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Der Karneval São Paulo ist ein traditionelles karnevalistisches Fest, das alljährlich in der Metropole São Paulo neu ersteht. Die Parade der paulistanischen Sambaschulen findet im Sambadrom von Anhembi statt, der ebenfalls vom renommierten Architekten Oscar Niemeyer projektiert worden ist – so wie der Sambadromo Marquês de Sapucaí in Rio de Janeiro. Die Paraden der "Grupo Especial" der Sambaschulen São Paulos finden jeweils am Freitag und Samstag der Karnevalswoche statt.
AUS DER GESCHICHTENachdem der portugiesische "Entrudo" (Fasching) auf die brasilianische Erde gesetzt hatte, entwickelte sich dieses Fest ganz unterschiedlich entsprechend der diversen Örtlichkeiten, in denen es erblühte: in Bahia wurde es stark von den Rhythmen Afrikas geprägt – in Rio de Janeiro organisierte man es schon sehr früh in verschiedene Gesellschaften, dem Embrio der zukünftigen Sambaschulen – in São Paulo stand es unter dem starken Einfluss jener Volksgruppen, die vom Land in die Stadt umzogen, um vor der Krise in der Kaffeewirtschaft zu fliehen. Es war diese Bevölkerung aus dem landwirtschaftlichen Exodus, die den paulistanischen Karneval einleitete.Die karnevalistischen Inhalte und der Samba selbst unterschieden sich wenig von denen in Rio de Janeiro, ausgenommen ein klarer Unterschied im Rhythmus der Musik und damit auch in der Geschwindigkeit des Marschierens. Der paulistanische "Sambista", gewohnt an die harte Arbeit in den Kaffeeplantagen, später in die Stadt ausgewandert, um am Fliessband zu arbeiten, präsentierte etwas, was Plínio Marcos den "Arbeits-Samba, hart und auf die Trommelschläge abgestimmt" genannt hat – er kontrastiert deutlich mit dem eher lyrischen Samba der Cariocas. Ausserdem wurde der paulistanische Samba entscheidend von anderen, stark perkussiven Rhythmen beeinflusst – wie zum Beispiel der "Jongo-macumba" auch bekannt unter der Bezeichnung "Caxambu". In dieser Epoche begann auch die Relation zwischen Karneval und Gesetz: eine Repression von Seiten der Polizei gegenüber den "Sambistas" – in überaus harter Form und mit unbeschreiblichen Ausschreitungen. Die "Sambistas" wurden nicht nur während des Karnevals, sondern das ganze Jahr über, als Vagabunden angesehen und als Gesetzesbrecher von der Obrigkeit hart verfolgt. Das Erscheinen des Karnevals in São Paulo, so wird berichtet, wurde nach seiner geografischen Herkunft auf die Industrie- und Fabrikviertel verwiesen, was gewissermassen erklärt, dass zwei der traditionellsten paulistanischen Sambaschulen der Gegenwart in Stadtvierteln mit hoher Konzentration von Arbeiterfamilien beheimatet sind: die "Vai-Vai" in Bela Vista, und die "Camisa Verde e Branco" in Barra Funda. Die Karnevalstradition São Paulos war – neben dem so genannten "Carnaval de Rua" (Strassenkarneval), der sich in Feiern und populären Spässen durch die Strassen der Stadt bewegte – zentralisiert in der Figur der "Cordões" (Kordons), unter denen sich eben die "Vai-Vai" und die "Camisa Verde e Branco" hervortaten. Die Strassenfeste und die Paraden der "Cordões" fanden parallel und in bester Harmonie statt, sie rundeten das kulturelle Bild der Paulistaner ab. Die erste Intervention der Präfektur von São Paulo fand während des Karnevals 1934 statt, sie promovierte erstmalig eine Karnevals-Parade der existierenden "Cordões" jener Epoche. Lange Zeit inspirierten jene "Cordões" die Musikalität der Arbeiterklasse in São Paulo, und in ihren Reihen entwickelte sich auch der "Samba Paulistano". In den 50er Jahren tauchten die ersten "Escolas de