Interview mit Luís Eduardo Matta

Veröffentlicht am 28. Dezember 2009

luis-eduardo-matta-kleinEine neue Tradition in der brasilianischen Literatur?
Ein junger Autor hat eine Nische in Besitz genommen, die in unserer Kultur noch nicht erschlossen wurde. Als ich begann, seine Bücher zu lesen, wurde ich positiv überrascht von der Unmöglichkeit, damit aufzuhören. Es sind so viele Talente, Details und Reichweiten dieses Autors, dass nur ein Interview die Neugierigkeiten befriedigen und ihm dem Publikum näher bringen könnte…

Interview: Tânia Gabrielli-Pohlmann ©
Deutsche Version: Tânia Gabrielli-Pohlmann + Clemens Maria Pohlmann ©
Link: Luís Eduardo Matta

Tânia Gabrielli-Pohlmann
1974 bist du in Rio de Janeiro geboren, wo du noch lebst. Was verbindet dich mit der arabischen Welt, die immer so präsent  in deinen Büchern ist?

Luis Eduardo Matta
Zuerst gibt es eine sehr starke familiäre Verbindung, da meine ganze väterliche Abstammung libanesisch ist. Aber eigentlich, was meine Annährung mit dem Nahen Osten bestimmt hat, war die Faszination, welche diese Region immer auf mich, ihrer Komplexität und ihren Widersprüchen wegen ausgeübt hat. Der Nahe Osten ist ein elementarer Teil meiner Phantasie als Mensch und als Schriftsteller.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Erlebst du die libanesische Tradition? Welche sind die erlebten Kontraste in deinem Alltag in Rio de Janeiro?

Luis Eduardo Matta
Die libanesischen Traditionen sind in meinem Alltag nicht zu finden, da ich von der Familie meiner brasilianischen Mutter erzogen wurde. Mein Alltag in Rio ist trivialer als du dir vorstellen kannst. Ich lebe einfach und praktisch, aber ich versuche es, alles was mich herum passiert, zu beobachten, auch damit ich mich von dem menschlichen Rohstoff für die Komposition der Personen und  die Situationen meiner Romanen voll tanken kann.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Dein erstes Buch “Conexão Beirute-Teeran” wurde veröffentlicht, als du 18 Jahre alt warst! Wo kam die Idee her, ein Thriller zu schreiben?

Luis Eduardo Matta
Schon als Kind war die Spannung mein Ein und Alles. Es ist eine unbeschreibliche Faszination. Die Spannung und das Geheimnis sind jedoch die Verantwortlichen dafür, von mir einen Leser zu machen, als ich noch nicht in die Pubertät geraten war. Daher wurde die Entscheidung für den Thriller selbstverständlich, als ich in meinem 17ten Lebensjahr angefangen habe, zu schreiben. Eigentlich schreibe ich Thriller, weil ich Thriller sehr gerne schreibe. Es gibt keine andere Motivation ausser dieser.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Ahntest du schon dein Talent für das Schreiben?

Luis Eduardo Matta
Nein. Und ich bevorzuge es, es weiter nicht zu ahnen. Ich schreibe, weil ich es mag. Ob ich Talent habe oder nicht, daran habe ich nie nachgedacht.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Und du rechnest noch mit dem Prestige, das Vorwort deines ersten Buches von einem Prominent geschrieben zu haben. Erzähle mal ein bisschen darüber…

