Der Südosten Brasiliens

Veröffentlicht am 21. Oktober 2009

Er ist das Tor zu Brasilien – und setzt sich aus folgenden Bundesstaaten zusammen: Espirito Santo, Minas Gerais, Rio de Janeiro und São Paulo. Im Südosten findet man die grössten Städte des Landes, die besten Hotels in Brasilien – aber auch die grössten sozialen Kontraste und entsprechenden Probleme für die ärmere Bevölkerung: Unter den marmornen Bögen der Büropaläste, in São Paulo zum Beispiel, recken sich dürre Hände bittend dem Besucher entgegen, während auf den Dächern Helikopter die fürstlich verdienenden Wirtschaftsbosse zum Mittagessen abholen. In Rio de Janeiro klebt das Elend in Hundehütten gleichenden Baracken und Buden an den die Stadt einrahmenden Felswänden, den Favelas. Politische Misswirtschaft, Korruption, das enorme Wachstum der Bevölkerung und deren versäumte Erziehung und Bildung in der Vergangenheit, haben die Probleme vertieft und die Fronten verschärft.

Der Südosten ist aber auch die am höchsten entwickelte Region Brasiliens – mit der fortschrittlichsten Technik und mit der grössten Bevölkerungsdichte (rund 78.100.00 Einwohner) – das sind 84,22 Bewohner pro km². Die Fläche dieser Region beträgt 927.286,2 km², das sind 10,9% des brasilianischen Territoriums. Die mittlere Temperatur in der Südost-Region liegt bei 22° C.

Der grösste Urbanisations-Index, die grösste Industrie-Konzentration, der grösste Energieverbrauch des Landes, aber auch die grössten Steuereinnahmen, die meisten Universitäten, Ausbildungsstätten und Forschungszentren, das best organisierteste Verkehrs- und Transportnetz, die meist frequentierten Häfen und Flughäfen, eine Landwirtschaft, die im Land an erster Stelle steht, und ein gigantischer Dienstleistungssektor, der mit dem umfangreichsten Handel des Landes verwoben ist – das sind einige Superlativen des brasilianischen Südostens.

Er ist der grösste Produzent von Kaffee, Zuckerrohr und Orangen, und er hat den grössten Rinderbestand, sowie die grösste Produktion an Milch und Milcherzeugnissen (Minas Gerais). Bewässert vom Netz des Rio Paraná und dem des Rio São Francisco, verfügt die Region über eine Reihe von Wasserkraftwerken, wie Três Marias, am Rio São Francisco und Furnas, am Rio Grande, in Minas Gerais, und der Insel Ilha Solteira, in São Paulo.

Darüber hinaus ist der Südosten reich an Bodenschätzen, besonders im Bundesstaat Minas Gerais, wo man Eisen, Mangan, Bauxit und Gold abbaut. Das grösste brasilianische Erdölvorkommen befindet sich in dem Gebiet von Campos, im Bundesstaat Rio de Janeiro – hier werden mehr als die Hälfte des brasilianischen Erdöls gefördert.

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BrasilienPortal Podcast: Der Südosten Brasiliens

Vier Bundesstaaten liegen im Südosten Brasiliens. Die exklusiv für das BrasilienPortal produzierte Sendung erzählt vom weiten Hinterland Minas Gerais, durchstreift die Häuserschluchten in São Paulo, besucht Auswanderer in Espirito Santo und verliebt sich in die Strände Rio de Janeiros. Ein authentischer Einblick in die wohl facettenreichste Region Brasiliens.

Das Relief des Südostens wird beherrscht von Hochebenen, von denen mehr als die Hälfte über 500 m liegt. Eine Region, in der polare Luftmassen auf tropische treffen und abwechselnd das Klima bestimmen. Deshalb sind sogenannte Kaltluftfronten, besonders während des Winters (Juni-August) in dieser Region häufig, und vereinzelte Frosteinbrüche können verheerende Schäden in der Landwirtschaft verursachen.

Die Bevölkerung setzt sich aus italienischen, portugiesischen, spanischen, deutschen und japanischen Emigranten zusammen – und vielen, vielen Nordost-Flüchtlingen, die auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen in die Grossstädte abgewandert sind, wo die meisten die Favela-Kolonien vergrössert haben.

