Petar Nationalpark

Veröffentlicht am 24. Oktober 2009

Seit Jahrtausenden hat der Mensch ein gewisses Faible für Höhlen. Am Anfang seiner Geschichte suchte er die Höhlen als Unterkunft und Herberge auf – Reste von Feuerstellen, Tier- und Menschenknochen, Werkzeuge und primitive Waffen, sowie seine eigenen grafischen Darstellungen an den Felswänden beweisen uns heute seine historische Präsenz. Mehr noch, diese Beweise seiner Präsenz erlauben uns, ausgerüstet mit allen modernen technischen Mitteln der anthropologischen Forschung, sogar eine Rekonstruktion seiner Gestalt, seines Alters und seiner Lebensgewohnheiten.

Hoehle Caverna do Diabo_Governo do Estado de Sao Paulo

Das Ökosystem einer Höhle, empfindlich aber faszinierend, schlägt heute Menschen aller Altersgruppen, und aus den verschiedensten Motiven, in ihren Bann. Die einen studieren sie als Wissenschaftler, andere verbinden religiöse Motive mit ihrem Besuch – der Tourist sieht in ihnen ein besonderes Abenteuer oder schliesst sich einer Höhlen-Tour einfach aus purer Neugier an. Wie dem auch sei, Höhlen vermitteln den intensivsten Kontakt mit der Natur überhaupt – viel intensiver als nur über die Erde zu wandeln, befinden wir uns in diesem Fall innerhalb der Erde – umgeben von Felsformationen, vereinnahmt von Dunkelheit und Stille.

Innerhalb einer Höhle scheint die Zeit stillzustehen – wie eingefroren. Ihre verblüffend formenreichen Tropfsteingebilde, auf denen sich flackernd unser künstliches Licht spiegelt, entzünden unsere Phantasie. Kleine Tropfen fallen von der gewölbten Decke und auf spitze Steinkegel, die ihnen vom Boden aus entgegenwachsen. Plötzlich können wir uns vorstellen, wie das alles einmal angefangen hat, vor vielen Tausend Jahren.

Manchmal werden Ruhe und Stille von rauschendem Lärm in einer Galerie weggeblasen – ein Fluss strömt durch einen Felsentunnel, rauscht als Wasserfall über einen steinernen Absatz, verursacht einen Felsabbruch, stürzt sich in einen Abgrund. Alles ist einmalig und unvergleichlich in einer Höhle.

Ob mit grossartigem Eingangsportal oder nur als schmaler Spalt im Berg, die Höhlen locken den Entdecker in uns – das Abenteuer und, vor allem, das Unbekannte zieht uns an. Wir bewegen uns vorwärts ohne den Spuren eines andern vor uns zu folgen – die Decke wird niedrig, der Fluss wird schmaler, und dann öffnet sich vor uns ein riesiger Salon und wir stehen staunend vor seinem in Jahrmillionen gewachsenen „Inventar“, das vor uns vielleicht noch niemand je gesehen hat.

Wir knipsen unser Kunstlicht aus und, auf einer Steinplatte liegend, lauschen wir dem Fallen der Tropfen von der Höhlendecke und geben uns unseren persönlichen Emotionen hin. Der Fluss, welcher eben noch weit weg zu rauschen schien, hat plötzlich den Weg durch unseren Körper gefunden und strömt im kleinen Tränenkaskaden wieder aus uns heraus – dann nimmt er seinen Kurs zwischen den Steinen wieder auf, die uns zu umarmen scheinen – oder wir sie? In einer Höhle geht uns plötzlich auf, was es bedeutet, intensiv zu leben, und wir verstehen den Sinn des Wortes „Freiheit“ auf eine fast spürbare Art und Weise.

Mit einer vernünftigen Kondition, etwas Neugier, einem Helm und einer Taschenlampe kann man beginnen, die Mysterien der unterirdischen Welt zu entdecken und, wer weiss, vom speleologischen Virus befallen zu werden, von dem man sich nie mehr erholt. Mehr als irgendwelche Technik, braucht man Courage, Bescheidenheit und Neugier, um die Obstakel unterwegs zu überwinden. Und, wichtiger als der Sieg ist der Respekt vor der Natur, mit dem man die Geheimnisse der Höhlen und die eigenen Grenzen kennen lernen sollte!

nach obenPETAR

Der Parque Turístico do Alto Ribeira wurde 1958 gegründet und gehört zu den ersten Naturschutzgebieten des Bundesstaates São Paulo überhaupt. Seine 35.712 Hektar Fläche bewahren ein wertvolles Naturerbe der Region Alto Ribeira, das sich aus paläontologischen, anthropologischen und historischen Fundstätten zusammensetzt. Darüber hinaus liegen diese in einem Gebiet von bedeutender Bio-Diversifikation, welche charakteristisch für den Atlantischen Regenwald ist, der hier ebenfalls geschützt wird.

