Natiruts

Veröffentlicht am 23. Februar 2013

NatirutsIm Jahr 1996 kam man in Brasília auf die Idee, eine Reggae-Band (mit dem späteren Namen Natiruts) zu gründen. Alexandre, damals Student der Universität, pflegte diese Musik als Ablassventil seiner Freuden und Frustationen in der brasilianischen Realität zu benutzen. Ohne grössere Ansprüche, schon am Anfang seines Berufes als System-Analyst, komponierte er Songs im dem Stil, zu dem er sich am meisten hingezogen fühlte, dem Reggae. Bei einem Bierfest des Fussball-Teams der Universität lernte er Juninho kennen, mit dem er fortan auf privaten Festlichkeiten in Häusern und Appartements der Stadt für die musikalische Unterhaltung sorgte. Das war das Samenkorn der Geschichte – und dieses Samenkorn keimte und wuchs.

Alexandre lud Luis Marício und Bruno Dourado, Kollegen seines Universitäts-Teams, ein, den Part der Bassgitarre und des Schlagzeugs zu übernehmen. Dann trafen sie sich zu den ersten Proben in dieser Formation. Vielleicht wären die vier Musiker genug gewesen, um einen typisch jamaikanischen Reggae zu produzieren, der für jede Reggae-Band stets Vorbild ist – und immer sein wird. Jedoch in den Melodien und Harmonien ihrer Kompositionen war der Einfluss der brasilianischen Musik unverkennbar, und sie entwickelten daraus einen Reggae mit brasilianischen Wurzeln (Brazilian Roots Reggae).

Aus diesem Grund fanden sie es unumgänglich, weitere musikalische Elemente in ihrer Band zu integrieren. Izabella Rocha und Kiko Peres übernahmen den Part der “Backing Vocal“ und der Sologitarre. Von da an schuf sich die Band eine eigene Identität.

Der nächste Schritt, wie bei jeder noch unbekannten Band üblich, war eine “Demo-Aufnahme“, und die fiel noch in die Aera der Tonband-Kassetten – mit einer hausgemachten Reproduktion. Der Erfolg war überwältigend. Wer hätte gedacht, dass eine Reggae-Band die lokale Szene einer Stadt revolutionieren würde, die bis dato als “Hauptstadt des Rock“ galt.

Nachdem man ein paar Shows, noch in kleinerem Rahmen, absolviert hatte, peilte man die Möglichkeit an, eine erste CD aufzunehmen. Kiko Peres hatte einen Freund in der brasilianischen Musikszene, der schon einige Zeit in Rio de Janeiro lebe. Dieser Freund arbeitete dort in einem grossen Studio – sein Name war Tom Capone. Er hörte sich die Band an und machte dann mit der Truppe die ersten Studio-Aufnahmen. Jahre später produzierte er zwei weitere Platten mit ihnen: “Verbalize“ (2001) und “Quatro“ (2004) – unter Mitwirkung von Tonho Gebara auf der Sologitarre.

Die positive Energie der Band veranlasste immer mehr Personen, ihr auf die Sprünge zu helfen. Das “Studio A.R.“ öffnete seine Pforten für den “Reggae do Cerrado“. Als die Band-Mitglieder sich im Studio versammelten, wurden sie von einem Techniker gebeten, sich noch ein bisschen zu gedulden, man sei gerade bei der Aufnahme eines letzten “Take“ einer ebenfalls aus Brasília stammenden Band – diese Band war die inzwischen ebenfalls bekannte “Legião Urbana“.

Dann begannen die Aufnahmen für eine Platte, welche zweifellos eine Generation geprägt hat – “Nativus“. Und nach deren Erscheinen überstürzten sich die Geschehnisse – schnell hintereinander und miteinander: Plattenverlag – ein Auftritt nach dem andern im Fernsehen – eine unbekannte Gruppe unter dem Namen “Nativos“, die für die Nutzung “ihres“ Band-Namens Geld einsacken wollten, obwohl sie an deren Erfolg in keiner Weise mitgewirkt hatten, etc. Also nannte sich die Gruppe “NATIRUTS“ („nati“ von nativ – „ruts“ vom englischen “roots“ = Wurzeln) und konzentrierte sich auf das Wichtigste: die Anerkennung ihres Publikums. Und die war ihr von Anfang an sicher.

