Nonato Buzar

Veröffentlicht am 28. Dezember 2009

nonato-buzar-kleinDie Geschichte, die nicht registriert wurde.
Die erste Ausgabe vom Jahr 2008 der Sendung “Revista Viva”, am 23. Januar live auf OS Radio 104,8 und zeitversetzt im Bürgerrundfunk Bremerhaven  gesendet, brachte ein markantes Interview mit dem Komponisten Nonato Buzar. Das Boletim „A Casa dos Taurinos“ veröffentlicht diesen Moment und bietet seinem Publikum ein weiteres Register der Geschichte der brasilianischen Musik zu lesen, die erzählt wurde, von der Person, die sie erlebt hat.

Diese deutsche Version bringt zusätzlich Details, die vorher in besonderen Ausgaben von „Revista Viva“ und „Brasil com S“ schon berichtet wurden, damit das deutschsprachige Publikum der Kultur Brasiliens ein bisschen näher kommt.

Interview: Tãnia Gabrielli-Pohlmann ©
Deutsche Version: Tânia Gabrielli-Pohlmann, Clemens Maria Pohlmann ©

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Die heutige zweite Stunde von “Revista Viva”, die der brasilianischen Kultur gewidmet ist, eröffnete ich mit dem Lied “Nave dos Sonhos”. So heisst auch die CD von Nosly Marinho, mit dem ich in “Revista Viva“ im Oktober 2007 geredet habe. Dieses Lied beinhaltet eine sehr besondere Partnerschaft. Übrigens, in seinem Interview erwähnt Nosly Marinho mehrmals seinen Partner mit viel Liebe und Respekt. Nonato Buzar ist ein Name, der besonders in der Zeit der Diktatur in Brasilien, eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Diejenigen, die ihre Jugend in der Dekade der 70er Jahren erlebten, wissen, wer Nonato Buzar ist. Damals wurden die Namen der Komponisten im Radio immer erwähnt.

nonato-buzar1Und Nonato Buzar war einer der am häufigsten erwähnten Namen in unserem Radio. Also, mehr als 40 Jahre einer soliden Karriere, die nicht nur in Brasilien anerkannt wurde. Mit viel Freude interviewe ich heute hier in “Revista Viva”, Nonato Buzar. Guten Abend, Nonato Buzar und sei willkommen in unserer Sendung. Es ist mir eine riesige Freude, mit dir nochmals reden zu dürfen! Nonato, aus dem Bundesstaat Maranhão nach Rio de Janeiro gewechselt. Mit welchen Gefühlen begegnete der Junge Nonato Rio de Janeiro und welche waren deine Emotionen, deine Schocks und die Überwindungen, die du in den ersten Zeiten in Rio de Janeiro erlebt hast?

Nonato Buzar
Hi, Tânia. Leider kann ich kein Wort in Deutsch sagen, um mich bei deinem Publikum zu bedanken… Also, der Junge Nonato ist in Rio de Janeiro mit einer Absicht angekommen… Es war die Absicht, ein Ingenieur zu werden. Ich habe mir immer sehr gewünscht, ein Ingenieur zu werden, um Strassen und Brücke zu bauen. Aber, da bin ich hierher gekommen und musste dann den Wehrdienst ableisten. Danach habe ich viele andere Sachen gemacht – sogar Verkäufer bin ich gewesen. Aber die Musik hat mich umarmt und… Du weisst, dass die Musik ein Krebs ist, also eine gutartige Art des Krebs, die dich nach und nach umarmt und plötzlich hast du alle seine Fangarme um dich herum, bis dass man keine Zeit mehr hat, etwas Anderes zu machen. Und so wurde ich auch zu Komponist.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Tja… das war eigentlich eine sehr grosse Umstellung in deinem Leben, nicht wahr, Nonato?