Als Besucher hat man im brasilianischen Südosten zweifellos die reichste Auswahl an Dienstleistungen für kreative Reiseerlebnisse: ein dichtes Netz von Spitzen-Gastronomie und -Hotellerie, Führungen in allen Sprachen und beste Transportmöglichkeiten. Kulturell braucht man hier keine Vergleiche mit der Weltklasse zu scheuen, und für Sportbegeisterte gibt es fast alles, was deren Herz begehren sollte – oder aushält. Die einzigartige Mischung von typisch brasilianischen Kontrasten kommt in dieser Region am deutlichsten zur Geltung. Fast alles, was es in Brasilien gibt, findet man auch hier im Südosten, mitgebracht von den Zugewanderten: ihre Kultur, ihre Kunst, ihre Folklore, ihre Musik und ihre Küche – oder als Geschenk der Natur: Sonne, Strände, Berge, Atlantischer Regenwald, Wasserfälle und Höhlen. Und, nicht zu vergessen, die Kontraste, die von der Geschichte dazu beigesteuert werden: die kolonialen Städtchen mit ihren barocken Kunstschätzen und den Remineszensen grosser brasilianischer Künstler.

Last not least – kennen wir uns in dieser Region noch ein bisschen besser aus als im übrigen Brasilien, was unsere Kreativität noch mehr anspornt.

nach obenBUNDESSTAAT ESPIRITO SANTO

sdosten_espirito-santoDieser kleine Bundesstaat ist noch ein touristischer Geheimtipp: Selten trifft man Gringos an seinen kilometerlangen Stränden und sein reizvolles Hinterland dürfte im Ausland gänzlich unbekannt sein. Die Hauptstadt Vitória – 525 Kilometer von Rio entfernt – ist weder durch ihre typische Keramik noch durch ihre Holzindustrie über ihre Grenzen hinaus bekannt geworden. Und, dass es in dieser Gegend die meisten Kolibri-Arten Brasiliens gibt – ist nur wenigen Wissenschaftlern bekannt.

Mit einer geografischen Fläche von etwas mehr als 45.154 km² ist er etwas grösser als der Nachbarstaat Rio de Janeiro – er hat aber nur eine Gesamtbevölkerung von etwas mehr als 3,3 Millionen Einwohner, was einer demografischen Dichte von rund 73 Einwohnern pro km² entspricht. Sein Relief trennt sich in zwei unterschiedliche Regionen – die Küsten-Tiefebene und die Hochebene, letztere mit mittleren Höhen zwischen 600 und 700 Metern. An der Grenze zu Minas Gerais befindet sich der Pico da Bandeira (2.890 m) – halb im einen, halb im anderen Territorium.

Espirito Santo vereint in seiner Landschaft Aspekte seiner beiden Nachbarstaaten – Bahia und Rio de Janeiro. Seine 400 Kilometer Küstenlinie verändern sich, je näher man dem einen oder anderen dieser beiden Staaten kommt. So sind die Strände im Norden der Hauptstadt Vitória primitiver – mit Dünen und Lagunen – während die im Süden stärker frequentiert und touristisch erschlossener sind. Und die Strände im mittleren Abschnitt der Küste, sind die am besten strukturiertesten, weil dicht an der Hauptstadt. Das tropische Klima präsentiert mittlere Jahrestemperaturen zwischen 21º und 28º C.

Industriell hat sich der Bundesstaat auf dem Sektor der metallverarbeitenden Industrie, in der Textilherstellung und der Mineralien-Extraktion einen internationalen Ruf erworben. Hier befindet sich der Welt grösster Komplex für Eisenerz-Verarbeitung (Pellets), die Gesellschaft „Vale do Rio Doce“, die Eisenhütte in „Cariacica“ ist einer der grössten Stahlhersteller, der erste Hersteller und Exporteur von aufgehellter, kurzfaseriger Zellulose der Welt, mit Eukalyptos-Plantagen am Ufer des Ozeans, Guarapari ist ein bedeutender Produzent für den gesundheits-fördernden Monazith-Sand und São Mateus steuert mit seiner Kontinental-Plattform Rohöl zur nationalen Wirtschaft bei. Auch die Landwirtschaft ist ein bedeutender Faktor: in erster Linie Kaffee, und ausser den üblichen Produkten des Tropenklimas, auch Trauben, Pfirsiche, Erdbeeren, Pflaumen und Äpfel aus den gemässigteren Klimazonen des Hochplateaus. Emigranten aus Deutschland, Holland, der Schweiz und aus Portugal haben sich in diesem Staat wegen des gemässigteren Klimas auf dem Hochplateau niedergelassen.