Luis Eduardo Matta
Es war eine sehr kuriose Episode. 1992, als ich “Conexão Beirute-Teeran” geschrieben habe, hatte ich schon ein paar Jahre Recherchen über Nahost hinter mir, aber ich hatte zu wenig Kontakt mit der libanesischen Gemeinde in Brasilien. Das fehlte mir sehr, da mir das Thema “Nahost“ sehr gut gefiel, aber ich hatte kaum jemanden, mit wem ich darüber reden könnte. Damals war der Botschafter Monsour Challita die grösste Autorität bei Themen des Nahost in Brasilien. Ein Mann viel Kultur und Erfahrung, der schon Botschafter der Arabischen Liga gewesen war, der Gibrans Werk und den Koran ins Portugiesische übersetzt hatte und der Autor von zahlreichen Bücher ist, wie das von mir schon mehrfach gelesene “Esse Desconhecido Oriente Médio”, welches in der Zeit des Golfskrieges 1991 veröffentlicht wurde. Dank der Vermittlung eines grossen Freundes von mir, einem angesehenen Rechtsanwalt, nahm ich Kontakt mit dem Botschafter Challita auf, und in einem unserer Gesprächen in seinem Büro, in Copacabana, erzählte ich ihm über das Buch “Conexão Beirute-Teeran”. Es war kurz vor dem Unterschreiben des Vortrages mit dem Verlag und er bat mich darum, das Original zu lesen. Ein Monat später rief er mich an. Er sagte, er möchte das Vorwort für das Buch schreiben. Es war eine schöne und grosszügige Initiative von ihm und ich war davon sehr überrascht und berührt.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Nach der Premiere kam eine zehnjährige Pause. War es eine Zeit, um über deine Karriere nachzudenken?

Luis Eduardo Matta
Es war eine Zeit der Reifung und gleichzeitig einer intensiven Produktion. In diesem Zeitraum schrieb ich acht Romane, deren Ergebnissen für mich unbefriedigend waren. Ich schaffte es einfach nicht, die Bücher so zu schreiben, wie ich es möchte. Deswegen hat es so lange gedauert, bis dass ich wieder ein Buch veröffentlicht habe. Ich spürte, dass ich mehr als Mensch zu schreiben brauchte denn als Schriftsteller.
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Tânia Gabrielli-Pohlmann
Auf was führst du das Nichtvorhandensein anderer brasilianischen Autoren in diesem Genre zurück?

Luis Eduardo Matta
Es stimmt nicht, dass es keinen anderen Autoren gibt. Es gibt aber doch wenige. Was es gibt, ist Mangel. Ich habe dafür Theorien. Natürlich ist keine davon endgültig. Zuerst scheint es mir, dass der Thriller keine Verbindung mit der lateinischen Tradition des Geschichtenerzählens hat. Was aber kein Hindernis unbedingt bedeutet, da   Traditionen zu jeder Zeit gebaut werden können. Gleichfalls beobachte ich, dass unter vielen Autoren – Anerkannt oder noch Anfänger – ein gewisses Gefühl Geringschätzung und Misstrauen gegenüber der Genre-Literatur und dem Suspense einschliesslich herrscht. Meisten sieht sie als „kleinere“, niedrig Qualitäts- und wertlose Literatur, was eine widerwärtige Verallgemeinerung ist. Meiner Meinung nach, geht es um eine Mentalität, die dringend wieder analysiert werden soll.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Deine Bücher offenbaren eine extreme Intimität mit zahlreichen Orten der Welt. Heisst das Recherche oder Präsenz in Locum?

Luis Eduardo Matta
Meistens Recherche. Umfangreiche Recherchen, die viele Aspekte der von mir beschriebenen Orte enthalten müssen. Nicht nur landschaftliche oder klimatische Aspekte. Sondern und überhaupt die menschlichen Aspekte. Es sind kleine Details, die vielleicht von einem unachtsameren Leser unbemerkt bleiben können, aber die sich tief unterscheiden in der Komposition einer Szene. Trotzdem werden nur ca. zehn Prozent der Recherche wirklich im Buch ausgenutzt. Der Rest dient dazu, dass ich mich mit den Orten vertraut mache, damit ich sie mit der maximalen Intimität wie möglich beschreiben kann, als ob ich dort lebte. Und es gibt noch die Recherche, die ich über die in den Büchern enthaltenen Themen, wie die Welt der Haute Couture und des Kernproduktenschmuggels im Buch “120 Horas” und die Kulissen der Vereinigten Nationen im Buch “Ira Implacável”. Die Recherchen nehmen mir fast die Hälfte der Zeit, die ich für jedes Buch brauche.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Dein Detaillismus ist so gross, dass du es schaffst, eine genaue und bildhafte Beschreibung, würde ich sagen. Wie erreicht man es: dadurch ein Beobachter zu sein oder durch die Entwicklung einer guten Technik?