Nonato Buzar
Eben… Die Welt hat einen Ingenieur verloren, aber sie hat einen Komponisten bekommen.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Aber das Komponieren kann man auch als eine Art Ingenieur-Wissenschaft  bezeichnen…

Nonato Buzar
Genau… Die Ingenieur-Wissenschaft  der Noten   

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Stimmt… Und dann kamen die Musikfestivals, deren Geschichte ich in vielen Ausgaben von “Revista Viva” und “Brasil com S” erzählt habe. Heute gibt es viel Literatur über die Festivals, man hat sogar Zugang zu Teilen der wahren Geschichte der Festivals, von dem was wirklich los war hinter den Kulissen, in einer so kritischen politischen Szenerie in Brasilien. Als einer der Organisatoren der Festivals, hattest du sehr engen Kontakt mit so vielen der verfolgten Künstler, und auch deswegen wurdest du auch gezielt beobachtet und musstest du auch unter einem riesigen Druck leben. War es eine Frage davon, deine Gedanken im Fokus zu halten, oder schlug dein Herz irgendwann schneller?

Nonato Buzar
Aber sicher schlug es schneller und vielmals… Die Lieder wurden sehr häufig schon in dem Festival zensiert. Sie durften gar nichts enthalten, was eine zweite Absicht haben könnte, oder etwas, was “sie” so analysieren könnten, was eine zweite Absicht sein könnte. Und deswegen bekamen viele so wunderschöne Stücke keine Chance, im Festival präsentiert zu werden, weil sie immer “eine doppelte Bedeutung” haben. Daher haben wir hier einen vollkommenen Druck erlebt, aber trotzdem waren die Festivals etwas Spektakuläres in der brasilianischen Musik. Leider gibt es sie heute so nicht mehr…

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Es ist wirklich Schade. Es finden viele Festivals heutzutage statt, aber leider tragen die Medien nicht dazu bei…

Nonato Buzar
Nein, nein. Sie tragen dazu nicht viel bei. Hier in Brasilien auch der Komponist, der seinem 60-igsten Lebensjahr näher kommt, der wird von der Medien vergessen. Es ist ganz anders als im Ort, wo ich gelebt habe. Ich habe in Frankreich gelebt und dort weisst jeder, wer ist wer, also “who is who”. Aber hier, ab den 60-igsten werden die Menschen “verlassen”. Es ist so, als ob sie keine Kräfte mehr zu gehen, zu komponieren hätten. Und ich zum Beispiel befinde mich in meiner besten Phase für das Komponieren. Und ich zeige immer weiter meine Stücke den Menschen, damit sie sie singen können. Aber zur Zeit gibt es hier viel zu viel von solchen Hip-Hop und Rap. Ich glaube sogar, dass Hip-Hop in den USA nicht so häufig gespielt wird, als hier. Das Einzige, was du nicht mehr so viel hörst in Brasilien ist eigentlich die populäre brasilianische Musik. Deswegen habe ich die Initiative, Sänger zu präsentieren… Gleich erzähle ich dir, was ich zur Zeit mache… Aber zurück zu den Festivals, sie gibt es nicht mehr wie früher. Sogar unter solchem Druck was es viel besser, als das nicht zu haben…

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Also, die Geschichte der Festivals habe ich im Ganzen schon sowohl in “Revista Viva” als auch in “Brasil com S” erzählt, aber heute darf ich einfach nicht vergessen, Namen wie von Elis Regina und Wilson Simonal zu erwähnen. Elis, die auch so wegen ihres Engagements für die Regulierung (1) des Musikers und die Anerkennung (2) davon als Beruf, so verfolgt wurde (3). Eine Frau war schon schlecht genug, aber noch schlechter war eine Frau, die dachte und die über Politik sehr informiert und dabei so engagiert war. Und du warst dabei, ganz präsent bei ihr, ganz nah und hattest mit ihr immer einen sehr engen Kontakt. Hast du in irgendwelchen Momenten, etwa wie Gefühlsausbruch von unserer “Pfefferchen” (wie Elis zärtlich von den Künstlern benannt wurde) erlebt?

Anmerkungen:
1 = Berufsbild – Ausbildung etc.
2 = verbindliche Berufsbezeichnung, die z.B. im Pass eingetragen werden kann – Vertretung durch eine Gewerkschaft – Rentenversicherung etc
3 = Ein Teil der Biografie von Elis Regina, die im deutschsprachigen Raum noch nicht geschrieben wurde

