Aus der Geschichte des Bundesstaates Pernambuco

Veröffentlicht am 19. Oktober 2009

Manchmal erinnert man sich der brasilianischen Ureinwohner zumindest durch die Namensgebung eines Flusses, eines Gebirges, einer Stadt oder eines Bundesstaates. „Para‘ nã“ nannten die Tupi-Indianer einen „ruhig fliessenden Fluss“ und „Pu‘ ka“ ist das Verbal-Substantiv von „Pug“ und bedeutet „aufbrechen, durchbohren, sich durchdrängen“. Dazu erklärt der gelehrte „Teodoro Sampaio“: Öffnung oder Eingang der Mündung, die von den Flüssen „Rio Capibaribe“ und „Rio Beberibe“ geformt wird – die natürliche Öffnung Recifes zum Meer – ergibt sinngemäss „das aufgebrochene Meer“: „Para‘ nã – Pu‘ ka“ = Pernam – Buco.

Aber diesen Namen bekam die Stadt erst später. Als der portugiesische Adlige Duarte Coelho vom Hof die „Capitania Nova Lusitânia“ anvertraut bekam, die sich von der Mündung des „Rio São Francisco“ bis nach „Igarassu“ erstreckte, rief er die zahlreichen Mitglieder seiner Familie zusammen sowie einige betuchte Freunde des portugiesischen Landadels, von denen er wusste, dass sie finanziell und von ihren landwirtschaftlichen Kenntnissen her in der Lage waren, eine Zuckerrohr-Plantage selbständig aufzubauen und zu leiten.

Eine kleine, aber schlagkräftige Truppe, die da im Jahr 1535 brasilianischen Boden betrat, allen voran die Ehefrau und Dame der Gesellschaft, Dona Brites, die später ihren Mann sogar in der Regierung der Capitania vertreten sollte. Duartes Schwager, Jerônimo de Albuquerque, der sich später einen Namen als „der pernambukanische Adam“ machte, wegen seiner zahlreichen weissen und indianisch-gemischten Nachkommenschaft. Letzterer wurde damals als „luso-amerindisch“ bezeichnet und all die anderen näheren oder weiteren Bekannten, die genug Vertrauen in Duarte und Courage für das Abenteuer aufbrachten, sich in Brasilien „feudal und definitiv niederzulassen“, wie das Duarte Coelho so entschlossen ausgedrückt hatte.

Die kleine „Capitania“ entwickelte sich bemerkenswert gut unter ihrer weisen und entschlossenen Administration, die, zum einen, der Landwirtschaft kräftige Impulse gab und, zum andern, es verstand, französische Abenteurer von ihren Ländereien zu vertreiben sowie Indianerattacken erfolgreich abzuwehren. Man hatte sich in Olinda niedergelassen, der ersten Hauptstadt von Nova Lusitânia und die Mitglieder des engeren Kreises um Duarte Coelho wussten bald nicht mehr wohin, mit dem vielen Geld, das sie mit ihren Zucker-Exporten verdienten.

Ein zeitgenössischer Beobachter, der Jesuit Fernão Cardim, notierte erbost:
„Die Frauen sind sehr elegant aber nicht gläubig und ausschweifige Feste scheinen ein Teil der Tagesordnung, zu denen die Teilnehmer teils in roten, teils in grünen Samt gekleidet erscheinen. Andere in Damast und Seide von verschiedenen Farben, wobei die Sättel und das Zaumzeug aus demselben Stoff sind wie die Kleider“ ausserdem, so ärgerte sich der Kirchenmann, gebe es hier „mehr Hochmut als in Lissabon“ und die Leute tränken „pro Jahr für 50.000 Kreuzer portugiesischen Wein, in manchen Jahren sogar für 80.000 Kreuzer!“

Die Neubürger von Olinda trieben es so toll, dass sich der Dominikanerpater Antônio Rosado nicht mehr zurückhalten konnte und (1629) öffentlich von der Kanzel schmetterte: „Holland wird Olinda in Schutt und Asche legen, denn wo die irdische Gerechtigkeit fehlt, wird die des Himmels nicht auf sich warten lassen!“

