Grande Rio

Veröffentlicht am 10. November 2009

Allgemeine Daten der Sambaschule GRES Acadêmicos do Grande Rio

bandeira-grande-rioGegründet: 22. September 1988
Vereinsfarben: Rot/Grün/Weiss
Symbol: eine Krone
Aus dem Stadtteil: „Duque de Caxias“

Präsident: Milton Perácio
Karnevalist/In: Fábio Ricardo
Sänger: Emerson Dias
Leiter der Perkussions-Gruppe (Mestre de bateria): Thiago Diogo
Begleiter der Fahnenträgerin (Mestre-sala): Daniel
Fahnenträgerin (Porta-bandeira): Verônica
Königin der Perkussion (Rainha da Bateria): Paloma Bernardi
Karnevalsdirektor: Dudu Azevedo
Chorographie: Rodrigo Negri und Priscilla Motta

Samba-Enredo 2017 (Themen-Samba)
Ivete do rio ao Rio!
Ivete vom Fluss nach Rio!

Zahlen Karneval 2017
Mitwirkende: 3.200
Alas (Themen-Gruppen zu Fuss): 29
Allegorische Wagen: 6

Probelokal: Rua Wallace Soares 5 e 6 – Centro de Duque de Caxias
Proben: Freitags ab 23h und samstags ab 22h (Av. Borges de Medeiros 701 – Leblon – Clube Monte Líbano)
Werkstatt: Rua Rivadávia Correa 60 – Cidade do Samba – Gamboa
Telefon: (21) 2671 – 3585 (Quadra) und (21) 2276 – 2900 (Werkstatt)

Karnevalssieger Grupo Especial
Fehlanzeige

Impressionen Karnevalsparade 2017

Impressionen Karnevalsparade 2016

Impressionen Karnevalsparade 2015

Impressionen Karnevalsparade 2014

Impressionen Karnevalsparade 2013

Aus der Vereinsgeschichte

Die Sambaschule Grande Rio kam von den Strassen und Gassen der „Baixada Fluminense“ (eine dicht besiedelte Region, die nördlich an Rio de Janeiro angrenzt, dort leben etwa 3 Millionen Menschen, was die Region zur zweit bevölkerungsreichsten im Bundesstaat macht) zur ersten Liga der Sambaschulen auf der „Sapucaí“. Dies ist eine Synthese der Geschichte dieser Schule, Repräsentantin des Munizips von Duque de Caxias beim Carioca-Karneval – sie hatte einen fulminanten Aufstieg! Als Zusammenschluss kleinerer Vereine dieser Region, wurde die Schule 1988 gegründet – mit den Farben Rot, Grün und Weiss – und schon drei Jahre später paradierte sie in der „Grupo Especial“!

Ihr Debut allerdings, war nicht vom Glück begünstigt. Die Grande Rio war an einem Sonntag als Erste an der Reihe – mit dem Thema „Antes, durante e depois – o despertar do homem “ (Vorher, während und danach – die Erweckung des Menschen) der Karnevalisten Wany Araújo und Fernando Lopes. Trotz einer guten Interpretation des Sängers Dominguinhos do Estácio, landete die Grande Rio auf dem letzten Platz – und war zum Abstieg in die Gruppe „Acesso“ verdammt.

Die Niederlage erschütterte die Dreifarbigen aus Caxias allerdings nicht sonderlich, und 1993 stieg sie wieder auf in die Elite mit einem exzellenten Samba über den Mond – einem Thema, welches bei derselben Parade auch von der starken „Estácio de Sá“ präsentiert wurde, die zum zweiten Mal um den Ersten Platz kämpfte. Die Grande Rio war eine der grossen Überraschungen jenen Jahres und garantierte ihren Verbleib in der „Grupo Especial“ – und aus der ist sie bis heute nicht mehr abgestiegen!

1994 präsentierte sie das polemische Thema „Os santos que a África não viu“ über den religiösen Synkretismus in Brasilien. Repräsentanten der Katholischen Kirche besuchten die Schule nach einer Denunzierung, die behauptete, während der Parade würden Heiligenfiguren präsentiert – aber sie fanden nichts. Der Samba, von Helinho 107, Rocco Filho, Roxidiê und Mais Velho, war einer der am meisten applaudierten auf der Avenida.