Nonato Buzar
Es waren tägliche Gefühlsausbrüche, nicht nur von Elis, sondern auch von Simonal und von uns allen. Alle nahmen wahr, dass es über alle Massen hinaus ging. Also, obwohl wir alle Künstler waren, wurden wir so schlecht behandelt und wir verdienten es, besser behandelt zu werden. Aber leider erkannte die Diktatur es nicht und sie hat allen die Türe zu geschlagen. Sie hat die Türe für Wilson Simonal, der der grösste brasilianische Sänger aller Zeiten war, und für Elis Regina geschlossen… Wenn ich ein weltweit geltendes Festival machen würde, mit den besten Sängern, bin ich sicher, dass Elis Regina und Wilson Simonal die ersten Plätze bekämen. Ich bin ganz sicher. Aber leider war es anders und so blieb es für eine lange Weile. Gott sei Dank leben wir heute die Freiheit. Wir leben auf der so genannten Autobahn der Freiheit.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Heute, Nonato, bin ich sehr froh, dass ich Platz machen kann, um eine Geschichte zu erklären, die in unserer Musik sehr schlecht erklärt geblieben ist. Ich meine damit die Geschichte von Wilson Simonal, der plötzlich stigmatisiert wurde, sowohl von manchen Künstlern, als auch von manchen Sendern. Ich habe etwas von ihm in meiner Kinderzeit direkt erlebt und ich weiss nicht, was damals geschah. Als kleines Kind sah ich ihn hektisch zu meiner Tante, die befreundet mit einer Freundin von ihm war. Wir versteckten ihn im Zimmer meines Cousins und meine Tante versuchte die Polizei oder die anderen Menschen, die auf ihn suchten, zu überzeugen, dass niemand im Zimmer war. Simonal weinte und sagte, es wäre unfair, dass er nichts getan hätte, und ich sang ihm ein Lied von ihm, ohne zu wissen, worüber er redete. Dieses Bild blieb in meiner Erinnerung. Du hast Vieles mit ihm erlebt und hast bestimmt etwas darüber zu erzählen, über die Geschichte einer Stimme, der Ungerechtigkeit,  die verschwiegen wurde. Nutze den Platz, erhebe deine Stimme …

Nonato Buzar
nonato-buzar2Was ich von Wilson Simonal damals erlebt habe, kurz gefasst… Damals gab es in Brasilien viel mehr Vorurteile als heute. Heute ist diese Frage des Rassen-Vorurteils viel weniger geworden. Simonal war ein “Kerl”, der unabhängig davon zu einem Sieger wurde, seiner schönen Stimme wegen, seines wunderschönen Swings wegen – weil er der grösste brasilianische Sänger aller Zeiten war. Daher hatte er sein “Mercedes”(Benz), er hatte sein Haus, seine Wohnung, er lebte wohl, in Frieden mit seiner Familie und der Welt… Eines Tages… Das ist die Geschichte, die ich kenne… Eines Tages wurde einem seiner Angestellten Geld für ein Konzert von Simonal bezahlt. Und der Kerl ist mit seinem Geld verschwunden. Es war nicht wenig Geld… Simonal fing an, ihn zu suchen und ist also zur Polizei gegangen, um zu versuchen, den Mann zu finden. Die Polizei fragte ihn, wo er gefunden werden könnte und Simonal erwähnte drei Orte, wo der Mann gefunden werden könnte. Zu dem ersten erwähnten Ort sind sie gefahren und haben dort nichts gefunden, aber in dem zweiten Ort befanden sich Menschen (Künstler), die Plakate gegen die Diktatur vorbereiteten. Alle wurden sofort verhaftet. Simonal inklusiv. Daher wurde Simonal als Verräter stigmatisiert, aber es wurde ihm nie die Chance gegeben, zu erklären, warum er dort mit der Polizei gewesen wäre. Das hatte aber auch viel mit Neid, weil Simonal war ein sehr gut aussehender Crioulo, der gut sang. Er sang in Englisch, er hat schnell Englisch gelernt, er sang in Französisch, in Italienisch, er sang alles und gut. Da er so viel gelernt und erreicht hat, hatten viele Menschen viel Eckel und Wut gegen ihn. Als er aber auf der Bühne stand, wurde das alles vergessen. Eigentlich war er ein Mensch, der mit dem Kopf hoch ging, er hatte keinen Defekt. Er sah gut aus, also, Simonal war ein sehr schön schwarzer Mann. Er hielt seinen Kopf hoch und hatte gar kein Vorurteil gegen niemanden… Er war eigentlich für das Ende der Diktatur, er war auch für unsere Freiheit engagiert. Aber du weisst genau, wie solche Sachen sind… Man müsse ihm entfernen… Also, der da ist “Schwarz”, dann kann man ihn als Verräter nutzen… Und so war es, wie auch Simonal gestorben war. Das ist die Wahrheit.   
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Tânia Gabrielli-Pohlmann
Ein Sündenbock in einem so schandvollen Kontext unserer Geschichte. Bis heute kann ich nicht begreifen, wie sich ein Volk gegenüber etwas so Grausames wie die Sklaverei (4) in dies Land kommen lassen konnte. Aber es gut, dass wir heute die Freiheit haben, solche Geschichten klar zu stellen. Und bevor wir uns in den Kurven der Zeit verlieren, möchte ich gerne auch noch Torquato Neto in unser Gespräch einbeziehen. Was hast du mit Torquato erlebt? Und eure Partnerschaften, ihr habt auch viele Lieder zusammen komponiert, oder?

