Legende vom Pirarucu

Veröffentlicht am 2. März 2012

Pirarucu ist der grösste Süsswasserfisch der Erde, der nur in Amazonien vorkommt – seine Länge kann zwei Meter übertreffen. Seine Schuppen sind gross und widerstandsfähig – sie werden von den lokalen Bewohnern als Nagelfeilen benutzt, wegen ihrer rauen Oberfläche – oder als kunsthandwerkliche Applikationen.

Das Fleisch des “Pirarucu“ ist sehr schmackhaft und wird zu typischen Menüs der regionalen Küche verarbeitet, oder man salzt es ein und legt es in der Sonne zum Trocknen aus. Frisch oder getrocknet, das Fleisch des “Pirarucu“ ist stets eine Delikatesse und für zahllose Rezepte zu bestens geeignet. Noch ist der Fisch nicht vom Aussterben bedroht, aber er gilt als gefährdet wegen Überfischung . . .

Die Legende

“Pirarucu“ war ein Indianer vom Volk der “Uaiá“, die im Hochland von Lábrea wohnten, im Südwesten Amazoniens. Er war ein mutiger Krieger, aber von unberechenbarem Charakter, obwohl er der Sohn war von “Pindarô“, dem gutherzigen Häuptling seines Volkes.

pirarucuPirarucu war arrogant, egoistisch und extrem stolz auf seine Herkunft. Eines Tages, als sein Vater unterwegs war, um seinen Nachbarn einen Besuch abzustatten, fing er mit ein paar Männern seines Dorfes einen Streit an und erschlug sie. Er hatte auch keinerlei Respekt vor den Göttern – im Gegenteil, regelmässig kritisierte er sie und machte sie lächerlich.

Tupã, der oberste aller Götter, beobachtete den jungen Mann seit langer Zeit – bis er es endlich leid war und beschloss, ihn zu bestrafen. Er rief “Polo“ und gebot ihm, seine Blitze zu schleudern – dann rief er Iururaruaçú, die Göttin des Regens, und gebot ihr, ihren grössten Regenguss über Pirarucu auszuschütten, der gerade mit anderen Männern seines Dorfes am Ufer des Rio Tocantins am Fischen war.

Das Zucken der Blitze war überall in der Natur zu sehen – der Regen strömte herab wie vor einer Sintflut und der Fluss bäumte sich auf in hohen Wellen, die das Fischen unmöglich machten. Alle hörten sie die donnernde Stimme des zornigen Tupã – aber Pirarucu, an den sie gerichtet war, lachte nur und ignorierte seine Worte. Also schickte Tupã den Dämon Xandoré, der die Menschen hasst, um mit Donner und Blitz den aufsässigen Pirarucu zur Raison zu bringen. Der versuchte sich im Wald zu verbergen, aber während er durch die Reihen der Bäume rannte, traf ihn ein Blitz von Xandoré mitten in die Brust – plötzlich konnte er sich nicht mehr bewegen, aber er entschuldigte sich immer noch nicht.

Alle, die mit ihm gewesen waren, rannten voller Furcht davon, während Xandoré den Körper von Pirarucu in den Fluss warf, wo er sofort auf den Grund sank und sich dort, dank der Gnade Tupãs, in einen grossen, dunklen Fisch verwandelte. Pirarucu, der lange Zeit seine Mitmenschen gequält und gedemütigt hatte, war im Wasser des Tocantins verschwunden, und niemand hat ihn je wiedergesehen.