Kulturelles, Folkloristisches

Veröffentlicht am 21. Oktober 2009

Besonders die „Folclore Serrano“ (Folklore der Bergregion) ist eine Fundgrube für allerlei Geschichten, Sprüche und Eigenheiten, von denen wir hier ein paar Beispiele aufzeichnen wollen, die man so im Lauf der Zeit und über kurioseste Quellen aufgeschnappt hat.

SPRÜCHE AUS DEN BERGEN

  • „Wenn die Frau an einem Sonntag „Pamonha“ (ein Gericht aus gekochtem Mais und Kokosraspeln) isst, wird sie in den nächsten Tagen schwanger“.
  • „Wenn ein Mädchen einen Teller umstösst und er fällt auf den Boden und zerbricht – wird sie keinen Mann zum Heiraten finden“.
  • „Eine Braut, die ihren Ehering verliert, wird auch ihren Mann bald verlieren“.
  • „Ein Mädchen wird den Mann bekommen, den sie liebt, wenn sie eine Sternschnuppe sieht, in diesem Moment an ihn denkt und den Gegenstand, den sie gerade in der Hand hält unter ihrem Kissen deponiert“.
  • „Wenn es am Tag der Hochzeit regnet, wird das entsprechende Paar glücklich werden.“
  • „Wenn ein Mädchen seinen Hochzeitstermin beschleunigen möchte, sollte sie die Figur des „Santo Antônio“ mit dem Kopf nach unten aufstellen und ihm versprechen, dass sie ihn erst wieder in seine normale Position stellen wird, wenn der Hochzeitstermin festgelegt ist“ (Sankt Anton ist der Schutzheilige der Hochzeiter). Der Heilige wird sich beeilen, den Wunsch zu erfüllen, um aus der unangenehmen Position zu kommen.
  • „Wer von Ananas träumt: wenn sie grün ist – Armut, ist sie reif – Reichtum.“
  • „Um herauszufinden, wer der Mörder eines Zeitgenossen war, genügt es, eine Münze in den Mund des Toten zu stecken – er selbst wird dann den Namen dessen angeben, wer ihn umgebracht. Meistens genügt allerdings in unseren Kreisen, dass man androht, dem Toten die Münze in den Mund zu schieben. In der Regel präsentiert sich dann der zerknirschte Mörder von selbst „!
  • „Ein Pantoffel oder Gummi-Latschen, der mit der Sohle nach oben zu liegen kommt, bedeutet, dass die Mutter desjenigen stirbt, dem der Pantoffel gehört“.
  • „Wenn man einen „Anu Branco“ (Kuckucksvogel) singen hört, bringt das Unglück „!
  • „Wenn ein Kolibri ins Haus eindringt oder sich dort verirrt, bedeutet das den Tod einer befreundeten Person“.
  • „Mit einem Besen, den man mit dem Stiel-Ende auf den Boden stellt, kann man unerwünschten Besuch vertreiben“.
  • „Wenn Du den Sarghenkel ergreifst, sieh zu, dass du ihn auch von Anfang bis Ende festhältst, sonst folgst du bald auf demselben Weg in der Horizontalen“.
  • „Und vermeide den Montag im August – dies ist auf gar keinen Fall ein Tag, um eine Reise zu unternehmen“!!!

Die Schriftstellerin Judith Leão Castello Ribeiro macht in ihrem Buch „Presença“ ein paar Bemerkungen über eine bestimmte Art von nervtötendem Nieselregen, der jedermann auf den Geist geht, denn er will und will nicht aufhören: der Volksmund nennt diese Art Regen „Chuva Cabelo de Sapo“ (Froschhaar-Regen) – man nahm an, dass er als Strafe für den Tod eines Frosches niederrieselte.

Der „Morro Mouchuara“ ist ein Berg, der an der Peripherie der Stadt „Cariacica“ steht – in der Nachbarschaft von Vitória. Und der „Mestre Álvaro“ ist ein anderer Berg der Nachbarstadt „Serra“, ebenfalls ganz in der Nähe der Hauptstadt. Vom einen Berg kann man den andern sehen – sie stehen sich gegenüber.

Diese Einleitung ist nötig zum Verständnis der folgenden Geschichte:

„Mochuara“ war eine Indianerin vom Stamm der „Botocudos“. „Mestre Álvaro“ war ein Krieger vom Stamm der „Temiminós“. Die Stämme waren verfeindet, aber wo die Liebe nun mal hinfällt – Mouchuara und Álvaro wollten heiraten, aber ihre beiden Häuptlinge waren dagegen. Der Gott „Tupã“, gerührt vom Liebesleid des jungen Paares, verwandelte die beiden in zwei Felsenriesen, die bis in alle Ewigkeit ungestört beieinander sein dürfen. Und die Menschen schwören, dass ein „Feuervogel“ in bestimmten dunklen Nächten zwischen den beiden Granitfelsen hin und herfliegt, um die Worte des einen zum andern zu tragen, damit die Liebe nicht erkalte.

Wolken rund um den Gipfel des Berges „Mestre Álvaro“ ist stets ein Signal für Regen. Dann sagt der Volksmund: „Nuvem na Serra – chuva na terra“ (Wolken am Berg – Regen auf der Erde). Wenn der „Mestre Álvaro“ seinen Wolkenmantel umhängt gibt es mit Sicherheit Regen – das hat Tradition. Der Granitfelsen von 833 Metern Höhe, dient jedermann als Thermometer für gutes oder schlechtes Wetter. Zum Beispiel die Fischer, sie fahren weit hinaus aufs Meer, so weit, dass der Landstreifen nicht mehr zu sehen ist – aber der „Mestre Álvaro“ bleibt immer sichtbar und seine Silhouette bringt sie wieder sicher zurück in den heimatlichen Hafen.

Auch von Werwölfen gibt es Geschichten in Espirito Santo – wer weiss, sind sie erst mit gewissen europäischen Emigranten nach Brasilien herübergebracht worden, die Geschichten meine ich!

Sagt der Volksmund:

  • „Ein Werwolf ist ein Mann, der sich in einer Vollmondnacht verwandelt, um Leute auf der Strasse zu erschrecken“!

Und der Volksglaube deutet weiterhin an, dass eine Person, die plötzlich und ohne Grund anfängt bleich zu werden, abzumagern und sich trotz alledem nicht über eine Krankheit beklage, sich schon am nächsten Freitag mit Vollmond in einen Werwolf verwandele. Und es gibt auch in „Jacaraípe“ den Präzedenzfall eines Mannes, der sich in Mondnächten in einen Werwolf verwandelte: „O Vampiro Lobisomem de Jacaraípe“ ist der Titel einer „Literatura de Cordel“ die von „Clério José Borges“ im Juli 1983 in Nova Almeida verfasst worden ist.