Espirito Santo hat touristische Tradition mit seinen Stränden, unter denen sich der von Guarapari abhebt, ein im ganzen Land bekanntes Resort mit seinem dunklen, mineralhaltigen Sand (Monazith-Sand) – dann die Strände von Iriri, Piúma, Marataízes – der Nudistenstrand von Barra Seca, in Linhares und die Dünen von Itaúnas im Ort Conceição da Barra, wo die antike Siedlung am Meeresufer vom Sand verschüttet worden ist.

Heute möchte Espirito Santo den Ökotourismus ankurbeln: Die verschiedenen Nachfahren europäischer Einwanderer und ihre Einflüsse in der Kultur, die Restbestände Atlantischen Regenwaldes, Wasserfälle und gemässigtes Klima sind Bestandteile für eine mögliche Entwicklung in dieser Richtung. Die bergigen Distrikte Afonso Cláudio, Castelo, Conceição do Castelo, Domingos Martins, Marechal Floriano, Santa Leopoldina, Santa Maria do Jetibá, Santa Teresa, Vargem Alta, Venda Nova do Imigrante und Viana unterhalten bereits eine touristische Infrastruktur. Andere, wie Alfredo Chaves und Alegre investieren in diese Richtung.

Die Hauptstadt Vitória hat rund 314.000 Einwohner – eine Kleinstadt, wenn man sie im Schatten der anderen drei Metropolen der Südwest-Region betrachtet – in der es sich aber um so besser leben lässt! Sie liegt etwa gleich weit von Rio de Janeiro wie von Belo Horizonte entfernt (525 km) – die Hauptstadt liegt auf der grössten von 34 Inseln und Inselchen, mit einer Fläche von 28 Quadratkilometern – hat sich aber heute auch auf Teile des Kontinents ausgedehnt. Vitória ist das Wirtschafts- und Handelszentrum des Bundesstaates und sein bedeutender Hafen dient auch den Anliegerstaaten.

Die Hauptstadt Vitória ist mit dem Festland durch eine Brücke verbunden. Ihre städtebauliche Anmut ist bekannt, ihre Geschichte drückt sich noch heute deutlich aus in ihren gut erhaltenen kolonialen Relikten, ihren antiken Befestigungsanlagen und Gotteshäusern, ihrer jahrhundertealten Tradition. Gegründet 1551, gehört Vitória zu den zehn ältesten Stadtgründungen Brasiliens. Heute hat sich Vitória aber auch in eine sehr moderne Stadt verwandelt, die touristisch allerhand zu bieten hat: herrliche Strände, gute Hotels internationalen Standards, exzellente Restaurants, ein interessantes Nachtleben und gutes Shopping.

Eine empfehlenswerte Adresse für brasilianische Lebensqualität.
Von den brasilianischen Besuchern hat die Stadt eine ganze Reihe von Namen erhalten, mit denen diese ihre Begeisterung ausdrücken wollten, wie „Honiginsel“ – „Köstliche Insel“ oder „Trauminsel“! Vitória ist eine relativ ruhige Stadt. Verkehrsverstopfung und Gewaltverbrechen, die typischen Probleme der Grossstädte, haben die Insel noch nicht erreicht. Das Blau des Meeres, das Grün der umliegenden Berge und die meistens scheinende tropische Sonne sind das Grundrezept einer Stadt, die keinen anderen Namen haben könnte als eben „Vitória“!