Samba" (Sambaschulen) auf, zweifellos inspiriert von jenen Institutionen gleichen Namens aus Rio de Janeiro. Die organisierten Paraden jener Einheiten wurden beherrscht von den traditionellen Sambaschulen "Lavapés, Unidos do Peruche und Nenê de Vila Matilde", den ältesten Sambaschulen São Paulos, letztere ist die älteste überhaupt. Die erste Parade fand in Ibirapuera im Jahr 1955 statt. Das definitive Ende der juristisch-administrativen Querelen bezüglich des Karnevals brachte dann eine Sanktion des Präfekten José Vicente de Faria Lima (er stammte aus Rio, geboren im Stadtteil Vila Isabel, und war ein Fan des Samba), mit dem Gesetz Nr. 7.100/67, dazu bestimmt, die Promotion des Karnevals durch die Präfektur von São Paulo zu regulieren – reglementiert vom Dekret Nr. 7.663/68. Dieses Gesetz, zusammen mit der Schaffung eines Sekretariats für Tourismus und den von diesem Organ promovierten Aktivitäten, traf zusammen mit der Idee einer kulturellen Erweiterung der Stadt. Und noch unter derselben regionalpolitischen Einstellung schuf man 1968 – 1970 die "Anhembi Turismo e Eventos da Cidade de São Paulo S/A" (heute SPTuris genannt) – eine gemischtwirtschaftliche Gesellschaft mit offenem Kapital, von der sich gegenwärtig 77% der Aktien in Händen der Präfektur von São Paulo befinden. Der "Anhembi" gebürte dann, zukünftig, eine bedeutende Rolle in den Veränderungen, denen der paulistanische Karneval unterworfen war. De Erlass jenes oben zitierten Gesetzes leitet das so genannte Phänomen der "Offizialisierung des Karnevals" ein. Obwohl die Aktionen der Präfektur zweifellos mit gut gemeinten Absichten durchgeführt wurden, waren sie vom kulturellen Standpunkt aus gesehen ein Desaster! Obwohl der Paragraph1 des entsprechenden Gesetzes verschiedene öffentliche Investitionen in Infrastruktur vorsah, um Festplätze in verschiedenen Teilen der Stadt zu schaffen, ausserdem ein Budget für Prämierungen und Preise zur Verfügung zu stellen, wurde jene Mittel in der Praxis lediglich für die Organisation der Paraden der Sambaschulen verwendet – und man erklärte, aus Gründen fehlender Mittel, das Ende jener "Cordões" und löste die Verbindung des paulistanischen Karnevals mit seinen kulturellen Wurzeln einfach auf. "Cordões", die trotz dieser Unbilden überlebten, mussten sich der nunmehr herrschenden Logik beugen und sich in "Escolas de Samba" verwandeln (wie die schon zitierten "Vai-Vai" und "Camisa Verde e Branco"). Jener "Offizialisierung" schloss sich die Organisation aller "Escolas de Samba" in einer repräsentativen Einheit, der UESP, an – "União das Escolas de Samba de São Paulo", welche gegenwärtig die Karnevals-Paraden der zweit- und drittrangigen Sambaschulen organisiert. 1968 fand dann die erste offizielle Parade der paulistanischen Sambaschulen statt – auf der breiten Avenida São João – Champion wurde die altehrwürdige "Escola de Samba Nenê de Vila Matilde" mit ihrem Thema "Vendaval Marvilhoso", das sich mit Castro Alves beschäftigte. Von da an – mit der Unterstützung der Präfektur von São Paulo, die sich definitiv entschloss, den Karneval zu dirigieren und privates Kapital mittels ihrer indirekten Administration, der Anhembi S/A, einzunehmen – hörte der Karneval in São Paulo nicht mehr auf zu wachsen. Im Jahr 1977 wurden die Paraden auf die Avenida Tiradentes verlegt, wo man Tribühnen errichtet hatte, welche 30.000 Zuschauern Platz boten – allerdings noch ohne grossartige Infrastruktur. Im Jahr 1986 verblieb die Organisation der "Escolas de Samba" zwar in dem bereits geschilderten Rahmen, nunmehr aber unter der Leitung der neu gegründeten "Liga Independente das Escolas de Samba de São Paulo" – der LigaSP. Diese Institution ersetzte gewissermassen die UESP, jedoch ohne sie auszulöschen – vielmehr widmete sich die Liga SP nunmehr der Organisation der "Grupo Especial" (exklusivste Paradegruppe) und der "Grupo de Acesso" (der Aufsteigergruppe – das ist die zweitbeste Paradegruppe, aus der jedes Jahr ein oder zwei Schulen zur "Grupo Especial aufsteigen") – die UESP dagegen organisierte von nun an die Gruppen der dritten und vierten Division. 