Die Tradition guter Kompositionen hielt man auch während der folgenden Jahre ein. 1966, zum Beispiel, fanden die Mitglieder der Grande Rio ihren ausgewählten Samba so gut, dass sie ihn als eine Art Anwärmer stets zu Beginn ihrer Paraden intonierten, um das Publikum auf den Tribünen zu animieren. Der Refrain ist heute jedem kleinen Kind in Brasilien bekannt: „Imponho sou Grande Rio, amor / Dando um banho de cultura, eu vou / Pro abraço da galera, me leva / Lindo como o pôr-do-sol eu sou“.

Der Weg der Grande Rio stand in den Sternen vorgezeichnet – sie entwickelte sich zur Favoritin der TV-Stars. Viele von denen sind ihr absolut ergeben und treu, um nichts auf der Welt würden sie „ihre Dreifarbige“ verlassen. Zu diesen Star-Fans gehören z.B. auch Raul Gazolla und Hugo Gross. Die Beiden paradierten 1997 in der „Abre Alas“ (Eröffungsgruppe der Parade) als Guerrilheiros maskiert, als die Schule Luis Carlos Prestes ehrte, mit einer Parade im Stil von Max Lopes. Der „Magier der Farben“, wie dieser Karnevalist genannt wird, leitete weitere drei Karnevalsparaden dieser Schule.

2001 eine Wendung: es übernimmt der Meister Joãosinho Trinta. Im ersten Jahr ein Überraschungselement in der Parade über den Propheten „Gentileza“ brachte der Grande Rio Applaus von einem Ende zum anderen auf der „Sapucaí“! Die Direktion hatte nämlich von der NASA (USA) einen Astronauten engagiert, der die Avenida mit einem Raketen-Rucksack überflog – vom Sektor 1 bis zum Sektor 13 – das Publikum delirierte!

Zwei Jahre später befand sich die Schule zum ersten Mal unter den Champions: auf dem dritten Platz! Immer noch mit Joãosinho Trinta an der Spitze der Vorbereitungen in ihren Räumen, hatte sie im Folgejahr weniger Glück: das Thema über die „Camisinha“ (Hemdchen – gemeint ist ein Präservativ) bekam Schwierigkeiten mit der Justiz, und der Karnevalist wurde entlassen, noch bevor die Bewertung der Juroren ausgegeben worden war – welche die Schule auf den 10. Platz setzten.

2005 hatte die Grande Rio die Schmach überwunden und eroberte erneut die Bronzemedaille des Carioca-Karnevals mit dem Thema „Alimentar o corpo e a alma faz bem“ (Körper und Seele ernähren tut gut). Im darauf folgenden Jahr blieb sie nur um zwei Zehntel hinter dem Sieger zurück und wurde Vice. 2007 und 2008 hielt sie sich noch in der Spitzengruppe – Vice und dritter Platz.

Unter dem Motto „Das Arquibancadas ao Camarote Nº 1 – Um Grande Rio de Emoção Na Apoteose do Seu Coração“ (Von der Tribüne zur Loge Nr.1 – Ein grossartiges Rio der Emotionen in der Göttlichkeit deines Herzens) konnten sich 2010 nur wenige Eingeweihte etwas vorstellen und so warteten alle gespannt auf die Präsentation der angekündigten 35 Kostümgruppen. Und wurden nicht enttäuscht: ein Feuerwerk an Rhythmus kombiniert mit einem Kaleidoskop an intensiven Farben riss auch die Letzten von ihren Stühlen und liess sie zum eingängigen Samba-Enredo mittanzen. Einer der 7 Motivwagen hiess sogar „die Protagonisten des Spektakels“ und da war auch dem letzten klar, dass hier die Leidenschaft und Lebensfreude des Karnevals thematisiert wurde. Mit diesem Motto wurde Grande Rio hinter Unidos da Tijuca erneut Vizemeister.

Dass die Schule 2011 überhaupt eine Parade abliefern konnte, grenzt an ein Wunder. Sämtliche Allegoriewagen und zahllose Kostüme waren durch das im Februar Feuer zerstört worden, und nur durch die gemeinsame Anstrengung Aller konnte innerhalb von 24 Tagen der grösste Teil rekonstruiert werden. Unter dem Motto „Y-Jurerê Mirim – Die bezaubernde Insel der Hexen (Eine Erzählung von CASCAES)“ präsentierten die Teilnehmer die von Franklin Cascaes (1908-1983) aufgezeichneten Mythen und Legenden von Florianópolis im Bundesstaat Santa Catarina. Hexen, Werwölfe, schwarze Magie und Zufluchtsorte vor bösem Zauber. Zudem ehrte die Schule den wohl berühmtesten Einwohner der Insel: den Weltklasse-Tennisspieler Gustavo Kuerten, der selbst anwesend war und aus einem überdimensionalen Pokal heraus Tennisbälle ins Publikum schoss.

