Porto da Pedra

Veröffentlicht am 10. November 2009

Allgemeine Daten der Sambaschule G.R.E.S. Unidos Do Porto Da Pedra

bandeira-porto-da-pedraGegründet: 03. März 1978
Vereinsfarben: Rot/Weiss
Symbol: ein Tiger
Aus dem Stadtteil: „São Gonçalo“

Präsident: Fábio Montibelo
Karnevalist/In: Leandro Valente
Sänger: Igor Vianna
Leiter der Perkussions-Gruppe (Mestre de bateria): Thiago Diogo
Begleiter der Fahnenträgerin (Mestre-sala): Zé Roberto
Fahnenträgerin (Porta-bandeira): Thais Romi
Königin der Perkussion (Rainha da Bateria): Alessandra Mattos
Karnevalsdirektor: Paulinho do Ouro
Chorographie: Márcio Moura

Samba-Enredo 2015 (Samba-Thema)
Há uma Luz que não se apaga
Es gibt ein Licht, das nicht verlischt

Zahlen Karneval 2012
Mitwirkende: 3800
Alas (Flügel): 32
Allegorische Wagen: 7

Probelokal: Av. Lúcio Tomé Feteira, 290 – Vila Lage – São Gonçalo
Proben: Donnerstags ab 21h und freitags ab 23h
Quadra: Av. Lúcio Tomé Feteira 290 – Vila Lage, Neves, São Gonçalo
Werkstatt: Rua Rivadávia Correa 60 – Cidade do Samba – Gamboa
Telefon: (21) 3707 – 3320, (21) 3707 – 1518 (Quadra) und (21) 2291 – 9445 (Werkstatt

Karnevalssieger Grupo Especial
Fehlanzeige

Foto Impressionen

Fehlanzeige

Aus der Vereinsgeschichte

Die Sambaschule Porto da Pedra wurde von einem Fussball-Verein ins Leben gerufen. Der Fussball war einst bedeutendster Mittelpunkt des „Porto da Pedra Futebol Clube“, einer Fussballmannschaft, die sich den Namen eines Stadtteils in der Vorstadt von São Gonçalo gegeben hatte, welches zum Munizip von Rio de Janeiro gehört. 1978 entschloss sich eine Gruppe von Einwohnern, den grünen Rasen zu verlassen und sich nunmehr der Welt des Samba zuzuwenden – sie gründeten den „Bloco Carnavalesco Unidos do Porto da Pedra“.

Am Anfang schlossen sie sich den offiziellen Paraden von São Gonçalo an – und hatten schnell Erfolg: stets fanden sie sich auf dem Ersten oder dem Zweiten Platz wieder. 1981 wandelte sich die bis dato als „Block“ bezeichnete Gruppe in eine „Escola de Samba“ (Samba-Schule) – und die entschloss sich vier Jahre später, nur noch für das Publikum ihres Stadtteils, und auf ihren heimatlichen Strassen, zu paradieren.

In den 90er Jahren weihte die „Porto da Pedra“ ihr eigenes Clubhaus ein und entdeckte im Tiger die Symbolfigur, die sie in ihrem Club präsentieren wollte. Durch die wachsende gute Infrastruktur dieser Gruppe wurden die Dirigenten der „Grupo de Acesso“ (Zweite Liga) von Rio de Janeiro auf sie aufmerksam – und luden die Rot-Weissen zur Parade von 1995 auf der ersten Bühne des Samba ein: der „Avenida Marquês de Sapucaí“.

Die Schule war die erste, die sich an diesem denkwürdigen Nachmittag präsentierte – mit dem Thema „Campo, cidade, em busca da felicidade“ des Karnevalisten Mauro Quintaes – und sie verliess die Avenida als Champion – und damit dem Recht, im nächsten Jahr innerhalb der erträumten „Grupo Especial“, der Spitzengruppe, paradieren zu dürfen. Und sie machte es nicht schlecht! Mit Ihrem Debut unter den Grossen der Zunft landete sie auf dem neunten Platz – sie demontierte damit Grössen wie „Estácio de Sá“ – „Grande Rio“ und ihre Nachbarin „Viradouro“ aus Niterói!

