Serro

Veröffentlicht am 22. Oktober 2009

Der kleine Ort liegt in der Nachbarschaft von Diamantina – nur 60 km südlich – umgeben von hohen Felsformationen (940 m).
Die Geschichte der Stadt begann erst 230 Jahre nach der Entdeckung Brasiliens, als der Bandeirante „Fernão Dias Pais Leme“, aus São Paulo, die Region nach Smaragden und anderen Edelsteinen durchstreifte. Er fand Diamanten und die Gegend nahm einen ähnlichen Aufschwung wie Diamantina – wenn auch den Funden entsprechend ein wenig bescheidener.

„Serro“ liegt ebenfalls weitab von jeglichem Tourismus und hat sich bis heute traditionelle Eigenheiten bewahrt, die vielen anderen Städten von Minas schon längst abhanden gekommen sind.

Unter sechs wunderschönen Barock-Kirchen sollte man sich die „Igreja de Santa Rita“ ansehen, sie wurde von den Sklaven erbaut und liegt auf einer Anhöhe, mit der schönsten Sicht über den Ort, welche man über 53 Stufen erreicht, die gesäumt sind von gut erhaltenen kolonialen Gebäuden – unter ihnen der Palast des „Barão de Diamantina“ – das Rathaus mit seinen 40 Zimmern, die man angelegt hatte um Dom Pedro II zu empfangen, der aber nie kam – und das  „Haus der Familie Otoni“. Auf dem zentralen Platz, unterhalb der Treppenstufen, steht die „Igreja Nossa Senhora do Carmo“ mit Arkaden und schönen Original-Gemälden an den Wänden des Kirchenschiffs und im Chorbereich. Empfehlenswert ist auch die „Chácara do Barão de Serro“, mit einer Küche ganz aus Seifenstein, bunten Fenstern und einem sehenswerten antiken Brunnen. 

Alles in allem ist in Serro das 18. Jahrhundert ungestört erhalten geblieben und dieser Eindruck verstärkt sich besonders während des religiösen „Rosário-Festes“, am ersten Sonntag im Juli – an dem man die traditionellen Kostüme auf der Strasse zeigt. Wirtschaftlich existiert die Gemeinde heute von der Viehzucht – berühmt ist ihre Käsefabrikation. Eine schöne Landschaft zum Wandern, Klettern, Kajakfahren, Fahrrad- oder Mountainbike-Touren.

Der „Pico de Itambé“ (2.044 m) ist ein Berg im Bereich von „Serro“ (23 km), in einer der schönsten gebirgigen Regionen des Bundesstaates Minas Gerais. Von hier oben hat man eine phantastische Aussicht auf fünf in die grüne Landschaft eingebettete Städte der Umgebung.

Aber alles hat seinen Preis – diesen Gipfel zu erklimmen ist eine etwas anstrengende Sache, und für die 10 km steilen Aufstieg brauchen kleine Gruppen im Durchschnitt 4 Stunden. Um an einem einzigen Tag hinauf und wieder herunterzukommen, sollte man extrem früh starten und möglichst ohne hinderndes Gepäck wandern.

Die Jugend von „Santo Antônio do Itambé“ brüstet sich, dass sie den Weg in zwei Stunden schafft – sogar nachts – aber das ist Quatsch, um jemanden zu imponieren – es gab nämlich andererseits schon Wanderer, die 7 Stunden gebraucht haben – für einen Weg. Auf jeden Fall hält diese Bergbesteigung einige Überraschungen bereit, mit zwei wunderschönen Wasserfällen unterwegs, die zum Baden einladen und kurz vor dem Gipfel einer Brücke, auf der einem ganz schon das Adrenalin überläuft! Fälle, in denen sich Personen auf dem Weg zum oder vom Gipfel verirrt haben, sind nicht selten. Obwohl man den Gipfel während des gesamten Weges vor sich sieht, insofern also bezüglich des Ziels keine Zweifel aufkommen, ist doch der Weg selbst an gewissen Stellen nicht ungefährlich – Spalten im Fels sind zu überwinden, und der eine oder andere Canyon kann zu Unfällen führen. Niemand in Santo Antônio empfiehlt diesen Weg ohne einen ortskundigen Guide!

