Imperatriz Leopoldinense

Veröffentlicht am 10. November 2009

Allgemeine Daten der Sambaschule GRES Imperatriz Leopoldinense

bandeira-imperatrizGegründet: 06. März 1956
Vereinsfarben: Grün/Gold/Weiss
Symbol: eine Krone
Aus dem Stadtteil: „Ramos“

Präsident: Luizinho Drummond
Karnevalist/In: Cahê Rodrigues
Sänger: Arthur Franco
Leiter der Perkussions-Gruppe (Mestre de bateria): Mestre Lolo
Begleiter der Fahnenträgerin (Mestre-sala): Rogerinho
Fahnenträgerin (Porta-bandeira): Rafaela Teodoro
Königin der Perkussion (Rainha da Bateria): Cris Vianna
Karnevalsdirektor: Wágner Araújo
Chorographie: Claudia Motta

Samba-Enredo 2017 (Themen-Samba)
Xingu – O clamor que vem da floresta
Xingu – Der Glamour des Waldes

Zahlen Karneval 2017
Mitwirkende: 3.200
Alas (Themen-Gruppen zu Fuss): 29
Allegorische Wagen: 6

Probelokal: Rua Professor Lacê 235 – Ramos
Proben: Sonntags ab 20h und montags ab 20h (Probe der Bateria-Trommler)
Quadra: Rua Professor Lacê 235 – Ramos
Werkstatt: Rua Rivadávia Correa 60 – Cidade do Samba – Gamboa
Telefon: (21) 2560 – 8037 (Quadra) und (21) 2233 – 5495 (Werkstatt)

Karnevalssieger Grupo Especial
2001, 2000, 1999, 1995, 1994, 1989, 1981, 1980

Impressionen Karnevalsparade 2017

Impressionen Karnevalsparade 2016

Impressionen Karnevalsparade 2015

Impressionen Karnevalsparade 2014

Impressionen Karnevalsparade 2013

Aus der Vereinsgeschichte

Imperatriz Leopoldinense verkörpert elf Stadtteile unter einer einzigen Flagge. Die Zone von Leopoldina, in den Suburbs von Rio de Janeiro, wird beim Carioca-Karneval von der „Imperatriz Leopoldinense“ repräsentiert, einer Schule, die in ihrem Wappen 11 Sterne aufweist, jeder symbolisiert eine Bahnstation dieser Region. Die Farben und ihr Symbol, die Krone, sind von ihrer Patenschule „Império Serrano“ entliehen, die der neuen Schule ihren Segen im Haus des Sambista Amaury Jório erteilt hat, einem Zeitgenossen des Komponisten Villa-Lobos, des Sängers Pixinguinha und des Musikers Mano Décio da Viola.

Die „Imperatriz“, gegründet 1959, schuf als Pionier im Jahr 1967 ein Kultur-Department, welches auf so illustre Mitglieder wie Hiram Araújo und Fernando Gabeiro zählen konnte. Das war so eine Art Karnevals-Kommission, welche die grün-weissen Paraden entwickelte. Sie gaben den Anstoss zu einer starken Vereinigung zwischen den Gelehrten der Universitäten und Popularität des Samba. Entsprechend basierten ihre Parade-Themen auf Werken der brasilianischen Literatur oder künstlerischen Motiven. Zu jener Zeit glänzten Themen wie „Europa, França, Bahia“ (1970) – zu Ehren der Künstlerwoche 1922, oder „Martim Cererê“ (1972) – über den paulistanischen Poeten Cassiano Ricardo, und „ABC do Carnaval à Maneira da Literatura de Cordel“ (1973) – zu Ehren der Nordöstlichen Schnurliteratur – eine Art brasilianischer Gibis, auf dem Karnevals-Laufsteg.

In den 80er Jahren schaffte die „Imperatriz“ den Sprung von den mittleren Plätzen in die ersten Positionen – mit dem Eintritt des Karnevalisten Arlindo Rodrigues. Sein barocker Stil, zusammen mit einer guten Samba, brachte der Schule gleich zweimal den Sieg – 1980 und 1981. Im Jahr darauf beschenkte Arlindo sein Publikum mit einer seiner schönsten Karnevalsparaden: „O rei da Costa do Marfim visita Xica da Silva em Diamantina“ (Der König de Elfenbeinküste besucht Xica da Silva in Diamantina) – ein Thema, welches er bereits 1960 bei „Salgueiro“ entwickelt hatte. Die „Imperatriz“ erreichte damit den dritten Platz.

