Serra do Cipó

Veröffentlicht am 22. Oktober 2009

Der von Belo Horizonte nur 96 km entfernte Nationalpark (gegründet 1984) hat eine Gesamtfläche von 33.800 Hektar und einen Umfang von 154 km. Er befindet sich im zentralen Bereich des Bundesstaates, auf einem südlichen Ausläufer der Serra do Espinhaço, in den Distrikten „Jaboticatubas, Santana do Riacho, Morro do Pilar“ und „Itambé do Mato Dentro“, auf einer Höhe zwischen 1.100 und 1.600 m.

Klima
Tropisches Höhenklima mit frischen Sommern und einer gut definierten Trockenperiode. Die mittleren Jahrestemperaturen liegen bei 22º C – die jährliche Niederschlagsmenge bei 1.622 mm.

Der den Park durchquerende Rio Cipó und seine Zuflüsse überwinden sprunghafte Höhenunterschiede in zahlreichen Kaskaden und Wasserfällen von faszinierender Schönheit, darunter, zum Beispiel, der „Cachoeira da Farofa“, der in sieben untereinander liegenden Fällen 270 Meter hinabstürzt und Natur-Pools zum Baden geformt hat. Die Wasserfälle „Usina“ und „Congonhas“ werden von den Adepten des „Rappel“ bevorzugt. Durch den „Canyon das Bandeirinhas“, mit 4 km Ausdehnung, erreicht man am Ende den „Cachoeira das Braúnas“, mit 65 m freiem Fall und einem Natur-Schwimmbecken. Ausserhalb des Parkgebiets gibt es weitere Wasserfälle, wie den „Véu da Noiva“, den „Cachoeira de Baixo“, den „Cachoeira Grande“ und den „Cachoeira dos Confins“ – in privatem Gelände. Im Park ist Wandern, Reiten, Rappel, Kajakfahren, Klettern und Mountainbiking möglich.

Kulturelles
Der historische und kulturelle Wert des Gebiets besteht aus prähistorischen Felsmalereien und archäologischen Fundstätten. Den Namen des Parks will man einerseits vom durchquerenden Flüsschen „Cipó“ abgeleitet sehen, der sich durch das Tal schlängelt, andererseits von einem Waldstück innerhalb des Parks, welches durch seine dicht ineinander verschlungenen Lianen (Cipós) eine regelrechte Barriere bildet. Übrigens kannten schon die Bandeirantes diesen schönen Ort, da sie hier aber kein Gold entdeckten, wurde er wieder vergessen.

Vegetation
Die Pflanzenwelt dieses Gebiets ist besonders vielgestaltig und hochgradig endemisch. Ausserdem enthält es viele aussergewöhnliche Beispiele für brasilianische „Campos Rupestres“ (Bewuchs auf Felsen). Im Gesamt sind hier anzutreffen: „Campos Cerrado, Campos Rupestres, Campos de Altitude“ (hochgelegene Campos) und „Mata Galeria“ (Galerie-Wald). Häufig sind „Quaresmeiras“ (Tibouchina granulosa), „Copaíbas (Copaifera officinalis, Lin.), „Sempre-Vivas“ (Helichrysum bracteatum, Andr.), „Bromélias“ (Bromeliaceae), „Cactos“ (Cactaceae) und „Orchideas“ (Orchidaceae).

Fauna
Die Tierwelt des Gebiets ist sehr artenreich aber wenig bekannt. Auch unter den Tieren sind viele endemische Arten – besonders Insekten und Amphibien.
Wie überall, auch hier einige gefährdete Arten: der „Lobo-Guará“ (Chrysocyon brachyurus), der „Cachorro-do-mato-vinagre“ (Speothos venaticus), „Tamanduá-Bandeira“ (Myrmecophaga tridactyla), „Veado-Campeiro“ (Ozotocerus bezoarticus), „Onça Parda“ (Puma concolor) und „Gato-maracajá“ (Felis macrura).

Unter den verschiedenen, den Park gefährdenden Problemen, sind die Rinder der Anwohner das grösste. Sie grasen teilweise, und mit Wissen ihrer Besitzer, auf dem Gelände des Parks, wo sie irreparable Schäden verursachen. Andere Probleme, wie Feuer und Kristall-Schürfer innerhalb des Parks beeinträchtigen den Naturschutz.

