Geburt des Bossa Nova

Veröffentlicht am 28. November 2010

Als eine Bewegung, welche dem urbanen brasilianischen Wachstum verhaftet blieb – vorangetrieben von der Entwicklungsphase der Präsidentschaft eines Juscelino Kubitschek (1955-1960) – erlebte die Öffentlichkeit (nach Meinung vieler Kritiker) die offizielle Geburt des Bossa Nova im August 1958 mit der Publikation einer simplen Kompakt-Disk des baianischen Gitarristen João Gilberto (er wird als Vater der Bewegung angesehen) – auf der die Songs „Chega de Saudade“ (von Tom Jobim und Vinicius de Moraes) und „Bim Bom“ (vom Interpreten selbst) zu hören waren.

Monate zuvor hatte João am Album „Canção do Amor Demais“ teilgenommen, welches im Mai desselben Jahres erschienen war, gewidmet den Songs des neu entstandenen Doppels Tom und Vinicius, interpretiert von der Sängerin Elizeth Cardoso. Nach dem Bericht des Schriftstellers Ruy Castro (in seinem Buch „Chega de Saudade“ von 1990) wurde diese LP nicht sofort nach ihrem Erscheinen ein Erfolg, aber die Platte kann als Meilenstein des Bossa Nova angesehen werden, nicht nur, weil sie einige der klassischen Kompositionen dieser Musikrichtung präsentiert – darunter „Luciana, Estrada Branca, Outra Vez und Chega de Saudade“ – sondern auch wegen des berühmten Gitarrenspiels von João Gilberto, mit seinen typischen disharmonischen Akkorden, inspiriert vom nordamerikanischen Jazz – ein Einfluss, welcher den Kritikern des Bossa Nova willkommene Argumente bescherte.

Charakteristika der Bewegung waren ihre Texte, die mit den bisherigen Hits kontrastierten, denn sie beschäftigten sich mit leichten, nicht kompromittierenden Themen – ein Beispiel dafür ist „Meditação“ von Tom Jobim und Newton Mendonça. Der Gesangsstil unterschied sich ebenfalls von dem in jener Epoche üblichen. Nach Aussage des Maestro Júlio Medaglia: “ . . . man entwickelte eine Praxis des Sprechgesangs oder leisen Gesangs, mit gut betontem Text in der Umgangssprache, musikalische Instrumentierung und Gesang in perfekter Harmonie, anstelle der Herausstellung einer „grossen Stimme“.

1959 erschien die erste LP von João Gilberto mit dem Titel „Chega de Saudade“ (Schluss mit der Sehnsucht), mit dem Titelsong unter anderen – ein Song mit zirka 100 Neuaufnahmen durch brasilianische und ausländische Künstler. Ab diesem Moment war der Bossa Nova eine Realität. Ausser João Gilberto verdanken wir einen Teil des klassischen Repertoires der Bewegung der Partnerschaft von Tom Jobim und Vinicius de Moraes.

Viele behaupten, dass sich der Bossa-Nova-Geist bereits in der Musik erkennen liess, die von Jobim und Moraes 1956 für das Stück „Orfeu da Conceição“ geschrieben wurde – der ersten Gemeinschaftsarbeit des Doppels, die beinahe nicht realisiert worden wäre, denn Vinicius nahm zuerst Kontakt mit Vadico auf, dem berühmten Partner von Noël Rosa und Ex-Mitglied der „Banda da Lua“, um die Musik zum Stück zu schreiben. Aus diesem Stück, welches auf der griechischen Tragödie „Orpheus“ beruht, stammt eine der schönsten Kompositionen von Tom und Vinicius: „Se todos fossem iguais a você“ (Wenn alle so wären wie Du) – und damit leiteten sie bereits die melodischen Elemente des Bossa Nova ein.

Ausser „Chega de Saudade“ komponierten die Zwei „Garota de Ipanema“, einen weiteren repräsentativen Song des Bossa Nova, der sich zum bekanntesten brasilianischen Song über den gesamten Erdball ausbreitete – nach „Aquarela do Brasil“ (von Ary Barroso) – mit mehr als 170 Neuaufnahmen, darunter so bekannte Interpreten wie Sarah Vaughan, Stan Getz, Frank Sinatra (mit Tom Jobim), Ella Fitzgerald und viele andere. Auch von Tom Jobim sind (zusammen mit Newton Mendonça) die Songs „Desafinado“ und „Samba de Uma Nota Só“, zwei der ersten Klassiker des neuen brasilianischen Musik-Stils, die ab 1960 auf dem nordamerikanischen Markt erschienen.