1997 noch eine Überraschung: Die „Porto da Pedra“ präsentierte ein Thema über die „Verrücktheit“ bekam stehende Ovationen – und landete auf dem fünften Platz – sogar vor einer sieggewohnten „Imperatriz Leopoldense“! Gleich darauf sorgte sie für viel Polemik mit ihrem Thema „O mundo dos ladrões“ (die Welt der Diebe) und hatte damit Pech: sie stürzte ab in die Zweite Liga.

Es folgten Jahre des Aufsteigens und Abstürzens, bis sich die „Porto da Pedra“ ab 2002 in der Spitzengruppe halten konnte. Drei Jahre später holte sie sich den Segen ihrer Patin, der „União da Ilha do Governador“ um einen populären Samba wieder aufleben zu lassen: „Festa profana“. Die ganze Avenida vibrierte mit der Freude der Schule, die ihre beste Parada seit eh und je hinlegte – zur Intonierung jener beliebten Verse: „Eu vou tomar um porre de felicidade, vou sacudir, eu vou zoar toda a cidade“ (Ich werd’ mich besaufen vor Glück, mich schütteln und die ganze Stadt unsicher machen).

2010 belegte die Sambaschule mit dem Thema: „Com que roupa… Eu vou? Pro samba que você me convidou“ (Mit welcher Kleidung… geh ich? Zum Samba, zu dem Du mich eingeladen hast) den 10. Schlussrang und somit ein weiteres Jahr den Verbleib in der Grupo Especial.

„Wenn ich von der Portela erzählen soll, dann werde ich heute damit nicht zuende kommen“ (Se for falar da Portela, hoje não vou terminar). So sieht es der illustre Portela-Komponist Monarco in seinem Samba „Passado de Glória“ (glorreiche Vergangenheit) mit dem er die Geschichten seiner geliebten Portela ins Gedächtnis zurückruft, eine der ältesten und traditionsreichsten Sambaschulen von Rio de Janeiro. Und er hat recht: es ist geradezu eine Herausforderung, von einer Schule zu reden, die bis heute die Kleinigkeit von 21 Titeln erobert hat – mehr als jede andere ihrer Konkurrenten beim Karneval von Rio! Hier haben wir eine einmalige Institution des Samba vor uns, welche aktiv an der Geschichte der Paraden mitgewirkt hat – und viele Male als Protagonist!

Einige Blocks haben die Geschichte der Portela schon vor ihrer Gründung im Jahr 1923 durchquert: „Quem fala de Nós come Mosca“ (Wer über uns redet, frisst Fliegen) geführt von Dona Esther Maria de Jesus, der einflussreichen Gattin von Oswaldo Cruz, die in ihrer Residenz Samba-Feste organisierte, mit Pixinguinha, Cartola und Donga – die „Baianinhas de Oswaldo Cruz“, eine Gruppe die zu ihren Mitgliedern auch den illustren Paulo Benjamin de Oliveira zählte, besser bekannt als „Paulo da Portela“ – und die Gruppe „Conjunto de Oswaldo Cruz“, welche mit der Auflösung der „Baianinhas“ auf der Bildfläche erschien, ihren Namen änderte in „Nós faz é o Capricho“ und schliesslich eine weitere Namensänderung in „Vai como pode“ (Geh, wie du kannst).

Unmöglich von der Portela zu erzählen und dabei nicht den Namen eines Pioniers zu erwähnen, der nicht nur Geschichte bei der Blau-Weissen gemacht hat, sondern den gesamten Karneval von Rio de Janeiro konsolidierte: Paulo da Portela. Er war ein ausgezeichneter Komponist und trat für die offizielle Anerkennung des Karnevals als kulturelles Manifest des Volkes ein – und bot damit den Behörden die Stirn, die bis dato den Karneval als ungesetzliche Ausschreitungen ansahen, die von der Polizei verfolgt wurden. Die von ihm geführten „Blocos“ benahmen sich einwandfrei: es gab weder Raufereien noch irgendwelche Tumulte. Unter seinem Kommando kam die charakteristische Vagabundiererei der 20er Jahre nicht zum Zug. Seine von ihm organisierten „Rodas de Samba“ (Samba-Veranstaltungen) waren vor allem Feste für die Familien und die Fans des Rhythmus.

