Sete Cidades

Veröffentlicht am 20. Oktober 2009

Gründung: 03. 06. 1961
Grösse/km2: 7.700   km2    
Regenzeit: Januar bis Mai

Die Anfahrt, von Piripiri aus, führt über die BR-222 (17 km) und dann über eine etwas prekäre Asphaltpiste mit vielen Löchern (8 km) bis zum Südeingang. Sieben Gruppen von Felsformationen, die von den ersten Wissenschaftlern an diesem Ort als „Cidades“ – Städte, bezeichnet wurden, gaben dem Park seinen Namen, der sich in einer Übergangszone zwischen „Caatinga“ und „Cerrado“ befindet. Wind, Regen und Temperaturschwankungen haben jene Natur-Monumente im Lauf der Zeit ge- und verformt. Und nun ähneln sie pflanzlichen, animalischen, menschlichen und auch architektonisch konzipierten Gebilden. Die bekanntesten sind: der Umriss Brasiliens, der Kopf von Dom Pedro I. und der Triumphbogen.

Die „Cidades“ liegen auf einer 12 km langen Route, die für die Öffentlichkeit freigegeben ist, darunter sind allerdings 3 Areale, die nur für autorisierte Wissenschaftler zugänglich sind. Man braucht mindestens einen halben Tag, um alle Sehenswürdigkeiten zu besuchen, die auch Felsmalereien beinhalten, einen Aussichtsturm in der zweiten „Cidade“, einen Natur-Pool zum Baden und einen erlebenswerten Wasserfall. Solange der Park noch nicht mit einem Transportfahrzeug und Fahrrädern ausgerüstet ist (im Projekt), kann die Route mit dem eigenen Fahrzeug abgefahren werden. Wegen der intensiven Sonnenbestrahlung empfiehlt es sich, Hautschutzcreme, Sonnenhut und Trinkwasser mitzubringen.

Historische und kulturelle Aspekte
Erste offizielle Aufzeichnungen über „Sete Cidades“ datieren vom 9. Dezember 1886 – damals gab man dem Ort den Namen „Sieben Städte aus Stein“. Die spektakulären Felsformationen wurden von Besuchern und Wissenschaftlern unterschiedlich beurteilt und interpretiert – nicht eine dieser Meinungen ist wissenschaftlich bewiesen worden. Brasilianische Historiker machen darauf aufmerksam, dass die Region Wohngebiet der „Quiriru“ und „Jenipapo“ gewesen ist, Stämmen aus der grossen „Tabarana-Nation“.
Der fantastische Komplex geologischer Monumente wurde im Verlauf von Jahrtausenden durch Naturgewalten geformt, und die Felsmalereien mit rötlicher Farbe beweisen den Durchzug des prähistorischen Menschen durch dieses Gebiet.

Fläche und Lage
Die Gesamtfläche des Parks umfasst 7.700 ha und einen Durchmesser von 36 km. Er liegt im Norden des Bundesstaates Piauí, in den Distrikten „Brasileira“ und „Piracuruca“.

Man kann auf zweierlei Art anfahren: entweder über die Bundesstrasse BR-222, die Fortaleza/Ceará mit Piripiri verbindet – durchgehend asphaltiert – oder über die Bundesstrasse BR-343, die Teresina mit Parnaíba verbindet, ebenfalls ganz asphaltiert.

Vegetation
Übergangsvegetation zwischen „Cerrado“ und „Caatinga„, mit Dominanz der typischen Cerrado-Spezies neben einigen Flecken offener Campos und Uferwald.

Fauna
Die Tierwelt im Parkgelände ist, in Anbetracht der ebenfalls geschützten typischen Vegetation des „Cerrado“, vielgestaltiger als im ausserhalb des Parks liegenden Gelände, wo viele typische Cerrado- und Caatinga-Bewohner bereits ausgestorben sind. Derselbe Naturschutz begünstigt auch die Fortpflanzung dieser Tierwelt und deren zahlenmässige Zunahme. Die expressivsten Fauna-Spezies des Parks sind: „Veado-mateiro“ (Mazama rufa), „Tatu verdadeiro“ (Dasypus novencinctus), „Onça suçuarana“ (Felis concolor), „Jacú“ (Penelope jacutinga), „Paca“ (Coelogenis paca), „Tamanduá-mirim“ (Tamandua tetradactylus), „Cutia“ (Dasyprocta aguti), einige häufige Reptilienarten und viele Vögel.