Ohne den „Meister des Rokoko“ versuchte die Schule sich weiterhin unter den Grossen zu behaupten. Nach einem bitteren letzten Platz 1988 – ohne dadurch abzustürzen – kam im Folgejahr ihre grosse Stunde: Die „Imperatriz“ überraschte das Publikum mit „Liberdade, liberdade, abre as asas sobre nós“ (Freiheit, Freiheit, breite die Flügel über uns aus), von Max Lopes, zusätzlich angehoben von einem klassischen Samba, gesungen von Dominguinhos do Estácio. Sie wurde Sieger und verwies damit den in stehenden Ovationen applaudierten „Cristo Mendigo“ (Der Bettler Christus), des Vice-Champions „Beija Flor“ auf den zweiten Platz.

In den 90er Jahren prägte ein Name die grün-weisse Geschichte: Rosa Magalhães. Die Karnevalistin, die bereits eine erfolgreiche Karriere bei „Império Serrano“, der „Estácio de Sá“ und bei „Salgueiro“ hinter sich hatte, übernahm im Jahr 1992 die Gestaltung des Imperatriz-Karnevals. Rosa hatte ihren eigenen, um nicht zu sagen eigenwilligen, Stil – bei der „Imperatriz“ trieb sie die Ära der „technischen Paraden“ voran, mit dem diese Schule dann prompt die Herzen der Juroren bezirzte: Herrliche allegorische Wagen, gut entwickelte Themen und eine perfekte „Evolution“ der Paraden, das war ihr besonderer Verdienst – auch wenn sich das Publikum nicht vor Begeisterung auf den Tribünen erhob – Rosa hatte es auf die Juroren abgesehen. Den Beweis ihres neuen Modells erbrachte sie dann mit fünf Siegen der „Imperatriz“: Bi-Champion 1994-95 und Tri-Champion zwischen 1999 und 2001.

Einige Aspekte der Karnevals-Paraden von Rosa Magalhães inspirierten die Auftritte der Konkurrenz. Die berühmten „Front-Kommissionen“, zum Beispiel, die mit ihren herrlichen Choreographien Publikum und Juroren begeisterten, hatten bei einigen Schulen zur Folge, dass diese sich Gedanken machten, wie sie die Eröffnung ihrer Paraden effektiver gestalten könnten. Und als den Namen Paulo Barros in der „Grupo Especial“ noch kein Mensch kannte, hatte Rosa bereits die Theatralisierung der allegorischen Wagen eingeführt, die noch heute in Mode ist. Die „Imperatriz“ bemüht sich, ihren Ruf der letzten Jahre als „kalt“ loszuwerden, indem sie die perfekte Technik ihrer Paraden mit der Leichtigkeit des Karnevals-Spielens zu verbinden sucht.

Mit dem Motto „Brasil de todos os Deuses“ (Brasilien aller Götter) huldigten die achtmaligen Gewinner 2010 die unterschiedlichen Glaubensrichtungen im grössten Land Südamerikas. Die Präsentation sollte so perfekt wie möglich sein und bereits bei der Comissão de frente (Begrüssungskommission) überzeugte die Schule durch eine nahezu perfekte Choreografie. Im Anschluss folgte ein fast 45 Meter langer Motivwagen ganz in Weiss und Silber mit riesigen Pferden, der den noch kommenden spektakulären Farbenreigen eröffnete. Die weiteren Allegoriewagen thematisierten unter anderem die Gottheiten der indigenen Ureinwohner, den christlichen, muslimischen und buddhistischen Glauben sowie die afrikanischen Gottheiten der nach Brasilien verschleppten Sklaven

Mit einem Streifzug durch die Geschichte der Medizin versuchte Impératriz Leopoldinense 2011 mit dem Motto „Die Imperatriz macht bekannt: Samba tut der Gesundheit gut“ den schlechten 8. Platz vom vergangenen Jahr vergessen zu machen. Ein echter Springbrunnen mit Wasser, Clown-Doktoren, eine 5 Meter grosse Nachbildung eines Menschen und die viele unterschiedliche Kostümgruppen fanden auch gehörigen Applaus beim Publikum. Auch generische Medikamente, Antibiotika, Schweine- und Vogelgrippe, Tierversuche oder die Mumifizierung der Toten im alten Ägypten wurden thematisiert. Zudem fanden Heilkunde aus dem alten Afrika, China oder Griechenland sowie Themen wie Schwangerschaft, Implantate und Wunschbabys Einzug in die umfangreiche Parade.

