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Sie sind die wichtigsten Pflanzenbestäuber aus der Vogelwelt Südamerikas – und von allen Pollenträgern sind sie die einzige Verbindung zwischen weit voneinander entfernten Pflanzengruppen – eine Art genetischer Postboten. Sie besitzen ganz aussergewöhnliche Flugeigenschaften, mit besonders ausgebildeten Flügeln. Diese Fotos stammen aus der Flickr Foto-Community und werden gemäß der Flickr-RSS API abgebildet.
Einige Arten erreichen damit neunzig Flügelschläge pro Sekunde und eine Fluggeschwindigkeit von 60 km/Std. Ihre Hyperaktivität verlangt nach Nahrungsaufnahme innerhalb kurzer Abstände – etwa alle 15 Minuten. Sie ernähren sich von Blütennektar und kleinsten Insekten. Die Kolibris sind die einzigen Vögel mit einem Rückwärtsgang – will sagen: sie können nach rückwärts fliegen – und sich sogar propellerartig um die eigene Achse drehen.Ihr Herz schlägt in einem Rhythmus von 2000 Vibrationen pro Minute. Ihre Körpertemperatur liegt bei 42º C und fällt während der nächtlichen Ruhezeit auf 32º C oder weniger – sie fallen dann in eine Art vorübergehende Schlafstarre. Ihre Farben werden erst in der Lichtreflektierung voll sichtbar, sie haben besondere Bedeutung in Relation auf das Territorium, die Mimikry, als Warnsignal und in der intersexuellen Beziehung. Der grösste Experte weltweit für Kolibris war "Capixaba" – ein Bürger von Espirito Santo, der als Sohn italienischer Emigranten in "Santa Teresa" geboren wurde – Augusto Ruschi (1915-1986). Aber nicht nur Kolibris, sondern viele andere Tiere und Pflanzen studierte er im Lauf seines Lebens und wurde ein glühender Verfechter des Umweltschutzes – einer der ersten in Brasilien. Er schrieb unter anderem eine vielbeachtete These über "Ökologische Reservate", die anhand eines der ersten internationalen Kongresse über das Waldsterben, im Jahr 1951 in Rom, in ganz Europa Verbreitung fand. Diese These verteidigte, summa summarum, den Schutz bio-genetischer Reserven von Spezies der Natur, die andernorts vom Aussterben bedroht waren, innerhalb von extra dafür geschaffenen Naturschutzgebieten. Kurz darauf, noch im Anfang der 60er Jahre, bemerkte man weltweit eine Sensibilisierung in dieser Richtung – überall wurden Landschafts-Schutzgebiete eingerichtet. Hier in seiner Heimat begann Ruschi die Diskussion über die Schädigung der Ökosysteme durch chemische Pflanzenschutzmittel, als er nach einer solchen Anwendung persönlich den Tod von Vögeln und Insekten beobachtete. Er publizierte verschiedene Arbeiten über dieses Thema und war der erste, der die hiesige Gesellschaft auf die Gefahren des DDT aufmerksam machte. Augusto Ruschi hat mehr als 450 wissenschaftliche Werke herausgebracht, teilweise von internationalem Renomée – zwei seiner bekanntesten sind: "Aves do Brasil" (Vögel Brasiliens) und "Beija-Flores do Espirito Santo" (Blumenküsser von Espirito Santo). Darüber hinaus sind Bücher über Orchideen, Fledermäuse, Affen und viele Werke mit Lösungsvorschlägen für Probleme mit der Umwelt in verschiedenen Regionen Brasiliens, erschienen. Seine bevorzugten Studienobjekte sind allerdings die Kolibris geblieben – oder wie er sie am liebsten nannte: die Blumenküsser. Er investierte sämtliche freie Zeit seines Lebens in ihre Beobachtung und hatte sich dafür in einem kleinen Häuschen, inmitten eines geschützten Bestandes von Atlantischem Regenwald, in seiner Heimatstadt Santa Teresa, eingerichtet. Das Reservat "Santa Lúcia" stand unter der Protektion des National-Museums und war bekannt unter dem offiziellen Namen "Estação Biológica do Museu Nacional". Hier hatte Ruschi Tausende von Orchideen katalogisiert und 20.000 Bäume nummeriert und mit Identifikations-Plaketten versehen. Das Gebiet wurde eine der weltweit reichsten Regionen an Epiphyten. Alles erarbeitet von Ruschi während mehr als 40 Jahren persönlicher Widmung, und vehement verteidigt, indem er niemals erlaubte, dass man auch nur einen Ast von einem der Bäume abschnitt oder auch nur eine einzige Pflanze entfernte! In diese Idylle platzte die Nachricht, im Jahr 1977, dass der