nach obenBUNDESSTAAT MINAS GERAIS

sdosten_minas-geraisIst ein Bundesstaat mit einer bedeutenden historischen Vergangenheit: Reiche Gold- und Edelsteinfunde in diesem Gebiet, machten den Südosten Brasiliens im 17. Jahrhundert unabhängig von dem, durch Zuckerexporte wohlhabend gewordenen Nordosten. Noch heute birgt die Gegend reiche Erzlager, die mit modernen Förderungsmethoden abgebaut werden. Der Bundesstaat hat eine Fläche von 586.528 km² – etwa so gross wie Frankreich, der fünftgrösste Bundesstaat der Brasilianischen Union. Seine Bevölkerungszahl liegt bei 19,2 Millionen, mit einer demografischen Dichte von zirka 32,8 Einwohnern pro km². Minas Gerais ist der durchschnittlich höchstgelegene Bundesstaat Brasiliens – mehr als die Hälfte nimmt die Hochebene Planalto Atlântico ein, mit durchschnittlich 600 m Höhe. Einige der höchsten Berge Brasiliens befinden sich in diesem Massiv, wie zum Beispiel der Pico da Bandeira, mit 2.890 Metern oder der Pico do Cristal (2.798 m). Die jährliche Durchnittstemperatur liegt bei 21º C – mit einem weitgehend tropischen Höhenklima.

Minas Gerais wetteifert mit Rio de Janeiro um den zweiten Platz in der brasilianischen Wirtschaft – nach São Paulo. Der Bundesstaat ist sowohl landwirtschaftlich als auch industriell von grosser nationaler Bedeutung. Hier grast die grösste Rinderherde Brasiliens – 22 Millionen Stück! Von hier kommt auch Brasiliens grösste Milchproduktion – 32% der gesamten Produktion des Landes! Weitere mineirische Superlative sind: die Hälfte der Kaffeeproduktion Brasiliens, aber auch 30% der nationalen Automobil-Produktion, 38% des Stahls, 53% des Gusseisens, 25% des Zements! Die Exporte von Minas Gerais liegen bei 13% der gesamten Ausfuhr Brasiliens!

Minas Gerais hat zwar keine Strände, aber besonders viel zu bieten für kultur-historisch interessierte Besucher und Naturliebhaber. So viel, dass es damit die fehlenden Strände glatt wettmacht! Wer an der Geschichte Brasiliens interessiert ist, den werden solche koloniale Kleinode wie Ouro Preto, Sabará, Tiradentes, Mariana, São João del Rei oder Diamantina bestimmt in ihren Bann ziehen. Wer den Schönheiten der Natur den Vorzug gibt, der wird in zahlreichen Nationalparks, wie Serra da Canastra, Serra do Cipó, Cavernas de Pereaçu und anderen, überraschende Eindrücke sammeln können. Und wer sagt denn, dass man nicht beide Interessen verbinden kann? Übrigens kann man in den berühmten Thermalbädern des Bundesstaates ein paar phantastische Tage der Erholung von den Abenteuern einlegen – Poços de Caldas, Caxambu, São Lourenço und andere, sind heilend, entstressend und in einer sehr reizvollen Umgebung gelegen!

Den „schönen Horizont“, nachdem die Hauptstadt Belo Horizonte benannt ist, gibt es wirklich – umgeben von blauen Bergen. Die Stadt ist die drittgrösste Brasiliens, liegt auf 858 m über dem Meer hat rund 2.415.000 Einwohner und ist ein bedeutendes Industrie-, Handels- und Kultur-Zentrum. Das Klima ist hier besonders angenehm und gesund – zwischen 16º und 30º C. Die Stadt besitzt, pro Bürger, das Doppelte an von der WHO empfohlenen Grünflächen, die grösste Anzahl an Bars pro Einwohner und das zweitgrösste Fussballstadion Brasiliens.

Die Stadt besitzt ein gutes öffentliches Transportsystem – einige Busse sind integriert in die regionalen Metro-Strecken. Eine sehr hügelige Stadt, mit abfallenden und ansteigenden Strassen und Gassen und vielen Bäumen um die zentralen Strassen. Der grosse Parque Municipal ist das Herz der City. Hohe Büropaläste beherrschen auch hier die Innenstadt, können aber mit denen in São Paulo nicht verglichen werden – auch ist die ganze Atmosphäre nicht so hektisch, wie in São Paulo – was nicht heissen soll, dass das Zentrum ruhig ist! Afonso Pena, die zentrale Arterie, ist sehr breit und ständig mit Autos und Fussgängern voll gestopft ausser an Sonntagen, dann ist der Strassenverkehr aus dieser Avenida verbannt, und sie wird zu einem riesigen Markt unter freiem Himmel. Das Nachtleben findet dagegen im Stadtteil Savassi statt – südwestlich vom Zentrum. Hier ist auch die beste Gegend zum Essen, Trinken und um eine Show zu besuchen.