Die “Grande Rio“ bezog sich in ihrer Parade 2012 auf Geschichten von Brasilianern, die sich irgendwann einmal gewissen Herausforderungen gegenüber gesehen und sie überwunden hatten. Das Thema: Eu Acredito em Você! E Você? (Ich glaube an Dich! Und Du?) wurde vom Karnevalisten Cahê Rodrigues entwickelt. “O som da vida: melodias de superação” (Der Klang des Lebens: Melodien der Überwindung) war als Beispiel das Thema des dritten Wagens. Er ehrte den nordamerikanischen Sänger und Pianisten Ray Charles, der sein Augenlicht im Alter von sieben Jahren verlor und dieses Manko mit Hilfe seiner Musik überwand.

Die Schule widmete ihre “Alas“ (Themengruppen) auch Jenen, die ihre Probleme mittels des Sports überwunden haben: Zum Beispiel Lars Grael, Ronaldo Fenômeno und Clodoaldo Silva befanden sich unter den Repräsentanten. 297 Punkte oder der 5. Rang war den Juroren die Präsentation der Schule Grande Rio wert.

Die Parade 2013 der “Acadêmicos do Grande Rio“ war ein Manifest zur Verteidigung des Standpunktes, dass Rio de Janeiro es verdient, aus dem in seinem Bundesstaat geförderten Erdöl den grösseren Anteil an so genannten Royalties (Kommissionen) zu erhalten. Mit einer Parade voller futuristischer Kostüme und gigantischer Wagen verteidigte der Karnevalist Roberto Szaniecki diese Idee. Die Schule ist in Duque de Caxias beheimatet, in deren Region die grösste Raffinerie der Petrobras steht. Das Thema dazu: “Amo o Rio e vou à luta: Ouro negro não sem disputa“ (Ich liebe Rio und ziehe in den Kampf: Schwarzes Gold nicht ohne Streit).

Einige Wagen zogen die besondere Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Einer davon präsentierte sein Highlight auf einer zwanzig Meter hohen Plattform. Ein anderer, unter dem Titel “Erziehung, Sport und Kunst“ konnte in einem 360-Grad-Winkel bewundert werden. Ganz bunt, präsentierte er acht Akrobaten in vier Würfeln.

Ein anderer Block widmete sich den Vorzügen, welche dem Volk durch die Erdöl-Royalties erwachsen könnten: Kindergärten für alle – eine saubere Stadt – mehr Theater und Schauspielhäuser – öffentliche Sicherheit – Parks und Grünanlagen – und weitere Themen.

Behandelt wurden auch die Verhütung von Unfällen und die Erhaltung der Umwelt. Die Schule nahm die Gelegenheit wahr, vor der Zerstörung der Natur zu warnen und zu demonstrieren, was passieren könnte, wenn dieses Thema nicht ernst genommen wird. In der Bewertung reichte es zu 297,2 Punkten oder den 6. Schlussrang.

Grande Rio ehrte 2014 den Ort Maricá – das Städtchen inspirierte die Samba-Schule für eine Parade reich an Details und ausdrucksvollen Allegorien. Die Sängerin Maysa, Bürgerin dieser Stadt, wurde im Eröffnungswagen und im Samba gepriesen. ”Verdes olhos sobre o mar no caminho: Maricá” (Grüne Augen über dem Meer auf dem Weg: Maricá)

Die dreifachen Champions der Karnevals-Elite von Rio de Janeiro feiern 2014 ihr 25-jähriges Bestehen mit dem Debüt des Karnevalisten Fábio Ricardo, dem “Fabinho.

Die Präsentation der allegorischen Wagen basierte auf den Songs von Maysa und erzählte die Geschichte von Maricá seit ihrem Anfang – mit der Ankunft der Kolonisatoren, die die Tamoio-Indios bekehrten.