Durch die damals noch etwas umständliche und sehr langsame Kommunikation hatte es zwar einige Zeit gedauert, bis die Holländer von den einträglichen Plantagen, den Zucker-Fabriken (Engenhos) und der noblen Stadt Olinda erfahren hatten, aber am 16. Februar 1630 tauchten sie an der Küste vor Olinda auf, nutzten die Überraschung der ewig halbtrunkenen Portugiesen und hausten wie das vom Pater angedrohte Gottesgericht. Nachdem sie die wertvolleren Möbel und die Weinvorräte sichergestellt hatten, steckten sie die Stadt in Brand. Dann installierten sie sich im benachbarten Recife, wo sie 24 Jahre lang verblieben – von 1630 bis 1654.

Innerhalb dieser Zeit regierte Baron Moritz von Nassau (Johan Maurits von Nassau-Siegen, wie er in Holland genannt wurde) sieben Jahre lang als Gouverneur das „Holländische Brasilien“ – ein Gebiet, das von Rio Grande do Norte über Paraíba bis nach „Cabo de Santo Agostinho“ in Pernambuco reichte. Unter seiner Administration entstand eine Reihe von Einrichtungen, deren hohen kulturellen Wert man anerkennen muss. Sein Verhältnis zu Brasilien könnte man als „Liebe auf den ersten Blick“ bezeichnen. Er bemühte sich, anders als die Portugiesen, das Vertrauen der Indianer zu gewinnen, und seine Toleranz gegenüber Juden, Katholiken und allen Andersgläubigen war beispielhaft. Doch sein Job war der eines Militär-Kommandanten – mit Bahia in portugiesischer Hand, musste er andauernd einen Angriff auf Pernambuco fürchten – also griff er Salvador zuerst an (1638) – und scheiterte. 1641 gelang ihm die Erweiterung seines Territoriums auf São Luis do Maranhão, aber er war nicht in der Lage, aus dieser Position Kapital zu schlagen.

1644 kehrte Moritz von Nassau verstimmt nach Holland zurück, teilweise wegen seiner „unwirtschaftlichen brasilianischen Administration“: die „West India Company“, die damals einen Grossteil des Handels mit Brasilien kontrollierte, hatte es abgelehnt, die Kosten für die Stadt Recife länger zu tragen. Zu viel Zucker wurde angebaut, dessen Handel nicht in den Händen der Company lag – und zu wenig andere Produkte wurden lanciert, um die Kosten der Stadt zu decken – und Moritz hatte sich diesbezüglich kaum um die Landwirtschaft des Inlands gekümmert.

Ein Jahr nach seiner Rückkehr verstärkten die Portugiesen ihre Angriffe auf das holländische Territorium. Und weil die „Flamengos“ keine nennenswerten Verteidigungsanlagen ausserhalb ihrer Hauptstädte eingerichtet hatten, gewannen die Portugiesen ihr ehemaliges Territorium Stück für Stück zurück. Gegen die holländische Übermacht zur See jedoch, und gegen ihre schwer bewaffneten Festungen, war vorerst nicht anzukommen – so zogen sich die Scharmützel hin bis zum Jahr 1654 – und da hatten sich die Holländer auch mit England angelegt, was ihre Seemacht an der brasilianischen Küste schwächte. Am 26. Januar 1654 gaben sie auf. Die letzte Gefährdung einer portugiesischen Herrschaft über Brasilien war dahin.

Für den Freiheitskampf gegen das holländische Joch hat sich niemand, unter den Portugiesen oder schon Brasilianern, so engagiert, wie die „Pernambukaner“: die weissen Bürger, die Mestizen, die Amerindier und die schon christianisierten Schwarzen, sie alle zeigten eine einmalige Energie, Courage und Tapferkeit, vor der die Holländer schliesslich kopfschüttelnd kapitulierten (auf den Hügeln von „Guararapes“, vor der Stadt Recife, am 16. Januar 1654). Der typisch pernambukanische Patriotismus und die kämpferische Tradition, die heute noch den Bürger Pernambuco auszeichnen, stammen aus dieser Zeit der Bewährung. Kein Wunder also, dass dieser Menschenschlag sich auch im weiteren Verlauf der Geschichte immer mal wieder trotzig auflehnte, gegen Missbrauch und Willkür seiner Regenten – Revolutionen, die in Pernambuco ihren Anfang nahmen und sich über das ganze Land Brasilien ausbreiteten. Man sagt sogar, dass die Idee einer von Portugal unabhängigen Republik Brasilien, bereits um 1710 in Olinda geboren wurde!

