Ouro Preto

Veröffentlicht am 22. Oktober 2009

Ouro Preto ist wohl die bekannteste Kolonialstadt in Brasilien. Sie liegt in Minas Gerais auf 1.179 Metern über dem Meer und besticht durch herrlich ausgeschmückte Kirchen, Kolonialbauten und einem Hauch des ehemaligen Golbfieber, welches die Region bis nach Europa berühmt machte.

Gründung: 1711
Lage: 1.179 Meter über Meer
Bevölkerungszahl: 70.281 (Stand 11/2010)
Grösse: 1.245 km2
Bevölkerungsdichte: 56,41 Einw./km2
Regenzeit: November bis März

Aus der Geschichte

„Antonio Dias de Oliveira“ befehligte einen Trupp Bandeirantes – jener aus São Paulo stammenden portugiesischen Söldner, die auf der Suche nach Reichtümern das ganze Land durchkämmten. Am 24. Juni 1698 stiessen sie auf so reiche Goldvorkommen im heutigen Minas Gerais, dass in dieser Gegend ein wahres Goldfieber ausbrach.

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König Dom João V. beeilte sich, für die Krone in Portugal das gesetzliche „Königliche Fünftel“ einzutreiben. Eine Kette von Posten wurde errichtet, deren königliche Steuereintreiber alles gefundene Gold einzuschmelzen hatten, um ein Fünftel davon gleich einzubehalten. Eine beliebte Methode, den Goldstaub an den verhassten Eintreibern vorbeizuschmuggeln, war das Verstecken in hohlen Heiligenfiguren. Wer erwischt wurde, kam nach Afrika ins Exil. Vila Rica wurde die Vorgängerin vom heutigen Ouro Preto.

Das Gold finanzierte feinste Güter aus Indien und England, die man plötzlich in der einfachen Goldsucherstadt bekommen konnte und die grössten Barock-Künstler der Welt verwandelten Vila Rica in ein architektonisches Juwel. Die Habgier der portugiesischen Krone führte in Vila Rica zu mehreren Aufständen, die aber alle niedergeschlagen wurden.

Per Dekret des Kaisers Dom Pedro I., während des brasilianischen Imperiums, wurde Vila Rica – seit 1721 bereits Hauptstadt von Minas Gerais – in „Ouro Preto“ umbenannt.

Die Republik verlegte dann 1897 die Hauptstadt plötzlich nach Belo Horizonte. Dies war der bedeutende Schritt zur Erhaltung der kolonialen Atmosphäre von Ouro Preto, unverfälscht in seiner gesamten architektonischen Komposition. Die Stadt wurde im Jahr 1981 von der UNESCO zum „Kulturdenkmal der Menschheit“ erklärt.

Ouro Preto – 96 km von Belo Horizonte, liegt in einer Gebirgskette, der Serra do Espinaço. Der eigenartig geformte Gipfel des Itacolomi (1.772 m) ist das erste Anzeichen dafür, dass man sich Ouro Preto nähert. Auf felsigem Grund, in 1.000 Metern Höhe angelegt, winden sich die kopfsteingepflasterten Gassen hinauf und hinunter zwischen den mit insgesamt 13 Kirchen gekrönten Hügeln. Alte Herrenhäuser, Brunnen, Terrassen-Gärten, Türme und Erker vermitteln eine fesselnde Atmosphäre, original wie aus dem 18. Jahrhundert.

300-jahre_ouro_pretoWegen der Höhenlage kann es im Winter empfindlich kalt werden – die Temperaturen liegen zwischen 9° und 36° C. Auch Regen und Nebel sind hier häufig. Die beste Besuchszeit ist zwischen März bis August. Festes Schuhwerk ist in den kopfsteinglatten, steilen Gassen zu empfehlen. Die Nähe zur Hauptstadt erleichtert die Anfahrt über die Bundesstrasse BR-040 und anschliessend MG-365.

Auch wer kein „Kirchen-Fan“ ist, der sollte sich aber von allen historischen Städtchen in Minas Gerais zumindest Ouro Preto ansehen – die Stadt ist für das Verständnis Brasiliens und das Selbstverständnis der Brasilianer einfach eminent wichtig. Hier erlebt man die Geschichte als Gegenwart, lernt einen fast unbekannten Teil des grossen Landes kennen und erlebt, zweifellos, einen absoluten touristischen Höhepunkt!

