São Clemente

Veröffentlicht am 28. August 2010

Allgemeine Daten der Sambaschule São Clemente

bandeira_sao-clementeGegründet: 25. Oktober 1961
Vereinsfarben: Schwarz/Gelb
Symbol: Zuckerhut
Aus dem Stadtteil: Botafogo

Präsident: Renato Almeida Gomes
Karnevalist/In: Rosa Magalhães
Sänger: Leozinho Nunes
Leiter der Perkussions-Gruppe (Mestre de bateria): Mestre Gil und Caliquinho
Begleiter der Fahnenträgerin (Mestre-sala): Fabrício Pires
Fahnenträgerin (Porta-bandeira): Denadir
Königin der Perkussion (Rainha da Bateria): Rafaela Gomes
Karnevalsdirektor: Ricardo Almeida Gomes
Chorographie: Sérgio Lobato

Samba-Enredo 2017 (Themen-Samba)
Onisuáquimalipanse
“Schande, wer darin Schlechtes sieht“

Zahlen Karneval 2017
Mitwirkende: 3.000
Alas (Themen-Gruppen zu Fuss): 30
Allegorische Wagen: 6

Probelokal: Av. Presidente Vargas, 3.102 – Centro
Proben: Dienstags ab 20h und freitags ab 22h)
Quadra: Avenida do Contorno 16 – Barreto (Niterói)
Werkstatt: Rua Rivadávia Correa 60 – Cidade do Samba – Gamboa
Telefon: (21) 2253 – 3776 und 2516 – 1301 (Werkstatt)

Karnevalssieger Grupo Especial
1966, 1964

Impressionen Karnevalsparade 2017

Impressionen Karnevalsparade 2016

Impressionen Karnevalsparade 2015

Impressionen Karnevalsparade 2014

Impressionen Karnevalsparade 2013

Aus der Vereinsgeschichte

In der Mitte des Jahres 1953 nahm eine Gruppe Jugendlicher, begeisterte Fussballfans aus dem Stadtteil Botafogo in weiss-blauen Trikots, an einem Amateur-Spiel im „São Clemente Futebol Clube“ teil – so genannt nach der Strasse, in der er sich befand.

An den Wochenenden pflegten sie häufige Ausflüge zu unternehmen, um in Clubs von Vorstädten zu spielen. Dann geschah es anlässlich eines solchen Ausflugs, dass sie vor der Vila Gauí, in der Rua São Clemente 176, auf den Bus warteten, der sie in den kleinen Ort „Bananal“ bringen sollte – Ivo Rocha Gomes entdeckte neben der Tür eines kleinen Ladens zwei leere Fässer, in denen einmal Trauben transportiert worden waren, und verwandelte sie in Percussion-Instrumente, mit denen man singend und trommelnd die Wartezeit verkürzte. Und sie steigerten sich dermassen in eine Begeisterung hinein, dass sie beschlossen, einen karnevalistischen „Bloco de Sujos“ zu gründen – der dann während der Karnevalstage im Stadtteil Botafogo in den Farben Weiss-Blau aufmarschierte. Das erste Samba-Thema kreierte Nelson Escurinho mit folgendem Text:

Lasst uns alle die Melodie singen,
welche aus meinem Herzen stammt.
Lasst uns die grausame Traurigkeit der Enttäuschung vergessen.
Aus der Melodie schuf ich ein Gedicht,
welches ich in den einsamen Nächten singe.

Ich war so glücklich,
dann erlebte ich die grosse Enttäuschung.
Nur in meinem Herzen gibt es etwas
und in diesem Samba, der ein Gedicht ist.
ich singe es in meinem einsamen Nächten.

São Clemente war die Gewinnerin der Grupo Acesso 2010 und kann 2011 in die Grupo Especial aufsteigen! In der höchsten Liga wählten die Verantwortlichen 2011 das Motto „Dein, mein, unser Rio – von Gott gesegnet und schön von Natur“. So standen dann auch die Naturschönheiten wie der Zuckerhut oder der botanische Garten im Mittelpunkt der Präsentation. Zudem wurden die Pluralität aber auch das tägliche Verkehrschoas der Metropole thematisiert, ein Motivwagen gedachte als Arche Noah zum Abschluss den Opfern der verheerenden Flutkatastrophe im April 2010.

Mit dem Thema “Uma Aventura Musical na Sapucaí” (ein musikalisches Abenteuer auf der Sapucaí) setzte die Samba-Schule “São Clemente“ 2012 ihre ganze Schaffenskraft ein für eine musikalische Reise, die von internationalen Musicals wie “Cats“ bis zur nationalen “Ópera do Malandro“ (Oper des Gauners) reichten – um zu beweisen, dass sie es verdienen, unter den Schulen der Samba-Elite Rio de Janeiros zu verbleiben. Welterfolge, wie “Cabaré“ – “My Fair Lady“ – “The Beauty and the Beast“ aber auch “A Noviça Rebelde“ (die rebellische Novizin) fanden sich im Show-Repertoire des Karnevalisten Fábio Ricardo, den sie liebevoll “Fabinho“ nennen.