Während der Kolonialzeit gab es einige Gouverneure und „General-Kapitäne“, die durch ihre Initiative und realisierten Projekte Geschichte gemacht haben. Und während des Imperiums gab es andere, welche die Provinz mit Weisheit und einem hohen Grad an administrativer Geschicklichkeit regierten: Francisco do Rego Barros, der Baron von Boa Vista, machte durch eine Reihe von couragierten Initiativen von sich reden, die dazu beitrugen, die Hauptstadt Recife zu modernisieren. Er war es auch, der dem Interior ein erstes wissenschaftlich geplantes Strassensystem verordnete, das von dem Ingenieur Louis Léger Vauthier und seinen Leuten ausgeführt wurde. Ein anderer bemerkenswerter Präsident der Provinz von Pernambuco war Henrique Pereira de Lucena, der Baron von Lucena.

Während der so genannten Ersten Republik – 1889 bis 1930 – hatte Pernambuco eine ganze Reihe von ehrenhaften und politisch einflussreichen Gouverneuren, durch deren Wirken der Staat, wie vorher schon als Provinz, die Politik des ganzen Landes massgebend mitbestimmte. Mit zweien seiner Politiker, die Vizepräsidenten wurden, mit seinen zahlreichen Repräsentanten im Nationalparlament, seinen Intellektuellen, die in Recife sassen oder zu irgendeinem hohen Posten in Rio de Janeiro abberufen wurden. Mit allen diesen „gestandenen Pernambukanern“ hatte sich der Bundesstaat in die vordersten Reihen nationalen Respekts und Ansehens manövriert. Der letzte Gouverneur dieser Periode war Estácio de Albuquerque Coimbra, der schon einmal das Amt des brasilianischren Vizepräsidenten innegehabt hatte.

Doch Pernambucos nationales Prestige verblasste nach 1930 auch auf dem politischen Sektor. Wirtschaftlich hatte der Staat schon seit der Dekadenz der Zuckerexporte sein ehemaliges Prestige verloren. Nur kulturell fuhr Pernambuco fort, sich durch innovative künstlerische Ideen und intellektuelle Initiativen unter der Elite des Landes zu behaupten. Wissenschaftler, in Pernambuco geboren oder in Recife ausgebildet, machten durch ihre Gedanken und Werke auf sich aufmerksam – manchmal sogar im Ausland.




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AUS DER GESCHICHTE

Manchmal erinnert man sich der brasilianischen Ureinwohner zumindest durch die Namensgebung eines Flusses, eines Gebirges, einer Stadt oder eines Bundesstaates. „Para‘ nã“ nannten die Tupi-Indianer einen „ruhig fliessenden Fluss“ und „Pu‘ ka“ ist das Verbal-Substantiv von „Pug“ und bedeutet „aufbrechen, durchbohren, sich durchdrängen“. Dazu erklärt der gelehrte „Teodoro Sampaio“: Öffnung oder Eingang der Mündung, die von den Flüssen „Rio Capibaribe“ und „Rio Beberibe“ geformt wird – die natürliche Öffnung Recifes zum Meer – ergibt sinngemäss „das aufgebrochene Meer“: „Para‘ nã – Pu‘ ka“ = Pernam – Buco.

Aber diesen Namen bekam die Stadt erst später. Als der portugiesische Adlige Duarte Coelho vom Hof die „Capitania Nova Lusitânia“ anvertraut bekam, die sich von der Mündung des „Rio São Francisco“ bis nach „Igarassu“ erstreckte, rief er die zahlreichen Mitglieder seiner Familie zusammen sowie einige betuchte Freunde des portugiesischen Landadels, von denen er wusste, dass sie finanziell und von ihren landwirtschaftlichen Kenntnissen her in der Lage waren, eine Zuckerrohr-Plantage selbständig aufzubauen und zu leiten.

