Namensgeschichten aus Rio

Veröffentlicht am 23. Oktober 2009

Rio de Janeiro

Die Guanabara-Bucht wurde 1502 von den Portugiesen entdeckt. Diese glaubten jedoch, sie wären auf die Mündung eines breiten Stromes gestossen, den sie Rio de Janeiro wörtlich „Fluss des Januar“ nannten, da sie im Januar hineingesegelt waren.

Die erst Jahre später gegründete Stadt hiess dann nach dem Hl. Sebastian São Sebastião do Rio de Janeiro. Irgendwann fiel dann auch noch São Sebastião weg, und so nannten die Einwohner ihre Stadt einfach Rio de Janeiro.

Blick vom Zuckerhut auf die Copacabana und Botafogo - Foto: sabiá brasilinfo

Blick vom Zuckerhut auf die Copacabana und Botafogo – Foto: sabiá brasilinfo

Guanabara-Bucht
„Guanabara“ bedeutet in der Sprache der im 15. Jahrhundert in Rio ansässigen Tamoio-Indianer wörtlich „Meeresarm“.

Cariocas
Die Menschen, die seit 1565 in Rio leben, nennen sich „cariocas“. Der Name kommt aus der Sprache der Tamoio-Indianer und bedeutet „Haus des weissen Mannes“ oder einfach „weisser Mann“.

Cidade maravilhosa
Das schöne Wort von der „cidade maravilhosa“, wörtlich „wunderbare Stadt“, stammt aus dem Roman „Os Sertanejos“ von Coelho Netto aus dem Nordosten Brasiliens, erschienen 1908. Netto beschrieb darin die „urbanen Wunder“ Rios, damals der Hauptstadt des Landes, die für die Armen des brasilianischen Hinterlandes schon damals eine magische Anziehungskraft besass.

Favela
Das Wort „favela“ hat seinen Ursprung im Nordosten Brasiliens. Die Entscheidungsschlacht in der blutigen Auseinandersetzung zwischen der Bundesregierung und religiösen Fanatikern aus Canudos in Bahia fand in Morro da Favela statt. Als die siegreichen Bundestruppen entlassen wurden, siedelten sich viele in Rio de Janeiro, auf dem Morro da Providência, an.

Ihre Gemeinde nannten sie Favela, die allmählich aufgrund schlechter Löhne und fehlender Infrastruktur auf den Hügeln zu einem Slumviertel verfiel. Seitdem heissen Rios Barackenviertel an den Berghängen „favelas“.

Copacabana
Das Wort „copacabana“ stammt aus der Sprache der Quechua-Indianer, die um den Titicacasee an der Grenze zu Peru und Bolivien leben. Copa bedeutet „leuchtender Ort“ und Caguana bedeutet „blauer Strand„. Als die Spanier im 16. Jahrhundert zum Titicacasee vordrangen, entdeckten sie einen bei den Indianern als heilig geltenden Ort namens Copa Caguana.

Die Spanier errichteten dort ihre eigene Kapelle, in der sie das Standbild von Nuestra Senora da Candelária aufstellten. Die Indianer nannten ihren Ort nach ihrer Christianisierung jedoch weiter Copa Caguana, aus dem dann Copacabana wurde.

Jahrzehnte später liess ein mit Silber handelnder Kaufmann eine Kopie des Standbildes vom Titicacasee machen und schenkte es der Diözese von Rio. Es wurde in einer kleinen Kapelle an einem entfernten Strand namens Scopenapa aufgestellt und zog Gläubige aus ganz Rio an.

Zuerst sagten die Pilger: „Ich gehe nach Cacopenapa, Nossa Senhora de Copacabana besuchen“, später sagten Sie: „Ich gehe Copacabana“ besuchen. So bewahrten sie Rios wohl bekanntesten Strand davor, für immer Sacopenapa zu heissen, eine Tupi Bezeichnung, die soviel bedeutet wie „der Lärm und das Klatschen der Reiher“.

Ipanema
Das Wort „Ipanema“ entstammt der Sprache der Tamoio-Indianer und bedeutet „gefährliches Gewässer„.

Leblon
„Leblon“ ist wie viele Bezirke in Rio nach dem ersten nennenswerten Grossgrundbesitzer dieser Breiten benannt, dem Franzosen „Charles Le Blon„.

Flamengo
Der Name Flamengo geht auf den Krieg zurück, der die Holländer aus dem nordöstlichen Kolonialgebiet vertreiben sollte.

Die holländischen Kriegsgefangenen, meist Flamen, Flamengos im Portugiesischen genannt, waren in Gefangenlagern in den damals ausserhalb gelegenen Bezirken untergebracht. Viele Jahre hiess deshalb die Gegend Campos dos Flamengos, später verkürzt Flamengo.