Grösste Attraktion des Parks sind zweifellos seine mehr als 250 registrierten Höhlen, welche aus dem PETAR eine der grössten speleologischen Konzentrationen Brasiliens machen. Die Gebirgsformationen und die dichte Vegetation in diesem Gebiet, wirken wie eine Barriere gegen die Winde vom Süd-Atlantik und bewirken eine relativ hohe Niederschlags-Quote. Die Reaktion des säurehaltigen Wassers auf den Kalkstein-Felsen hat, während Tausenden von Jahren, die Bildung von Höhlen begünstigt – mit Boden, Wänden und Decke, dekoriert mit unzähligen Speleothemen (Stalaktiten, Stalagmiten, Säulen, Vorhängen und vielen anderen). Im PETAR findet man natürliche Vertiefungen der verschiedensten Typen und Dimensionen – sowohl horizontale, die man als Grotten oder Höhlen bezeichnet, als auch vertikale, die man Abgründe nennt.

Innerhalb des PETAR existieren vier so genannte „Núcleos“ (Besucher-Zentren): Santana, Caboclos, Ouro Grosso und Casa de Pedra.

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Dieses Besucher-Zentrum liegt 3 km vom Stadtteil Bairro da Serra, in der Stadt Iporanga (4.564 Einwohner – 331 km von São Paulo) entfernt. Das Gebiet wird vom Rio Betari durchquert, der die Bäche aus verschiedenen Höhlen aufnimmt und ein Nebenfluss des Rio Ribeira de Iguape ist. Das Bett des Betari ist voller Felsblöcke und Steine und hat glasklares Wasser. In der Nähe des Eingangs zum Zentrum befindet sich ein Kiosk – hier beginnen die Wanderwege, auf denen man zu den weiter entfernten Höhlen gelangt. Unter ihnen auch der Pfad zur Caverna Água Suja – einer guten Wahl, weil man unterwegs am Ufer des Rio Betari entlang wandert – fast über seine gesamte Länge. Um zur besagten Höhle zu gelangen, muss man den Fluss kreuzen – und, falls man Lust hat, kann man den Pfad weiter verfolgen, bis zu den wundervollen Wasserfällen Cachoeira das Andorinhas und Cachoeira Betarizinho.

Es gibt eine Höhle, die bereits in der Nähe des Eingangs liegt, die Caverna Santana, nach der das Zentrum seinen Namen hat. Und sie ist zweifellos die interessanteste dieses Zentrums, wenn man sie nach ihren speleothemen und Labyrinthen beurteilen will. Ebenfalls in der Nähe des Eingangs befindet sich die Caverna Morro Preto, für die man eine gute Kondition braucht, denn der Zugangspfad führt ziemlich steil bergan – aber die Anstrengung lohnt sich bestimmt. Es heisst, dass man bei der Entdeckung dieser Höhle auch Beweise für eine vorgeschichtliche Anwesenheit von Menschen sichergestellt hat. Die Caverna Toca do Grilo liegt im gleichen Gebiet – eine kleine Höhle, aber mit besonders reichen speleologischen Formationen.

Das Núcleo Santana ist das meistbesuchte der Region und verfügt über einen Camping-Platz mit Toiletten, Wäscherei und ärztlichem Behandlungsraum.

nach obenDie Caverna Água Suja

Liegt etwa 2 km vom Besucher-Zentrum, die man auf einem Weg zurücklegt, innerhalb eines geschlossenen Waldgebiets – gegen Ende des Weges kreuzt man den Rio Betari. Die Höhle hat eine Reihe von typischen Eigenheiten: Man kann zum Beispiel die gesamte Besichtigung innerhalb eines Flüsschens tun (bei grosser Hitze im Sommer eine wunderbare Erfrischung), der vom Eingang aus den Besucher bis zum Ausgang der Höhle begleitet – er verbreitert und vertieft sich an einigen Stellen, wird aber nie tiefer als eineinhalb Meter. Dies ist ausserdem eine der wenigen Höhlen, die als „viva“ (lebendig, aktiv) eingestuft worden sind, das heisst, sie verändert sich ständig – man kann an ihrem Ende einen nicht sehr alten Absturz von Höhlenwand bemerken. Einige ihrer Salons sind mehr als 20 Meter hoch. Man kommt auch an so genannten „Lagos Travertinos“ vorbei, in voller Aktivität – ein spektakulärer Anblick!
Der Höhepunkt und das Ende der Höhlenbegehung ist in diesem Fall der 2 Meter hohe Wasserfall, zirka 500 Meter vom Höhleneingang, der die Besucher zu einem quasi obligatorischen Duschbad einlädt.