Zwei gut ausgefüllte Tage braucht man, um die holperigen Gassen hinauf und hinab das Städtchen gut kennen zu lernen. Dann hat man auch zwischendurch ein bisschen Zeit, um die Strassenszenen wirken zu lassen und die fotogensten Winkel zu suchen. Ouro Preto ist geradezu eine Herausforderung für Freunde guter Fotografie und die meisten Besucher bedauern, nicht genug Filme mitgebracht zu haben. Am besten durchstreift man die von niedrigen kolonialen Häusern gesäumten Gassen von einer Kirche zur andern.

Besonders sehenswert in Ouro Preto

Die „Igreja de São Francisco“ (1766) ist sicher das eindrucksvollste Gotteshaus der Stadt überhaupt – das grosse Erstlingswerk von „Aleijadinho“ (siehe „Die Schönheit des Krüppelchens“). Sein Freund „Manuel da Costa Ataíde“, damals der berühmteste Maler von Minas Gerais, hat das Kirchenschiff mit einer vom Rokoko beeinflussten, das Gewölbe ausfüllenden „Maria Himmelfahrt“ ausgestaltet – sein Meisterwerk.

Die „Igreja Nossa Senhora do Pilar“ (1733) ist noch um einiges prunkvoller. Kaum ein Ornament ohne Vergoldung – Ausdruck jener Zeit des Goldbooms in Minas, als die Stadt noch Vila Rica hiess. Die Sakristei und ein Nebengebäude präsentieren eine Ausstellung Sakraler Kunst. Wertvolle Silberarbeiten und einige Werke, die man „Aleijadinho“ zuschreibt.

Die „Igreja Nossa Senhora do Carmo“ (1772) an ihr hat „Aleijadinho“ ebenfalls mitgearbeitet. Zwei Seitenaltäre und die Fassade tragen seine „Handschrift“. Ausserdem sind die Bilder des Malers „Angelo Clericci“ sehenswert.

Die „Igreja Nossa Senhora da Conceição“ (1760) mit vergoldeten Schnitzereien ausgestattet, beherbergt das Grab des grossen Künstlers. Sie ist verbunden mit dem „Aleijadinho-Museum“ im Nebengebäude.

Gegen diese vier Kirchen erscheinen die andern etwas bescheidener. Aber man sollte durchaus hineinschauen, wenn man gerade an der einen oder der anderen vorbeikommt. Ein Kapellchen sollte man jedoch unbedingt noch aufsuchen, auch wenn es etwas ausserhalb liegt: Die „Capela do Padre Faria„, das älteste Gebetshaus der Stadt. Padre Faria war einer der Priester, die mit den Bandeirantes umherzogen. Zwischen 1701 und 1704 wurde sie erbaut.

Ihre Glocke läutete zur Hinrichtung des Revolutionshelden „Tiradentes“ (1750) – später erklang sie noch einmal zur Einweihung Brasilias (1960). Von aussen fast unscheinbar, innen jedoch mit traumhaft schönem vergoldetem Schnitzwerk ausgestattet.

Der Platz „Praça Tiradentes“ ist das Zentrum der Stadt, die in zwei Gemeinden geteilt ist: „Pilar“ und „Antonio Dias“. Alle Strassen in Ouro Preto haben mindestens zwei Namen und sind selten beschildert. Schlendern Sie einmal durch die Kopfsteinpflastergassen und lassen Sie die Szenen mit aus Stein gehauenen Brunnen und Statuen, den orangefarbenen Ziegeldächern und dem dunklen Himmel darüber, auf sich wirken. Zu Fuss kann man Ouro Preto am besten kennenlernen!

Das „Museu de Inconfidência„, an der Stirnseite des Platzes, sollte man nicht auslassen. In der Bergbauschule (Escola de Minas) ist ein bedeutendes Museum für Mineralogie untergebracht. Im alten Zählhaus (Casa dos Contos) eine Bibliothek und Kunstgalerie. Nebenan der „Ponto do Leilão„, wo Sklaven ausgepeitscht und gehandelt wurden.

Und das Haus des „Joaquim José da Silva Xavier„, besser bekannt unter dem Namen „Tiradentes“ – der Zahnzieher. Er führte einen Aufstand gegen die portugiesische Vorherrschaft an (Inconfidencia Mineira) und wurde in Rio hingerichtet. Sein Kopf wurde im damaligen Vila Rica herumgetragen, sein Haus dem Erdboden gleichgemacht und der Boden des Grundstücks gesalzen, sodass dort nichts mehr wachsen konnte.