1935 nahm die Präfektur zum ersten Mal Paraden der Sambaschulen in den Veranstaltungskalender der Stadt auf. Das war es, was gefehlt hatte, um sie offiziell anzuerkennen. Zu jener Zeit subventionierte der Präfekt Pedro Ernesto sogar eine Summe von zweieinhalb Contos de Reis für die jeweiligen Vereine. Als Leiter der „Vai Como Pode“, die er damals bereits in eine „Escola de Samba“ verwandelt hatte, entschloss sich Paulo, seine Kommune auf der „Praça Onze“ (zentraler Platz in Rio) unter dem Namen „Portela“ zu präsentieren, und die sicherte sich dann ihren ersten Titel mit dem Thema „O Samba dominando o mundo“ (Der Samba erobert die Welt).

Die war der Anfang einer Erfolgsgeschichte des Adlers, dem Symbol der Schule. Die Portela wurde berühmt durch die Disziplin ihrer Mitglieder (die, so sagt man, von Kopf bis Fuss elegant gekleidet paradierten) und durch ihre typischen Neuerungen, welche im Lauf der Zeit viele andere Vereine inspiriert haben: Die Portela erschien zum ersten Mal mit einer „Alegoria“ (Parade-Thema), dann mit einer uniformierten „Comissão de Frente“ (Front-Kommission), sie brachte den ersten Themen-Samba zu Gehör und führte Instrumente wie die „Caixa-surda“ und das „Reco-reco“ ein.

Während der 40er Jahre eine weitere historische Tat: Von 1941 bis 1947 kam die Portela hintereinander auf den ersten Platz! Sie ist bis heute der einzige siebenfache Champion des Carioca-Karnevals geblieben! Aber es war auch ein Jahrzehnt der Trauer: 1949 starb ihr Gründer Paulo da Portela zerstritten mit seiner Schule.

Eine typische Portela-Tradition ist es, illustre Figuren in ihre Kommune aufzunehmen. Eine davon ist Paulinho da Viola. Der Komponist und Sänger mit seiner Gitarre gab sein Debut bei der Portela im Jahr 1966, im Alter von 22 Jahren, und er gewann einen Samba-Wettstreit mit seinem Werk von 45 Versen über das Buch „Memórias de um Sargento de Milícias“. Schwierig zu singen? Nicht auf der Avenida. Die Komposition half der Schule, einen weiteren Titel in ihr Curriculum zu integrieren.

Clara Nunes, eine Sängerin, die bei der MPB (Brasilianische Volksmusik) Furore machte, schrieb auch ihr Kapitel in der Geschichte der Portela: In den 70er Jahren beteiligte sie sich am Erfolg einer Reihe von erinnerungswürdigen Sambas: „Ilu Ayê“ (1972), „Pasárgada, „O amigo do Rei“ (1973), „O mundo melhor de Pixinguinha“ (1974) und „Macunaíma, herói de nossa gente“ (1975) – das war auch das letzte Mal, dass die Portela Champion wurde – alle Konkurrenten weit abgeschlagen – mit dem Thema „Lendas e mistérios da Amazônia“, im Jahr 1970.

Ab den 80er Jahren bis heute ging es mit dieser Vereinigung mal auf und mal ab. Die Veteranin konnte zwei weitere Siege verbuchen (1980 und 1984), allerdings musste sie sich diese mit Konkurrenten teilen. 1995 war es ein Fast-Sieg – mit dem applaudierten Thema „Gosto de me enrosco“ (und dem Samba „Abram alas, deixa a Portela passar, é voz que não se cala, é canto de alegria do ar“). Sie wurde Vice-Champion in diesem Jahr.

