Serra da Canastra

Veröffentlicht am 22. Oktober 2009

Bekannt als „Wiege des Rio São Francisco“ und durch seinen berühmten Wasserfall „Cachoeira da Casca d’Anta“, mit 188 Metern direktem Fall, haben wir mit diesem Park ein wahres ökologisches Heiligtum vor uns, in dem weitere 50 Wasserfälle dem Besucher ein unvergessliches Schauspiel bieten – fast die Hälfte davon mit mehr als 80 m Fallhöhe!

Mit einer Fläche von 71.525 Hektar und einem Umfang von 173 km, liegt der 1972 gegründete Park auf über 1.200 Metern Höhe, in den Distrikten „São Roque de Minas, Sacramento“ und „Delfinópolis“, im Südwesten von Minas Gerais. Sein Relief ist 900 Millionen Jahre alt und sehr zerklüftet, mit Schluchten, Höhlen und Felswänden, über die sich phantastische Wasserfälle ergiessen.

Klima
Subtropisch, leicht feucht – die mittleren Temperaturen liegen zwischen 17º und 23º Celsius. Der kälteste Monat ist Juli und die heissesten Monate sind Januar und Februar. Der mittlere Niederschlagswert pro Jahr liegt zwischen 1.300 mm und 1.700 mm.

Kulturelles
Im nördlichen Abschnitt des Parks hat man repräsentative archäologische Funde gemacht, wie zum Beispiel Höhlenmalereien, Knochen-Fossilien, Steinäxte und Keramik-Reste. Die lokale Folklore ist reich an Legenden über die Region und es gibt einige historisch bedeutende Orte.

Der Park wurde in erster Linie gegründet, um das Quellgebiet eines der wichtigsten Flüsse Brasiliens, des Rio São Francisco, zu schützen. An der zentralen Erdpiste, die den Park durchquert, sind die Abzweigungen mit den entsprechenden Sehenswürdigkeiten markiert.

In seinem unteren Teil, der von dem Flecken „São José do Barreiro“ angefahren werden kann, bietet der Park den schönsten Blick auf den schon erwähnten Wasserfall „Cachoeira da Casca d’Anta“. Ein steiler Pfad führt hinauf zum Scheitelpunkt des Wasserfalls.

Vegetation
Die typische Vegetationsart sind die „Campos de altitude“ (Campos der Hochebene). Daneben gibt es „Campos rupestres“ (Campos mit bewachsenen Felsen) und einen geringen Anteil Galeriewald, mit Flecken von Cerrado. Innerhalb dieser Szenerie trifft man auch auf endemische Spezies, wie die „Canela-de-Ema“ (Lauraceae), die „Arnica“ (Arnica montana, Lin.) und die „Arnica-do-Campo“ (Arniceae).

Fauna
An weniger frequentierten Stellen, wie zum Beispiel am Nordwest-Eingang „Sacramento“, kann man seltenen Tieren, wie dem „Lobo Guará“ (Chrysocyon brachyurus), dem „Tamanduá Bandeira“ (Myrmecophaga tridactyla), dem „Veado Campeiro“ (Ozotocerus bezoarticus), dem „Carcará“ (Polyborus plancus), dem „Seriema“ (Cariama cristata), „Tucanos“ (Ramphastos toco) und dem höchst gefährdeten „Pato Mergulhão“ (Tauch-Ente) begegnen. Der Park ist ein wahres Vogelparadies und beherbergt zahlreiche Arten von Reptilien, Amphibien und Fischen.

Besonders empfehlenswerte Wasserfälle: „Casca d’Anta“ (188 m) – ist der erste Wasserfall des Rio São Francisco. Der Zugang zu seinem unteren Teil führt über die Strasse nach „São José do Barreiro“, 44 km, und den dortigen Eingang zum Park. Innerhalb ist es 15 Minuten Fussweg auf leicht begehbarem Weg. Um den oberen Teil des Falls zu erreichen, nimmt man den Eingang „São Roque“ (Haupteingang), 28 km, anschliessend noch 5 Minuten Weg, auf dem man an Natur-Pools vorbeikommt. Ein steiler Aufstieg von 2 km verbindet beide Teile (1,5 Stunden Aufstieg).

Cachoeira do Cerradão“ (120 m) – heisst auch „Cachoeira da Montanha“ – hier gibt es einen Lehrpfad und Natur-Pool – geeignet für Rappel. Anfahrt über die Strasse nach „Os Leites“, 14 km.

Cachoeira do Jota“ – heisst auch „Cachoeira Guritis“ – Serie von 3 Fällen und Natur-Pool. Anfahrt über die Hauptstrasse innerhalb des Parks, 41 km.

Cachoeira do Fundão“ (90 m) – heisst auch „Cachoeira da Gameleira“ – mit Natur-Pool. Anfahrt über die Hauptstrasse innerhalb des Parks, 46 km.

Cascata do Rolim“ – heisst auch „Cascata dos Rolinhos“ – wid von dem Bach „Corrego da Mata“ geformt und hat verschiedene Natur-Pools zum Baden. Anfahrt über die Hauptstrasse innerhalb des Parks, 31 km.

Cachoeira do Nego„, um zu diesem wunderschönen Fall zu gelangen, hat man eine einstündige Wanderung auf einem Weg mittleren Schwierigkeitsgrades vor sich. Erfrischende Natur-Pools erwarten den Besucher. Es empfiehlt sich, einen Guide mitzunehmen. Anfahrt über die Strasse nach „Os Leites“, 16 km.