nach obenDie Caverna Santana

Ganz in der Nähe des Eingangs zum Besucher-Zentrum gelegen, ist diese Höhle besonders reich an Speleothemen und mit 6 km auch besonders lang. Einen Teil ihrer Galerien sind dem Publikumsverkehr offen – mit Holztreppen und Brücken an schwierigen Stellen – ein anderer Teil kann nur unter Inanspruchnahme von spezialisierten Guides besucht werden. Und es gibt weitere Salons, die dem Publikum verschlossen bleiben und nur von Wissenschaftlern mit einer Sondererlaubnis besucht werden können, um den zerbrechlichen Inhalt vor unachtsamer Beschädigung zu bewahren.

nach obenDie Caverna Morro Preto

Ist die dritte Höhle im Núcleo Santana – nur etwa 500 Meter zu Fuss bis zu ihrem Eingang. Um dorthin zu gelangen, überquert man den Rio Betari, um gleich darauf eine ziemlich strenge Steigung unter die Füsse zu nehmen – unterwegs hat man die Möglichkeit einer Rast auf einer der für diesen Zweck aufgestellten Bänke. Diese Höhle – sie gehört zu der „toten“ Sorte – hat einen der schönsten Eingänge überhaupt. Gleich vorne, hinter dem Eingang, gibt es einen Salon, von dem aus man zirka drei Meter tiefer einen zweiten Salon erreicht – der ist riesengross – und in ihm hat man prähistorische Funde gemacht. Zwischen diesen beiden Salons steht eine Steinsäule von 2 m Durchmesser und 5 m Höhe wie eine Stütze im Korridor. Ein etwa 20 m langer Korridor nach unten, und anschliessend wieder 30 m nach oben, führt den Besucher zu einer Art innerer Aussichtsplattform, von der aus man einen bezaubernden Blick durch den Eingang nach draussen geniesst – im Zentrum die erwähnte stützende Säule.

Der nächstfolgende Abschnitt ist ziemlich gefährlich – mit verschiedenen Spalten und Abgründen. Dann erreicht man eine Stelle, von der aus man eine Verbindung mit der Höhle Caverna do Couto weiterverfolgen kann – aber nur die erfahreneren Höhlenbegeher wagen sich an die Überquerung, stets unterstützt von erfahrenen Guides.

nach obenDie Caverna do Couto

Wenn man den erwähnten, etwas schwierigen Übergang von der Morro Preto Höhle nicht wagen will, kann man auch den normalen Eingang benutzen, der gleich neben dem zur anderen Höhle liegt. Direkt neben ihrem Eingang, noch vor der Höhle, strömt ein Wasserfall aus dem Innern der Höhle heraus, der etwas weiter unten in den Rio Betari mündet. Der Eingang selbst ist klein, nur etwa 2 m hoch und 1 m breit, wenn man sich ans Dämmerlicht gewöhnt hat, entdeckt man innen eine Holztreppe, die den Besucher aufs gleiche Level mit dem Wasserfall bringt – hier fliesst das Flüsschen, das uns dann weiterhin zur Orientierung dient, um den Ausgang am anderen Ende des Berges zu finden. In einigen Abschnitten des Korridors liegt die Decke ziemlich tief und man muss sich durchzwängen. Unterwegs spiegeln Millionen von Tröpfchen an Wänden und Decken das Licht wieder – ein bleibender phantastischer Eindruck. Die gesamte Durchquerung hat etwa eine Länge von 400 Metern – der Ausgang ist zirka 30 m breit und 10 m hoch.

Núcleo Caboclos
Hier befand sich der erste Sitz der Administration des Parks – dies ist einer der höchstgelegenen Ausgangspunkte für Höhlenbesichtigungen.

Zum Beispiel die Caverna Pedra do Chapéu – auf verschiedenen Wegen kann man in diesem Gebiet eine ganze Reihe interessanter Höhlen angehen, wie zum Beispiel unter anderem die Aranhas, Água Sumida, Arataca, Pescaria, Desmoronada und Teminina. Auch auf einem der Pfade kommt man zu den Wasserfällen Sete Reis und Maximiniano. Das Zentrum hat ein Camping-Areal und Toiletten, sowie eine Wäscherei.