Eine kleine, aber schlagkräftige Truppe, die da im Jahr 1535 brasilianischen Boden betrat, allen voran die Ehefrau und Dame der Gesellschaft, Dona Brites, die später ihren Mann sogar in der Regierung der Capitania vertreten sollte. Duartes Schwager, Jerônimo de Albuquerque, der sich später einen Namen als „der pernambukanische Adam“ machte, wegen seiner zahlreichen weissen und indianisch-gemischten Nachkommenschaft. Letzterer wurde damals als „luso-amerindisch“ bezeichnet und all die anderen näheren oder weiteren Bekannten, die genug Vertrauen in Duarte und Courage für das Abenteuer aufbrachten, sich in Brasilien „feudal und definitiv niederzulassen“, wie das Duarte Coelho so entschlossen ausgedrückt hatte.

Die kleine „Capitania“ entwickelte sich bemerkenswert gut unter ihrer weisen und entschlossenen Administration, die, zum einen, der Landwirtschaft kräftige Impulse gab und, zum andern, es verstand, französische Abenteurer von ihren Ländereien zu vertreiben sowie Indianerattacken erfolgreich abzuwehren. Man hatte sich in Olinda niedergelassen, der ersten Hauptstadt von Nova Lusitânia und die Mitglieder des engeren Kreises um Duarte Coelho wussten bald nicht mehr wohin, mit dem vielen Geld, das sie mit ihren Zucker-Exporten verdienten.

Ein zeitgenössischer Beobachter, der Jesuit Fernão Cardim, notierte erbost:

„Die Frauen sind sehr elegant aber nicht gläubig und ausschweifige Feste scheinen ein Teil der Tagesordnung, zu denen die Teilnehmer teils in roten, teils in grünen Samt gekleidet erscheinen. Andere in Damast und Seide von verschiedenen Farben, wobei die Sättel und das Zaumzeug aus demselben Stoff sind wie die Kleider“ ausserdem, so ärgerte sich der Kirchenmann, gebe es hier „mehr Hochmut als in Lissabon“ und die Leute tränken „pro Jahr für 50.000 Kreuzer portugiesischen Wein, in manchen Jahren sogar für 80.000 Kreuzer!“

Die Neubürger von Olinda trieben es so toll, dass sich der Dominikanerpater Antônio Rosado nicht mehr zurückhalten konnte und (1629) öffentlich von der Kanzel schmetterte: „Holland wird Olinda in Schutt und Asche legen, denn wo die irdische Gerechtigkeit fehlt, wird die des Himmels nicht auf sich warten lassen!“

Durch die damals noch etwas umständliche und sehr langsame Kommunikation hatte es zwar einige Zeit gedauert, bis die Holländer von den einträglichen Plantagen, den Zucker-Fabriken (Engenhos) und der noblen Stadt Olinda erfahren hatten, aber am 16. Februar 1630 tauchten sie an der Küste vor Olinda auf, nutzten die Überraschung der ewig halbtrunkenen Portugiesen und hausten wie das vom Pater angedrohte Gottesgericht. Nachdem sie die wertvolleren Möbel und die Weinvorräte sichergestellt hatten, steckten sie die Stadt in Brand. Dann installierten sie sich im benachbarten Recife, wo sie 24 Jahre lang verblieben – von 1630 bis 1654.

Innerhalb dieser Zeit regierte Baron Moritz von Nassau (Johan Maurits von Nassau-Siegen, wie er in Holland genannt wurde) sieben Jahre lang als Gouverneur das „Holländische Brasilien“ – ein Gebiet, das von Rio Grande do Norte über Paraíba bis nach „Cabo de Santo Agostinho“ in Pernambuco reichte. Unter seiner Administration entstand eine Reihe von Einrichtungen, deren hohen kulturellen Wert man anerkennen muss. Sein Verhältnis zu Brasilien könnte man als „Liebe auf den ersten Blick“ bezeichnen. Er bemühte sich, anders als die Portugiesen, das Vertrauen der Indianer zu gewinnen, und seine Toleranz gegenüber Juden, Katholiken und allen Andersgläubigen war beispielhaft. Doch sein Job war der eines Militär-Kommandanten – mit Bahia in portugiesischer Hand, musste er andauernd einen Angriff auf Pernambuco fürchten – also griff er Salvador zuerst an (1638) – und scheiterte. 1641 gelang ihm die Erweiterung seines Territoriums auf São Luis do Maranhão, aber er war nicht in der Lage, aus dieser Position Kapital zu schlagen.

