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Geboren gegen Ende der 70er, bei den üblichen "Rodas de Samba" (Samba-Zusammenkünfte) veranstaltet von einer Sänger- und Komponistengruppe innerhalb des Clubgeländes des Karneval-Blocks "Cacique de Ramos", war der Pagode ein renovierter Samba, der neue Instrumente einsetzte, welche jener Gruppe einen ganz eigenen Klang verlieh – wie zum Beispiel durch ein Banjo mit Cavaquinho-Arm (kreiert von Almir Guineto) und einem Tantã (kreiert von Sereno – siehe Musikinstrumente) – und mit einer populären Sprache. Punktiert vom Banjo und dem Tantã war der Pagode die Antwort auf den Niedergang des Samba am Anfang der 80er Jahre, der seine Fans zwang, sich in Hinterhöfen zu treffen, um ihre neuen Kompositionen einer Reihe von Nachbarn zu Gehör zu bringen. Dieser Zweig des Samba, im Sinne des Partido-Alto, enthüllte zu Beginn Namen wie Almir Guineto, Jorge Aragão, Jovelina Pérola Negra und Zeca Pagodinho (der einzige, der sich nach jener anfänglichen Welle halten konnte) – ausserdem die "Gruppe Fundo de Quintal", durch die das Doppel Arlindo Cruz e Sombrinha bekannt wurde. Ebenfalls mit von der Partie war Bezerra da Silva, der seine so genannten "Sambandidos" verbreiten konnte, Songs mit Enredos (Themen), die den Bürgerkrieg der vergangenen Gesellschaft dokumentierten. Mitten in der Konsumeuphorie des "Plano Cruzado" (Plan der Regierung zur Stabilisierung der Währung) bewiesen die "Pagodeiros" ihr Talent als exzellente Plattenverkäufer – stets mehr als 100.000 Kopien pro Titel – und sie eroberten sich ihren Platz in den grossen Medien – um fortan nicht mehr aus Radio und TV zu verschwinden! Dieser "Pagode", dessen Vermarktungs-Hochzeit exakt auf das Jahr 1986 fiel, hatte als Triebfeder die breite Exponierung und Revitalisierung des "Partido-Alto", einer Modalität des Samba, die bis dato wenig populär war. Jene "Rodas de Samba" im Hinterhof enthüllten oder bestätigten das Talent sehr guter Versemacher, Bewahrer der antiken Kunst, wie zum Beispiel das Doppel, welches den bekannten Zeca Pagodinho mit dem unbekannten Deni de Lima vereinte, dem Neffen von Osório Lima, dem legendären Komponisten des "Império Serrano" (bekannte Samba-Schule). Als exklusiv suburbane Belustigung wurden die Pagodes (sowohl das Fest mit seinen Fress- und Sauforgien, als auch der neue Musikstil) auch Mode in der Südzone von Rio und in verschiedenen anderen Orten Brasiliens. Nach und nach verringerte sich dann der anfängliche Enthusiasmus wegen dem konsequenten Rückgang finanziellen Potentials seines grössten Konsumpublikums – der niederen Einkommensklassen. Bald jedoch sollte eine neue Modalität jenes Samba-Ablegers sich als "Pagode" durchsetzen – viel kommerzieller und weitab von den Wurzeln.
Gegen Ende der 80er Jahre und Anfang der 90er füllte der Pagode grosse Salons. Die Phono-Industrie, schon vollkommen auf die Globalisierung des POP konzentriert, riss den Terminus "Pagode" einfach an sich und taufte mit ihm eine völlig abwegige Form des innovativen Samba des vorhergehenden Jahrzehnts – sie vermasste ihn in absolut trügerischer Art und Weise. Diese Verdünnung des Samba ging hauptsächlich von der Stadt São Paulo aus, weshalb sie auch das Etikett "Pagode Paulista" von Zynikern bekam. Seine prinzipiellen Verkünder waren die Musiker einer Gruppe, die, gemäss ihrer Aussage, "Samba-Rock" spielen wollten, in Wirklichkeit aber nichts weiter als eine Variation des POP zu Gehör brachten. Und die grossen Plattenverlage kreierten einen neuen Typ Pagode, der von vielen "Romantischer Pagode" betitelt wurde, andere nannten ihn "Kommerzieller Pagode" oder einfach nur "Pagode". |
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