Interessante Ausflüge
„Fazenda do Capão Forro“ ist ein privates Farmgelände mit Infrastruktur für einen angenehmen Aufenthalt, mit bezaubernder Landschaft und vielen Wasserfällen zum Baden und Cascading-Sport. Strasse zum Haupteingang „São Roque“, 2,5 km (davon 1 km schwierige Piste).

Ausflug zu Pferd zum Wasserfall „Cachoeira das Orquídeas“ – zeitweise recht steiler Weg. Dauer des Ausflugs ist 6 Stunden (hin und zurück), 6 km. (Einzelheiten bitte anfragen).

Abenteuerliches
Praktizieren Sie das „Cascading“, mit einheimischen Profis dieses Sports am Wasserfall „Cachoeira do Cerradão“ (120 m). Achtung: die Agenturen verlangen wenigstens 2 Jahre Praxis in dieser Disziplin! Andere Optionen sind der „Cachoeira do Nego“ (45 m) und der „Capão Forro“ (50 m), wo man, ohne Erfahrung, diesen Sport lernen kann.

„Trekking zum Wasserfall Antônio Ricardo“ – ist eine einstündige Wanderung in steilem Terrain bis zu dem besagten Wasserfall, mit einem Natur-Schwimmbecken. Hier ist ein Guide unbedingt erforderlich. Anfahrt über die Strasse nach „Os Leites“, 30 km.

Versäumen Sie auf keinen Fall: Die „Nascente do Rio São Francisco“ – die Quelle des São Francisco, des Flusses, der fünf brasilianische Bundesstaaten durchquert. Als Markierung steht an der Quelle ein Standbild des Heiligen Franziskus. Anfahrt über die Hauptstrasse innerhalb des Parks, 5,5 km.

Die Infrastruktur bietet unter anderem: Unterkünfte für wissenschaftliche Gäste, einen Administrations-Sitz, ein Büro, Feuerwehr-Quartiere, ein Museum, ein Besucher-Zentrum mit Ausstellungsraum, Auditorium (45 Personen), Büro des Direktors, Laboratorium, Imbiss und Bibliothek. Vier Park-Eingänge, drei Wachposten, zwei Kioske, Unterstand für Touristen, Toilette, Picknick-Areal, 160 km interne Strassen, 30 km Stege. Kommunikations-System, Maschinen- und Fahrzeugpark. Zahl der Mitarbeiter : 22 Personen der IBAMA und 14 Personen zur Aufsicht und Instandhaltung.

Die „Zehn Gebote“ des Park-Reglements: „Damit Ihr Besuch Ihnen auch die erwartete Befriedigung bringt, folgen Sie bitte folgenden Anweisungen:

  • Zu ihrer Sicherheit sind Mitbringen und Konsum alkoholischer Getränke nicht gestattet.
  • Das Mitbringen und die Benutzung von kollektiven Tonträgern ist nicht gestattet, weil sie sowohl die Tiere als auch die Besucher stören.
  • Innerhalb des Parks ist der Verkehr nur auf für Besucher offenen Wegen gestattet. Maximale Geschwindigkeit ist 40 km/Std.
  • Bei Ihrem Besuch im Park bitte nichts einsammeln, besonders keine Pflanzen, Tiere oder Steine.
  • Zu Ihrer Sicherheit ist das Praktizieren radikaler Sportarten innerhalb des Parks nicht gestattet (die angegebenen Sportarten finden an Stellen ausserhalb des Parks statt!)
  • Nur im unteren Teil des Parks sind Churrascos (Picknicks) gestattet.
  • Nach Ihrem Besuch im Park bringen Sie bitte Ihren Müll bis zum Parkeingang mit zurück.
  • Das Mitbringen von Haustieren in den Park ist nicht erlaubt.
  • Grundsätzlich dürfen in Nationalparks keinerlei Waffen oder sonstige Gerätschaften mitgebracht werden, die zur Jagd, dem Fischfang oder zum Schneiden dienen.
  • Zu Ihrer persönlichen Sicherheit ist die Benutzung von bequemen, geschlossenen Schuhen aus rutschfestem Material zu empfehlen.

Der Nationalpark Serra da Canastra ist täglich zwischen 8:00 und 18:00 geöffnet und kostet zirka 1 USD Eintritt. Beste Jahreszeit für den Besuch sind die Monate April bis Oktober.

Anfahrt
Die meist benutzte Zufahrt ist die Landstrasse MG-050 in Richtung „Piumhi“. Von dort sind es 63 km nach „São Roque de Minas“ – davon 30 km asphaltiert und 30 km Erdstrasse. Dann noch 7 km Erdstrasse zum Eingang des Parks. Um zum Eingang „Casca d’Anta“ zu gelangen – 39 km von „São Roque de Minas“ – nimmt man die Erd-Strasse nach „Vargem Bonita“ und fährt dann in Richtung „São José do Barreiro“ weiter (wo es auch Benzin gibt).

Und die dritte Option ist der Eingang „Sacramento“ und von dort quer durch den Park, vorbei an den Zufahrten zu den Sehenswürdigkeiten. Die nächstgelegenen Städte dieses Eingangs sind: „Sacramento“ (79 km) und „Delfinópolis“ (84 km), beide über Erdstrasse. Die Entfernung zur Hauptstadt Belo Horizonte beträgt 330 km.


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