Gouverneur von Espirito Santo einen Erlass unterzeichnet habe, der die Einrichtung einer Palmitokonserven-Fabrik innerhalb des Reservats von "Santa Lúcia" vorsah – das Palmmark sollte aus dem Reservat selbst extrahiert werden. Ruschi empfing die Kontrollbeamten der Regierung, die eine erste Aufstellung innerhalb des Reservats vornehmen wollten, mit einer Schrotflinte in der Hand und sagte ruhig: "Hier nicht! Wenn Ihr nur einen einzigen Schritt weiter tut, strecke ich euch definitiv nieder. In Verteidigung der Natur bin ich fähig zu töten oder selbst zu sterben"! Und da halfen auch keine weiteren Argumente der erschreckten Beamten. Ruschi schickte sie zurück zum Gouverneur mit folgender Nachricht: "Ihr könnt direkt zum Palast zurückgehen und den Gouverneur warnen – entweder lässt er ab von dieser Idee, oder ich begebe mich morgen früh dorthin, um ihn persönlich umzubringen, im Palast"! Der Gouverneur alarmierte die Staatspolizei und Ruschi die nationale und internationale Presse. Die kleine Stadt Santa Teresa wurde von Journalisten überschwemmt, die im ganzen Land den dramatisch realistischen Appell von Ruschi verbreiteten, das Reservat zu beschützen. Und es hagelte Hunderte von begeisterten Zustimmungen aus aller Welt – und der Governeur zog seine Absichten zurück – das Reservat "Santa Lúcia" war gerettet. Der Moment war gekommen, wo das Werk Ruschis sich über seine Bücher hinaus erhob, um in die öffentliche Meinung einzudringen und Symbol gegen die Vergewaltigung der Natur zu werden. Weiterhin gelang es Ruschi noch viele Male, zu verhindern, dass grosse Waldareale abgeholzt wurden – bei dieser Gelegenheit sagte er, dass er den Rest seines Lebens für diesen Kampf gegen die Zerstörung der Natur gerne opfern würde. Und er hat Wort gehalten. Für seine wissenschaftlichen Studien führte er 259 Reisen in alle Teile der Welt durch – von Patagonien bis Alaska – und registrierte fein säuberlich alle seine Beobachtungen über die Natur, die Tiere und die Pflanzen, sowohl mit dem Stift als auch mit der Kamera. "Sie holzen Wälder ab ohne sich zu fragen, was da alles drinsteckt! Niemand interessiert sich für die Tausende von Tieren, Hunderttausende von Insekten und Pflanzen, die sein Gleichgewicht ausmachen. Das natürliche Gleichgewicht ist eine sehr komplexe Sache, wo manchmal das Fehlen eines einzigen Elements unwiderruflichen Schaden anrichtet. Und es ist nur der Mensch, der stört und Ungleichgewicht verursacht" – Worte von Ruschi. Seine Empörung nahm mit demselben Mass zu, wie die Angriffe auf die Umwelt. Dauernd stellte er sich Autoritäten in den Weg, multinationalen Firmen und selbst der Justiz, um die Regenwälder oder ökologischen Reservate zu verteidigen. Und sagte auch einmal: "Erst stirbt der Wald und dann der Mensch"! Augusto Ruschi wurde am 5. Juni 1986 zu Grabe getragen – dem weltweiten "Umweltschutz-Tag". Er starb überzeugt, dass die einzige Chance menschlichen Überlebens in einer radikalen Verhaltensänderung des Menschen gegenüber seiner Umwelt liegt. Aber sämtliche Anstrengungen sind vergebens, wenn man die Wichtigkeit des Naturschutzes nicht schon den Kindern von heute in den Schulen beibringt: "Man lehrt an den brasilianischen Schulen keine Ökologie, obwohl es ein Gesetz gibt, das diese Materie vorschreibt. Solange man die Kinder nicht in dieser Richtung erzieht, wird die Bedrohung der brasilianischen Natur weiter bestehen"! Augusto Ruschi ist tot, aber sein Kampf wird von seinem Sohn André weitergeführt, der den Vater während vieler Jahre bei seiner Arbeit begleitet hat. André widmet sich besonders der Entwicklung von Theorien und Methoden zur Umweltschutz-Erziehung von Kindern. Dafür hat Vater Ruschi 1970 die "Estação Biologica Marinha Ruschi" gegründet. In der Arbeit seines Sohnes André findet sich die Essenz aus der Arbeit des Vaters: eine profunde Liebe zur Natur – ein Studium, das stets "in loco" durchgeführt wird – und der alles übertreffende Wunsch, beizutragen zur notwendigen menschlichen Verhaltensänderung gegenüber der Natur – um zu überleben.
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