Hier beginnt, in der Regel, ein Besuch der märchenhaften Barockstädte dieses Bundesstaates. Von Rio de Janeiro oder São Paulo ist Belo Horizonte nur eine Bus-Tagesreise oder eine Flugstunde entfernt. Auf den 444 Kilometern von Rio de Janeiro aus, lernt man die reizvolle Landschaft am besten kennen.

nach obenBUNDESSTAAT RIO DE JANEIRO

sdosten_rio-de-janeiroDer Bundesstaat mit der Cidade Maravilhosa (seiner bezaubernden Hauptstadt) ist Spiel, Spass und Lebensfreude – ganz bestimmt für die, welche mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche hier ankommen. Mit rund 43.700 km² hat er etwa die Grösse Dänemarks und etwas mehr als 15,4 Millionen Einwohner – eine demografische Dichte von 353 Einwohnern pro km² – die grösste Bevölkerungsdichte aller brasilianischen Bundesstaaten! Er erstreckt sich von Südwesten nach Nordosten, entlang der Küste des Atlantischen Ozeans, und setzt sich im Wesentlichen aus zwei unterschiedlichen Regionen zusammen: dem Planalto Serrano, einem Mittelgebirgs-Plateau, und der Baixada Fluminense, der von Flüssen durchzogenen Tiefebene vor der Küste. An der gebirgigen Nordwestgrenze zum Nachbarstaat Minas Gerais recken sich einige Gipfel gegen Himmel, die für brasilianische Verhältnisse zu den höheren Erhebungen zählen, wie zum Beispiel die Agulhas Negras (2.787 m). Das subtropische Höhenklima auf dem Plateau beschert Temperaturen, die oft unter 20º C Durchschnittswert liegen.

Die Wirtschaft des Bundesstaates Rio de Janeiro setzt sich aus fünf Schwerpunkten zusammen: der Schwerindustrie im Tal des Rio Paraíba, den sogenannten „Schlaf-Distrikten“ in der metropolitanen Region, der intensiven Landwirtschaft auf dem Hochplateau des Hinterlandes, dem Sektor Freizeit, Erholung, Tourismus auf dem Küstenstreifen und in der Randgebirgszone und schliesslich dem Norden und Nordwesten mit seinen Zuckerrohr-Plantagen, der Milchwirtschaft und dem Reisanbau. Allerdings kommt der Landwirtschaft im Bundesstaat nur noch sekundäre Bedeutung zu, denn seine Industrie hat sich in den letzten Jahren dermassen entwickelt, dass seine Produktion bereits an zweiter Stelle hinter São Paulo steht, dicht gefolgt allerdings, von Minas Gerais.

Die weltberühmten Strandresorts sind während der Wochenenden und besonders während der Ferienzeit stark frequentiert bis überlaufen. Am nördlich der Hauptstadt gelegenen Strand-Abschnitt, der „Sonnen-Küste“ genannt wird, findet man starke Kontraste zwischen Luxus und Bescheidenheit – zwischen Kolonialem und Modernem – eine vielseitige, auch internationale Küche, und vieles mehr, was dem Tourismus frommt. An der „Grünen Küste“, das ist der Abschnitt zwischen der Hauptstadt und der südwestlichen Grenze zum Nachbarstaat São Paulo, reicht der Atlantische Regenwald an vielen Orten bis hinunter zum Meer. Dort entdeckt man zirka 2.000 Strände und mehr als 300 Inseln – und in den historischen Kolonial-Örtchen Angra dos Reis oder Paraty kann man glatt die Gegenwart vergessen! Die Durchschnittstemperaturen liegen hier bei 24º C.

Nicht allzu weit von der Küste und ihren schönen Stränden liegen die Fazendas, Pousadas und Chalets auf den Höhen der Serra do Mar, und die Bergstädtchen Petrópolis, Teresópolis und Nova Friburgo stehen den Strandresorts in punkto Komfort und Gastronomie um nichts nach. Im Gegenteil: ihre Gründungen durch deutsche und schweizerische Emigranten geben ihnen nicht nur einen interessanten Touch in punkto Architektur – man spürt ihren Einfluss auch in der Gastronomie! An anderer Stelle, in Penedo, in der Serra de Itatiáia, dem ersten Nationalpark Brasiliens, zeigen die Nachfahren finnischer Emigranten mit ihren Chalets ein bisschen von ihrer skandinavischen Kultur und Gastronomie – und viele andere europäische Einwanderer haben sich in Rio de Janeiros Bergregion, mit dem gemässigten Klima, niedergelassen – einige von ihnen bieten romantische Unterkünfte für Freunde des Ökotourismus.

