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“Vor Jahren“ (zwischen 1964 und 1975) entstanden die Portraits meiner ersten Begegnungen mit den brasilianischen Ureinwohnern, die seit Kolumbus “Indianer“ genannt werden und mich mit ihrem harmonisch in die Natur integrierten Lebenszyklus am meisten fasziniert haben, sodass ich mehrere Jahre unter ihnen verbrachte. Ebenfalls “schon vor Jahren“ (zwischen 1975 und 1985) entstanden meine zahlreichen Bilder aus dem dürren brasilianischen Nordosten, von Menschen, die unter unglaublich bescheidenen Umständen mit dem Leben zurecht zu kommen versuchen – ohne Elektrizität und immer abhängig vom Regen, um nicht zu verhungern oder zu verdursten. Bei ihren Portraits kann von Extrovertiertheit allerdings keine Rede sein – die haben sie ihrer kontinuierlichen bangen Hoffnung auf eine Verbesserung ihres kargen Lebensstandards geopfert, und mit den sich von Jahr zu Jahr vertiefenden Furchen ihrer enttäuschten Gesichter ist auch der Glanz in ihren ehemals strahlenden Augen scheinbar erloschen. Von damals bis heute hat sich eigentlich nichts wesentlich verändert im materiellen Leben der Brasilianer, wenn man mal von der äusseren Erscheinung der von mir portraitierten “wilden“ Indianer absieht, die ihre ehemalige “mit Federn und Pflanzenfarbstoffen geschmückte, edle Nacktheit“ heute einer manchmal deprimierenden Präsentation mehr oder weniger abgetragener Kleidungsstücke geopfert haben. Aber im Nordosten scheint die Zeit stillzustehen – trotz der ewigen Versprechen von einer Wahlkampagne der Politiker zur andern, besteht das Leben der Menschen im trockenen “Sertão“ immer noch mehr aus Hoffnung denn aus konkretem Fortschritt. Diese Fotos stammen aus der Flickr Foto-Community und werden gemäß der Flickr-RSS API abgebildet.
Für den Fotografen die gleichen, fotogen-rückständigen Impressionen wie vor dreissig Jahren: bunte Marktszenen unter freiem Himmel – Warentransport per Esel, Pferd oder Ochsenkarren – Fischen per vom Wind getriebener “Jangada“ auf dem offenen Meer – mühsamer Krebsfang im Schlamm der Mangroven – Kunsthandwerk aus geschickten, runzligen Händen der Menschen, die aus ihrer materiellen Not die schönsten brasilianischen Tugenden hervorgebracht haben: materielle und persönliche Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Ausdauer und Beharrlichkeit, tiefe Religiosität und eine Hoffnungsbereitschaft, die geradezu beschämt. Und ich habe sogar die (den) eine(n) oder andere(n) inzwischen mal lachen gesehen – mit mehr oder weniger Zähnen im Mund und unter all den vielen Sorgenfalten – so ein Ereignis nimmt einen richtig mit, kann ich Ihnen sagen – aber dann erst das Lachen der Kinder: das haut einen um!
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