Anmerkung:
4 = Die Kolonialmacht Portugal versklavte erst die Ureinwohner. Durch überharte Arbeit und Krankheiten der Europäer starben viele Indios. Daraufhin wurden Sklaven aus Afrika importiert. 1822 erklärt sich Brasilien für unabhängig. 1853 wird die Sklaverei geächtet und 1888 verboten.

Nonato Buzar
Torquato Neto war einer meiner grossen Freunde. Er war ein Dichter, ein Genie. Auch deswegen wurde er einer, der am intensivsten von der Diktatur verfolgt wurde. Ich habe ihn versteckt (5)… Ich wohnte in Copacabana und habe ihn für etwa drei Monaten dort versteckt. Danach bin ich nach Ipanema umgezogen und habe ihn dort auch für weitere zwei Monate versteckt. Eines Tages komme ich nach Hause mit der Eröffnung für “Irmãos Coragem” (6), das Lied, welches wir gerade von Milton Nascimento gehört haben, Ich rief Torquato Neto, der im Schlafzimmer war, und sagte ihm: “Lass uns den Text für dieses Stück schreiben. Ich muss es am Montag abgeben”. Es war ein Samstag. Von vierzehn Uhr bis zu Mitternacht schrieb er nur ein Wort dazu. Dann rief ich Paulinho Tapajós und er schrieb den ganzen Text sofort. Torquato war komplett ausser Gleichgewicht, um etwas zu machen, verstehst du? (7) Weil er zu viel verfolgt wurde, wie auch Caetano (Veloso) und (Gilberto) Gil. Sie wurden einfach viel zu viel verfolgt. Und Torquato, also, er war ein Genie, etwas Wundervolles. Wir haben viele interessante Lieder zusammen gemacht… Ich habe viele Partner, wie Nosly, den du gut kennst, Roberto Menescal, Chico Anísio, Manuel Menezes, der ein neuer Partner ist, Paulo Sério Valle, Paulinho Tapajós, der Regisseur Rui Guerra, und so mache ich immer weiter. Es gibt noch Ronaldo Bôscoli, einer der Partner, mit dem ich am häufigsten arbeitete, Chico Feitosa und so viele andere. Die einzige Traurigkeit, die ich in mir zu tragen habe, erzähle ich dir heute. Eines Tages, als ich noch Direktor von TV Globo war, habe ich Tom Jobim zu einer Partizipation in der Sendung “Alerta Geral” eingeladen. Diese Sendung hatte als Star die Sängerin Alcione. Nach der Sendung gingen wir drei miteinander Arm in Arm raus, also mit Tom in der Mitte. Er sagte zu mir: “Buzar”, er nannte mich Buzar, “lass uns ein Lied zusammen machen?” Sofort antwortete ich ihm: “Ah, Meister, ich bin schon dein Partner in allen deinen Liedern”. Obwohl ich in dem Moment eine Wahrheit gesagt habe, war es eine Lüge, weil es die Angst war, was mich zu dieser Antwort geführt hat. Das ist der einzige Reue in meinem Leben, also kein Lied mit Jobim gemacht zu haben. Aber die grösste Trophäe, die ich hier bei mir zu Hause habe – ich habe viele Trophäen bekommen – ist genau das, was er für mich geschrieben hat. Das finde ich wunderschön.

