DER BRASILIANISCHE SCHRIFTSTELLER UND HUMORIST:

“Er ist ein Champion der intelligenten Satire und des zwerchfellerschütternden Humors – versteht es meisterhaft, den Einheimischen nicht nur auf den Mund sondern auch in die Seele zu schauen, wobei er nicht nur brasilientypische Skurrilitäten aufstöbert, sondern auch ganz allgemein menschliche. Und wenn er diese Beobachtungen dann seinen, schon in Vorfreude schmunzelnden, Lesern präsentiert, können diese oft nicht umhin, sich in seinen Geschichten selbst zu entdecken.
Auch mir ging es so – Luis Fernando Verissimo ist gewissermassen mein brasilianischer Lieblings-Schriftsteller geworden. Und ich habe schon so viele seiner Geschichten für das BrasilienPortal übersetzt, dass ich es nunmehr an der Zeit finde, unseren verehrten Besuchern diesen Meister der Satire vorzustellen – also habe ich Ihnen nachfolgend eine chronologische Biografie zusammengestellt – und gleich noch eine Geschichte von ihm angehängt, in der er sich besonders typisch artikuliert“.
Klaus D. Günther
LUIS FERNANDO VERISSIMO – BIOGRAFISCHE SKIZZE
1936Luis Fernando wird am 26. September in Porto Alegre (Bundesstaat Rio Grande do Sul) als Sohn des Schriftstellers Erico Verissimo und Mafalda Volpe Verissimo geboren.
1943Er zieht mit den Eltern und seiner Schwester Clarissa nach Kalifornien um, denn sein Vater wird eingeladen, an der staatlichen Universität von Berkeley und Los Angeles zu unterrichten. Luis Fernando besucht die Argonne School in San Francisco und später die Canfield School in Los Angeles.
1945Sie kehren alle nach Porto Alegre, der “Hauptstadt der Gaúchos“, zurück.
1950Er bringt, zusammen mit seiner Schwester und dem Cousin Eduardo Martins “O PATENTINO“ heraus – eine Hauszeitung mit Nachrichten über die Familie, welche an die Wände des Familien-Closetts geklebt wurde. Er besucht das Fussballspiel – Jugoslawien x Mexiko – in Porto Alegre, sein erstes von den zahlreichen Spielen, die er noch sehen sollte.
1953Er kehrt mit seinen Eltern in die USA zurück – jetzt nach Washington – wo sein Vater einen Posten als Kulturattaché der Pan American Union übernimmt. Weil es Luis Fernando nicht gelingt, eine Trompete zu leihen – sein Lieblingsinstrument – beginnt er das Saxophonspiel zu erlernen. Häufig fährt er nach New York, wo er sich definitiv für den Jazz begeistert – in Aktion erlebt er im “Birdland“ die Musiker Charlie Parker und Dizzy Gillespie bei einem gemeinsamen Auftritt.
1956Er beendet die Zweitstufe auf der Roosevelt High School. Kehrt dann zurück nach Porto Alegre und beginnt im Sektor für Kunst und Programmplanung der EDITORA GLOBO (Verlagswesen) als Angestellter. Eine seiner Aufgaben betraf auch, die Titelseite für seines Vaters Werk “O RETRATO“, von Erico Verissimo, zu gestalten.
1959Erste Reise nach Europa in Begleitung der Eltern. Danach verbringt er die meiste Zeit des Jahres in Washington, wo seine Schwester lebt.
1960Er wird Mitglied seiner ersten Musik-Band “RENATO UND SEIN SEXTETT“. Mit seinen Worten “das grösste Sextett der Welt, weil es neun Mitglieder hatte“. Die Band spielt auf Bällen in der Heimatstadt Porto Alegre.
1962Er zieht um nach Rio de Janeiro, wo er im Haus der Schwester seiner Mutter wohnt, im Stadtteil Leme. Er arbeitet als Übersetzer und Redakteur von kommerziellen Publikationen – unter ihnen auch das “Boletim da Câmera de Comércio do Rio de Janeiro“. Er verliebt sich in Lúcia Helena Massa, eine Kollegin des “Boletim“.