Der Bundesstaat lädt zum Besuch der am intensivsten erschlossenen Strände und naturgeschützten Abschnitte des Atlantischen Bergurwaldes ein – die Stadt lockt mit Genüssen für Romantiker, Bohemiens, Gourmets und Abenteurer. Im Gegensatz zu den arbeitswütigen Bürgern von São Paulo, findet der Bürger von Rio, der Carioca immer einen Grund zum Feiern – wenn Sie also sowieso nichts zu tun haben, ausser Ferien zu machen – hier sind Sie genau richtig und unter vielen Gleichgesinnten!

Die Hauptstadt Rio de Janeiro protzt mit ihren beiden Postkartenmotiven „Zuckerhut“ und „Corcovado“ – aber wenn man sich die Zeit nimmt, sie ein bisschen näher kennen zu lernen, das heisst, tiefer einzutauchen in ihre historischen und architektonischen, kulturellen und folkloristischen Sehenswürdigkeiten – irgendwo ein Strassenfest miterlebt oder einen der vielen offenen Märkte – vielleicht sogar d e n Karneval – dann versteht man, warum Rio de Janeiro das brasilianische Zentrum, auch des internationalen Tourismus, ist und immer bleiben wird.

Die Stadt hat offiziell über 6 Millionen Einwohner, aber auch in diesem Fall dürfte die Dunkelziffer weitere ein bis zwei Millionen betragen. Die Entfernung zur Hauptstadt São Paulo beträgt 429 km – die Temperatur liegt in der City von Rio zwischen 28° und 38° C im Sommer und zwischen 18º bis 28º C im Winter.

Rio de Janeiro ist hauptverantwortlich für die Projektion des ganzen Landes innerhalb der restlichen Welt. Jedes Jahr, nach Statistik der EMBRATUR (Brasilianische Tourisikbehörde), besuchen zirka 1 Million Ausländer die Stadt am Zuckerhut. Fast alle touristischen Attraktionen finden sich in der Südzone der Hauptstadt. Grösstes Symbol dieser Region: die Copacabana. Beim Flanieren auf seinem weltbekannten Trottoir mit dem schwarz-weiss eingelegten Wellenmuster, begegnen sich Cariocas und Touristen aller Altersgruppen und gesellschaftlichen Klassen. Derselbe Stadtteil hat eine grosse Konzentration von Geschäften aller Genres und die meisten Hotels im Stadtbereich. Wandert man bis ans Ende des Trottoirs, erreicht man den Strand von Arpoador – hier wurde der brasilianische Surf aus der Taufe gehoben. Weiter nach Süden der Strand von Ipanema, unsterblich gemacht durch die Musik von Tom Jobim und Vinicius de Morais (Garota d’Ipanema). Hier laufen angeblich die schönsten Mädchen von Rio im Bikini herum – der europäische Besucher stutzt und schaut: „sind ja fast alle blond“! Eben, das ist das brasilianische Schönheitsideal heute! Die knusprigen Braunen oder noch Dunkleren, die Sie meinen – nun, die finden Sie reichlich an anderen Stränden – eben nur nicht in Ipanema!

Aber Rio de Janeiro erschöpft sich nicht in seiner Südzone. Besonders im Zentrum bereichern historische Gebäude und interessante Museen das kulturelle Antlitz dieser Stadt. Der historische Stadtteil Lapa, zum Beispiel, ist die Wiege der Bohemie, des Samba und des Chorinho Carioca (romantische Musikdarbietung). Unter den Bögen des Aquadukts, das Wahrzeichen dieses Stadtteils, treffen sich noch immer die Musiker zu einem Ständchen in den kleinen Bars. Ein anderer alternativer Stadtteil ist Santa Teresa, bewohnt von Künstlern und Intellektuellen. Er liegt auf der Höhe eines Hügels, und man erreicht ihn mittels einer uralten Strassenbahn von 1877.