Mit dem Star-Mannequin Luiza Brunet an der Spitze der “Bateria“ (Perkussions-Gruppe), erzählte die Schule 2012 aus dem Leben des bahianischen Schriftstellers Jorge Amado mit dem Thema: Jorge, geliebter Jorg. Die Schule hatte allerdings bereits Probleme vor dem Beginn seiner Parade. Der zweite Wagen hatte Schwierigkeiten in der Steuerung und auch der siebente musste noch vor Beginn repariert werden.

Nachdem die Probleme beseitigt waren, konnte der Karnevalist Max Lopes endlich zeigen, wie er seinen Verein vorbereitet hatte, um diesmal über den Sechsten Platz des Jahres 2011 hinaus zu kommen.

Schon in der Front-Kommission präsentierte die Schule eins der berühmtesten Werke des Schriftstellers: Die “Capitães de Areia“ (Sand-Kapitäne). Die Gruppe entwickelte das Thema mit Pirouetten in Form eines Karussells, um die Abenteuer der Knaben zu charakterisieren, die in den 30er Jahren stehlen mussten, um in den Strassen von Salvador zu überleben. Die Choreographie ist von Alex Neoral – sie wurde vom Publikum heftig applaudiert.

Der Eröffnungswagen “Abre-Alas“ war dem Meer gewidmet, ewiger Inspirationsquelle des Jorge Amado – das Meer von “Yemanjá“ und die Krone von “Oxalá“ symbolisierten Höhepunkte seiner Inspiration.Imperatriz Leopoldinense fand sich in der Schlussabrechnung auf dem 10. Rang wieder.

Der Bundesstaat Pará war 2013 das Thema der Imperatriz Leopoldinense. Dementsprechend hiess das Thema denn auch: Pará, O Muiraquitã do Brasil – Sob a nudez forte da verdade, um manto diáfano da fantasia (Pará, das Amulet von Brasilien – über der nackten Wahrheit eine transparente Hülle der Phantasie). Die Schule präsentierte diverse Persönlichkeiten des Bundesstaates, unter ihnen auch Fafá de Belem, Gaby Amarantos und Dira Paes.

Es wurde das Erscheinen des Weissen Mannes im Gebiet der Indios mit dem Wagen “O caraíba encontra o místico solo sagrado“ (Der Caraíba findet den heiligen Boden) behandelt, und die Schule präsentierte Indianer-Stämme, die dazu beigetragen hatten, die Geschichte des Bundesstaates zu formen und hob die Verbindung dieser indigenen Völker mit den Elementen der Natur hervor.

Die Parade bewegte sich weiter mit der Botschaft, die der Gold- und der Gummi-Boom dem Bundesstaat Pará hinterliessen – mit einer Replica des Teatro da Paz (in Belém). Ein spezieller Lichteffekt im Innern des allegorischen Wagens enthüllte im Theater einen internen Wald. In Folge präsentierte ein allegorischer Wagen den berühmten Markt “Ver-o-Peso“ in Belém – mit vielen Farben und Naturprodukten. Beendet wurde die Parade mit einem Pilgerzug der Gläubigen, die hinter dem letzte Wagen hermarschierten, zu Ehren des grössten religiösen Festes in Brasilien, dem “Cirio de Nazaré“. Imperatriz Leopoldinense erhielt 298,3 Punkte für ihre Darbietung, was den 4. Rang bedeutete.

Seit 2001 ohne Sieg beim Karneval, setzte die Imperatriz Leopoldinense 2014 auf ein populäres Idol, um die Tribünen zu fesseln und vielleicht ihren neunten Titel in der “Grupo Especial“ von Rio de Janeiro zu erobern. Der geehrte war Arthur Antunes Coimbra, Spitzname “Zico“, grösster Fussballstar der Geschichte des Flamengo-Clubs.

Und wenn es je einen Zweifel gegeben haben sollte, ob es der Schule gelingen würde, den Applaus des Publikums zu provozieren, so wurde der schon beim Einmarsch der “Imperatriz“ unter den Klängen der Vereinshymne des Flamengo ausgeräumt.

Die Front-Kommission widmete sich der Geschicklichkeit beim Fussball mit fünfzehn Jungen Zicos, die verschiedene Kindheitsstadien inszenierten. Auf zwei mittelmässige Wagen, die zugleich an Kopien anderer Schulen erinnerten, folgte ein Wagen von erlesener Schönheit, mit einem riesigen, rotierenden Fussball, davor der Star Rivelino, Ex-Spieler bei “Fluminense“, “Corinthians“ und der brasilianischen “Seleção“. Cracks aus verschiedenen Teams erschienen auf der Sapucaí: Roberto Dinamite, Deco, Edmundo, und andere.