1964Er heiratet Lúcia, seine Ehepartnerin bis zum heutigen Tag.
1965Seine erste Tochter wird geboren – Fernanda.
1967Ein Jahr nachdem er nach Porto Alegre zurückgekehrt ist, tritt er dem Team der Zeitung “ZERO HORA“ bei – als “Copy-desk“ – beschafft hat ihm den Job ein freund der Familie, Paulo Amorim. Seine zweite Tochter kommt auf die Welt, Mariana.
1969Er wird Redakteur der MPM PROPAGANDA. Die Zeitung ZERO HORA verpflichtet ihn zu einer täglichen Kolumne. Hier veröffentlicht er seine ersten Texte über die “BEIRA-RIO“, das erst kurz zuvor eingeweihte Stadion des INTERNACIONAL – seinem Fan-Club.
1970Er wechselt, ebenfalls als Tages-Kolumnist, zur Zeitung FOLHA DA MANHÃ. Sein drittes Kind wird geboren – sein Sohn Pedro. Beim “1o Salão Gaúcho de Arte Publicitária“ erreicht er den Ersten Platz in den Kategorien “Institutionelle Werbung“ und “Institutionelle Anzeigen“.
1971Er gründet mit einer Gruppe von Freunden die alternative Zeitung “O PATO MACHO“ (die männliche Ente), die fortan in Porto Alegre zirkuliert – mit Nachrichten, Reportagen, humoristischen Texten und Cartoons.
1973Der Verlag “José Olympio“ bringt sein erstes Buch auf den Markt “O POPULAR“ – gesammelte Texte aus seinen Presseveröffentlichungen.
1974Der Kritiker Wilson Martins, einer der bedeutendsten des Landes, lobt sein erstes Buch in der Zeitung O ESTADO DE SÃO PAULO.
1975Kurz bevor die Zeitung “Folha da Manhã“ ihre Tore schliesst, kehrt er als Kolumnist zur “Zero Hora“ zurück – und diesen Posten hat er bis heute inne. Sein zweites Buch der Chroniken “A GRANDE MULHER NUA“ (Die grosse nackte Frau) erscheint. Er publiziert im “Caderno B“ des JORNAL DO BRASIL eine sonntägliche Kolumne und auch Cartoons an jedem Montag. Er beginnt mit den Skizzen der “As cobras“ (die Schlangen) und bringt sein erstes Buch heraus, welches Streifen dieser “Persönlichkeiten“ präsentiert. Sein Vater, Erico Verissimo, stirbt in Porto Alegre.
1976Er beginnt seine lange Zusammenarbeit mit der Zeitschrift “Domingo“, des JORNAL DO BRASIL.
1977Er veröffentlicht das Buch “AMOR BRASILEIRO“ (Brasilianische Liebe).
1978Er veröffentlicht “A MESA VOADORA“ (der fliegende Tisch) – eine Sammlung von Chroniken über gastronomische Themen.
1979Es kommt ein Buch heraus, in dem er den Detektiv “Ed Mort“ vorstellt (Ed Mort = brasilianisch ausgesprochen klingt wie “Er ist des Todes“) – in “ED MORT E OUTRAS HISTÓRIAS“ (Ed Mort und andere Geschichten).
1980Er veröffentlicht “SEXO NA CABEÇA“ (Sex im Kopf). Lebt mit seiner Familie in New York zwischen August 1980 und Februar 1981 – danach schreibt er “TRAÇANDO NEW YORK“ (New York skizziert) – erstes einer Serie von Büchern über das Reisen, mit Illustrationen von Joaquim da Fonseca.
1981Publiziert von L&PM, dem Verlag, der die meisten seiner Bücher auf den Markt gebracht hat, ist die erste Auflage des “O ANALISTA DE BAGÉ“ innerhalb von zwei Tagen ausverkauft. Die von Luis Fernando geschaffene Persönlichkeit des skurrilen Psychiaters wird vom Komiker Jô Soares in seinen humoristischen TV-Programmen dargestellt und landesweit in der Volksseele verankert.
