X-9 Paulistana

Veröffentlicht am 10. November 2009

Allgemeine Daten der Sambaschule X-9 Paulistana

bandeira-X9Gegründet: 12. Februar 1975
Vereinsfarben: Grün/Rot/Weiss
Aus dem Stadtteil: Carandiru

Präsident: André Santos
Karnevalist/In: André Machado
Sänger: Royce do Cavaco
Leiter der Perkussions-Gruppe (Mestre de bateria): Mestre Adamastor
Begleiter der Fahnenträgerin (Mestre-sala): Ruhanan
Fahnenträgerin (Porta-bandeira): Ana Paula
Königin der Perkussion (Rainha da Bateria): Gracyanne Barbosa

Samba-Enredo 2016 (Themen-Samba)
Açaí Guardiã. Do amor de Iaçã ao esplendor de Belém do Pará.
Wächter Açaí. Von Iaçãs Liebe zur Pracht von Belém do Pará.

Zahlen Karneval 2016
Mitwirkende: 2.800
Alas (Themen-Gruppen zu Fuss): 21
Allegorische Wagen: 5

Probelokal: Av. Luiz Dumont Villares, 324 – Carandiru
Proben: Mittwochs ab 20h und sonntags ab 20h
Quadra: Av. Luiz Dumont Villares, 324 – Carandiru
Telefon: (11) 6959 – 3377

Karnevalssieger Grupo Especial
2000, 1997

Impressionen Karnevalsparade 2016

Aus der Vereinsgeschichte

Die Sambaschule X-9 Paulistana aus dem Stadtviertel Carandiru wurde 1975 gegründet und hat ihren Namen von einer Comic-Figur, dem Geheimagenten X-9, desselben Zeichners, der auch Flash Gordon erfunden hat. Ursprünglich nannte sie sich Filhotes da X-9, bis sie 1986 ihren aktuellen Namen annahm.

1995 stieg X-9 Paulistana in die Erste Liga auf und überraschte bei ihrem Debüt mit einem fünften Platz. 1997 gewann die Schule ihren ersten Titel und wurde zweifacher Meister im Jahre 2000, als sie sich den Sieg mit der Schule Vai-Vai teilte. Die weiteren Jahre verliefen durchzogen. Die Höhepunkte waren die Vize-Meisterschaft in den Jahren 2004 und 2005.

“Do além mar, a herança lusitana nos une. Ora pois… a X-9 é portuguesa com certeza!“ (Von Übersee vereint uns das lusitanische Erbe. Denn die X-9 ist wahrhaftig portugiesisch!) hiess das Motto 2010. Die 24 Kostümgruppen und 5 Motivwagen symbolisierten auf detailreiche Weise die Verbindungen zwischen der ehemaligen Kolonialmacht Portugal und Brasilien.

2011 stand der brasilianische Humorist und Komiker Renato Aragão, besser bekannt als „Didi“ mit dem Thema: „Vom ewigen Kind zum Botschafter der Hoffnung… Renato Aragão, Didi Trapalhão!“ im Mittelpunkt. Neben zahlreichen Anspielungen auf die verschiedenen Sendungen, mit denen er im Fernsehen landesweit bekannt wurde, zeichneten die Karnevalisten der Schule auch ein Bild seines Bundesstaates Ceará im Nordosten Brasiliens.

Natürlich war der inzwischen 76-jährige Protagonist auch persönlich zugegen und winkte unter einer Nachbildung der Jesus-Statue dem Publikum vom letzten Motivwagen zu. Auch viele Freunde, Kollegen und Angehörige von Aragão nahmen an der Parade teil, die wie gewohnt durch die Begrüssungskommission eröffnet wurde. Hier bildete die Gruppe das Gesicht des Künstlers nach, auf den Regenschirmen waren zudem die Buchstaben seines Namens zu lesen.

2012 marschierte “X-9“ im Sambadrom von Anhembi mit einem Thema zu Ehren der Kultur, der Natur und der Folklore des brasilianischen Hinterlandes. Der Samba-Enredo lautete: Trazendo para os braços do povo o coração do Brasil, a X9 Paulistana desbrava os sertões dessa gente varonil (Wir legen dem Volk das Herz Brasiliens zu Füssen – die X9 Paulistana erobert die Sertões dieser mannhaften Leute.)

Unter ihren Höhepunkten die “Ala das Baianas“ (Themengruppe der Bahianerinnen), welche die Avenida mit ihren bunten Kostümen in unterschiedlichen Farben schmückte, eine Referenz an die brasilianische Flora. In der “Front-Kommission“ der Schauspieler Pascoal da Conceição, der als “Mario de Andrade kostümiert war.

Die X-9 Paulistana paradierten 2013 zum Sound des Themen-Sambas über die Union der Rassen und Kulturen in São Paulo auf der Suche nach Glück und Harmonie. Voller afrikanischer, orientalischer, europäischer und indigener Referenzen.

Der Themen-Samba “Se pra ter diversidade basta viver em harmonia, sorria… Pois São Paulo hoje é só alegria! “ (Mit Frohsinn zu leben reicht zur Unterhaltung: Lächle … denn São Paulo ist heute nur Harmonie.) wurde interpretiert von Royce do Cavaco.

