Halbedelsteine Brasiliens

Veröffentlicht am 3. November 2009

Es gibt eine bestimmte Kategorie von Sammlern, die wegen Brasiliens wunderbarer Edel- und Halbedelsteine das Land besuchen. Und weil so viele verschiedene Arten von Steinen hier gefunden und gehandelt werden, ist es für sie logisch, dass auch deren Preise vor Ort besser ausfallen als sonst wo. Wie auch immer – wenn Sie gute Qualität bevorzugen, dann müssen Sie auch im Fall der Halbedelsteine gut dafür bezahlen, besonders wenn Sie nach einem bestimmten Geschenk Ausschau halten und nicht gerade ein trainierter Geschäftsmann aus der Branche sind.

Wenn Sie sich dazu hinreissen lassen, solche Steine „auf der Strasse“ oder „unter der Hand“ zu kaufen, müssen Sie besonders gut aufpassen, nicht irgend welche Imitationen untergeschoben zu bekommen- besonders im Falle von Smaragden, die man besonders leicht in Labors künstlich einfärben kann – dasselbe gilt für Aquamarine! In einem Geschäft sollten Sie auf die Qualifikation des Besitzers achten – zum Beispiel ein Zertifikat an der Wand – und verlangen sie von ihm eine Echtheitsgarantie für Ihren Stein. Es ist leider nicht möglich, den Preis eines Edel- oder Halbedelsteins vorzuschreiben, denn ausser seinem Gewicht – was in der Regel per Karat gemessen und preislich festgelegt werden kann – sind auch seine Brillanz und sein besonderer Schnitt massgebend für den Verkaufspreis. Deshalb sollten Sie solche Geschäfte ausschliesslich mit einem renommierten Wiederverkäufer abwickeln oder genügend Zeit haben, diesen Markt sorgfältig zu überprüfen und zu vergleichen. Merken Sie sich, dass die Trennung zwischen Edel- und Halbedelsteinen nicht länger in Gebrauch ist – die Nachfrage nach seltenen und interessanten Steinen ist derart gestiegen, dass heute einige der früher unter dem Begriff „Halbedelstein“ gehandelten Typen wesentlich höhere Preise erzielen als die ehemaligen „Edelsteine“.

In Rio de Janeiro und São Paulo gibt es verschiedene hoch qualifizierte Geschäfte und Juweliere, die für den Ankauf von edlen Steinen aus Brasilien zu empfehlen sind. In Minas Gerais (Belo Horizonte, Ouro Preto, Teófilo Otoni, Governador Valadares, Itabira) und in anderen Produktionsgebieten wie Goiás (für Smaragde) und Piauí (für Opale) findet man ebenfalls entsprechende Geschäfte mit der gewünschten Qualifikation. Solche Geschäfte bieten in der Regel beides: einen traditionellen Stil und ein innovatives Design bei der Inkorporation dieser Steine. Einige der schönsten Schmuckstücke präsentieren eine Kombination von unterschiedlichen Steinen – von Kennern ausgewählt und zusammengestellt, um ein bestimmtes Farbspektrum innerhalb eines einzigen Schmuckstücks zu produzieren.

Es gibt viele Legenden um die ehemals so reichen Lager edler Steine in Brasilien – von ganzen „Bergen von Edelsteinen“ wird da erzählt, die man im Innern des Landes zur Zeit der europäischen Invasion entdeckt und abgebaut hat. Halb durchgeknallte  Schürfer waren ihr Leben lang auf der Jagd nach Diamanten und Smaragden, sowie auch nach Gold und Silber, um endlich reich zu werden – viele vergeblich, denn sie kamen dabei um oder wurden dabei alt und krank und starben mittellos, als Opfer ihrer unerfüllten Träume. Die Existenz von Edelsteinen war den Portugiesen schon seit Anfang ihrer Kolonisation bekannt – aus Berichten der ersten Indianer, welche mit den Invasoren zusammenstiessen und auch aus eigenen Funden der ersten Kolonisatoren. Gold fand man dann in Mina Gerais  während des 17. Jahrhunderts und Diamanten ebenfalls in Diamantina (1725) – der bekannte Mineralien-Reichtum Brasiliens begann in diesem Gebiet, und die Suche nach neuen Minen hat nie mehr nachgelassen. Ein paar der kommerziell geförderten Steine sind:

Diamanten
diamantenSie werden in Minas Gerais, Roraima, Bahia, Tocantins, Mato Grosso und Mato Grosso do Sul gefunden. Brasilien war einst der Welt grösster Produzent, bis man die grossen südafrikanischen Diamantenlager entdeckte und Südafrika im 19. Jahrhundert den Weltmarkt eroberte.

Smaragde
smaragdeHatte man bis 1963 in Brasilien noch nicht entdeckt (zwar waren bis dato schon viele grüne Berylle in Brasilien gefunden worden, die aber nicht als „echte Smaragde“ gehandelt werden konnten) – aber inzwischen fördert man im Bundesstaat Bahia, Minas Gerais und Goiás wunderbare Smaragde aus der Erde.

Aquamarin
aqua_005aEin hellblauer, klarer Beryll aus Rio Grande do Norte, Paraíba, Bahia, Minas Gerais und Espirito Santo. Besonders beliebt bei der Weiblichkeit – je dunkler in seiner Blautönung, desto wertvoller.

Rubin und Safir
rubin und safirSind zwei Farbtönungen desselben Minerals mit Namen „Korundum“ – erster ist von tiefem Rot und der zweite von einem tiefen Blau. Rubine findet man in Santa Catarina und Safire in Minas Gerais.

Topas
TopasSeine beiden wertvollsten Arten sind der seltene „Iperial-Topas“ aus Ouro Preto (Minas Gerais) – der sich in einem Farbverlauf von honigfarben bis rot und sogar Pink präsentiert – und der Blau-Topas, den man in Minas gerais und in Rondonia findet.

Turmaline
turmalineSie kommen aus Minas Gerais, Ceará und Goiás und besitzen das am weitesten gespannte Farbspektrum: von farblos (weiss) bis zu rot, gelb, grün, blau, lila und schwarz. Man findet sie sogar in zwei- und dreifarbigen Varianten.

Opale
opaleEinzigartig wegen ihrer regenbogenartigen Verläufe, werden in den Bundesstaaten Piauí und Rio Grande do Sul abgebaut.

Amethyst
amethyst1Eine Quarzform, die in ihrer Farbgebung vom blassen Lila bis zum tiefen Purpur variiert, wird in den Bundesstaaten Tocantins, Pará, Bahia, Mato Grosso do Sul und Rio Grande do Sul abgebaut.

Zitrin
zitrinEin anderes Quarzgestein, welches vorzugsweise eine gelbliche Färbung präsentiert. Fundorte sind Bahia, Mato Grosso do Sul, Minas Gerais und Rio Grande do Sul. Weniger bkannt, aber deshalb nicht weniger schön ist der Kunzit – ein seltener violetter bis pinkfarbener Stein, sowie der Chrysoberill – beide stammen aus Minas Gerais. Letzteren findet man in einer Fülle von verschiedenartigen Formen, wovon der goldbraune, „Katzenauge“ genannte Typ als Schmuckstein besonders beliebt ist: er präsentiert nach dem Schliff eine hellgelb phosphorisierende Linie, die längs durch den ovalen, halbkugelig geschliffenen Stein verläuft. Besonders selten ist der Alexandrit – er wechselt je nach Lichtverhältnissen seine Grundfarbe. Seine spektakulärste Ausführung wechselt von Grün, bei Tageslicht, zu intensivem Rot bei Kunstlicht.

Besonders im Bundesstaat Minas Gerais findet der interessierte Brasilienbesucher etliche gute Museen und Ausstellungen, die sich entweder speziell mit den edlen Steinen Brasiliens befassen (wie zum Beispiel das „Museu de Pedras Preciosas“ in Ouro Preto) oder einen Teil ihrer Exponate dem Thema gewidmet haben (im BrasilienPortal informieren).