1982Verissimo publiziert “O GIGOLO DAS PALAVRAS“ (der Gigolo der Worte) – diese Chronik inspiriert den Philologen Celso Pedro Luft, in seiner Kolumne über Grammatik der Zeitung “CORREIO DO POVO“, Luis Fernando Verissimo fortan mit diesem Namen zu belegen. Der bekommt eine humoristische Seite in der grossen Zeitschrift “VEJA“ – für die er bis 1989 schreibt. Luis Fernando gewinnt den Preis des grössten brasilianischen Zeitungsverlags “ABRIL“ für journalistischen Humor.
1983Sein Buch “A VELHINHA DE TAUBATÉ“ (das alte Mütterchen von Taubaté) verleiht einer anderen seiner Persönlichkeitsschöpfungen Ruhm und Ehre. Der “O ANALISTA DE BAGÉ“ kommt als Cartoon heraus – mit Illustrationen von Edgar Vasques. Luis Fernando gewinnt wieder den Preis für den besten journalistischen Humor.
1984Er publiziert “A MULHER DO SILVA“ (Die Frau vom Silva) und “O REI DO ROCK“ (Der König des Rock).
1985Er bringt “A MÃE DE FREUD“ (Freuds Mutter) heraus – mit Illustrationen von Miguel Paiva, “ED MORT EM PROCURANDO O SILVA“ (Ed Mort auf der Suche nach Silva) – die erste einer Serie von fünf Bilder-Geschichten, in denen der von ihm geschaffene Detektiv die Hauptrolle spielt.
1986Verissimo verbringt mit seiner Familie sechs Monate in Rom. Er schreibt für die Zeitschrift “Playboy“ über den Fussball-Worldcup in Mexiko.
1987Sein “O MARIDO DO DR. POMPEU” (Der Ehemann des Dr. Pompeu) wird veröffentlicht.
1988Auf Antrag der Werbeagentur MPM schreibt er seinen ersten Roman “O JARDIM DO DIABO“ (Der Garten des Teufels).
1989Er beginnt in der Zeitung “O ESTADO DE SÃO PAULO“ eine Sonntagsseite zu übernehmen, für die er bis heute verantwortlich ist – inklusive einer Bilder-Serie, die heisst “Aventuras da Família Brasil“ (Abenteuer der Familie Brasil). In Rio erscheint sein erster Text exklusiv geschrieben fürs Theater “Brasileiras e Brasileiros“ (Brasilianerinnen und Brasilianer). Er erhält den Preis “PRÊMIO DIREITOS HUMANOS DO MOVIMENTO DE JUSTIÇA“ (für Menschenrechte der Justiz-Bewegung). Er veröffentlicht “ORGIAS“ (Orgien).
1990Verissimo schreibt über die Fussball-Weltmeisterschaft in Italien für die Zeitungen JORNAL DO BRASIL – O ESTADO DE SÃO PAULO und ZERO HORA. Er bringt “PEÇAS ÍNTIMAS“ (Intime Stücke) heraus.
1991Er erhält von der Präfektur der Stadt Porto Alegre die “Medaille der Stadt“ und vom Syndikat der Journalisten von Rio Grande do Sul den Preis für “Journalistische Unabhängigkeit“. Er veröffentlicht das Buch “O SANTINHO“ (Der Heilige) für Kinder – mit Illustrationen von Edgar Vasques – und die Anthologie “PAI NÃO ENTENDE NADA“ (Vater versteht gar nichts) für Jugendliche.
1992Er veröffentlicht “O SUICIDA E O COMPUTADOR“ (Der Selbstmörder und der Computer) sowie “TRAÇANDO PARIS“ (Pariser Skizzen).
1993Er veröffentlicht “TRAÇANDO ROMA“ (Römische Skizzen).