1990 sanktionierte die Präfektin Luiz Erundina de Souza ein Gesetz (No. 10.831) welches in Übereinstimmung mit einer Klausel "den Karneval der Stadt São Paulo offiziell macht, das Gesetz Nr. 7.100/67 widerruft und weitere Regelungen trifft". Dieses Gesetz überträgt der Präfektur, mittels des Artikels 3oC/c, Artikel 2o, II, die Verantwortung zur Organisation des Karnevals – durch die Anhembi S/A. Das Gesetz anerkennt und institutionalisiert die Repräsentation der "Escolas de Samba" durch Mitgliedschaften – was seit dem Jahr 1986 bereits gang und gäbe war. Das Gesetz Nr. 10.831/90 hatte ebenfalls den letzten Umzug der Karnevalsparaden zur Folge, welcher 1991 in die Tat umgesetzt wurde, und die Paraden von da an im "Pólo Cultural Grande Otelo" stattfanden, ein riesiger Laufsteg von mehr als 500 Metern Länge, der auf der Avenida Olavo Fontoura konstruiert wurde – im Volksmund als "Sambódromo de Anhembi" bekannt. Dieser Ort, im Besitz der Anhembi S/A, stand von da an nicht nur den Karnevalsparaden sondern auch diversen anderen Events unterschiedlicher Genres zur Verfügung. Von 2006 an wurden im paulistanischen Karneval zwei Titel eingeführt. Der erste und bedeutendste betrifft die "Grupo Especial das Escolas de Samba", der andere wird ausschliesslich von jenen Schulen umkämpft, die mit organisierten Fans von Fussballclubs liiert sind oder aus ihnen hervorgingen – so wie im Fall der "Mancha Verde" (liiert mit PALMEIRAS) oder die "Gaviões da Fiel" (liiert mit CORINTHIANS) – so entstand die "Grupo Especial das Escolas de Samba Desportivas" (die sportlichen Sambaschulen). Man beabsichtigte im Jahr 2006, lediglich jene Gruppe der "sportlichen Schulen" paradieren zu lassen, als es nur noch ein oder zwei Gruppen gab, welche sich um die Prämie der "Grupo Especial" bewarben – aber im Folgejahr 2007, obwohl nur noch die "Mancha Verde" in der "Grupo Especial" verblieben war, behielt man den Titel bei – Sieger wurde allerdings zum zweiten Mal hintereinander der Fan-Club Pameiras, der seinen ersten Titel 2006 errungen hatte. Ab 2008 löste man die "Grupo Especial de Samba Esportiva" wieder auf – mit dem Ergebnis, dass die "Gaviões da Fiel" und die "Mancha Verde" erneut mit den anderen Schulen den Titel der "Grupo Especial" umkämpften.
Anfang er 50er Jahre war der Karneval in São Paulo klein – die Schule mit dem meisten Prestige war die "Lavapés", die viele Titel jener Epoche gewann, aber diese scheinbare Unbesiegbarkeit von vier Jahren hintereinander wurde im Jahr des 400-jährigen Geburtstages der Stadt São Paulo von der "Escola de Samba Brasil de Santos" unterbrochen (einer Schule, die sich anfangs am Karneval von São Paulo beteiligte und heute in ihrer Heimatstadt Santos paradiert – 2007 wurde sie dort Champion). 1955 und 56 war der Champion die Sambaschule "Garotas de Itaim" und im zweiten Jahr teilte sie sich den Titel mit einer Schule, die gerade auf der Bildfläche erschienen war, und die sich in Zukunft zur traditionellsten Schule der Stadt mauserte – die "Nenê de Vila Mathilde". |
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