Anmerkungen:
5 = Nonato Buzar wurde während der Diktatur dreimal verhaftet. Der 4. Inhaftierung konnte er nur durch die Flucht nach Frankreich entgehen.  
6 = Thema der Novela gleichen Namens und ein grosser Erfolg
7 = Torquato Neto wurde sehr oft verhaftet. Er muss dann immer auf das Übelste behandelt worden sein. Zuletzt war ein gebrochener Mann

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Übrigens, ich habe mich sehr über das Bild davon gefreut, Nonato – vielen vielen Dank! Es geht um ein “Painel”, auf welchen Jobim ein Gedicht von Olavo Bilac schrieb, welches ihm zu  den Text von dem Lied “Águas de Março” zuerst als Inspiration dazu manuskripiert hat. Und das hat er an Nonato gewidmet. Es geht um ein Panel auf welchem Jobim ein Gedicht von Olavo Bilac schrieb, welches ihn inspirierte das Lied “Águas de Março” zu komponieren. Nonato hat diese Kostbarkeit vom Komponisten geschenkt bekommen, auf dem auch der Text von “Águas de Março” von Tom Jobin mit eigener Hand geschrieben wurde. Und das hat er Nonato Buzar gewidmet.

Nonato Buzar
Noch etwas, was du vielleicht nicht weisst: Das Lied “Vesti Azul”, welches wir gerade mit Simonal gehört haben, bekam auch einen neuen Text von Paul Anka, namens “Sing Something Else”, und es wurde von Jimmy Cliff aufgenommen.
In diesem Punkt unseres Interviews kommt Nosly Marinho ans Telefon. Er war gerade bei Nonato Buzar angekommen, vor Kurzem aus Deutschland gelandet.

Nosly Marinho
Hi, Tânia, ich freue mich sehr, dass du Nonato gerade interviewst und ich möchte dabei sein. Ich möchte einfach sagen, dass es etwas zu meiner Karriere beigetragen hat, die Zeit, die du mir gewidmet hast, damit ich über meine Karriere sprechen konnte. Und jetzt, bin ich froher als je zuvor, hier zu sein und neben meinem lieben Partner in diesem Moment, in welchem er auch von seiner Karriere erzählt. Also, du weisst bestimmt, dass du in diesem Augenblick ein Buch der brasilianischen Musik öffnest, und du präsentierst gerade Geschichte, die keiner kannte. Küsse an alle, Tânia!

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Danke für die schöne Überraschung, Nosly! Danke auch, dass du mir dieses Interview vorgeschlagen hast! Nonato, du hast eine internationale Karriere. Partner und Interpreten wie Elis Regina, Elizeth Cardoso, Ivan Lins, Milton Nascimento, Maria Rita, Nana Caymmi, Jimmy Cliff, Carlos Santana und so viele anderen… Aber, Nonato, deine Energie ist unendlich… Du produzierst auch noch viel, und du bist gerade dabei, eine neue CD zu liefern und du präsentierst gerade auch noch ein neues Konzert, in welchem du auch noch Chance neuer Talente gibts. Erzähl und ein bisschen davon…

