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Tiradentes

Veröffentlicht am 22. Oktober 2009

Gründung: 1849
Lage: 927 Meter über Meer
Bevölkerungszahl: 6.547 (Stand 11/2007)
Grösse/km2: 83 km2
Bevölkerungsdichte/km2: 78,87 Einw./km2
Regenzeit: November bis Januar

Dieser wunderschöne kleine Ort, mit 9 Strassen und 8 Kirchen, am Fuss der grünen Serra de São José, scheint überhaupt noch nicht in unser Jahrhundert zu gehören: Er liegt auf einem Hügel, unterhalb eines gewaltigen Berges und war zur Goldgräberzeit der Rivale des Nachbars São João del Rei. 1702 entstand hier die erste Siedlung entlang dem Rio das Mortes.

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Unbenannt
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1718 war eine richtige Kleinstadt entstanden – in der lebte „Joaquim José da Silva Xavier“, den der Volksmund „Tiradentes“ – Zahnzieher, nannte. Er wurde zum Nationalhelden, als er 1789 die Widerstandsbewegung „Inconfidencia Mineira“ anführte, die eine Unabhängigkeit Brasiliens von der portugiesischen Krone forderte.

Man hat ihn am 21. April 1792 hingerichtet. Als dann später 1889 endlich die Republik ausgerufen wurde, änderte man ihm zu Ehren den Namen der Stadt in „Tiradentes“ um (siehe auch: Der Nationalheld „Tiradentes“).

Das Örtchen mit über 6.500 Einwohnern ist sicher für viele Besucher ein Traum von Ruhe und Beschaulichkeit. Wie eine Fahrt in der Zeitmaschine, zurück in ein längst vergangenes Jahrhundert, wenn man nicht gerade an Ostern, Weihnachten oder sonst einem besonderen Festtag hierher kommt, denn dann wimmelt es auch hier von mehr oder weniger ausgeflippten Typen, die eben auch mal das Gefühl der Zeitmaschine auskosten wollen. Aber das gilt grundsätzlich für alle historischen Städte in Minas – besonders natürlich für Ouro Preto: wenn Sie Ruhe und Beschaulichkeit suchen, dann niemals zwischen Dezember bis Karneval oder Ostern buchen – wenn Sie aber mal brasilianischen Trubel kennen lernen wollen, bitte sehr, dann buchen Sie genau dann – aber bitte weit im Voraus!

nach obenHier die schönsten Sehenswürdigkeiten, die Sie sich ansehen sollten:

Die „Matriz de Santo Antonio“ (1710/1736) eine Kirche, die schon im Jahr 1710 gebaut wurde und dann 1736 erweitert, mit einigen der feinsten Holzschnitzereien des Landes und einer Rokoko-Orgel, die aus „O Porto“ in Portugal stammt – 1790 wurde sie herübergebracht. Eine holzgeschnitzte Balustrade trennt die Kirchenbänke im Hauptschiff von den reich mit Schnitzwerk versehenen Seitenschiffen und Altären. Insgesamt eine Ausstattung mit vielen künstlerischen Inhalten, an deren Erweiterung auch Meister Aleijadinho mitgewirkt hat.

Nossa Senhora do Rosário dos Pretos“ (1708/1727) ist ein Gotteshaus, das von schwarzen Sklaven errichtet und für ihre eigene Nutzung bestimmt war. Die interessante Kirche steht in der in der Rua Direita und wurde von der „Irmandade dos Pretos Cativos“ (Bruderschaft der gefangenen Schwarzen) im Lauf von neunzehn Jahren fertig gestellt. Auf den beiden Seitenaltären sind auch Heiligenfiguren der Schwarzen zu finden, hinter denen sich die originalen afrikanischen Naturgötter verbargen (siehe „Synkretismus/Bahia“).

