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Volkstänze und Feste

BUMBA-MEU-BOI

Ist auch in Piauí das beliebteste folkloristische Manifest – es ist über den gesamten Nordosten verbreitet und, unserer Meinung nach, am originellsten in Maranhão zu erleben, wo es als grösstes und prächtigstes Volksfest zu einem fantastischen Spektakel gereift ist, das mehr als eine Million Zuschauer von ausserhalb in São Luis zusammenströmen lässt.

Kenner der brasilianischen Folklore-Szene behaupten allerdings, dass der folkloristische "Boi" (Ochse) in Piauí erstmals mit der Kolonisation der neuen Provinz, Ende des 18. Jahrhunderts, von Pernambuco her, eingeschleust worden sei. Demnach wäre seine brasilianische Heimat der Bundesstaat Pernambuco!

Dem können die Piauienser nicht zustimmen, "que nada!" Der Ochse wurde natürlich hier unter uns geboren – in einer Region, die allein von Rinderfarmen kolonisiert worden ist, auf denen der Ochse Symbol lokalen Überlebens war. Hier im Bundesstaat Piauí entstand die intimste Relation zwischen Mensch und Ochse! Und deshalb ist auch das Fest des "Ochsen" so populär geworden – wird mit soviel Pomp und Farbe gefeiert. Für uns ist der "Boi" nicht nur einfach ein wichtiges Haustier, wie irgendein anderes, für uns hat er eine profunde mystische Bedeutung und die leben wir aus in unserem Fest zu seinen Ehren.
Der "Bumba-meu-boi" ist viel mehr als ein Tanz, er ist ein dramatisches Schauspiel. Sein Text deklamiert eine sozialwirtschaftliche Realität, sein musikalischer, rhythmischer, choreografischer und instrumentaler Inhalt beschreiben die Begegnung unterschiedlicher Kulturen, welche sich hier unter uns vervollständigt und an eine typische Realität angepasst haben.

(Details über "Bumba-meu-boi" im Text über den Bundesstaat Maranhão).

nach obenREISADO

Oder auch "Terno de Reis" genannt, ist neben dem "Boi" eine der originellsten folkloristischen Manifeste. Er beginnt in der Weihnachtszeit und endet mit dem Tag der "Heiligen drei Könige", am 6. Januar. Man tanzt und feiert ihn im gesamten Bundesstaat.

In der Regel wird der "Reisado" von 4 bis 6 "Caretas" (Maskierten) angeführt, die Spassmacher der Truppe. Ein Orchester aus Geigen, Lauten, Banjos, Gitarren, Tamburinen, Rasseln und Ziehharmonikas begleitet die Gesänge eines kleinen Frauenchors. In der Reihenfolge ihrer Musik, präsentieren sich die verschiedensten Persönlichkeiten: da gibt es die "Burrinha" (wörtlich "Eselin"), der "Boi" (Ochse), die "Onça" (Jaguar), die "Cigana" (Zigeunerin), die "Ema" (bras. Straussenart), der "Arara" (Ara), der "Caipora" (Sagengestalt), der "Cabeça-de-fogo" (Feuerkopf) etc. Je nach Distrikt und Region werden unterschiedliche Persönlichkeiten präsentiert.

In den Pausen wechselt die Szene zu einer anderen Präsentation: jetzt kommen die "Caretas" zum Zug – sie tanzen den "Xicote", interpretieren "Modinhas" mit verstellter Stimme und erzählen pikante Anekdoten. Die Gesänge bei Ankunft der Gruppe, und jene der Verabschiedung, gehören zu den ergreifendsten Schöpfungen nordöstlicher Folklore und Poesie.

nach obenMARUJADA

Dies ist eine Präsentation, bei der relativ wenig tänzerische Performance gefordert ist – die Musik, und vor allem der Dialog, ist das wichtigste Element. Die Geschichte erzählt von einem Schiff, verloren auf dem Meer, von allen seinen Irrungen und Wirrungen, bis es schliesslich durch ein Wunder der "Nossa Senhora" in einen sicheren Hafen findet. Erzählt wird auch von den Kämpfen zwischen Mauren und Christen, mit einer deutlichen Referenz an die Iberische Halbinsel Spaniens.

Die Choreografie der Seeleute ist simpel: Sie besteht aus zwei Reihen von Teilnehmern, die sprechen, singen und tanzen, indem sie das Auf und Ab des Meeres imitieren oder das Brechen der Wellen an der Küste. Jeder Teilnehmer ist als Matrose gekleidet und begleitet den Rhythmus mit einer Rassel aus einer Blechbüchse. Die Männer bewegen dabei eine Schiffsminiatur unter Segeln.
Die beste "Marujada" präsentieren in Piauí die Marujos von Parnaíba und von Campo Maior.

nach obenPASTORIL

In der Zeit zwischen 23. Dezember und 6. Januar ziehen die "Pastorinhas" (ursprünglich Viehhüterinnen) innerhalb einer Gruppe von Haus zu Haus. In langen Gewändern, die bis auf den Boden reichen, mit Kopftuch und vielen bunten Halsketten, und zwischen ihnen einige charakteristische Persönlichkeiten, wie zum Beispiel eine Zigeunerin, eine Blumenverkäuferin und ein Schmetterling. Wenn die Gruppe sich einem Haus nähert, sollte dort die Tür verschlossen sein – und sich erst öffnen, wenn die Gruppe ihren Begrüssungsgesang dargebracht hat.

Dann liest die Zigeunerin den Bewohnern die Hand, die Floristin verkauft ihre Blumen und die Pastorinhas verkaufen Bänder in den Farben ihrer Halsketten. Zum Schluss serviert die Hausfrau der Gruppe Plätzchen und selbstgemachten Likör. Nach den verschiedenen "Partes" (Gesangs-Abschnitten) singt die Gruppe den Abschiedsvers und begibt sich zum nächsten Haus.

"Leider befindet sich der "Pastoril" in offensichtlicher Dekadenz. Die jungen Mädchen wollen nicht mehr als "Pastorinhas" herumlaufen sondern als Disko-Queens!" sagt eine Senhora aus dem Interior von Piauí.
 
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