Erva-Mate

Veröffentlicht am 2. März 2012

Die Legende Erva-Mate berichtet, dass sämtliche Mitglieder des Stammes sich auf den Kriegspfad begeben hatten. Nur ein einziger Mann blieb im Dorf zurück wegen seines fortgeschrittenen Alters. Er sass auf einem Hügel, von wo aus er die jungen Männer wegreiten sah, und weinte.

Gut konnte er sich noch an den tapferen Krieger erinnern, der er einst gewesen – dass er jetzt alt und schwach war, machte ihn traurig. Seine einzige Freude, so wollte ihm scheinen, war seine Tochter Iari. Sie hatte bisher alle Heiratsanträge strikt abgelehnt, um ihren alten Vater zu pflegen und an seiner Seite zu bleiben.

Eines Tages erschien im Dorf des alten Guarani-Indianers ein fremder Reisender: Mit bunter Kleidung und Augen, die an die Weite des Himmels erinnerten. Der Alte bemerkte gleich, dass der Fremde von sehr weit herkam und empfing ihn in aller Freundschaft. Seine Tochter Iari bot ihm die besten Früchte und den süssesten Honig an, die sie im Wald gesammelt hatte.

erva-mate1Nach dem Essen pflegten sie alle der Ruhe – und nachdem seine Tochter für den Fremden eine ihrer schönsten Hängematten aufgespannt hatte, lehnte sich der alte Indianer zurück in seiner eigenen Schlafmatte, schloss die Augen und überliess sich seinen Gedanken an die Episoden seiner Jugend, verloren in der Zeit, bis ihn ein wohltuender Schlaf hinwegtrug.

Anderentags, als die Sonne aufging, war der Fremde bereits fertig zur Weiterreise. Er wandte sich dem alten Mann zu und sprach: “Du bist ein guter Mensch. Und deine Güte hat ihren Lohn verdient. Ich bin ein Bote des grossen Tupã, dem Geist des Guten. Sag mir, was du dir wünschst, und es soll dir erfüllt werden“. Und der alte Guarani antwortete: “Ich verdiene nichts dafür, was ich tat, Senhor“! Jedoch würde ich mir einen Begleiter für meine alten Tage wünschen, damit meine Tochter Iari endlich heiraten kann und ihre eigene Familie gründen. Das ist alles, um was ich bitte: Einen treuen Freund, der immer bei mir ist und mich erheitert“.

Der Bote Tupâs lächelte. Und in seinen Händen hielt er eine Pflanze mit schillernden Blättern. Die übergab er dem Alten und sprach: “Lass sie wachsen und trink’ von ihren Blättern, dann wirst Du den Begleiter haben, den Du dir wünschst. Dieses Kraut enthält die Kraft von Tupã und wird allen Männern deines Stammes wohl tun. Und Iari soll fortan die Beschützerin des Waldes sein. Eure Wanderungen werden weniger ermüdend und die Tage der Ruhe glücklicher sein“. Und seither ist Caá-Iari die Schutzpatronin der Mate-Pflanzer.