Die Caatinga

Veröffentlicht am 21. Oktober 2009

An dieser Stelle möchten wir einmal auf die in unseren Texten über den Nordosten so oft benutzte Vegetationsform, die „Caatinga“ eingehen, die in den meisten Bundesstaaten des Nordostens vorkommt, aber besonders im Bundesstaat Rio Grande do Norte mehr als drei Viertel der Bodenfläche einnimmt.

[flickr tags=“Caatinga“]Die Bezeichnung „Caatinga“ stammt aus dem Sprachgebrauch der Tupi-Indianer und bedeutet „Weisser Wald„. Der Grund für diese, nicht sofort offensichtliche Bezeichnung, liegt in der Tatsache, dass sich die „Caatinga“ nur während der „Wintermonate“, also der Regenzeit, als grün und mit dichtem Laubwerk präsentiert – einer kurzen Zeit.

In den übrigen Monaten des Jahres erscheint die Landschaft transparent – der Blick durchdringt die trockene Vegetation wegen der fehlenden Blätter bis auf weite Entfernungen, zwischen den kahlen Stämmen der verkrüppelten Bäume hindurch, deren farblos bis weiss gewordene Rinde wie ein helles Leichentuch über der Landschaft liegt. Es ist diese helle Farblosigkeit, die wesentlich länger währt als die zwischenzeitliche grüne Hoffnung – manchmal neun Monate lang, regnet es keinen Tropfen – in Ausnahmefällen über Jahre!

Die Temperatur in der „Caatinga“ ist im Allgemeinen ausserordentlich hoch (38 – 40º C), die relative Luftfeuchtigkeit besonders niedrig, und die zu erwartenden Niederschlagsmengen liegen pro Jahr nur zwischen 250 und 500 mm.

Es gibt bestimmte Orte, wo es noch weniger regnet. Die Dauer der Trockenzeit ist von Gebiet zu Gebiet sehr unterschiedlich – im Allgemeinen liegt sie bei 7 Monaten. Die Regenfälle kommen in der „Winterzeit“, und das ist nicht etwa die kalte Zeit, sondern die weniger warme! Der Mensch des Nordostens benutzt das Wort „Winter“ (Inverno) nicht, um damit eine kalte Zeit zu bezeichnen, sondern die „Regenperiode“. Charakteristisch für die „Caatinga“ ist nicht nur das Fehlen von Regen, sondern vor allem die Unregelmässigkeit der Niederschläge.

80% der Bodenfläche in Rio Grande do Norte sind von der „Caatinga“ besetzt – auf den restlichen 20% breiten sich aus: „Floresta Estacional Semi-caducifólia“, ein Jahreszeiten abhängiger Wald, von dem ein Teil der Baumarten ihre Blätter abwerfen und „Floresta Ombrófila“ – der immergrüne Atlantische Regenwald. Dazwischen finden sich Mangrove-Wälder, Vegetation der Hochebenen und die „Carnaubais“ – die Carnaúba-Palmenhaine.

Die vegetative Zusammensetzung der „Caatinga“ umfasst zwei Typen:
Die „Caatinga Hiperxerófila“ – eine Vegetation mit einem hohen Grad von Anpassungsfähigkeit an die Trockenheit (Xerofitismus) und

Der „Caatinga Hipoxerófila“ – eine Vegetation mit weniger Anpassungsfähigkeit. Die erste bedeckt 60% der bundesstaatlichen Fläche, die zweite 20%.

Der Boden der einzelnen Caatinga-Gebiete ist von unterschiedlicher Qualität. Hinsichtlich seines chemischen Potentials kann er eigentlich in den meisten Fällen als fruchtbar bezeichnet werden. Vom physischen Standpunkt her präsentiert er gute Wasser- und Luftdurchlässigkeit. Auf seiner Oberfläche finden sich häufig Steine und Felsenfragmente verschiedener Grössen, die eine Bearbeitung wesentlich erschweren. Die Flüsse führen selten permanent Wasser.

In der Regel unterbrechen sie ihren Lauf im Sommer – selbst die im Winter so tief erscheinenden Ströme! In den Tälern verbleibt manchmal ein unterirdischer Wasserspiegel, der den Pflanzen an diesen Stellen das Überleben ermöglicht. Die vom Menschen angelegten Brunnen oder offenen Lagunen zur Speicherung des Wassers, werden salzig – und dieses Wasser kann dann nicht einmal mehr für die Viehhaltung verwendet werden. Auch eventuell zurückbleibende Wasserlöcher im Flussbett nehmen jenen „salubren“ Geschmack an.