Besonders imponent der Eröffnungswagen – eine Anspielung auf das Piano der Sängerin, mit diversen artikulierten Elementen, welche die Komposition zum Sound des Samba in Bewegung brachten.

Die Ankunft des illustren englischen Naturalisten Charles Darwin in Maricá wurde auf einer Expedition zum Studium der Flora und Fauna des Städtchens dargestellt. Ein Gestell, auf dem der französische DJ und Komponist David Guetta thronte, beschloss diesen Sektor mit einer Präsentation der Serra da Tiririca, einem Reservat des Atlantischen Regenwaldes aus dieser Region.

Der letzte Wagen behandelte das Thema Tourismus in dieser Stadt einer reichen Kultur und eines ebenso interessanten Kunsthandwerks. Damit war das Thema der kleinen Stadt Maricá abgeschlossen und brachte die Schule erneut auf den 6. Schlussrang.

Mit dem Thema “A Grande Rio é do baralho“ (Die Grande Rio ist ein Kartenspiel) des Karnevalisten Fábio Ricardo, erzählte die Schule beim Karneval in Rio 2015 nicht nur die Geschichte des Kartenspiels, sondern auch die Geschichte der Wahrsager-Karten – der Tarot aus Marseille und der Karten der französischen Wahrsagerin Marie Anne Lenormand.

Der grosse Trumpf wurde bereits mit der Front-Kommission ausgespielt – mit einer Choreographie voller Tricks aus dem Universum “Alice im Wunderland“ – inklusive Bekleidungswechsels mitten auf der Avenida – und weiteren Momenten des Illusionismus. Im Verlauf der Handlung wurden verschiedenen Darstellern die Oberkörper entfernt, und nur ihre Beine liefen noch herum, die sich an Tischen und Stühlen stiessen.

Die Allegorien rissen die Zuschauer zwar nicht vom Hocker, aber die Schule brachte einen guten Themen-Samba mit und präsentierte eine bunte und vergnügliche Parade, gespickt mit Zirkusnummern und Tricks. Sie beendete ihre Parade innerhalb der vorgeschriebenen Zeit und ohne Probleme.

Gegründet 1988, ist die Grande Rio eine der jüngsten Samba-Schulen in der “Grupo Especial“. Sie hat innerhalb der Karnevals-Elite noch nie einen Titel gewonnen. 2014 erreichte die Schule den sechsten Platz und in diesem Jahr konnte sie sich auf den 3. Schlussrang verbessern.

Grande Rio ehrte 2016 die Hafenstadt Santos mit den Berühmtheiten wie Fussballkönig Pelé und Neymar. Santos ist ebenso eine Stadt der Einwanderer. Den Imigranten wurde ein eigener Ala gewidmet. Gezeigt wurden die Siedlungsgeschichte Santos und auch das öffentliche Transportsystem.

”Fui no Itororó beber água, não achei. Mas achei a bela Santos, e por ela me apaixonei…”(Ich wollte in Itororó Wasser trinken, und habe keines gefunden. Aber ich fand das schöne Santos und habe mich verliebt) lautete das Samba-Thema. Santos brachte der Grande Rio am Ende den 7. Schlussrang.

Grande Rio hat sich einer der beliebtesten Sängerinnen Brasiliens angenommen, der aus Bahia stammenden Ivete Sangalo – ”Ivete do rio ao Rio!” (Ivete vom Fluss nach Rio!). Die ist selbst in der Frontkommission mit aufgetreten und hat tanzend bei der Darstellung ihrer Lebensgeschichte von der Kindheit bis hin zum Erfolg mitgewirkt.

Angefangen hat diese mit ihrer Kindheit am Rio São Francisco als “Ribeirinha”. Mit 3.200 Komponenten wurden der Weg zu ihrem Erfolg erzählt und ihre Stationen gezeigt, wie ihrem Konzert in New York.

Einige der 29 Alas haben zudem ihre größten musikalischen Erfolge präsentiert. Auf dem letzten der sechs phantasievoll gearbeiteten alegorischen Wagen war die Sängerin dann noch einmal vertreten, tanzend neben ihrem Mann und Sohn.

Grande Rio hat eine großartige Parade präsentiert und gemeinsam mit Ivete Sangalo “Alegria“, Lebensfreude, versprüht. Quittiert wurde das vom begeisterten Publikum mit stehendem Applaus und dem 5. Schlussrang.