Als sie sich noch “Nativus“ nannten, verkauften sie 40.000 unabhängige Platten mit dem Hit “Presente de um beija-flor“ (Geschenk eines Kolibris), bis sie von der EMI unter Vertrag genommen wurden. Eine neue Ausgabe der Platte “Nativus“ verkaufte 450.000 Kopien. Die zweite Platte “Povo Brasileiro“ (Brasilianisches Volk) wurde von Liminha produziert und, wie der Reggae von Bob Marley, enthält Kompositionen mit politischem Inhalt, wie “Proteja-se e lute“ (Schütze dich und kämpfe) oder “Povo brasileiro“ (Titelsong). Ohne grosse Veränderungen im Sound der Gruppe kommt 2001 die CD “Verbalize“ (Verbalisiere) auf den Markt, mit den Hits jener Epoche: „Verbalize“ und „Andei só“ (Ich war allein). Das dritte Album bringt auch die Mitwirkung von Rodolfo, dem ehemaligen Vokalisten der “Raimundos“ unter dem Titel “Homem do Povo“ (Mann des Volkes). Im Jahr 2002 erscheint “Quatro“ – dann verlässt der Gitarrist Kiko Peres die Gruppe.

“Natiruts“ bringt 2005 die fünfte CD heraus unter dem Titel “Nossa Missão“ (Unsere Mission).

Auf dieser Platte, produziert von Alexandre Carlo Cruz selbst, dem Vokalisten und Komponisten der Gruppe, besteht der grosse Unterschied zu früheren Kompositionen in seiner Annäherung an den “Dub“ (Reggae-Stil, in dem Gesang reduziert, dagegen Bass und Percussion verstärkt eingesetzt werden – ausserdem sonore Effekte, wie Tierstimmen, Schüsse, Polizeisirenen etc.)

Zur Feier des 10-jährigen Jubiläums wurde 2007 die erste DVD der Band aufgenommen, sie heisst “Reggae Power“ – die Mitglieder Bruno und Isabella verlassen die Band. Noch im gleichen Jahr erscheint die CD “Natiruts de A a Z“ (Natiruts von A bis Z“) mit einigen ihrer grössten Hits wie “Cantar – Presente de um Beija-Flor – Deixa o menino jogar, und anderen.

2009 bringt die Gruppe die CD/DVD “Raçaman“ in eigener Produktion heraus und kehrt damit zurück zu ihren Anfängen, mit Botschaften über die Situation Brasiliens, und wie immer beschreibt sie die Probleme mit einem ihr eigenen markanten Text – eine CD/DVD, welche die Band ihrem Fan-Publikum noch ein Stück näher gebracht hat und all denen, die ihre Musik schätzen und sie bis heute begleiten. Inzwischen gilt sie als eine der besten Bands Brasiliens.

Im Jahr 2012 kommt “Natiruts“ mit einer Neuheit heraus: Der CD/DVD “Natiruts Acústico Ao Vivo“ – aufgenommen in Rio de Janeiro. Die CD/DVD wird von der SONY MUSIC vertrieben.

Liberdade pra dentro da cabeça
Text: (Alexandre Carlo)

Liberdade pra dentro da cabeça (Freiheit – da drinnen im Kopf)
Liberdade pra dentro da cabeça (Freiheit – da drinnen im Kopf)
Quando você for embora (Wann du weggehen wirst)
Não precisa me dizer (brauchst du mir nicht zu sagen)
O que eu não quero, jogo fora (Was ich nicht will, werfe ich weg)
Você pode entender (Du kannst die Ungleichheiten)
Desigualdades e a lutar (verstehen und den Kampf)
Afim de encontrar (endlich zu finden)
A liberdade e a paz (die Freiheit und den Frieden)
Que a alma precisa ter (welchen die Seele braucht)
Estar com você (Bei dir zu sein)
Na virada do sol (im Sonnenuntergang)
É compreender o que há de melhor (heisst das Schönste zu verstehen)
Na transformação da natureza que me traz a noção (Die Veränderung der Natur vermittelt mir eine Ahnung)
Na verdade eu não vou chorar (eigentlich werde ich nicht weinen)
Hoje sei, o que a terra veio me ensinar (Heute weiss ich, was die Erde mir sagen will)
Sobre as coisas que vêm do coração (über die Dinge, die von Herzen kommen)
Pra que eu possa trazer para mim e pra você eee… (Damit ich für dich und für mich erreichen kann – eee …)
Liberdade pra dentro da cabeça (die Freiheit – da drinnen im Kopf).

Heute setzt sich die Band “Natiruts“ zusammen aus: Alexandre Carlo Cruz (Gitarre, Gesang und Komposition) – Juninho (Schlagzeug und Percussion) und Luis Maurício (Bass und Gesang). Ergänzt wird diese Besetzung durch eine weitere Gitarre, Keyboards, Bläsersatz und Background-Gesang mit wechselnden Musikern. Heute ist die Gruppe weit über die Grenzen Brasiliens hinaus bekannt.

Diskographie Natiruts
  • Natiruts Acústico Ao Vivo (2012)
  • Raçaman (2009)
  • Reggae Power (2007)
  • Nossa Missão (2005)
  • Quatro (2004)
  • Verbalize (2001)
  • Povo Brasileiro (1999)
  • Nativus (1997)