1994“COMÉDIAS DA VIDA PRIVADA“ – 101 crônicas escolhidas“ (Komödien aus dem Privatleben – 101 ausgewählte Chroniken) wird ein Riesenerfolg. Verissimo berichtet von der Weltmeisterschaft in den USA für die Zeitungen JORNAL DO BRASIL – O ESTADO DE SÃO PAULO und ZERO HORA – und was er diesmal dort erlebt, verwandelt er in sein Buch “AMÉRICA“. Er veröffentlicht das Kinderbuch “O ARTEIRO E O TEMPO“ (Der Ungezogene und die Zeit) – mit Illustrationen von Glauco Rodrigues – sowie “TRACANDO PORTO ALEGRE“ (Skizzen aus Porto Alegre). Zum zweiten Mal erhält er den “PRÊMIO DIREITOS HUMANOS DO MOVIMENTO DE JUSTIÇA“ von Rio Grande do Sul.
1995Jetzt belegt Verissimo eine tägliche Kolumne auf der Seite für Meinungsumfragen des JORNAL DO BRASIL. Er wird von einer Intellektuellen-Jury zum “Ideen-Mann des Jahres“ gewählt. Er veröffentlicht “COMÉDIAS DA VIDA PÚBLICA“ (Komödien des öffentlichen Lebens) und “TRAÇANDO O JAPÃO“ (Japan-Skizzen). Die Band “JAZZ 6“ formiert sich, in der Luis Fernando Saxophon spielt.
1996“NOVAS COMÉDIAS DA VIDA PRIVADA“ (Neue Komödien des Privatlebens) – diese Neuveröffentlichung setzt die Serie fort. Verissimo erhält die “Widerstands-Medaille Chico Mendes“ von der Gruppe “Tortura Nunca Mais“ (Nie mehr Folter). Die Abgeordneten-Kammer von Rio de Janeiro überreicht ihm die “Ehrenmedaille Pedro Ernesto“. Die “Associação Brasileira de Empresas de Relações Públicas“ ehrt ihn mit dem “Preis für Meinungsbildung“.
1997Er bringt “A VERSAO DOS AFOGADOS“ (Die Version der Ertrunkenen) heraus und “TRACANDO MADRID“ (Madrider Skizzen). Erhält den Preis “Juca Pato“ der “União Brasileira de Escritores“ als Intellektueller des Jahres.
1998Er berichtet von der Fussballweltmeisterschaft in Frankreich für JORNAL DO BRASIL und ZERO HORA.
1999Sein Gesamtwerk wird vom Verlag Objetiva herausgegeben – angefangen von den Chroniken “A ETERNA PRIVAÇÃO DO ZAGUEIRO ABSOLUTO“ – “AQUELE ESTRANHO DIA QUE NUNCA CHEGA“ (Jener fremde Tag, der niemals kommt) und “HISTÓRIAS BRASILEIRAS DE VERÃO“ (Brasilianische Sommer-Geschichten). Innerhalb der Serie “PLENOS PECADOS“ (Vollkommene Sünden), des Verlags, publiziert er “GULA“ (Gier) – “O CLUBE DOS ANJOS“ (Club der Engel). Er wird Tageskolumnist der Zeitung “O GLOBO“, dort schreibt er auf der Meinungsseite. Er ist einer der Auserwählten für den “3o Prêmio Multicultural Estadão“, organisiert von der Tageszeitung O ESTADO DE SÃO PAULO.
2000Verissimo schreibt “BORGES E OS ORANGOTANGOS ETERNOS“ (Borges und die ewigen Orangutans) für die Serie “LITERATURA OU MORTE“ (Literatur oder Tod) der “Companhia das Letras“. Der Verlag Objetiva beginnt sein Gesamtwerk zu reorganisieren und veröffentlicht “AS MENTIRAS QUE OS HOMENS CONTAM“ (Lügen, die die Männer erzählen).
2001Die Anthologie “COMÉDIAS PARA SE LER NA ESCOLA“ (Komödien zum Lesen in der Schule) kommt heraus. Seine Romane “GULA“ – “CLUBE DOS ANJOS“ und “BORGES E OS ORANGOTANGOS ETERNOS“ werden in viele Sprachen übersetzt.