Die „Blau-Weissen“ pendelten auch zwischen anderen Plätzen – den ersten fünf bis zu den mittleren. Im Jahr 2005 war sie nahe dem Abstieg wegen einer Parade voller Probleme: der Adler ohne Flügel (ein schwerwiegender Fehler, denn in diesem Fall handelt es sich um eine der berühmtesten Symbolfiguren des Karnevals – wahrscheinlich die am meisten erwartete überhaupt) – fehlerhafte „Evolution“ und ohne die traditionelle „Velha Guarda“ (Alte Garde – die Senioren der Schule), deren Parade man abgesagt hatte. Resultat: 13. Platz – gerade noch vor der „Tradição“, die dann zur Gruppe „Acesso A“ (der Aufsteiger-Liga) abstieg! Aber die Porto da Pedra war kurzfristig wieder im Kommen: 2007 auf dem vierten Platz.

„Com que roupa… Eu vou? Pro samba que você me convidou“ (Mit welcher Kleidung… geh ich? Zum Samba, zu dem Du mich eingeladen hast) lautete das Motto 2010 das die Zuschauer auf eine Reise in die Welt der Mode mitnahm. Es wurden Stile wie Rokoko, Barock, Art Nouveau gezeigt und berühmte Persönlichkeiten der jeweiligen Epoche präsentiert. Selbst der Tiger, dem Wahrzeichen der Schule wurde mit einer bunten Kappe und verschiedenen Piercings „verschönert“. Am Ende gewährte die Gruppe noch einen Einblick in heutige Modeschauen auf einem Allegoriewagen, der mit diversen Laufstegen ausgestattet war und auf denen Models berühmter brasilianischer Modemacher defilierten. Es blieb der 9. Schlussrang.

Die Parade 2011 stand unter dem Motto „Der Schlaf überkommt stets den, der träumt…“ und war eine Hommage an die Schriftstellerin und Dramaturgin Maria Clara Machado. Die Zuschauer sahen eine unglaublich multikoloride Show mit den wichtigsten Werken der Autorin, die verschiedenen Motivwagen und Kostümgruppen erstrahlten intensiv in den unterschiedlichsten Farben. Hauptattraktion war unumstritten die Hauptfigur aus ihrem bekanntesten Theaterstück „Pluft, das kleine Gespenst“. Dieses schwebte die ganze Zeit über der Rhythmusgruppe und spielte mit dem Publikum. Realisiert wird die Aktion mit einen riesigen Gasballon, der von mehreren Personen am Boden gesteuert wurde.

Die Samba-Schule “Porto da Pedra“ erschien 2012 mit einem überraschenden, weil bisher im Karneval ignorierten Thema – einer Zeitreise durch die Geschichte der Milch: “Da seiva materna ao equilíbrio da vida“ (Von der Muttermilch zur Gleichgewicht des Lebens). Die Königin der Percussion, Ellen Roche, glänzte vor ihren Rhythmikern.

Um die Bedeutung der Milch zu demonstrieren, schöpfte der Verein die Geschichte dieses Nahrungsmittels voll aus.

Die Front-Kommission symbolisierte den “Lactobazillus des Karnevals“. Die einzelnen Integranten stellten die Mikroorganismen dar, welche den Verdauungsapparat beschützen.

Der allegorische “Abre-Alas“, betitelt “A árvore da vida“ (der Baum des Lebens) präsentierte Tiere, die sich von der Muttermilch ernähren – also Säugetiere. Neben diesen bewegten sich humane Figuren der Antike, welche die Mutter als Göttin verehrten. Der grösste Teil des Wagens war von einer Tigerin ausgefüllt, dem Symbol der Schule. Vierzehn Personen befanden sich innerhalb des Wagens, um die Tiere mit den notwendigen Bewegungen lebendig erscheinen zu lassen.

Der zweite Wagen war “O leite dos Deuses” (die Milch der Götter) getauft worden. Der Karnevalist Jaime Cezário schuf diese Allegorie als Beweis dafür, dass die Milch in vielen Legenden präsent ist und bei zahlreichen Zivilisationen als heilig gilt.

Porto da Pedra erreichte am Schluss 291.7 Punkte was den 12. Rang und zugleich den Abstieg in die Grupo Acesso A bedeutete.