Die Parade war insgesamt schön und wurde der Grandezza des geehrten Helden durchaus gerecht, der auf dem letzten Wagen, zusammen mit seiner Familie, der Menge zuwinkte. Zico, sehr bewegt, trug ein schwarz-rotes Hemd mit den Farben Flamengos, und darüber einen Umhang mit den Farben der “Imperatriz“. Die Schule erreichte mit der aktuellen Parade den 5. Schlussrang.

Die Idee des Karneval-Themas 2015 “Axé, Nkenda! Um ritual de liberdade e que a voz da igualdade seja sempre a nossa voz!” (Axé Nikenda – Ein Ritual der Freiheit – Die Stimme der Freiheit sei stets unsere Stimme) stammt von der rassistischen Episode, die der Fussballer Daniel Alves im vergangenen Jahr in Spanien durchmachen musste.

Der Rote Faden der Imperatriz führte ins Afrika von Nelson Mandela, dem diese Parade vor allem gewidmet war, einem Führer im Kampf gegen die Rassentrennung in Südafrika. Die Schule setzte auf ein poppiges Afrika – mit Kostümen und Allegorien in leuchtenden Farben, inspiriert an der afrikanischen Kunst.

Eine Kreation als Ausflug durch Afrika, so präsentierte sich eine Savanne mit Löwen, Zebras, Elefanten und Giraffen auf hölzernen Beinen – wenig realistisch und mit spielerischem Akzent.

Imperatriz Leopoldinense beendete ihre Parade in der Zeit von 1 Stunde und 18 Minuten und erreichte den 6. Schlussrang.

Imperatriz Leopoldinense baute 2016 auf die Sertanejo-Stars Zezé und Luciano und setzte sich ein grosses Ziel: Das Universum der Sertanejo-Musik (brasilianische Country-Music) mit dem Samba zu verquicken! “É amor“ (es ist Liebe) klang es zum Sambarhythmus über die Avenida Marquês de Sapucaí. “É o amor“ ist einer der vielen Hits des beliebten Duos der brasilianischen Volksmusik.

Imperatriz hat mit ihrer Parade aber nicht nur die Erfolgsgeschichte von Zezé Di Camargo und Luciano erzählt. Vielmehr stellte sie ebenso mit viel Humor das Leben der Landbevölkerung in den Mittelpunkt. Umrahmt wurde dies durch den Vers “Sou brasileiro, Caipira Pirapora“, wobei mit “Caipira“ die bäuerliche Landbevölkerung bezeichnet wird.

Der Themen-Samba dazu: “É o amor que mexe com minha cabeça e me deixa assim… Do sonho de um caipira nascem os filhos do Brasil“ (Es ist die Liebe, die mir den Kopf verdreht und mich so sein lässt… Aus dem Traum eines Caipira (Bauern) werden die Söhne Brasiliens geboren)

Die Fusion von Sertanejo-Musik und Samba reichte am Schluss erneut zum 6. Platz.

Mit einer äußerst eindrucksvollen Parade hat Imperatriz Leopoldinense 2017 aufgewartet. ”Xingu – O clamor que vem da floresta” (Xingu – Der Glamour des Waldes) lautete ihr Thema, mit dem sie die indigenen Völker des Xingu geehrt hat und gleichzeitig über den Schutz der Natur und die Problematik, wie mit den Ureinwohnern Brasiliens umgegangen wird, aufrütteln wollte.

Das ist ihr mit ihren imposanten Alegorien und den ausdrucksstarken Kostümen gelungen.

Die Schule hat sich nicht nur darauf beschränkt bei der Erarbeitung des Themas die Indigenen selbst mit einzubeziehen. Sie hat auch indigene Sprecher und Vertreter der 16 Völker nach Rio de Janeiro gebracht, die im “Parques Indígena do Xingu“ leben. Der ist als erstes Indigenes Territorium Brasiliens vor 55 Jahren eingerichtet worden.

Als berühmteste Persönlichkeit stand der Indio Raoni gemeinsam mit weiteren Repräsentanten der Ethnien auf dem letzten alegorischen Wagen. Mit einem Ala und einer Alegorie geehrt wurde ebenso die Familie Villas Bôas, allen voran Orlando Villas-Bôas, der sich maßgeblich für die Ausweisung des Indioterritoriums und die Indigenen eingesetzt hat.

Die von den Europäern verursachten Probleme wurden ebenso in diversen Alas gezeigt, wie Krankheiten, Kämpfe und die Regenwaldzerstörung.

Die kreative und farbenfrohe Darbietung konnte die Juroren nicht begeistern, so dass sich Imperatriz Leopoldinense auf dem 7. Schlussrang vorfand.