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Aus Frankreich nach und in Brasilien Interview: Solange Castro von ALO MUSICA © Deutsche Version: Tânia Gabrielli-Pohlmann, Clemens Maria Pohlmann © Link: Nicolas Krassik Fotos Copyright by: Nicolas Krassik Solange CastroAlô, Nicolas – es ist eine Ehre, dich hier beim Alô Música zu haben... Du bist Franzose und hast ursprünglich klassische Musik studiert, richtig? Nicolas Krassik Richtig, als Fünfjähriger habe ich angefangen, zu spielen, und als ich neunzehn war, schloss ich mein Studium in "música erudita” ab. Solange Castro Hast du immer mit Musik gearbeitet? Nicolas Krassik Immer. Ich glaube, ich kann nur das machen... Solange Castro Bevor du nach Brasilien gekommen bist, warst du ein “Jazzer” – wie war diese Arbeit in Frankreich? Nicolas Krassik Kurz nachdem ich "música erudita” studiert hatte, begann ich Jazz zu studieren und das für ein Jahr. Ich habe einen Freund, der Cellospieler ist und Jazz spielt, der mir sehr dabei geholfen hat, in dies Metier einzusteigen. Wir haben in einem “Saiten Quartet” gespielt, das für ein und einhalbes Jahr Michel Petrucciani begleitete. Zu der Zeit gehörte ich auch zu der Gruppe von elf Geigern des französischen Geigers Didier Lockwood. Ausserdem spielte ich ca. acht Jahre mit dem hervorragenden Gitarristen und Komponisten Pierrick Hardy, ungefähr vier Jahre mit der türkischen Sängerin Senen Diyci, welche ihre Kultur mit Jazz mischte... Dazwischen, das Interesse für die brasilianische Welt zog mich an. Solange Castro Wann bist du nach Brasilien gekommen? Nicolas Krassik Im September 2001. Solange Castro Was hat dich hierher gezogen? Nicolas Krassik Bestimmt die Musik. Ich kam, um zu recherchieren... Solange Castro Was wusstest du über die brasilianische Musik? Was kommt in Frankreich an und was hat deine Neugierigkeit am intensivsten geweckt? Nicolas KrassikIch hörte MPB: Caetano (Veloso), (Gilberto) Gil, João Bosco, Marisa Monte... Ich bin ein Fan von João Bosco. Solange Castro Wird unsere Musik häufig in den Radiosendern gespielt? Nicolas Krassik Nicht so häufig, aber es gibt Radios, die sie spielen. Ich weiss aber nicht, wie es nach dem Brasilien Jahr in Frankreich geworden ist... Solange Castro Und wie hattest du Zugang zu dieser Musik? Nicolas Krassik In Läden, bei Freunden... Ich hatte viele brasilianischen Freunde und war auch sehr befreundet mit Musikern, die es recherchierten. Solange Castro “Hummm”... Interessant... Und nun unsere Instrumental Musik – hat sie Platz in Frankreich? Nicolas Krassik Das ist schon komplizierter. Die Instrumental Musik hat wenig Platz überall. In den Läden fand ich Platten von Egberto Gismonti, Hermeto Pascoal... Solange Castro Ich habe dich es gefragt, weil du Intrumentalmusiker bist. Jetzt zurück zu deiner Neugierigkeit, hierher zu kommen, um unsere Musik zu recherchieren – wie war es? Kanntest du schon jemanden hier, der dich bei deinem Ankommen unterstützen könnte? Nicolas Krassik Nein, ich hatte die Adresse des Freundes eines Freundes... Auch eine Liste von Musikern zu kontaktieren hatte ich, aber ich habe sie nicht benutzt. Ich bin einfach abends im Stadtteil Lapa gegangen... Solange Castro Kamst du dann wegen des “Chorinhos”? Was hat dich wirklich angezogen? Nicolas Krassik Ich kannte den Choro kaum. Eigentlich kam ich nicht wegen eines spezifischen Genres. Ich wollte die hiesige musikalische Realität erleben. Solange Castro Und durch Lapa zirkulierend, was war dein Eindruck? Was ist dir besonders aufgefallen? Nicolas Krassik Im Lapa entdeckte ich eine gerade begonnene, sich entwickelnde Bewegung... Viele junge und veterane Musiker spielten Choro, Samba und Forró mit einer sehr starken Energie und viel Lust aufs Improvisieren. Als Jazz Musiker wurde ich davon fasziniert. Solange Castro Und wie waren die ersten Schritte, um mit diesen Menschen zu spielen? Nicolas KrassikImmer hatte ich meine Geige dabei und irgendwann wurde ich angesprochen, um eine Kostprobe zu geben. Danach wurde ich immer fleissiger beim Choro Lernen, damit ich mehrere Kostproben geben könnte. Dann kamen die ersten Einladungen, um zu arbeiten... Solange Castro Welche waren die ersten Arbeiten? Nicolas Krassik