Unidos do Viradouro

Veröffentlicht am 10. November 2009

Allgemeine Daten der Sambaschule G.R.E.S. Unidos Do Viradouro

unidos-do-viradouroGegründet: 24. Juni 1946
Vereinsfarben: Rot/Weiss
Symbol: Krone, Lorbeer + eine weisse + eine schwarze Hand beim Händedruck
Aus der Stadtteil: „Niterói“

Präsident: Gusttavo Clarão
Karnevalist: João Vitor Araújo
Sänger: Zé Paulo Sierra
Leiter der Perkussions-Gruppe (Mestre de bateria): Mestre Pablo
Begleiter der Fahnenträgerin (Mestre-sala): Marlon Flores
Fahnenträgerin (Porta-bandeira): Alessandra Chagas
Karnevalsdirektor: Wilson Polycarpo
Königin der Perkussion (Rainha da Bateria): Raíssa Machado
Chorographie: Sérgio Lobato

Samba-Enredo 2015 (Themen-Samba)
Nas veias do Brasil, é a Viradouro em um dia de graça
In den Adern Brasiliens, das ist die Viradouro an einem begnadeten Tag

Zahlen Karneval 2015
Mitwirkende: 3.500
Alas (Themen-Gruppen zu Fuss): 30
Allegorische Wagen: 7

Quadra-Adresse: Avenida do Contorno, 16 – Barreto Niterói – RJ
Clubräume: Rua Barão de Tefé, 01 Fds.
Quadra-Telefon: (21) 2628 – 7840
Club-Telefon: (21) 2233 – 7463

Karnevalssieger Grupo Especial
1997

Impressionen Karnevalsparade 2015

Aus der Vereinsgeschichte

Viradouro – 15 Jahre in der Spitzengruppe –, hat viel zu erzählen. Gegründet wurde die Schule 1948 in Niterói, der Nachbarstadt von Rio de Janeiro auf der gegenüberliegenden Seite der Guanabara-Bucht – viele Jahre lang war sie bei den antiken Paraden die Referenz, und sie hat zahlreiche Titel gewonnen. Während 16 Jahren (zwischen 1947 und 1963) war sie nicht weniger als zehnmal Champion in ihrer Heimatstadt!

1964 marschierte sie zum ersten Mal in Rio de Janeiro auf – auf dem Platz „Praça Onze“. Aber zwei Jahre später kehrte sie auf ihre heimatliche Erde zurück, denn dort hatte sie grösseren Erfolg: noch achtmal wurde sie dort Champion – in einer ewigen, aber gesunden, Rivalität mit der Schwester „Cubango“, mit der sie sich hie und da als Karnevalssiegerin abwechselte.

Der Wunsch zu wachsen war so gross, dass die rot-weisse Viradouro 1986 erneut auf die Einladung einging, ihre Grenzen zu überschreiten um sich mit den Cariocas zu messen. Und 1991 hatte sie dann ihr Debut unter den Grossen: Unter der experimentellen Regie des Karnevalisten Max Lopes zeigte die Schule eine schöne Ehren-Parade für die Schauspielerin Dercy Gonçalves und eroberte sich einen überraschenden siebenten Platz – mit dem sie noch vor solch traditionellen Schulen wie „Vila Isabel“ und „Mangueira“ abschnitt!

Die „Viradouro“ wollte mehr – im folgenden Jahr setzte sie alle Karten auf ein Thema aus der Welt der Zigeuner. Und als sie in die Parade-Avenida einbog, hatte man keine Zweifel mehr: Viradouro war eine der luxuriösesten Paraden von 1992. Die Magie des Glücks jedoch war nicht auf ihrer Seite: Einer ihrer Wagen fing Feuer, und das kostete sie 13 Punkte wegen Verspätung!

Allerdings konnte jener Unfall die Mitglieder nicht verdriessen – für 1994 konnte sie den talentierten Joãosinho Trinta für sich gewinnen, der gerade aus der „Beija Flor“ ausgeschieden war. Der Karnevalist klotzte mit Luxus – seinem besonderen Stil – und verhalf der Schule zum ersten Mal zu einem Championplatz innerhalb der Spitzengruppe – es war zwar nur ein Dritter Platz, aber der wurde von der Kommune Niterói wie ein absoluter Sieg gefeiert.

Und der liess auch nicht lange auf sich warten: 1997 bekam die Viradouro „standing ovations“ für ihre Parade „Trevas! Luz! A explosão do universo“ (Dunkel! Licht! Die Explosion des Universums) – ebenfalls unter der Regie von Joãosinho Trinta.

Diesmal war der Luxus der Kreativität gewichen – und einigen Kühnheiten, welche sowohl Publikum wie Juroren im Sturm eroberten: wie zum Beispiel die Frontkommission ganz in Schwarz oder die auf „Funk“ umgemodelte Percussion-Gruppe unter der Leitung von Mestre Jorjão.

Joãosinho Trinta verliess die Schule im Jahr 2000, und die Viradouro öffnete sich für einen neuen Stil. Roberto Szanieck, Chico Spinoza und Mauro Quintaes hatten ihren Auftritt bei dieser Schule, die seit ihrem ersten Sieg 1997 von nun an stets unter den ersten Drei zu finden war und so jedes Mal am „Sábado der Campiões“ (Samstag der Champions – eine Woche nach Karneval marschieren die Schulen des Ersten, Zweiten und Dritten Platzes noch einmal) ihre zweite Parade absolvierte. Erst im Jahr 2005 blieb sie diesem Fest fern – sie war auf den achten Platz verwiesen worden.

Aber nichts konnte ihre geballte Kraft in der „Grupo Especial“ des Carioca-Karnevals mindern.