Nachdem sie während einiger Jahre immer wieder von der Spitzengruppe in die Aufsteigergruppe und umgekehrt gependelt ist, konnte die “São Clemente“ sich in diesem Jahr in der “Grupo Especial“ behaupten, in die sie 2011 wieder aufgenommen worden war. Um nun endgültig das Abstiegsgespenst zu vertreiben, brachte die Schule in diesem Jahr 3.300 Komponenten auf die Avenida Sapucaí, unterteilt in 34 “Alas“ (Themengruppen) und 7 allegorische Wagen. São Clemente hatte in der Endabrechnung 2012 294.7 Punkte auf dem Konto, was den 11. Platz und den Erhalt in der Grupo Especial bedeutete.

2013 hiess das Thema der Schule São Clemente: “Horário Nobre“ (Noble Sendezeit – gemeint ist die Sendezeit des Fernsehens ab acht Uhr abends) stattfand. In der Front-Kommission 13 Teilnehmende kostümiert als Figuren aus zehn Novelas – darunter “Avenida Brasil“, “Roque Santeiro“ “Dancin’ Days“, “Vale Tudo“ und “Cordel Encantado“. Die Choreographie ist von Renato Vieira, der bereits mehrere Male für Choreographien von Mini-Serien, Programm-Eröffnungen und spezielle Musicals beim Fernsehen choreographiert hat. Hinter der Front-Kommission ein Wagen mit Fernsehmonitoren, die Szenen aus Novelas übertrugen.

Die Novelas wurden gruppiert anhand ihrer hervorstechenden Eigenschaften: in urbane, in regionale, in mystische, in komische und in romantische – in separaten Sektoren. Der fünfte allegorische Wagen zeigte z.B. “Que Rei Sou Eu“ (Was für ein König ich bin), ein Riesenerfolg, ausgestrahlt 1989.

Die unterschiedlichen Kulturen, die in den Novelas von Glória Peres behandelt werden, wurden ebenfalls repräsentiert in der Gruppe “Novelas místicas“, mit allegorischen Elementen des “Explode Coração“ (Explodiere Herz) und “O Clone“ (Der Geklonte) – ausserdem ein ganzer Wagen extra für die Novela “Caminho das Índias“ (Weg nach Indien), ausgestrahlt im Jahr 2009 und prämiert mit einem internationalen Emmy.

Nachdem er das Thema der bevorstehenden Parade erfahren hatte, ging der Karnevalist Fábio Ricardo, der seit drei Jahren die Schule leitet, auf die Strasse, um die Leute nach den Novelas zu befragen, welche ihr Leben am meisten geprägt hatten. “Nur das Publikum würde wissen, welche Novelas es wert waren, auf der Avenida geehrt zu werden“, sagte er. São Clemente landete am Schluss auf den 10. Rang.

Zum Thema “Favela“ präsentierte São Clemente 2014 den Churrasco auf dem Dach, Pools aus Plastik und Funk-Partys, einen herrlichen Themen-Samba und sie glänzte mit wunderschönen Farben und viel Kreativität bei ihren Darstellungen des Favela-Alltags.

Mit viel Humor wurde die Armut dargestellt – man sprach von Hoffnung, sozialer Gerechtigkeit und erzählte Details aus der Geschichte dieser Lokalitäten. “A força da fé… sou eu / Se o bem vence o mal… valeu / O amanhã, vou conquistar / É preciso acreditar.“ (Die Kraft des Glaubens . . . bin ich / Wenn das Gute das Schlechte besiegt . . . OK / Den Morgen werde ich erobern / Ich muss daran glauben). Die Samba-Schule aus dem Stadtteil Botafogo, Südzone von Rio de Janeiro, marschierte um Mitternacht in der Avenida Sapucaí ein und beendete ihre Parade nach genau 80 Minuten.

São Clemente ehrte mit ihrer Parade verschiedene andere Favelas von Rio, besonders in den Alas, mit speziell originellen Kostümen, von denen jedes einzelne ein Unikat darstellte. Die Darstellung der Favela “Rocinha“ präsentierte viel Grün in den Kostümen seiner Teilnehmer, die der “Mangueira“ präsentierte den Mango-Baum, von dem ihr Name stammt, und die vom “Complexo do Alemão“ präsentierte in einander verschlungene Masten und Kabel. Die kreativste aller Präsentationen war die vom “Morro de Santa Marta“, mit dem riesigen Felsbrocken, der diese Favela charakterisiert, und einer Anspielung auf Michael Jackson, der dort einen Clip aufgenommen hat, als er 1996 in Brasilien weilte.