Die Parade erzählte die Geschichte eines Königreiches, in dem die Menschen den einfachen Dingen des Lebens keine Beachtung mehr schenken und solche Werte wie Bescheidenheit vergessen. Ein weiser Reisender entschliesst sich, die verlorenen Werte zu suchen, welche das Szenario dieses Ortes – gemeint ist São Paulo – verändern könnten.

“Wir haben eine Reise durch vier Königreiche zusammengestellt: das der schwarzen Rasse, das der orientalischen Rasse, das der weissen Rasse und das der roten Rasse, damit der Reisende die Essenz und die Werte eines jeden Reiches finden und mitnehmen kann, um sie seinem Reich zu präsentieren“, erklärt der Karnevalist der Schule.

Besonders hervorzuheben war die Auswahl der Farben, unterschiedlich in jedem Sektor. Im letzten Sektor, dem Reich des Weisen, vermischten sich die Farben aller Sektoren auf dem Wagen und in den Alas, um zu demonstrieren, dass der Reisende nun die Essenzen jedes von ihm besuchten Reiches gesammelt und mit nach São Paulo gebracht hat. Die gute Botschaft der X-9 Paulistana reichte am Ende nur zum 10. Rang.

Mit dem Thema “Insanidade“ (Wahnsinn) setzte die Schule 2014 besonders auf die Choreografien ihrer Teilnehmer auf den allegorischen Wagen.

Mit 36 Akrobaten aus dem Zirkus-Milieu präsentierte der erste allegorische Wagen die “Synapsen“ (Verknüpfungen) des Gehirns.

Die Percussion-Gruppe der Schule marschierte auf im Outfit des “Chapeleiro Maluco“ (Verrückten Hutmachers) aus dem Buch “Alice im Wunderland“. Geleitet von Reginaldo de Sousa, dem Maestro Adamastor, nennt man die Gruppe “Ninguém dorme“ (Niemand schläft).

Im Verlauf der Parade wurde an verschiedene “verrückte“ Persönlichkeiten erinnert, wie zum Beispiel Raul Seixas, der “Maluco Beleza“ und der “Prinz Vlad III.“ der die Figur des “Graf Dracula“ inspirierte.

Die “X-9” demonstrierte im Sambadrom von Anhembi, dass selbst Majestäten dem Wahnsinn nicht entgehen. Die “Ala der Baianas“ zum Beispiel, präsentierte die portugiesische Königin Dona Maria, die Verrückte.

Für die X-9 ging der Wahnsinn einer gewonnen Parade nicht in Erfüllung die Schule platzierte sich im Schlussfeld auf dem 11. Rang.

Dem Regen widmete sich X-9 Paulistana am Karneval 2015 mit dem Samba-Thema: “Sambando na chuva, num pé d’água ou na garoa, sou X9 numa boa!“ (Samba im Regen, bei Sturzflut oder bei Nieseln, ich bin X9 und mir geht’s gut!).

Hinter der Wahl des Themas stand allerdings nicht der Mangel an Wasser, der die Megametropole und andere Regionen Brasiliens seit Monaten geisselt. Vielmehr wurde das Thema aufgegriffen, weil X-9 Paulistana im vergangenen Jahr bei ihren Umzug mit Niederschlag zu kämpfen hatte. Schon bei Sonnenaufgang am Sonntagmorgen tanzten nun nach dem Regen sprießende Pflanzen, Früchte sowie Hagelkörner und ebenso in den Regengott verliebte Zikaden über die Avenida.

Phantasievoll erzählten sie Legenden der Indios und der Afrobrasilianer, die sich rund um das Wasser drehen. Nicht fehlten ebenso der Regentanz, der Regenbogen und die Gottheiten der Flüsse, des Donners und der Winde.

Einer der Wagen wurde mit einer Tonne Müll “verziert”, der auf den Strassen São Paulos aufgesammelt wurde. Er sollte zeigen wie achtlos weggeworfener Müll Flüsse, Quellen und Bäche verschmutzt und die Kanalisation verstopft. 268,7 Punkte war die Bewertung der Juroren, was den 11. Schlussrang ergibt.

Die X-9 Paulistana demonstriert mit ihrer Parade 2016 die Köstlichkeiten der Açaí-Frucht. Der Themen-Samba dazu: „Açaí Guardiã. Do amor de Iaçã ao esplendor de Belém do Pará“ (Wächter Açaí. Von Iaçãs Liebe zur Pracht von Belém do Pará). Es war ein etwas nervöser Beginn der X-9-Parade, mit der in dieser zweiten Nacht der Karneval der Spitzengruppe im Sambódromo von São Paulo zu Ende ging.

Es fing damit an, dass die “Bewohner der Oca“ (indigene Hütte) der Frontkommission sich in der Richtung irrten und am Grenzzaun der Parade-Avenida landete. Die Organisatoren brauchten wertvolle Minuten, um sie wieder in die Mitte der Avenida zu manövrieren.

X-9 wurde mit 263,9 Punkten 14-te und letzte Schule. 2017 laufen sie in der Grupo Acesso von São Paulo ein.