Schon 2006 erreichte sie wieder den Dritten Platz mit dem Thema „Arquitetando Folias“. Danach setzte sie zwei Jahre lang auf den Erfolg des Karnevalisten Paulo Barros, erreichte die Spitze aber vorläufig nicht wieder.

Auf einer Teilnehmerin der Sambaschule Viradouro lagen im Anschluss die meisten Blicke: der gerade 7-jährigen Júlia Lira, die erst nach dem Beschluss einer Familienrichterin als Königin der Trommlergruppe an der Parade teilnehmen durfte. Im Aufstellungsbereich zeigte die Mini-Samba-Queen und Tochter des amtierenden Präsidenten der Schule zunächst Nerven und rettete sich weinend vor Schaulustigen und Reportern in Mamas Arme. Auch auf der Wegstrecke im Rausch des Samba-Rhythmus schien sie von dem enormen Rummel weiterhin sichtlich nervös und irritiert.

Vielleicht lag es aber auch einfach nur an der Uhrzeit, denn die Schule betrat erst um 1:36 Uhr die Arena. Das Motto der Parade lautete „México, o Paraíso das Cores, sob o Signo do Sol“ (Mexiko, Paradies der Farben unter dem Zeichen der Sonne) und so wurden auf den 9 Allegoriewagen nicht nur wichtige Stationen in der Geschichte sondern auch berühmte Persönlichkeiten wie Diego Rivera, Frida Kahlo, Emiliano Zapata und die Jungfrau Maria von Guadalupe gehuldigt.

Zudem waren unter den 3.700 Teilnehmern in 34 Kostümgruppen neben Kakteen, Tequila und Chihuahuas jede Menge Piraten zu entdecken, die vor Jahrhunderten in der karibischen See ihr Unwesen trieben. Nach exakt 82 Minuten kam der Mexiko-Treck dann auch sicher ins Ziel.

Mit dem 12 und letzten Platz musste Unidos do Viradouro 2011 in der „Grupo Accesso“ an den Start, wie auch 2012 und 2013. In diesem Jahr (2013) machte der Verein aus Niterói grosse Anstrengungen, die Rückkehr in die “Grupo Especial“ zu schaffen und setzte auf den “Magier der Farben“, den Karnevalisten Max Lopes. Nach einer einfachen, aber schönen, Parade landeten sie auf dem Zweiten Platz, mit 299,6 Punkten, nur vier Zehntel hinter dem Champion “Império da Tijuca“, der 300 Punkte erreichte.

Nach dieser Parade büsste die Viradouro auch noch ihren “Barracão“ ein – ihre Werkstatt im Hafengelände von Rio – weil die reformbedürftigen Gebäude und Baracken-Speicher des Hafens nun endlich abgerissen und alles innerhalb eines neuen Projekts neu angelegt werden sollte. Nachdem die Schule ihre Allegorien auf einem Terrain unter freiem Himmel, an der Avenida Brasil, untergestellt hatte, bekam sie einen Platz in einem antiken Schuppen der Schule “Estação Primeira de Mangueira“, in der Nähe des Sambadroms.

Für den Karneval 2014 setzte die Viradouro auf das Thema “Sou a Terra de Ismael, Guanabara eu vou Cruzar… Pra Você Tiro o Chapéu, Rio eu vim te Abraçar“ (Bin aus dem Land Ismael, Guanabara werde ich durchqueren … Für dich ziehe ich den Hut, Rio ich kam um dich zu umarmen). Die Schule sang zu Ehren ihrer Geburtsstadt – verstärkte ihren Sound-Track mit dem Interpreten Zá Paulo, der von der “Mangueira” übergewechselt war, und vertraute auf den jungen Karnevalisten João Victor Araújo in der Gesamtgestaltung ihrer Parade.

Trotz der grossen Probleme mit ihrer Werkstatt legte die Schule eine exzellente Parade hin, nach der sie als Favorit auf den Titel in der Aufsteiger-Gruppe galt. Und diese Vermutung bestätigte sich dann auch nach der Vergebung der Punkte: Mit einer einzigen Note unterhalb von 10 – alle anderen zu bewertenden Details erhielten die maximale Note 10 – ist der Viradouro die Rückkehr in die “Grupo Especial“ für das Jahr 2015 sicher.

Die Schule Unidos do Viradouro, sie startete im vergangenen Jahr noch in der “Serie A“, konnte durch ihren Sieg in diesem Jahr in der Spitzengruppe auflaufen. Viradouro eröffnete den Karneval 2015 in Rio und litt unter dem einsetzenden Regen, besonders die Federn einiger Kostüme wurden in Mitleidenschaft gezogen. Punktabzug werden wohl die Aussetzer im Ton bringen, gleich zweimal in den ersten zehn Minuten der Parade. und der letzte Wagen präsentierte schwarze Engel, einer von ihnen mit einem beschädigten Arm.

Die Schule wählte das Thema “Nas veias do Brasil, é a Viradouro em um dia de graça“ (In den Adern Brasiliens, das ist die Viradouro an einem begnadeten Tag), über die Bedeutung der schwarzen Rasse in der Zusammensetzung des brasilianischen Volkes.

Die rot-weisse Schule verteilte sich auf der Avenida mit Alas über Giraffen und einem Eröffnungswagen mit wilden afrikanischen Tieren – besonders hervorzuheben, die Löwen und die rituellen Masken.

Die Juroren kannten keine Gnaden und setzten die Punkteabzüge konsequent um, so lag Viradoura abgeschlagen auf dem 12. und letzten Schlussrang, was den erneuten Abstieg in die Serie A bedeutet.