Besuch täglich zwischen 8h00 und 17h00.
Es gibt ein Besucher-Zentrum, ein Restaurant und Unterstände. Die Besucher werden obligatorisch von einem Guide der IBAMA begleitet (maximal 15 Personen). Beste Jahreszeit ist Dezember bis Juli. In diesen Monaten haben Natur-Pool und Wasserfall ein schönes Wasservolumen, und die Vegetation ist dicht und grün.

DER URUBU-WASSERFALL
Der „Parque Ecológico da Cachoeira do Urubu“ liegt in der gleichen Region, wie die „Sete Cidades“ – von dort sind es nur knappe 100 km weiter auf durchgehend asphaltierter Strasse. Direkt am Wasserfall gibt es eine einfache Pousada mit acht Appartements und einem sehr guten Frühstück (auch mit Mittagessen, wenn gewünscht).

„Alles wegen einem Wasserfall“? werden Sie fragen – ja, aber was für ein Wasserfall!! Hier handelt es sich um einen fast 350 Meter breiten und 12 Meter hohen geologischen Gesteinsabriss im Bett des „Rio Longá“, und das Wasser des Flusses schiesst in verschiedenen grossen und kleinen Fällen über den hufeisenförmigen Felsrand und brodelnd in den Kessel, bevor es sich als ruhig dahinfliessender Strom durch die Ebene davonmacht. Ein Spektakel, das nicht nur Naturliebhabern gefällt und die schönste Aussicht hat man von dem 400 m langen Laufsteg aus, der die beiden Flussufer verbindet, sich aber leider in einem erbärmlichen Zustand befindet.

In den Monaten April und Mai kann man hier das Naturwunder der „Piracema“ beobachten, jener, von Dokumentarfilmen im allgemeinen bekannten Wanderung der Lachse zu ihren angestammten Laichplätzen: Die Fische hier sind zwar keine Lachse, und es stehen auch keine Bären im seichten Wasser, um sich die fettesten Exemplare herauszugreifen, aber das Spektakel im Bereich des Wasserfalls ist trotzdem einfach fantastisch. Man kann nur staunen, woher so ein kleiner Fisch die enorme Kraft nimmt, sich gegen die Strömung des herabrauschenden Wasserfalls zu behaupten und über die zwischen 10 bis 12 Meter hohe Felsbarriere hinwegzuspringen!

Tausende, vielleicht Millionen Fische verschiedener Arten und Grössen tun es ihm gleich – ihre zappelnden Leiber reflektieren das Sonnenlicht im entschlossenen Sprung über die steinernen Barrieren, silbern blitzende Reflexe über dem schäumenden Element und – zurückgeworfen, nimmt der kleine Fisch einen erneuten Anlauf. Sieg oder Tod – aber für ihn gibt es nicht einmal diese Alternative.

Der Park hat eine bescheidene Infrastruktur für Besucher von ausserhalb – ausser der beschriebenen Pousada und des Laufsteges gibt es ein Restaurant mit typischen Menus, Bars und Boutiquen sowie ein Freizeitgelände. Auch ein Telefonposten ist vorhanden. An zahlreichen kleineren, abseits gelegenen Wasserfällen und in Buchten des Flusses bestehen Bademöglichkeiten.

Beste Besuchszeiten sind zwischen Januar bis Juli – allerbeste, wegen der „Piracema“, im April oder Mai, wenn der Fluss ausreichend Wasser führt, um ein schönes Spektakel zu gewährleisten.

Der dem Wasserfall nächstgelegene Ort heisst „Esperantina“ (21 km) – er liegt nördlich. Der andere Ort in der Nähe heisst „Batalha“ (26 km) – er liegt südlich. Zwischen diesen beiden Orten liegen 26 km Entfernung.

Kommt man von „Sete Cidades“, also von Süden, muss man durch „Batalha“ – nach 15 km hinter diesem Ort führt eine Strasse rechts ab, nach „Joaquim Pires“, eine Erdpiste, auf der man nach 11 km den Park erreicht. Kommt man von Teresina – 189 km entfernt – muss man ebenfalls erst durch „Batalha“.


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