2002Es erscheinen weitere drei Chroniken: “SEXO NA CABECA – A MESA VOADORA und TODAS AS HISTÓRIAS DO ANALISTA DE BAGÉ“ (Alle Geschichten des Psychiaters von Bagé). Zum ersten Mal publiziert er seine Poesie im Buch “POESIA NUMA HORA DESSAS?!“ (Poesie in einer solchen Zeit?!). Er berichtet von der Weltmeisterschaft in Japan/Südkorea für die Zeitungen “O GLOBO – O ESTADO DE SÃO PAULO und ZERO HORA“.
2003Er entscheidet sich, die bisherigen sechs Kolumnen pro Woche in der Presse auf zwei zu reduzieren – seine Texte erscheinen also nur noch an Donnerstagen und Sonntagen. Er wird Titel-Thema in der Zeitschrift VEJA als der meist verkaufte Schriftsteller in seinem Heimatland Brasilien. Es erscheint “BANQUETE COM OS DEUSES“ (Bankett mit den Göttern), ein Buch, in dem Chroniken über Kino, Literatur und andere Künste zusammengefasst sind.
2004Luis Fernando Verissimo nimmt am “Internationalen Literatur-Festival von Paraty“ teil.
ZUR EINSTIMMUNG FÜR UNSERE PORTALGÄSTE
ORIGEM FEMININA - DIE HERKUNFT DES WEIBES
(Von Luis Fernando Verrissimo)
Es gibt verschiedene Legenden über die Herkunft der Frau. Eine besagt, dass Gott zuerst den Mann eingeschläfert hat – womit er die allgemeine Anästhesie begründete – dann hat er eine seiner Rippen herausgenommen und mit ihr die erste Frau geschaffen. Und Eva bestand ihren ersten Test, indem sie sich um Adam kümmerte und seine schlechte Laune ertrug, während der jammerte und wehklagte und sich von dem operativen Eingriff langsam erholte.
Eine Variante dieser Legende besagt, dass Gott, wegen des Schöpfungsdrucks, unter dem er mit den sieben Tagen stand, den Mann in Eile geschaffen hat – hat sich wahrscheinlich gedacht “hinterher mach ich ihn besser“ – und später dann, als er etwas Zeit übrig hatte, verbesserte er den Mann tatsächlich – und nannte ihn Weib.
Eine andere Legende besagt, dass Gott die Frau zuerst schuf und all seine Kreativität in ihre Formen einfliessen liess – nahm hier ein bisschen weg, setzte dort ein bisschen zu – und mit dem Rest, der übrig blieb, formte er den Mann – lediglich um keinen Lehm fortzuwerfen.
Zeus, so meinten die Griechen, hätte das Weib aus seinem eigenen Kopf heraus gerissen. Einige nordische Völker kultivieren den Mythos der “Grossen Bärin Olga“ – von der alle Frauen auf dieser Welt abstammen sollen – und dies erklärt die Angewohnheit der Frauen, sich periodisch in Tierfelle einzurollen, weil sie von einem unwiderstehlichen atavistischen Impuls befallen werden, den sie wenigstens mit einer Anprobe im Geschäft zu verdrängen trachten, um dann über den Preis fast in Ohnmacht zu fallen.
Bei gewissen Stämmen des Orients glaubt man noch an die Version, nach der die Frau ursprünglich als Kamel geschaffen wurde, welches im Bestreben, seinem Meister in jeglicher nur denkbarer Art zu dienen, langsam seine aktuelle Gestalt entwickelte. Im extremen Orient dagegen, glaubt man an die Legende, dass die Frauen vom Himmel fallen – schon im Kimono. Und in manchen Teilen des Okzidents hält sich unerschütterlich die Vorstellung, dass man eine Frau mittels Anzeigen kaufen kann – nachdem man vorher ihr Alter, die Hautfarbe und Art der Massage gewählt hat.
Alle diese Legenden haben wenig mit der wissenschaftlichen Realität zu tun. Längst weiss man doch, dass der Mensch ein evolutionäres Produkt ist, welches seine Entwicklung mit der ersten Amöbe begann, die aus dem Urmeer herauskrabbelte – und er ist der direkte Nachfahr einer spezifischen Linie von Primaten, hat verschiedene weitere Entwicklungsstadien durchlaufen, bis er sein gegenwärtiges Niveau erreichte und endlich auf die Frau traf – von der eigentlich niemand weiss, wo sie eigentlich herkam.