Núcleo Ouro Grosso
Dieser Abschnitt wurde erst 1998 eingeweiht. Er befindet sich im Stadtteil Bairro da Serra und bietet als Hauptattraktion die Höhle Caverna Ouro Grosso.

In der Nähe des Höhleneingangs steht ein riesiger Feigenbaum mit so dicken Wurzeln, dass man zwischen ihnen spazieren gehen kann. Schliesslich ist der schon bekannte Rio Betari ebenfalls ein Teil dieser Szenerie.

nach obenDie Caverna Ouro Grosso

Sie ist „pures Adrenalin“, wie sich der Guide Jurandir ausdrückt, einer der bekanntesten Guides der Region. Ihr Eingang ist klein und schmal – man muss sich ordentlich verdrehen, um reinzukommen – und ein bisschen auf die „Opiliões“ achten – Verwandte der Spinnen – die sich gleich am Eingang aufhalten. Diese Höhle folgt ebenfalls einem unterirdischen Fluss, jedoch mit vielen Abbrüchen und Hindernissen – schmale Tunnel, Stromschnellen, einige Pools, mit bis zu zwei Metern Tiefe. Es gibt Passagen, die nur per Anseilen bewältigt werden können. Eine voll „aktive“ Höhle, mit ihren Wänden bedeckt vom Wasser.

Núcleo Casa de Pedra
Vom Zentrum der Stadt Iporanga sind es zirka 10 Kilometer auf einer Erdpiste, mit einigen pittoresken Holzbrücken, bis zu diesem Besucher-Zentrum. Dann wandert man auf einem sehr interessanten Weg entlang des Flusses Rio Maximiniano und erreicht nach einer langen Wanderung von zweieinhalb Stunden die Höhle Caverna Casa de Pedra. Unterwegs kommt man an typischen Vegetationsformen des Atlantischen Regenwaldes vorbei, wie Feigenbäume, Bromelien, Pau-Brasil und Perobas.

nach obenDie Caverna Casa de Pedras

Nach einer schönen Wanderung, die, je nach Verfassung der Teilnehmer, auch in nur zwei Stunden bewältigt werden kann, erreicht man den Höhleneingang über einer steinernen Wand. Dies ist allerdings sozusagen ihr „Dienstboten-Eingang“ – nachdem man die ganze Höhle innerhalb durchquert hat, erreicht man den „Eingang für festliche Anlässe“: genau 215 Meter hoch, erwartet den staunenden Besucher das grösste Höhlenportal der Welt! Es ist unmöglich, eine Fotografie vom gesamten Ausmass dieses gigantischen Portals zu schiessen. Aber dies ist nicht die einzige Attraktion dieser spektakulären Höhle: antike Stalagmiten haben sich von der Decke gelöst und auf dem Boden umgedreht – andere Speleothemen haben sich ineinander verschlungen und formen phantastische Gebilde.

nach obenFAUNA UND FLORA

Der Tourist lebt nicht von den Höhlen allein, er will natürlich auch etwas von der Fauna und der Flora des Gebiets kennen lernen. Dazu kann man praktisch den PETAR mit dem Parque Estadual Intervales, dem Parque Estadual Carlos Botelho und der Estação Ecológica de Xitué zusammenfassen, die alle aneinandergrenzen – dann hat man ein Gebiet von 200.000 Hektar kontinuierlichen Regenwaldes vor sich. Dies reicht aus, um auch solchen Raritäten wie dem gefleckten Jaguar, dem Mono-Cavoeiro (grösster Affe Amerikas, man kennt ihn auch als Muriqui) und der Harpye zu begegnen, die alle drei ein weites Territorium bevorzugen. Natürlich wird man solche Arten schwerlich auf den von Touristen frequentierten Pfaden antreffen, sondern muss für sie schon ein bisschen Zeit und Geduld mitbringen.

Aber neben diesen wahrhaften Raritäten, ist es möglich, anderen häufigeren Tierarten des Atlantischen Regenwaldes zu begegnen. Der Veado-mateiro, der Irara oder die Lontra und besonders viele Vogelarten, wie der Papagaio-de-peito-roxo oder der Jacutinga und viele andere, machen eine Wanderung interessant.