Im Herzen der Stadt, an der Rodrigo de Freitas Lagune, befindet sich das bevorzugte Ambiente für Sport und Freizeit der Cariocas. Diese Lagune verbindet die Südzone mit anderen Stadtteilen, wie den Jardim Botânico, die Gávea (mit regem Nachtleben im sogenannten „Baixo“) und Cosme Velho, von wo aus man zum grössten Stadt-Urwald der Welt gelangt – dem Floresta da Tijuca.

Wir wollen in dieser skizzenhaften Einleitung zu unseren ausführlichen Beschreibungen im Textteil diesem aber nichts vorwegnehmen, deshalb haben wir hier, was Sie persönlich interessiert, nicht etwa vergessen, sondern Sie finden alles weitere über Rio de Janeiro nur einen Maus-Klick weiter – auch über den Karneval!

Aber sicher kann keine noch so detaillierte Schilderung alle die Einzelheiten erfassen, die den speziellen Charme dieser Stadt ausmachen. Rio ist eine Stadt zum Erleben – nicht nur zum Sehen! Man muss sie emotional erfassen – also kommen Sie mal zu uns nach Rio! Mag man Rio de Janeiro noch so viel Schattenseiten ankreiden – wir, in der schönsten aller echten Weltstädte, sind unbeirrbar zuversichtlich und halten es mit dem ehemaligen Karnevals-Erfolg, den die Cariocas zur Stadt-Hymne erhoben haben: „Cidade maravilhosa, cheia de encantos mil!“

nach obenBUNDESSTAAT SÃO PAULO

sdosten_sao-pauloMit der Hauptstadt gleichen Namens – ist das wichtigste und dynamischste Wirtschafts-Zentrum von ganz Südamerika. Der Bundesstaat hat eine Fläche von 248.209 km², das entspricht etwa der Fläche von Grossbritannien und Irland zusammengenommen – mit einer Gesamtbevölkerung von knapp 40 Millionen und einer demografischen Dichte von 160,4 Einwohnern pro km². Die Stadt bildet mit Belo Horizonte (Minas Gerais) und Rio de Janeiro das sogenannte Industrie-Dreieck Brasiliens. 30% aller Exporte Brasiliens kommen aus dem Bundesstaat São Paulo – 40% aller Importe werden auch vom Bundesstaat São Paulo verbraucht. Nicht nur in der Landwirtschaft, auch in der Viehzucht gehört der Bundesstaat São Paulo zu den grössten Produzenten: eine Herde von 12,6 Millionen Stück grast in seinem Hinterland. Die Paulistaner sind verantwortlich für das grösste Steueraufkommen des Landes – fast 50% – verlöre Brasilien heute São Paulo, wäre das Land bankrott.

Trotz soviel Industrie und Technik hält der Bundesstaat São Paulo aber auch viele interessante Regionen für den Tourismus bereit: an seiner 622 km langen Küste finden sich Strände für jeden Geschmack und Unterkünfte für jeden Geldbeutel – von 5-Sterne-Palästen bis zu den einfachsten Pousadas. Die Naturliebhaber können durch Naturschutzgebiete wandern oder über einsame Inseln, wie zum Beispiel die Ilha Bela, bei São Sebastião oder die Ilha do Cardoso, beim Ort Cananeia. Die Höhlen in der Gegend von Ribeira, im Süden des Bundesstaates, sind ein besonderer Tipp für Fans dieser Art der aktiven Feriengestaltung.

Die Hauptstadt São Paulo ist eine kosmopolitische Stadt, voller ethnischer Gegensätze zwischen heute (offiziell) 20,2 Millionen Menschen (aber jeder weiss, dass es noch ein paar Millionen mehr sind), vereint durch ihre gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen. Die am schnellsten wachsende Metropole der Welt und grösste Stadt Südamerikas – sie liegt auf einer Höhe von 760 Metern über dem Meer. Die Infrastruktur von Restaurants, Hotels, Shopping-Zentren, Kultur und Unterhaltung – mit der grössten Konzentration an Kinos und Theatern – kompensiert das Fehlen von Natur-Attraktionen im Stadtgebiet. Business ist der grosse Trumpf dieser Stadt – gegenwärtig finden in São Paulo 76% aller in Brasilien abgehaltenen Messen und Kongresse statt!