Die Distrikte Santo Antônio, Serro und Serra Azul werden zum Teil von dem neugegründeten staatlichen Naturpark „Parque Estadual do Pico de Itambé“ erfasst: 4.696 Hektar, gegründet am 21. Januar 1998.

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Der kleine Ort mit dem langen Namen liegt in der Nachbarschaft von „Serro“ – nur 65 km südlich und 164 km von Belo Horizonte – im östlichen Ausläufer der Serra do Espinhaço. Er gehört ebenfalls zu den historischen Städten in Minas Gerais, obwohl er auch eine besondere Natur-Attraktion besitzt: den höchsten Wasserfall des Bundesstaates und drittgrössten Fall Brasiliens – den „Cachoeira do Tabuleiro„, mit 273 m Fallhöhe!

Die Botocudo-Indianer waren die ersten Bewohner der Region. 1701 formierte sich ein Trupp Bandeirantes in Sabará, unter dem Befehl von „Coronel Antônio Soares Ferreira“, um die Region näher zu erkunden, die damals unter dem Namen „Serro do Frio“ bekannt war (das heutige „Serro“).

Dort angekommen, lösten sich „Gaspar Soares, Manoel Corrêa de Paiva“ und „Gabriel Ponce de Leon“ von der Truppe und marschierten gegen Süden. Die Gründung des heutigen Distrikts war eine Konsequenz aus ihren Goldfunden am Ufer des Flüsschens „Santo Antônio“. Die erste Karawane von Goldschürfern, welche in dieses neuentdeckte Gebiet strömte, gründete auf ihrem Weg dorthin verschiedene Camps, die sich später zu Siedlungen entwickelten.

Noch im gleichen Jahr der Entdeckung der Minen liess Gabriel Ponce de Leon eine Kapelle vor Ort bauen, die er der „Virgem Imaculada“ widmete und der Siedlung den Namen „Conceição“ gab. Durch das reichlich vorhandene Gold entwickelte sich die Siedlung rasch und die Bürger bauten sich ähnlich vornehme Villen, wie in Diamantina oder in Serro. Nach der brasilianischen Unabhängigkeit bekam sie den Namen „Conceição do Mato Dentro“ und den Status einer Kleinstadt.

Heute existiert der kleine Ort vom Kaffee-Anbau und der Rinderzucht, denn, wie überall, hat man alles Gold längst ausgebeutet. Im historischen Zentrum gibt es ein paar interessante koloniale Gebäude und Kirchen zu besichtigen, unter denen besonders die „Nossa Senhora da Conceição“, von 1716, einen Besuch verdient. Sie präsentiert Gemälde von „Silvestre de Almeida Lopes“, einem Schüler des Meisters Ataíde, aus Mariana.

Den Wasserfall „Cachoeira do Tabuleiro“ erreicht man, vom Ort aus, nach einer gemütlichen Wanderung von 4 km (etwa 1,5 Stunden), er hat ein schönes Naturbecken zum Baden – empfehlenswert mit Führer! Es gibt noch drei weitere Wasserfälle in derselben Gegend, die ebenfalls sehenswert sind, sodass man eine Besichtigung mit ein bis zwei Tagen Aufenthalt in dieser schönen Gegend verbinden sollte.

Die anderen drei Fälle sind:
Der „Cachoeira da Cornicha“, mit 70 m Fallhöhe, Wanderung von 3 km auf einem moderaten Weg – schöne Pools zum Baden. Der „Cachoeira Três Barras“, mit 15 m Fallhöhe, Bade-Pool – den kann man von der Landstrasse MG-010 aus direkt anfahren (am km 149 abbiegen – 17 km, davon 3 km Erdpiste). Und den „Cachoeira do Pari“, eigentlich nur Stromschnellen, mit schönem Bade-Pool – leicht vom Ort aus in 20 Minuten Fusswanderung zu erreichen.