Luis Eduardo Matta
In meinem Alltag bin ich ein guter Betrachter, wie ich schon erwähnt habe. Ich beobachte sehr gut alles, was mich herum passiert. Nicht um eine kritische Meinung auszudrücken, sondern um mich in der Welt gut zu lokalisieren und auch um das Leben immer besser zu kennen. Es ist mir wichtig, dass sich der Leser in meinen Geschichten gut lokalisieren kann, und dass er sogar quase wie eine zusätzliche Figur mitmacht. Das ist einer meinen grössten Sorgen, wenn ich beim Schreiben bin.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Wie lange brauchst du ungefähr, um ein Buch zu schreiben?

Luis Eduardo Matta
Es ist ein bisschen unterschiedlich, aber jeder  Thriller braucht ungefähr von einem bis einundeinhalben Jahr. Vom der Planung bis zur Korrektur der endgültigen Version.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Dein Werk begrenzt sich nicht nur auf Bücher. Viele Artikel und Essays von dir sind in Zeitschriften und Websites zu lesen. Wo kann man sie alle finden?    

Luis Eduardo Matta
Die Majorität wurden in der elektronischen Kulturzeitschrift “Digestivo Cultural” publiziert.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Die Bewegung die LPB – Literatura Popular Brasileira – war auch eine Idee von dir. Was ist LPB und welche sind ihre  Ziele?

Luis Eduardo Matta
LPB ist nicht genau eine Bewegung. Es ist das Ergebnis einer bestimmten Empfindung der in Brasilien produzierten Literatur, welche ich in einem im Jahr 2003 in der Zeitschrift Digestivo Cultural veröffentlichten Artikel zusammenfassen versuchte. Von den Ideen des Kritikers José Paulo Paes inspiriert, plädierte ich für die Vertiefung einer brasilianischen Entertainment-Literatur, einer Literatur einem allgemeinen Publikum und nicht nur den schon eingebildeten und anspruchsvolleren Lesern gewidmet. Diese Literatur habe ich dann allgemein LPB benannt und zwar in einer Anspielung zur MPB, also Música Popular Brasileira. Ich denke, an dieser Entertainment-Literatur, anspruchsloser Literatur und an den normalen Lesern gerichtet, fehlt es in Brasilien. Das bedeutet aber nicht, dass wir eine schlechte Literatur haben, ganz im Gegenteil. Ich bin ein Mensch, der unsere literarische Tradition liebt und schätzt. Ich bin ein sehr treuer Leser vieler brasilianischen, klassischen und aller Epochen zeitgenössischen Autoren und für sie habe ich eine wahre Bewunderung Aber diese Literatur, wegen ihrer Raffinesse und makellose Ausführung, wegen ihrer Suche nach dem perfekten Werk, welcher den Lesern durch die tiefsten Labyrinthe des Lebens und der menschlichen Emotionen führen kann, hat sich in einer beeindruckenden Art und Weise vom Publikum entfernt. Versuche mal, die Listen der best verkauften Fiktions-Bücher in den Zeitungen und Zeitschriften zu beobachten. Da wirst du einen oder anderen brasilianischen Autor finden. Manches Mal wirst du gar keinen finden. Daher bin ich dafür, dass es parallel zu der bemerkenswerten schon in Brasilien bestehenden literarischen Tradition eine ausdrucksvolle Kette konsistenter Autoren auftaucht, die den Buchmarktsbereich besetzt, welcher heute fast komplett von ausländischen Autoren beherrscht wird. Es gibt da nichts Falsches, für eine brasilianische Entertainment-Literatur zu plädieren. Letzten Endes gibt es Platz für alle Art Literatur und einen Krimi oder einen Thriller, zum Beispiel, der im Gegenteil zudem wie viele Puristen behaupten, viel Qualität enthalten kann. Der literarische Wert eines Werkes sitzt nicht im Genre zu dem er gehört, sondern in der Art und Weise, in welcher der Autor seine Idee entwickelt. Die Empfindung dieser Qualität ist, seit je, extrem subjektiv, da jeder Leser mit einem Buch anders interagiert.    