Die Flora ist besonders vielgestaltig im Gebiet des Atlantischen Regenwaldes, und die ökologische Kontinuität in dem besagten Gebiet ermöglicht das Überleben verschiedener Spezies, die genauso von einem zusammenhängenden Waldgebiet abhängig sind, wie bestimmte Tiere. Canelas, Cedros, Figueiras, Jatobás, Bucúvas und viele andere, sind solche Bäume. Eine Seltenheit ist zum Beispiel der Palmito-juçara, der als eine Art Schlüssel-Pflanze gilt: wo er auftritt, ist der Wald noch in Ordnung. Und er ist, mit seiner grossen Anzahl von Fruchtständen, verantwortlich für die Ernährung vieler Tierarten des Waldes. Diese Palmen-Art ist aus den nicht geschützten Wäldern fast völlig verschwunden – durch illegalen Raubbau! Wichtig für das Gleichgewicht im Wald ist auch eine Vielfalt von Epiphyten, Bromelien, Orchideen und Lianengewächsen, die Stämme und Kronen der grösseren Bäume „kolonisieren“, indem sie den unterschiedlichsten Arten von Wirbellosen und Amphibien zur Heimstatt dienen, die wiederum einer grossen Zahl der Fauna als Nahrung dienen.

Der PETAR ist in Wirklichkeit nur ein kleine Stück aus dem Ökosystem des Vale do Ribeira, das sich innerhalb einer privilegierten Region befindet, was sein Relief und seine Vegetation betrifft.

Ausserhalb des Parks hat dieses Gebiet noch viele weitere Höhlen und vor allem Naturschönheiten zu bieten.  Allein die Höhlen verteilen sich auf einen Radius von zirka 70 Kilometer, vom Zentrum des Parks aus gemessen – viele liegen ausserhalb der Einflussnahme durch die Park-Organisation – wie zum Beispiel auch die berühmte Caverna do Diabo, etwa 30 km von der Stadt Iporanga entfernt, im Distrikt von Eldorado:

nach obenDie Caverna do Diabo (die Höhle des Teufels)

Hinter diesem ausgesprochen provokativen Namen verbirgt sich die bekannteste Höhle – und entsprechend auch meist frequentierte – der gesamten Region. Wer über die BR-116, von São Paulo aus, anfährt, biegt in Jacupiranga rechts ab nach Eldorado – dort weiss jedes Kind den Weg zur Höhle.

Eine phantastisch schöne Höhle, in der man, um dem Publikum das Begehen und sich Zurechtfinden zu erleichtern, verschiedene Stege, Brücken und vor allem Beleuchtung eingebaut hat – gut gemeinte Einrichtungen, von denen man inzwischen lieber Abstand genommen hätte, denn ausser dem typischen Charakter einer Höhle zu verfälschen, haben sie leider auch noch dazu beigetragen, dass sich die Höhle nicht mehr in der gleichen Weise, wie erwartet, weiter strukturiert: es genügt zu bemerken, dass sich die Speleothemen durch die andauernde Beleuchtung mit Moos überziehen! Und, um die Misere noch zu steigern: Stege und Treppen haben dem angeborenen Vandalismus verschiedener Ignoranten auch noch Vorschub geleistet, indem sie Stalagmiten und Stalaktiten besser abschlagen und in ihrem Rucksack hinausschmuggeln konnten! Warum stellt man Höhlenbegehungen nicht grundsätzlich unter Führungspflicht?

Ein kleiner Fluss strömt zusammen mit den Besuchern durch die immensen Korridore und Salons – stets gräbt er sich ein bisschen tiefer ein – springt in kleinen Kaskaden über unregelmässige steinerne Terrassen. Hier gibt es Säulen, mit mehr als 5 Metern Durchmesser und 20 Metern Höhe! Die ersten Salons haben sogar eine lichte Höhe von bis zu 60 Metern! Man hat für den so genannten „touristischen Abschnitt“ der Höhle nur etwa 500 Meter zur Verfügung gestellt – wie gesagt, mit jenen touristischen Einrichtungen – die Höhle ist aber schon bis auf 8 Kilometer erforscht worden, und noch ist ihr Ende nicht abzusehen, was sie zu einer der grössten Höhlen Brasiliens macht!

nach obenDie Menschen der Region

Auch an Kultur ist diese Region im Süden des Bundesstaates São Paulo nicht arm! Kunsthandwerk (Keramik, Korbwaren, Holzschnitzerei), Feste und traditionelle Feierlichkeiten, weitreichende Kenntnisse von Heilkräutern und –pflanzen, verdeutlichen die tiefe Verwurzelung der Menschen, die sich in diesem Gebiet einst niedergelassen haben. Archäologische und historische Fundstätten führen die Geschichte menschlicher Besetzung der Region bis auf fast 10.000 Jahre zurück. Die Städte Iporanga und Apiaí sind historische Marksteine der europäischen Kolonisation. Die gesamte Region wurde von der UNESCO in den Stand eines Biosphärischen Reservats erhoben – „and  Heritage of Mankind“.


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