Cabra Cabriola

Veröffentlicht am 2. März 2012

In Brasilien stammt Cabra Cabriola aus einer afro-brasilianischen Legende – man glaubte, dass es sich um einen bösartigen Zwerg handelte, der die Gestalt einer Ziege annehmen konnte. Er pflegte die Mütter anzufallen, wenn sie im Begriff waren, ihre Babys zu stillen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEr trank die Milch direkt aus der Brust der Mutter, und anschliessend frass er die Kinder auf. Ausserhalb Pernambucos hat man Versionen dieses Mythos auch in Ceará und Pará gefunden.

Dieselbe Figur wird aber auch in der Mythologie Spaniens und Portugals erwähnt. Möglicherweise erreichte diese Legende Brasilien mit der Kolonisation, und mit der Urbanisierung der Städte bekam sie Auftrieb. Andere Namen für dasselbe Wesen sind: “Papão de Meninos“ und “Bicho Papão“ unter anderen – die Legende stammt aus dem Pernambuco des 19. Jahrhunderts.

Eine Spukgestalt, die jedem Kind Angstschauer über den Rücken laufen liess, wenn man sie nur erwähnte. Die “Cabriola“ spuckte Feuer und Rauch – sie attackierte jeden, der auf einsamen Strassen unterwegs war – immer in der Nacht vom Freitag zum Samstag. Schlimmer noch war es, wenn die “Cabriola“ in die Häuser eindrang – durch die Tür oder übers Dach – auf der Suche nach schlecht erzogenen oder widerspenstigen Kindern – wenn sie sich näherte, sang sie:

“Ich bin die Cabra Cabriola
Und fress die Kinder paarweise,
auch Euch werd’ ich verschlingen,
Ihr nichtsnutzigen Taugenichtse . . .“

Die Kinder wagten es nicht, sich von ihrer Mutter zu entfernen, wenn sie irgendein fremdes Geräusch in oder ums Haus hörten. Konnte entweder irgendein Haustier sein – oder die Cabriola, also besser nichts riskieren. Listig wie ein Fuchs und stinkend wie ein Ziegenbock, so wurde sie beschrieben. Die Häuser mit folgsamen Kindern – die nicht ins Bett nässten oder sich ihren Eltern widersetzten – waren sicher vor dem Spuk.

Und wenn in der Nacht ein Kind plötzlich anfing heftig zu weinen, dann glaubte man, dass die “Cabra Cabriola“ gerade irgendwo ein böses Kind verschlang. Das Beste in einem solchen Moment war ein Vater unser zu beten und das Kreuz zu schlagen.