Denn es ist gewiss absurd zu glauben, dass die Frauen ebenfalls von den Affen abstammen. Meine Mutter jedenfalls nicht! Eine der schon eher akzeptablen Thesen über die Rolle der Frau in der Evolutionsgeschichte des Mannes ist die, welche sich als Erstbegegnung der beiden im paleolithischen Zeitalter abgespielt haben soll, als ein “Homo-sapiens“, aber nicht besonders, der vielleicht “Ugh“ geheissen haben mag, sich auf die Jagd begab und plötzlich ein Wesen gewahrte – auf einem Stein sitzend, die langen Haare kämmend – welches ihn zu folgenden Gedanken provozierte (im Jargon von
heute):
“Das ist ein Weib – und nicht die Alte, die ich in meiner Höhle habe!“
Ugh näherte sich der Frau, und in seiner ungeschickten, täppischen Art gab er ihr zu verstehen, dass er sich gern mit ihr fortpflanzen würde. Vielleicht sagte er:
“Agh, maakgrom huba-uba!“ oder etwas anderes, und näherte sich ihr unmissverständlich. Die Frau schaute ihn sich von oben bis unten an und fing dann furchtbar an zu lachen. Allerdings muss man dazu bemerken, dass Ugh, obwohl für seine Zeit doch ein recht akzeptables Modell von Mann, in den Augen der Frau einem Tier viel ähnlicher war als ihresgleichen. Er hatte eine flache Stirn, ausgeprägte Kieferknochen und pflegte sich das Haar mit Mammutfett zu glätten.
Vielleicht sagte die Frau etwas Ähnliches wie: “Hast du dich schon mal in einer Pfütze gespiegelt“? – und dann zog sie sich angewidert zurück, während Ugh konsterniert vor sich hin starrte. Bevor sie ganz verschwunden war, schrie Ugh ihr noch nach: “Wart’ nur zehntausend Jahre, und dann wirst du schon sehen“! Und zurück in seiner Höhle feuerte er seine Kameraden unermüdlich an, den Evolutionsprozess voran zu treiben.
Seither war es das erklärte Ziel der männlichen Evolution, endlich das Niveau der Frau zu erreichen, um mit ihr ein harmonisches Paar zu bilden, damit niemand bei ihrem Anblick mehr meinen könnte, sie gehe nur mit ihm aus wegen seines Geldes oder, noch schlimmer, um eventuelle Räuber abzuschrecken.
Wenn also jene schicksalhafte Begegnung auf irgendeinem Hochplateau der primitiven Vorgeschichte nicht stattgefunden hätte, sicher wäre der Mann immer noch derselbe schlampige Troglodit ohne Ambitionen, nur interessiert an der Jagd und am Zerquetschen seiner Läuse – ein gesellschaftlicher Flop.
Aber woher kam sie, diese erste Frau – wenn wir nun schon sowohl die Evolution als auch jene religiösen und mythologischen Fantasien hinsichtlich ihrer Herkunft abschreiben müssen?
Ich verbeuge mich vor der These ihrer extraterrestrischen Herkunft! Die Frau kommt (klar, das ist bis jetzt nur pure Spekulation) von einem anderen Planeten. Denn ich habe sie über viele Jahre beobachtet – habe sogar eine von ihnen geheiratet, um sie aus der Nähe studieren zu können – und ich meine unwiderlegbare Beweise dafür gesammelt zu haben, dass sie nicht von dieser Welt sind. Habe beobachtet, dass sie nicht dieselben Instinkte wie wir besitzen, immer mal wieder überrascht man sie beim Träumen – so als ob sie gerade Anweisungen von einer anderen Galaxie erhielten – obwohl sie dann gleich so was sagen wie, sie hätten gerade ans Abendessen gedacht. Sie haben eine vollkommen andere Logik als die unsere. In letzter Zeit haben sie sogar von ihren Eigenheiten abzulenken versucht, indem sie männliche Gewohnheiten angenommen haben und Sachen machen – wie zum Beispiel grosse Unternehmen zu leiten und die Mutter ihres Chauffeurs zu verfluchen – vor ein paar Jahren noch undenkbar, was aber lediglich den Verdacht bestärkt, dass es sich dabei um eine Strategie handelt, unsere Differenzen zu kaschieren, die letztlich offensichtlich geworden waren.