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Wie entwickelt sich die LPB? Wie und wer kann sich mit der Idee verbinden?   

Luis Eduardo Matta
Jeder Mensch kann  diese  Idee umarmen. Ich stehe nicht an der Spitze. Wer Lust hat, Entertainment-Literatur zu schreiben, der soll es tun. Ich habe einfach eine Diagnose gestellt und einen Vorschlag gemacht. Den Rest liegt an den Schriftstellern.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Was liest du?

Luis Eduardo Matta
Alles. Von Gedicht zu Krimis, von Harry Potter zu Machado de Assis, Dostojevski und Platon. Ich habe kein Vorurteil im Bezug zur Literatur. Natürlich habe ich meine Meinungen, die privat sind. Aber ich habe immer gerne meine Lektüre variiert. Und ich schätze die Autoren nicht im Allgemeinen, sondern von Werk zu Werk.
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Tânia Gabrielli-Pohlmann
Wie siehst du die nicht immer freundlichen Divergenzen zwischen den brasilianischen Autoren verschiedener Stile?

Luis Eduardo Matta
Das finde ich schrecklich. Ich hasse diese Intrigen, die zu nichts führen. Die Schriftsteller sollten begreifen, dass alle ihren Platz haben. Es soll Respekt gegenüber der Arbeit des Anderes geben. Diese Divergenzen sind lächerlich und pathetisch und ich weigere mich, an ihnen teilzunehmen.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
luis-eduardo-mattaIn meinen Kommentaren zu zwei Büchern von dir, “Ira Implacável – Indícios de uma conspiração” und “120 Horas”, ging ich an die Frage des reinen literarischen Inhaltes deiner Arbeit heran, laut der Definition von Afrânio Coutinho über das was Literatur sein möge. Wäre es möglich, dein Genre in den reinen literarischen Kontext zu inserieren (wenn man über Brasilien redet)?

Luis Eduardo Matta
Nichts ist unmöglich. Aber ich bin realistisch genug, um zu wissen, dass umso mehr sie Qualität haben mag, die meiste Kritiker werden es nie tun.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
In deinen Büchern gibt es extrem poetische Momente…

Luis Eduardo Matta
O, das stimmt. Weisst du warum? Weil ich jemand bin, der Poesie im Alltag undeutlich sieht. Ich glaube an den Menschen, trotz aller unserer Barbarei. Ich bin ein grosser Optimist. Das spiegelt sich natürlich in meiner Literatur wieder. Ich lebe mein Leben mit grossem Enthusiasmus und unter vollständiger Übereinstimmung mit meiner Art und Weise des Seins.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Und die Fähigkeit, Personen und Fakten zu verknüpfen, die anscheinend nichts gemeinsam miteinander haben, mit einer Prise Raffinement… Das alles bietet dem Leser, der an „langen Büchern“ nicht gewöhnt ist, die Möglichkeit, den Spass beim Lesen zu entwickeln. Ich glaube, deine Arbeit würde ein riesiges Publikum erreichen, in Brasilien inklusiv. Rechnest du mit einer starken Marketing-Arbeit im Markt?

Luis Eduardo Matta
Ich schreibe gerne mit Deutlichkeit. Einmal sagte mir ein Journalist, dass ich in meinen Büchern so raffinierte und verwickelte Themen umfange, dass es nicht als eine so zu sagen populäre Literatur konfiguriert sein könnte. Ich antwortete darauf, durch das Schreiben in einer deutlichen Art und Weise, aber gleichzeitig ohne die Intelligenz des Lesers zu unterschätzen, machte die raffiniertesten Themen verdaubar für jeden Mensch. Und das ist, was passiert. Wöchentlich bekomme ich Dutzende E-Mails von Lesern aus ganz Brasilien, die sagen, sie mögen meine Bücher und die Dank ihnen angefangen hätten, brasilianische Literatur zu lesen.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Und wie ist dieser Kontakt mit dem Publikum?