Nonato Buzar
Ja… Das deutsche Publikum kann sich noch beeilen und rechtzeitig zu dem Konzert kommen. Es muss nur das nächste Flugzeug nehmen und kommen. Lachen… Das Konzert heisst “Die Lieder, die ich komponiert habe, und die Lieder, die ich gerne komponiert hätte”. Natürlich ist circa 60% der Lieder von Jobim, weil ich wirklich Tom Jobim liebe. Apropos es war auch wegen Tom, dass ich angefangen habe, zu komponieren. Also wegen zwei Menschen: Tom Jobim und Nilton Mendonça, der hier in Brasilien zu Unrecht wenig gewürdigt wird. Er hat “Desafinado”, “Samba de uma nota só” gemacht, unter so viele anderen Hits mit Jobim. Aber der Name von Tom Jobim ist so gross, dass der von Nilton Mendonça ausgeblendet blieb. Aber wer brasilianische Musik kennt, der weiss, wer er ist. Also, das Konzert wird von drei Sängerinnen, zwei deren präsentiere ich gerade in Rio: Daniela Maia und Tâmara Terra. Daniela Maia ist nicht nur eine sehr schöne Frau, sie singt auch schön. Ich bin sicher, sie wird sehr erfolgreich. Du wirst noch Vieles von ihr hören. Tâmara Terra ist auch eine neue Sängerin, mit der ich auch diese Präsentation Arbeit zur Zeit mache. Schon Sandra Duailibi hat eine Karriere, aber ich habe für diese meine Cousine eine grosse Zärtlichkeit und ich erkenne, dass sie eine sehr gute Sängerin ist. Es sind drei Sängerinnen, welche die Lieder interpretieren werden. Die Lieder, die ich komponiert hätte, und meine Lieder. Das Konzert findet statt in Chicos’ Bar, und wer Lust hast, muss sich aus Deutschland einfach beeilen… Lachen… Aber ich habe noch vor, nach Deutschland mit Nosly zu gehen. Ich habe in Frankreich gewohnt, aber ich möchte einmal Deutschland sehen. Ich glaube, ich werde noch viel mit Nosly komponieren. Er kam gerade und hat mir schon eine Menge Sachen von ihm gezeigt. Wenn er in Brasilien ist, dann habe ich immer viel zu tun… Lachen.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Schön. Jetzt möchte ich den Kontakt für mehr Infos über dein Konzert weitergeben, auch für Tourneen in Brasilien oder weltweit. Die Telefon Nummer ist die +55 (0XX) 21 8626 01 96, und dann mit Alexandre Oliveira sprechen. Nonato, leider vergeht die Zeit viel zu schnell und du hättest noch so viel zu erzählen… Aber, bevor wir uns verabschieden, da kommt meine schon traditionelle Frage: Nonato, welches ist, deiner Meinung nach, die soziale Rolle des Künstler, insbesondere des brasilianischen Künstlers?

Nonato Buzar
Die Rolle des brasilianischen Künstlers… Übrigens, nicht nur des brasilianischen Künstlers, sondern der Künstler der ganzen Welt… Ich denke, wir haben eine Fähigkeit und die Pflicht, uns um andere Menschen zu kümmern. Und in jeder Art und Weise, nicht nur in der Musik. Und sagen, und den Menschen helfen, die es nicht können. Ich denke, das sei die wahre Rolle des Künstlers. Es ist etwas weiterzugeben – also, lass uns von dem Komponisten sprechen… Seine Rolle ist es, eine schöne Musik zu machen, welche den Menschen gut gefällt und von der die Menschen irgendwas Gutes daraus nehmen. Und nun das soziale Problem, da müssen wir helfen. Derjenige, der hat, muss denjenigen helfen, die nicht haben. Das ist das Gesetz des Lebens. Helfen dem, der nichts hat. Ich denke, wer viel Geld verdient und niemandem hilft, der ist ein Unglücklicher. Und der brasilianische Künstler ist keiner Unglücklicher. Der Künstler per se ist kein Unglücklicher. Ich lese viel und ich weiss, dass viele helfen, wie zum Beispiel die Fussballspieler und Künstler. Sie helfen vielen Institutionen dabei, das Pflegen solcher Menschen mit Geld zu fördern. Ich sehe es als eine Pflicht eines Künstlers.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Tja, Nonato, durch unseres informelle Gespräch vor diesem Interview und auch durch Gespräche mit anderen Künstlern, die dich kennen, stieg meine Bewunderung für dich noch mehr: ein Künstler, der mehr als siebzig Lebensjahre hinter sich hat und trotzdem noch auf die Bühne geht und zum Publikum und so viel Leben ausstrahlt, Demut und einen Blick, der nicht nur liebvoll ist, sondern auch noch dynamisch und effektiv zu denen, die deine Hilfe brauchen. Vielen Dank für dieses Interview und vielen Dank für die Zärtlichkeit, mit welcher du mich angenommen hast. Und vielen Dank für die Geschichte, die du in unserem Land mitgeschrieben hast.

Nonato Buzar
Meine Liebe, ich freue mich sehr, dich durch Nosly kennengelernt zu haben. Ich hinterlasse Küsse auch allen Deutschen und deinem Publikum auch aus dem Internet. Deutschland ist ein Land, welches ich noch besichtigen möchte. Wenn dieses Land dich und Nosly gut behandelt, ihr die unsere Kultur so gut mitnehmt, dann bekommt dieses Land sofort meine Sympathie.