Besonders empfehlenswerte Wasserfälle:
Véu da Noiva“ (70m), Canyoning, Pool zum Baden. 5 Minuten Fussweg über einfachen Weg (300m). (Landstrasse MG-010 Richtung „Serro“ – km 100, Zufahrt „Camping ACM“, 3km).

Cachoeira da Farofa“ (270 m Höhenunterschied in sieben Fällen). 1 Stunde und 30 Minuten Wanderung über einfachen Weg (8km).

Cachoeira da Capivara“ (zwei Fälle von 50m und 54m) mit schönen Natur-Pools zum Baden. 1 Stunde Fussweg über einfachen Weg. (Zufahrt über die MG-010 Richtung „Serro“ – 23km, davon 20km Erdstrasse).

Cachoeira Taioba“ (240 m Höhenunterschied in 3 Fällen). 2 Stunden Wanderung auf einem Weg mit mittleren Schwierigkeitsgrad (10 km). In der Trockenzeit geht die Wassermenge zurück. Ein Guide ist unbedingt zu empfehlen.

Canyon das Bandeirinhas“ (Verschiedene Fälle auf 4 km Länge der Serra das Bandeirinhas.) 3 Stunden Wanderung auf Weg mit mittlerem Schwierigkeitsgrad (11 km). Guide empfohlen.

Cachoeira das Braúnas“ (65 m) – am Ende des Canyon das Bandeirinhas. 7 Stunden Wanderung auf schwierigem Weg (15 km) – nur mit Guide.

Cachoeira do Cornélio“ – Serie von Fällen und Pools mit leichtem Zugang. An den Wochenenden in der Regel überlaufen. Strasse nach „Vau da Lagoa“ km 5 „Pousada Serra Morena“, 10 km (davon 7 km Erdpiste).

Cachoeira Congonhas“ (25 m) – Canyoning, Besuch nur mit Guide und Genehmigung der IBAMA. 1 Stunde Wanderung auf mittelschwerem Pfad (6 km). (26 km – davon 23 km Erdpiste).

Andere – „Morro da Pedreira“ ist ein Berg zum Klettern und für Rappel. Zufahrt am km 100 der Landstrasse MG-010 in Richtung „Serro“, 4 km.

Travessão“ ist die Wasserscheide zwischen dem Becken des Rio São Francisco und dem Rio Doce. Man hat von hier einen Blick auf beide Canyons. 3 Stunden und 30 Minuten Wanderung auf schwierigem Weg (12 km). Zugang nur mit Guide und Genehmigung der IBAMA – 30 km (davon 27 km Erdpiste).

Lagoa Dourada“ – die goldene Lagune – ist ein kleiner See, der das Licht auf der Vegetation reflektiert und damit einen wie mit Gold übergossenen Effekt hervorruft. 5 Stunden Wanderung auf schwierigem Weg (18 km).

Die Infrastruktur bietet unter anderem: Ein Administrations-Zentrum mit Empfang und Besucher-Zentrum (mit Auditorium, Radio-Station und Kontroll-Einheit). Unterkünfte für Wissenschaftler, Laboratorium, Wohnungen für Administration, zwei Park-Eingänge, Abstellraum, Werkstatt, Büro. Verschiedene Kontroll-Posten, Unterkünfte für Mitarbeiter, Maschinen- und Fahrzeugpark, Kommunikations-Zentrum und 7 km interne Strassen. 13 Angestellte der IBAMA und 12 Mitarbeiter für Kontrollen und Instandhaltung.

Der Nationalpark Serra da Cipó ist täglich zwischen 8:00 und 17:00 geöffnet und kostet zirka 3 USD Eintritt. Beste Jahreszeit für den Besuch sind die Monate Juni, Juli und August.

Anfahrt
Von Belo Horizonte aus über die Landstrassen MG-010 (über „Lagoa Santa“) bis zum Kilometer 96 – neben der Brücke über den Rio Cipó noch weitere 3 km Erdpiste bis zum Besucher-Zentrum des Nationalparks. Entfernung von Belo Horizonte zirka 100 km.


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