Nossa Senhora das Mercês dos Pretos Crioulos“ aus dem 18. Jahrhundert (genaues Datum unbekannt) war die Stammkirche der „Crioulos“, der Mulatten und wurde auch von einer entsprechenden Bruderschaft, der „Irmandade dos Homens Pardos“ errichtet. Sie enthält, unter anderem, einen interessanten Altar im Rokoko-Stil.

Es gibt, wie schon gesagt, noch andere Kirchen in diesem kleinen, verschlafenen Ort – die „São João Evangelista“ auf dem „Largo do Sol“, zum Beispiel und die Armenkirche „Bom Jesus da Pobreza“ auf dem „Largo das Forras“ – oder das „Santuário da Santíssima Trindade“ – aber wir möchten hier ja nicht nur Kirchen empfehlen, obwohl deren Besichtigung zu einer Sucht werden kann, besonders in Minas Gerais.

Aber besonders interessant ist es doch noch, wenn Sie sich die Mühe machen und auf den grasbewachsenen Hügel „Morro de São Francisco“ hinaufsteigen – von der Kapelle „São Francisco de Paula“ (18. Jahrhundert) haben Sie einen unvergesslichen Blick auf die Kleinstadt und ihre Umgebung – die Kapelle selbst ist für Besuche nicht geöffnet.

Auf dem „Largo do Sol“, neben der „São João Evangelista“ Kirche, befindet sich das „Museu do Padre Toledo“ – Wohnhaus eines Priesters, der ebenfalls beim „Inconfidencia-Aufstand“ eine führende Rolle spielte: In den 18 Zimmern diese Hauses trafen sich heimlich die Verschwörer. Heute werden hier Antiquitäten, besonders feine alte Möbel, aus der Gegend gezeigt. Das „Sobrado Ramalho“, aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, ist das älteste Gebäude von Tiradentes. Es wird angenommen, dass man in ihm das gefundene Gold geschmolzen und in Barren gegossen hat. Das Gebäude ist sehr schön restauriert worden und beherbergt ein Kultur-Zentrum. Innen befinden sich einige schöne Schnitzereien in Seifenstein.

Chafariz de São José“ – der wunderschöne alte Brunnen von 1749, mit drei Wasserspeiern und einer Terrakota-Plastik des „São José de Botas“, liefert Wasser aus einem steinernen Aquädukt, der von Quellen in der die Stadt umgebenden Serra de São José gespeist wird. Der Brunnen wird immer noch benutzt – zum Trinken, Wäsche waschen oder um Tiere zu tränken.

Serra de São José“ dieses wohlgestaltete Gebirge, mit einem naturgeschützten Wald, ist ebenfalls einen Ausflug wert. Hier gibt es schöne Wanderwege, klare Gebirgsbäche und viele Wasserfälle. Der einfachste Zugang liegt hinter dem Brunnen „Chafariz de São José“ – dort wird zwischen Mittwoch bis Sonntag eine schwarze Tür geöffnet, durch die man innerhalb von fünf Minuten im Wald ist. Wenn man dem Wasserlauf folgt, kann man einen Einblick in die Vogelwelt tun und mit ein bisschen Glück sogar Affen begegnen.

Hinter der „Mercês-Kirche“ führt ein Weg hinauf in die Serra. Fragen Sie nach den einzelnen Richtungen, oder nehmen Sie einen Führer mit. Es gibt einen interessanten Fussweg von Tiradentes nach „Balneário de Águas Santas“, mit einem Schwimmbad und einem See – ungefähr zwei Stunden. Dabei durchquert man das Gebirge und kommt auch an dem neueingerichteten Stadtpark „Parque Frei Mariano Velloso“ vorbei, in dem ein herrlicher Wasserfall zu sehen ist, der „Cachoeira do Mangue“.

Und noch eine Möglichkeit: Man kann den Ausflug ins Gebirge auch zu Pferd unternehmen – ungefähr zwei Stunden – fragen Sie im Ort nach dem wie und mit wem!