Wenn wir nun diese Tatsachen zu kommentieren beginnen, klagen sie uns sofort als Machos an – wir wären gefangen in unseren Vorurteilen und unfähig, ihre Rechte anzuerkennen – oder sie verlegen sich auf die herzerweichende Tour, schnuffeln feucht in unserer Halsbeuge herum und stammeln etwas, das uns die Haare zu Berge stehen lässt und sämtlicher Argumente beraubt.
Auf jeden Fall ist das Absicht, und sie haben das verabredet. Sie verabreden übrigens immer neue Strategien, um zu verhindern, dass man sie als Aliens enttarnt – und sie haben ihre eigenen Pläne mit unserer Erde. Was machen sie zum Beispiel, wenn sie alle zusammen aufs Klo gehen – wo sie doch ganz genau wissen, dass wir nicht hinterher gehen können, um zuzuhören?
Und wie viele Male, auch wenn wir dabei sind, sprechen sie nicht eine für uns vollkommen unverständliche Sprache, die nur sie selbst verstehen? Offensichtlich irgendein Code mit Instruktionen ihres Heimatplaneten.
Und sie haben ihre linken Methoden. Ihre feigen Tricks. Ihre Laser-Augen – hell oder tief dunkel – ihre Lippen. Mein Gott – einige von ihnen haben sogar Sommersprossen auf der Nase! Ihre Brüste – diese intelligenten Dinger! Jene weiche Kurve der Oberschenkel, die in den Schoss mündet – und die Genfer Konvention sagt nichts darüber! Und ihre chemischen Waffen – Parfums, Lotionen, Cremes. Sie stammen zweifellos aus einer höheren Zivilisation – was können unsere Keulen ausrichten gegen ihre Heere der Schönheit?
Bald, sehr bald, werden sie die Welt beherrschen. Und dann werden wir erfahren, was sie wollen. Wenn ich tot gefunden werden sollte, nachdem dieser Artikel publiziert worden ist, mit Anzeichen liebevollen Erstickens – und mit einem Lächeln auf meinen Lippen – dann stimmt meine These. Wenn mir dagegen nichts geschieht, ist dies ebenfalls ein Zeichen, dass meine These stimmt – weil sie ihre Demaskierung nicht mehr fürchten.
Was wollen sie also???
Wenn die Frau wirklich auf unseren Planeten gekommen ist, um den Mann zu inspirieren, sich ihrer würdig zu entwickeln, mag sie vielleicht zur Ansicht gekommen sein, dass dieses Experiment fehlgeschlagen ist, dass dieser alte Krieger niemals auf ihre Ebene gehoben werden kann. Was die Möglichkeit einschliesst, dass die Frauen so, wie sie gekommen sind, sich fertig machen zur Abreise, desillusioniert mit uns Männern.
Und wenn es das ist, was sie heimlich in den Toiletten konspirieren? Den Rückzug? Wir würden mit unserer eigenen Dummheit allein gelassen. Sie würden natürlich ihre Töchter mitnehmen und uns mit Minen wie der von Ugh zurücklassen.
Ich kann bereits das Ende unserer Spezies erkennen. Unsere besten Wissenschaftler würden alles stehen und liegen lassen, um sich mit endlosen Tests mit der Rippe zu befassen – nachdem sie die Idee einer synthetischen Frau verworfen hätten.
Die Magie der Schöpfung – Eine Frau, irgendeine Frau – egal wie!
Wir versprechen, dass wir Euch diesmal nicht enttäuschen werden! Eine Frau! Und wie macht man eine Frau?