Boi-tatá

Veröffentlicht am 2. März 2012

Ein Monster mit riesigen Augen wie Feuer, am Tag fast blind, in der Nacht sieht es alles. Die Legende besagt, dass die “Boi-tatá“ eine Art Riesenschlange ist, die als einziges Wesen die grosse Sintflut überlebte, welche einst die Erde bedeckte. Um zu entkommen, flüchtete sie in ein Loch, rollte sich ein und blieb dort im Dunkeln – deshalb hat sie jetzt so grosse Augen.

Normalerweise bewegt sich das Wesen über Land auf der Suche nach Resten von Tieren. Aber manchmal nimmt es die Schlangengestalt an, mit den flammenden grossen Augen und verfolgt nächtlich Reisende. Dann wieder sieht man es als flammende Fackel, die sich von einer Seite des Waldes zur andern bewegt. Im brasilianischen Nordosten nennt man es “Cumadre Fulôzinha“. Für die Indios ist es “Mbaê-tata“ oder “das feurige Ding“, welches auf dem Grund der Flüsse lebt.

boi-tataAuch, dass es den Geist schlechter Menschen oder gepeinigter Seelen verkörpere, sagt man ihm nach – und wo “das Ding“ vorbeikommt, entstehen Brände. Andere wiederum behaupten das Gegenteil, nämlich, dass “Boi-tatá“ die Wälder gegen Feuer beschütze.

Die Wissenschaft hat festgestellt, dass es ein Phänomen gibt, welches man “Fogo-fátuo“ (Irrlicht) nennt – dabei handelt es sich um leicht entzündliche Gase, die aus Sümpfen aufsteigen, auch von in der Erde eingelagerten Gebeinen grösserer Tiere, und den Feuerschein kann man aus grösserer Entfernung durchaus für sich bewegende Fackeln halten.

Trivialnamen: Im Süden – “Baitatá, Batatá, Bitatá” (São Paulo). Im Nordosten: “Batatão“ und “Biatatá“ (Bahia). Unter den Indios: “Mbaê-tata“.

Wahrscheinliche Herkunft: Aus indigenen Wurzeln. Schon 1560 berichtete Pater Anchieta von diesem Mythos. Er sagte, dass die Indios im “Mbaê-tata“ die gefürchtetste Spukgestalt überhaupt sahen. Während die afrikanischen Sklaven den Glauben an ein mythologisches Wesen mitbrachten, das auf dem Grund der Gewässer lebte und nachts heraufkam, um zu jagen – sein Name war “Biatatá“.

Dies ist eine Legende, die je nach Region stark modifiziert worden ist. In einigen Landstrichen, zum Beispiel, ist dieses Wesen ein Schutzgeist des Waldes gegen Brände. In anderen dagegen verursacht es Waldbrände. Die Version der Sintflut stammt aus Rio Grande do Sul.

Eine andere Version erklärt das Wachsen seiner Augen als Anpassung an die Dunkelheit der Höhle, in der es während der Sintflut gefangen war – eine weitere Version erzählt, dass es tierische Reste sucht, von denen es nur die Augen frisst, um Licht und Volumen derselben zu absorbieren.

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