Ich habe schon gut angefangen... Lachen... Es war mit Yamandú Costa. Solange Castro Du hast mit einem echten “Meister” begonnen... Welche war die erste Arbeit? Nicolas Krassik Er (Yamandú Costa) lud mich ein, um mit ihm in zwei Konzerten zu spielen – eines in Rio (de Janeiro), im Theter Ibeu, und das Andere beim Festival Musicanto, in Santa Rosa (Süden Brasiliens). Solange Castro Interessant... Also, du bist 2001 in Brasilien angekommen und schon 2004 entstand deine erste CD “Na Lapa” beim Label Rob Digital – wie fand dieser Kontakt mit dem Label statt? Nicolas Krassik Eines Abends als ich in der “Bar Semente” in Lapa spielte, kam Roberto Carvalho und er hat sich für meine Arbeit interessiert. Das Angebot für die CD kam einen Monat später... Solange Castro Roberto “riecht” Talente – Lachen ... Erzähle mal über die Platte – wie geschah die Auswahl des Repertoire, der Musiker... Nicolas Krassik Die erste Platte war eine Hommage für den Stadtteil und für die Musiker, die mich so gut empfangen haben. Bei fast jedem Stück sind Gäste dabei, wie Zé da Velha, Silvério Pontes, Hamilton de Holanda, Yamandú (Costa), Carlos Malta, Henrique Cazes, Musiker der Gruppe Tira Poeira, Chico Chagas und Eduardo Neves und sie haben auch Stücke für mich geschrieben und aufgenommen... Das Repertoire war eine Mischung von Choro, Samba und Forró, unter den Klassikern. Solange Castro Die Platte ist belissimo – gibt es sie noch zu kaufen? Nicolas Krassik Na klar! Solange Castro Na klar, ich weiss nicht warum – ich liebe diese Platte und ich empfehle sie... Wie machst du deine Arbeit bekannt? Hast du Zugang zu Radiosendern und Konzerthäusern für dein Werk? Nicolas Krassik Es gibt Rádio MEC und MPB FM, welche beide CD’s spielen. Ich kann nicht meckern. Der Fernsehnsender TVW hat mir auch viel dabei geholfen. Hier in Rio (de Janeiro) spiele ich sehr häufig in Veranstaltungsorten im Lapa, wie das “Rio-Scenarium”, den “Clube dos Democráticos” und noch dazu gebe ich Konzerte auch ausserhalb von Rio(de Janeiro), SESCs... Solange Castro Schön, Nicolas – ich freue mich sehr dafür... Jetzt erzähle uns über die CD “Caçuá” – eine Delikatesse... Nicolas Krassik Danke. “Caçuá” ist eine mehr persönliche Arbeit, mit nicht so vielen Gästen. Es ist eine Gruppe-Platte. Das Repertoire hat immer noch diese Mischung von Klassikern des Choros und des Sambas, aber auch noch dazu Forró und zwei Stücke von mir. Solange Castro Du hast die brasilianische Musik wirklich in dein Blut “inkorporiert” – ich weiss, die Musik ist universal, aber unsere kulturellen Würzeln schreien auch in unseren Emotionen... Hin und wieder bringst du ein “Etwas” von Klassik zu den Arrangements unserer “música popular” und das “macht” den Unterschied. Ohne den Wert der Genuinen weg zu nehmen, oder denjenigen, die uns absorbieren (ganz im Gegenteil), das bringt ein Prise Emotion, die anders ist... Dann frage ich dich – vermisst du die “klassische Musik” nicht? Nicolas Krassik Nein, ich habe nie so viel diesen Genre gespielt, ich habe immer lieber improvisiert... Das überlasse ich den Spezialisten... Lachen... Solange Castro Und den europäischen Jazz, vermisst du ihn nicht? Nicolas Krassik Ein bisschen. Ich arbeitete sehr damit, aber ich glaube, es war nicht mein wahrer Platz, wie auch Frankreich. Solange Castro Also, das heisst, du fühlst dich als “naturalisierter Brasilianer ”? Lachen... Willkommen!!! Nicolas Krassik Danke! Solange Castro Nikolas, welche sind die Pläne für 2007? Nicolas Krassik Ich bin Mitglied des neuen akkustischen Trios von Yamandú (Costa), die CD wird nächstem Jahr ausgeliefert... Gerade beginne ich auch eine Arbeit mit Geige + Fiedel, verbunden mit Musik des brasilianischen Nordosten und ich habe vor, die CD “Caçuá” weiter bekannt zu machen, da es mein Hauptprojekt ist. Solange Castro Guck mal, Nicolas – du kannst dir nicht vorstellen, unsere Freude dich beim Alô und in Brasilien zu haben. Deine Arbeit ist hervorragend. Gott segnet dich... Vielen Dank für das Interview... Nicolas Krassik Wer zu danken hat, das bin ich. Ich bedanke mich bei dir für die Zärtlichkeit und für die Ausbreitung “unserer” Kultur. Küsse. |
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