Der Geschäftsmann ist hier auch Tourist. Und deshalb ist das Angebot in São Paulo mit vielen neuen internationalen Hotelketten inzwischen auf rund 43.500 Betten gestiegen! Vergleichbar mit den grossen gastronomischen Einzugsgebieten Europas und Nordamerikas, kann die Megastadt São Paulo heute eine internationale Küche aus mehr als 30 verschiedenen Ländern bieten!

Das Stadt-Zentrum setzt sich aus den ältesten Teilen der Stadt zusammen – wie Luz, Sé, Vila Buarque – obwohl ziemlich dekadent, sind diese Stadtteile ein lebendiges Erbe aus der Geschichte. Dort stehen die antiken Gebäude, die Museen, die alten Kirchen – das Pátio do Colégio, wo einst die Stadt ihren Anfang nahm – die Catedral da Sé, die Basilica de São Bento und das Teatro Municipal.

Die Jardins (Gärten), wie man die Stadtteile rund um das Zentrum nennt – die Jardins Paulista, Paulistano, Europa und America – bringen das kosmopolitische Gesicht der Metropole mit der internationalen Mode ihrer Boutiquen in Einklang, und die Qualität ihrer Gourmet-Restaurants verhält sich hier proportional zu ihren Preisen. Das Postkartenmotiv der Stadt in diesem Bereich ist die Avenida Paulista, das Finanzzentrum der Grossstadt.

Vila Madalena hat den Ruf, der Stadtteil der Künstler und Bohemiens zu sein. Während des Tages gibt es hier viel kulturelle Agitation mit verschiedenen Zentren, nachts sorgen viele unterschiedlich gestaltete Nachtclubs und Showbühnen für den Ruf des Stadtteils als Amüsierviertel. Vila Olímpia und Itaim Bibi sind aber die beiden Lokomotiven des paulistaner Nachtlebens. In diesen beiden Stadtteilen gibt es die besten Bars und Tanzlokale, die von der gehobeneren Gesellschaft frequentiert werden.

São Paulos grösstes Problem ist sein chaotischer Verkehr. Es gibt hier einfach zu viele Autos und alle wollen zu den gleichen Stosszeiten in dieselbe Richtung – das Problem aller grossen Weltstädte. Um das schnelle Wachstum der Flotte und das vergleichsweise zu langsame Wachstum der Verkehrswege zu kompensieren, hat die Stadtverwaltung ein System der wechselweisen Nichtbenutzung der innenstädtischen Verkehrswege eingeführt, das „Rodizio“ genannt wird (wie der wechselnde Fleischspiess in den Churrascarias), und das funktioniert so: Autos mit den Endziffern 1 und 2 auf den Nummernschildern dürfen Montags, zwischen 07h00 und 10h00 morgens und 17h00 bis 20h00 nachmittags im Stadtgebiet nicht zirkulieren. Am Dienstag sind die Endziffern 3 und 4 dran – und so weiter.

São Paulo dürfte einer der wenigen Bundesstaaten in der Brasilianischen Union sein, in dem der internationale Tourismus keine sichtbare Bewegung hinterlässt und auch keinen spürbaren Wirtschaftsfaktor darstellt. Die Stadt selbst wird von Ausländern „höchstens mal auf einer Geschäftsreise“ besucht – während einer Messe oder zur Eröffnung eines internationalen Tochter-Unternehmens – und selbst dann flüchtet man übers Wochenende doch lieber nach Rio de Janeiro, zusammen mit seinen Geschäftsfreunden. São Paulo ist aber auch der einzige Bundesstaat, welches einen internationalen Tourismus – entschuldigen Sie die Arroganz – gar nicht nötig hat. Es ist selbst so international in der Zusammensetzung seiner Bevölkerung, birgt selbst soviel Kreativität, Dynamik und Produktion in den eigenen Reihen, ist dauernd in Bewegung, und steht deshalb Traditionen eher schamhaft – historischen Remineszenzen eher befremdlich – und allem was seine rasante Entwicklung bremsen könnte, ziemlich uneinsichtig gegenüber. So investieren die Paulistas auch weniger in touristische Sehenswürdigkeiten – die entstehen sozusagen als groteske Randerscheinungen durch die paulistanische Lebensart von selbst.

Soweit unser Aperitif des brasilianischen Südostens
Wenn Sie sich für diese Region besonders interessieren, dann haben wir sämtliche Details für Sie unter den Namen der entsprechenden Bundesstaaten. Und sollten Sie noch mehr wissen wollen, dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf.


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