Die ganze Schule sang laut ihren Themen-Samba und das Publikum sang mit. Alles war sehr harmonisch und in vielen Momenten bewegend. Wie beim letzten Wagen, in dem die Personen, die an den allegorischen Wagen kreative Arbeit leisten, vorgestellt wurden – sie präsentierten die “Favela do Futuro“ (Favela der Zukunft).

Die gelungene Parade brachte São Clemente auf den 11. Schlussrang und sicherte der Schule den Verbleib in der Spezialgruppe beim Karneval von Rio.

Die Karnevalistin Rosa Magalhães setzte bei der Parade 2015 auf eine Front-Kommission ohne szenografisches Element – nur mit Komponenten, die als Vögel kostümiert waren – in Referenz auf “Matinta Pereira“, eine Sagengestalt aus der brasilianischen Folklore.

Das Samba-Thema dazu lautete: “A incrível história do homem que só tinha medo da Matinta Pereira, da Tocandira e da Onça Pé de Boi“ (Die unglaubliche Geschichte des Mannes, der Angst vor der Matinta Pereira, der Tocandira-Ameise und dem ochsenfüssigen Jaguar hatte).

Gleich zu Beginn der Parade erschien eine Ala aus Spuk- und Gespensterfiguren – Skelette und Totenköpfe. Der Eröffnungswagen hatte die Angst und den Schrecken zum Thema, mit Mythen aus der acreanischen Folklore.

Weitere Schreckensfiguren marschierten dann in den Alas “Mapinguari“ auf (einem behaarten Monster) – der “Rasga mortalha“ (übernatürlicher Vogel), die “Tiranaboia“ (eine Mischung aus Grille und Kaiman) und der “Gogó de solo“ (Affe mit einem nackten Hals). In einem anderen Sektor der Parade wurde an “Zumbi dos Palmares“ erinnert, den Anführer des Sklavenaufstandes. São Clemente erhielt 268,4 Punkte, was dem 8. Schlussrang gleichkommt.

São Clemente hat 2016 für ein Meer von ”Palhaços” (Clowns und Narren) bei ihrer Darbietung der Paraden im Sambódromo Rio de Janeiros gesorgt. Wohl keiner verkörpert den Frohsinn des Karnevals so sehr wie Clown und Narr.

Die Karnevaleskin Rosa Magalhães hat sie in farbenprächtigen und phantasievollen Kostümen auftreten lassen. Eingebunden hat sie auch das Publikum, indem vor der Parade tausende rote Clownnasen verteilt wurden.

Das passende Samba-Thema ”Mais de mil palhaços no salão” (Mehr als eintausend Clowns im Saal). São Clemente ist der einzige Repräsentant der Südzone Rio de Janeiros in der Gruppe der Eliteschulen. Bisher hat sie es aber noch nicht geschafft, die begehrte Karnevalstrophäe zu erringen.

Auch dieses Jahr reichte es nicht zu einem vorderen Platz, es wurde der 9. Schlussrang.

Statt auf Gigantismus und ausgefeilte Technik hat São Clemente 2017 auf die Karnevalstradition Rio de Janeiros gesetzt. Eingebüßt hat das Spektakel dadurch nichts. Vielmehr hat die erfahrene Carnavalesca Rosa Magalhães mit Ironie und Witz die Geschichte vom Sonnenkönig Frankreichs erzählt, wie dieser erkennt, dass er von seinem Minister übers Ohr gehauen wurde “Onisuáquimalipanse“ (Schande, wer darin Schlechtes sieht).

Angefangen bei einem Ball am Hofe ging es zum Bau des Palastes Vaux le Vicomte, der mit einem alegorischen Wagen dargestellt wurde. Die Geschichte führte weiter bis zum Gefängnis und dem Bau des Schlosses Versailles. Mit einfachen Mitteln hat São Clemente besondere Effekte erzielt, hat die Gärten des Palastes mit Alegorien und Alas aufmarschieren lassen und ebenso Bankette am Hof, Brunnen und andere Details.

Jede Ähnlichkeit mit der Korruption in Brasilien sei reiner Zufall, hieß es im Vorfeld augenzwinkernd. Dass es letztlich aber das Volk ist, das unter der Geldsucht der Mächtigen und Korrupten leidet, hat die Sambaschule humorvoll und eindrucksvoll aufgezeigt.

Wie im letzten Jahr reichte es zum 9. Schlussrang.