Blumenau

Veröffentlicht am 25. Oktober 2009

Diese grösstenteils von deutschen Einwanderern gegründete Stadt (309.011 Einwohner, Stand 11/2010) mit dem poetischen Namen liegt etwa 50 km vor der atlantischen Küste, zwischen Joinville im Norden und Florianópolis im Süden, von beiden etwa gleichweit entfernt – nämlich rund 140 km.

Der in das Tal des Rio Itajaí eingebettete Ort, wurde von dem deutschen Apotheker Herrmann Blumenau am 2. September 1850 gegründet: Er brachte eine kleine Gruppe von 17 deutschen Aussiedlern mit, die sich hier an heimatliche Gefilde erinnert fühlten, das fruchtbare Land urbar machten und gegen Indianer und andere Gefahren verteidigten. 1887 hatte die Kolonie u.a. schon 10.000 deutsche Einwanderer, die aber entgegen den Absichten des Gründers, die bis dato landwirtschaftlich orientierte Kolonie in eine Industrie-Gesellschaft verwandelten. Besonders die Textilfachleute wurden hier zu Grossunternehmern – und heute befinden sich in Blumenau Textilindustrien, die zu den grössten der Welt zählen.

Hier kann man sich am besten in dem Hotel mit dem seltenen Namen Himmelblau Palace einquartieren und zum Mittagessen hinauf zum Gasthaus Frohsinn spazieren. Von hier oben hat man einen schönen Blick auf die „an Deutschland erinnernde Landschaft“ – und wenn einen dabei die Lust ankommt, eine deutsche Volksweise zu trällern, so befindet man sich hier unter Gleichgesinnten.

Ein Salat mit Zutaten aus den verschiedensten deutschen Sprachregionen ist das kuriose Deutsch der Blumenauer – gewürzt mit den klangkräftigen Beiträgen von Tirolern und Schweizern. Und das mitgebrachte Brauchtum hält sich tapfer, obwohl die Stadt ständig an Einwohnern wächst: In Lederhosen wird um den Maibaum getanzt, drei Dutzend Schützenvereine schiessen um die Wette, und an den Feiertagen werden zur Dampferfahrt auf dem Itajaí-Fluss die Dirndlkleider angezogen. Auf dem stolzen weissen Schiff, der Blumenau II, geht dann der schwarze Kellner herum und fragt nach den Wünschen der Gäste – auf Deutsch, versteht sich!

Das Blumenauer Oktoberfest – nach dem Münchner Vorbild – ist in ganz Brasilien berühmt. In den tollen 18 Tagen besuchten zuletzt rund 750.000 Besucher das Fest – sie tranken 117.208 Liter Fassbier, welches die Blumenauer in alter Tradition selbst brauen – und jedes Jahr wächst diese Besucherzahl. Besonders für die Brasilianer aus dem tropischen Norden ist Blumenau der exotischste Ort überhaupt. Im Jahr 2010 beginnt Blumenau seine 160-Jahrfeier – sicher mit einem besonders ausschweifigen Fest, versteht sich.

Brusque
Ist bekannt als „Stadt der Textilien“ – der grösste Industriepol für Textil-Konfektion im Süden Brasiliens. Die Attraktionen sind auch hier die deutsche Architektur und typische Küche – die „Ente mit Rotkohl“ ist weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt – man hat nach ihr sogar ein ebenfalls im Oktober stattfindendes Fest benannt, die „FENARECO“ (Festa Nacional do Marreco) in Brusque. Die Caverna de Botuverá ist eine Höhle in der näheren Umgebung, die zu den schönsten Brasilien gehört – mit 400 Metern unterirdischer Gänge.