi.) mit Prinzessin Sabrina (li.) und Prinzessin Ana Paula (re.)

Cristiana Krüger hört sich ja nun ziemlich deutsch an. Wie deutsch fühlst du dich denn?
Also ich fühle mich schon zu 50 Prozent deutsch. Ich lebe hier im deutschesten Viertel von Blumenau. Und da gibt es noch sehr viele deutsche Traditionen. 90 Prozent der dort lebenden Menschen sprechen auch noch Deutsch. Wenn du dort in einem Geschäft oder einer Bank arbeitest, musst du Deutsch können. Die ganz alten Leute dort verstehen nämlich fast gar kein Portugiesisch. Ich mag die Kultur, sie gefällt mir sehr. Ich hoffe auch, dass ich mal Deutschland kennen lernen, ich möchte nächstes Jahr einmal dorthin um es mir anzusehen und natürlich auch mein Deutsch zu verbessern. Denn bei uns zuhause sprechen wir natürlich kein Hochdeutsch sondern einen Dialekt, denn wir von unserer Oma gelernt haben.

Und was willst du dir in Deutschland ansehen?
Ich will unbedingt nach Berlin. Das Oktoberfest in München ist bestimmt auch interessant. Ich habe eine Freundin, die hat ein Jahr in Deutschland gelebt und sie hat mir erzählt, Deutschland sei einfach fantastisch. Also ich bin wirklich sehr neugierig auf Deutschland.

Zu einem etwas traurigen Thema. Ein Jahr der Vorbereitung und dann steht wenige Wochen vor dem Oktoberfest das gesamte Gelände mehr als ein Meter unter Wasser! Was ist dir da durch den Kopf gegangen?
Das ist halt Blumenau. Das Oktoberfest wurde ja auch nach einer großen Überschwemmung ins Leben gerufen und existiert nun seit 27 Jahren!

Aber was, wenn das Wasser nicht zurückgegangen wäre?
Oh, wir haben eine feste Vereinbarung mit dem Heiligen Petrus.

Das diesjährige Oktoberfest ist jetzt fast vorbei. Was hat dir am besten gefallen, was hat dich am meisten gestört?
Das Schönste ist natürlich die Freude und Feierlaune der Touristen und der Menschen hier in Blumenau. Und das hat natürlich auch mit den Musikgruppen zu tun. Da ist eines vom anderen abhängig. Die Bands sind fantastisch, die Organisation, die Reinigung, die Lust der Leute, zu feiern – das ist alles super. Leider übertreiben es manche mit den alkoholischen Getränken, da fehlt es manchmal an Verantwortungsbewusstsein.

Eine Frage zum Schluss: In wenigen Tagen müssen die Kronen den Nachfolgerinnen übergeben werden. Überwiegt die Traurigkeit, dass der Traum beendet ist oder die Freude, endlich das anstrengende Jahr hinter sich gebracht zu haben?
Eigentlich die Freude, dass wir es geschafft haben, die Arbeit vom Anfang bis Ende bewältigt zu haben. Aber wir müssen natürlich auch etwas aufgeben, was uns war. Wir waren schließlich mitten drin im Oktoberfest als Symbol des Festes, als Königin oder Prinzessin. Aber ich freue mich auch, die Krone der Königin für das kommende Oktoberfest zu übergeben, damit sie erneut Werbung für das Fest machen kann. Damit sich hier auf dem Gelände wieder Brasilianer, Deutsche, Argentinier treffen und diese Menschen aus aller Welt gemeinsam das Oktoberfest feiern.

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