Tim Maia

Veröffentlicht am 3. November 2009

Tim MaiaTim Maia, oder mit vollem Namen Sebastião Rodrigues Maia erblickte das Licht der Welt in Rio de Janeiro am 28. September 1942. Er war der vorletzte von 19 Brüdern – schon mit acht Jahren komponierte er seine ersten Songs. Und mit vierzehn formierte er seine erste Band, „Os Tijucanos do Ritmo“ nannten sie sich, und Tim spielte das Schlagzeug. Aber sie hielten sich nur ein einziges Jahr. Danach lernte Tim Gitarre zu spielen in Privatstunden und gründete im Jahr 1957 die „Sputniks“ – berühmte Mitglieder dieser Band waren unter anderen Roberto und Erasmo Carlos, die dann von Tim im Gitarrespiel unterrichtet wurden.

Im Jahr 1959, noch vor seinem 17. Geburtstag, starb sein Vater, und auf der Suche nach Abstand reiste Tim in die USA, wo er Englisch lernte und seine Karriere als Sänger begann – innerhalb einer Truppe, die sich „The Ideals“ nannten. Dort blieb er bis 1963, als man ihn wegen Transport von Marihuana einlochte. Nach Absitzen von sechs Monaten Gefängnis und zwei weiteren Monaten Wartezeit, schob man ihn nach Brasilien ab.

Sein erstes Einzelwerk war eine Single, herausgegeben 1968 von der CBS (heute Sony Music) mit den Titeln „Meu pais“ (mein Land) und „Sentimento“ (Gefühl) – beide aus seiner Feder. Seine brasilianische Karriere begann sich ab dem Jahr 1969 zu festigen, als eine weitere Single im Verlag der Fermata erschien mit dem Titel „These Are The Songs“ (die im Folgejahr von Eilis Regina, als Duett mit Tim zusammen, neu arrangiert und aufgenommen wurde und dann in ihre LP „Em pleno verão“ integriert) und auf der Rückseite „What You Want to Bet“.

1970 nahm Tim bei der Polygram seine erste LP auf, die seinen Namen trug, „Tim Maia“, und die brachte seinen endgültigen Durchbruch, denn sie hielt sich 24 Wochen lang in Rio de Janeiro auf dem Spitzenplatz. Die grössten Hits dieser Langspielplatte waren: „Coronel Antônio Bento“ (von Luís Wanderley und Joã do Vale), „Primavera (Cassiano) und „Azul da cor do mar“. In den drei folgenden Jahren erschienen beim gleichen Plattenverlag die Scheiben „Tim Maia Volume II“ – mit “ Não quero dinheiro“, dann “ Tim Maia Volume III“ und „Tim Maia Volume IV“ – in denen zum Beispiel „Gostava tanto de você“ (von Edson Trindade) und „Réu confesso“ Publikumslieblinge wurden. Es folgten 1975 die LPs „Tim Maia Racional Volume 1“ und „Volume 2“ – eine erfolgreicher als die andere. 1978 nahm er für Warner die LP „Tim Maia Disco Club“ auf, die einen seiner bisher bedeutendsten Hits enthielt: „Sossego“.

1983 folgte die LP „Descobridor dos sete mares“ – mit besonderem Erfolg der Titelmusik sowie des Songs „Me de motivo“ (von Sullivan und Massadas). Eine weitere bedeutende LP der 80er Jahre war „Tim Maia“ (1986) mit dem Hit „Do Leme ao Pontal“. Tim war ein Künstler der mit seinen Musikverlegern in kontinuierliche Probleme verwickelt war, also gründete er 1970 seinen eigenen Verlag, der sich zuerst „Seroma“ nannte und dann „Vitória Régia“.

Unter diesem Siegel erschienen 1990 „Tim Maia interpreta clássicos da bossa nova“ und etwas später „Voltou a clarear“ und „Nova era glacial“. Im Jahr 1993 gaben zwei Ereignisse seiner Karriere neuen Auftrieb: ein Zitat seiner Person durch den bekannten Sänger Jorge Ben Jor in dessen Song „W/Brasil“ und eine Neuaufnahme, die Tim vom Lied „Como uma onda“ (von Lulu Santos und Nelson Mota) für einen Werbespot im Fernsehen präsentierte – ein Riesenerfolg, der auch auf seiner CD „Tim Maia“ desselben Jahres zu hören ist.

So wuchs seine Produktivität besonders während dieser 80er Jahre, in denen er mehr als eine CD pro Jahr herausbrachte, die alle von seinem enormen Repertoire zeugten: es umfasste Bossa Nova, Romantische Lieder, Funk und Soul. Und viele junge Künstler haben seine Schöpfungen neu aufgenommen – wie zum Beispiel die „Paralamas do Sucesso“, Marisa Monte und „Skank“.

Im Jahr 1996 erschienen zwei neue CDs gleichzeitig: „Amigo do rei“ mit der Gruppe „Os Cariocas“ und „What a Wonderful World“ mit Neuschaffungen einiger Standards des Soul und des nordamerikanischen Pop der Jahre 1950 bis 1970. 1997 erschienen drei weitere CDs von ihm – eine Gesamtproduktion von 32 Platten in den 28 Jahren seiner Karriere.

Tim hatte viele gesundheitliche Probleme. Unter anderen hatte er Diabetes, akute Hypertonie, und Adipositas. Während einer Aufnahme für eine TV-Show fühlte er sich plötzlich schlecht – und starb am 15. März 1998 in Niterói 55-jährig, nachdem er wegen einer Gesamtinfektion ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

1999 würdigte man Tim Maia mit einer Show, an der mehrere MPB-Künstler teilnahmen. Die Show wurde auf CD/DVD aufgezeichnet und 2000 veröffentlicht.

Im Januar 2001 spielte der Gitarrist Robin Finck der Gruppe “Guns N’Roses“ eine Rock-Version von Tim Maias “Sossego“ während eines Auftritts der amerikanischen Band in Rio de Janeiro – ein ungewöhnlicher Nachruf an den verstorbenen brasilianischen Sänger.

Unter den zahlreichen posthumen Ehrungen Tim Maias waren auch welche aus jüngerer Zeit: am 14. Dezember 2007 ehrte der Globo-Kanal den unvergessenen Künstler mit dem Special “Por Toda a Minha Vida“ (In meinem ganzen Leben). Und 2009 wurde er im Programm “Som Brasil“ von den Mitwirkenden Leò Maia, Seu Jorge, Thalma de Freitas, Marku Ribas, Carlos Dafé, Taryn Spielman und der Gruppe “Instituto“ geehrt.

Diskographie Tim Maia
  • TIM MAIA AO VIVO II (1998)
  • WHAT A WONDERFUL WORLD (1997)
  • SÓ VOCÊ – PARA OUVIR E DANÇAR (1997)
  • SORRISO DE CRIANÇA (1997)
  • PRO MEU GRANDE AMOR (1997)
  • AMIGOS DO REI – TIM MAIA E OS CARIOCAS (1997)
  • NOVA ERA GLACIAL (1995)
  • VOLTOU CLAREAR (1994)
  • ROMÂNTICO (1993)
  • SOSSEGO (1991)
  • CLASSICOS DA BOSSA NOVA (1990)
  • DANCE BEM (1990)
  • CARINHOS (1988)
  • SOMOS AMÉRICA (1987)
  • TIM MAIA – VOL. 10 (1986)
  • TIM MAIA – VOL. 9 (1985)

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