Luis Eduardo Matta
Der beste wie möglichst. Die Menschen wenden sich sehr respektvoll an mich. Und ich bin immer sehr gerne in Kontakt mit den Menschen. Bisher hatte ich keine unangenehme Erfahrung mit einem Leser. Alle waren super, sehr nett.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Gibt es Pläne für die Version deiner Bücher in andere Sprachen?

Luis Eduardo Matta
Pläne gibt es immer. Aber ich habe noch nicht seriös darüber nachgedacht.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Gibt es Projekte für ein nächstes Buch?

Luis Eduardo Matta
Nicht nur für Eines. Momentan habe ich Ideen für mehr als fünf Romane. Anfang 2007 wird mein neuestes Buch Namens “Morte no Colégio“ von dem Verlag Editora Ática veröffentlicht. Es ist ein jugendlicher Thriller über die Suche nach den  Efeso-Manuskripten, welche die einzigen Dokumente wären, die nach dem Zusammenbruch des Atlantis-Kontinentes überlebt hätten. Nächstem Jahr soll ich auch noch der Thriller “O Véu“ veröffentlicht werden, dessen Szenerie die Welt der Kunst ist. Und ich habe es vor, weiter ununterbrochen zu schreiben. Ich bin immer voll Ideen und ich muss sie raus lassen, sonst lassen sie mir nicht in Ruhe.   

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Welche ist die soziale Rolle des brasilianischen Künstlers, besonders des Schriftstellers?

Luis Eduardo Matta
Es hängt von dem Schriftsteller ab. Ich, persönlich, glaube an die transformatorische Macht des Lesens. Daher denke ich, viele Schriftsteller sollen es versuchen, eine bessere Kommunikation mit dem Publikum etablieren und gelesen werden. Gelesen zu werden, den Menschen den wahren Spass beim Lesen zu ermöglichen, diese sind heute vielleicht die grösste soziale Rolle eines Schriftstellers an einem bedürftigen Ort wie Brasilien spielen könnte.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Wie kann man Brasilien dem ausländischen Leser definieren?

Luis Eduardo Matta
Das ist schwierig. Brasilien ist eines der wenigen Länder der Welt, das nicht zusammengefasst werden kann. Es ist ein Land wie ein Kontinent, vielfältig  mit starken regionalen Kulturen, vielen Unterschieden und gleichzeitig mit einer grossen Einheit. Die Ausländer sind diesen Reichtum, mit dieser Vielfältigkeit nicht gewöhnt. Meisten stecken uns in manche Stereotypen, was man auch begreifen kann, da nur ein vertiefter und aufmerksamtvoller Blick ist fähig, es zu verstehen, was Brasilien ist und wie es funktioniert. Und es sind sehr wenige diejenige, die auf uns diesen Blick richten. Aber das soll nicht eine Sorge von uns sein. Ich bin mehr besorgt darum, Brasilien für den brasilianischen Leser zu definieren.

Tânia Gabrielli-Pohlmann
Und die brasilianische Literatur?

Luis Eduardo Matta
Das Gleiche gilt auch für die brasilianische Literatur, die zu wenig Zugang im Ausland hat, mit Ausnahme von ein paar Schriftstellern. Aber Fakt ist, sie hat auch zu wenig Zugang sogar in Brasilien. Vielleicht wäre es daher nötig, die Wege auszubreiten und versuchen, mehrere brasilianische Schriftsteller zu übersetzen, um unsere literarische Reichtum der Welt zu zeigen. Jedoch, wenn es auf der anderen Seite keinen interessierten Leser gibt, wird diese Bemühung umsonst gewesen sein. Und leider passiert es nicht selten.