1644 kehrte Moritz von Nassau verstimmt nach Holland zurück, teilweise wegen seiner „unwirtschaftlichen brasilianischen Administration“: die „West India Company“, die damals einen Grossteil des Handels mit Brasilien kontrollierte, hatte es abgelehnt, die Kosten für die Stadt Recife länger zu tragen. Zu viel Zucker wurde angebaut, dessen Handel nicht in den Händen der Company lag – und zu wenig andere Produkte wurden lanciert, um die Kosten der Stadt zu decken – und Moritz hatte sich diesbezüglich kaum um die Landwirtschaft des Inlands gekümmert.

Ein Jahr nach seiner Rückkehr verstärkten die Portugiesen ihre Angriffe auf das holländische Territorium. Und weil die „Flamengos“ keine nennenswerten Verteidigungsanlagen ausserhalb ihrer Hauptstädte eingerichtet hatten, gewannen die Portugiesen ihr ehemaliges Territorium Stück für Stück zurück. Gegen die holländische Übermacht zur See jedoch, und gegen ihre schwer bewaffneten Festungen, war vorerst nicht anzukommen – so zogen sich die Scharmützel hin bis zum Jahr 1654 – und da hatten sich die Holländer auch mit England angelegt, was ihre Seemacht an der brasilianischen Küste schwächte. Am 26. Januar 1654 gaben sie auf. Die letzte Gefährdung einer portugiesischen Herrschaft über Brasilien war dahin.

Für den Freiheitskampf gegen das holländische Joch hat sich niemand, unter den Portugiesen oder schon Brasilianern, so engagiert, wie die „Pernambukaner“: die weissen Bürger, die Mestizen, die Amerindier und die schon christianisierten Schwarzen, sie alle zeigten eine einmalige Energie, Courage und Tapferkeit, vor der die Holländer schliesslich kopfschüttelnd kapitulierten (auf den Hügeln von „Guararapes“, vor der Stadt Recife, am 16. Januar 1654). Der typisch pernambukanische Patriotismus und die kämpferische Tradition, die heute noch den Bürger Pernambuco auszeichnen, stammen aus dieser Zeit der Bewährung. Kein Wunder also, dass dieser Menschenschlag sich auch im weiteren Verlauf der Geschichte immer mal wieder trotzig auflehnte, gegen Missbrauch und Willkür seiner Regenten – Revolutionen, die in Pernambuco ihren Anfang nahmen und sich über das ganze Land Brasilien ausbreiteten. Man sagt sogar, dass die Idee einer von Portugal unabhängigen Republik Brasilien, bereits um 1710 in Olinda geboren wurde!

Während der Kolonialzeit gab es einige Gouverneure und „General-Kapitäne“, die durch ihre Initiative und realisierten Projekte Geschichte gemacht haben. Und während des Imperiums gab es andere, welche die Provinz mit Weisheit und einem hohen Grad an administrativer Geschicklichkeit regierten: Francisco do Rego Barros, der Baron von Boa Vista, machte durch eine Reihe von couragierten Initiativen von sich reden, die dazu beitrugen, die Hauptstadt Recife zu modernisieren. Er war es auch, der dem Interior ein erstes wissenschaftlich geplantes Strassensystem verordnete, das von dem Ingenieur Louis Léger Vauthier und seinen Leuten ausgeführt wurde. Ein anderer bemerkenswerter Präsident der Provinz von Pernambuco war Henrique Pereira de Lucena, der Baron von Lucena.

Während der so genannten Ersten Republik – 1889 bis 1930 – hatte Pernambuco eine ganze Reihe von ehrenhaften und politisch einflussreichen Gouverneuren, durch deren Wirken der Staat, wie vorher schon als Provinz, die Politik des ganzen Landes massgebend mitbestimmte. Mit zweien seiner Politiker, die Vizepräsidenten wurden, mit seinen zahlreichen Repräsentanten im Nationalparlament, seinen Intellektuellen, die in Recife sassen oder zu irgendeinem hohen Posten in Rio de Janeiro abberufen wurden. Mit allen diesen „gestandenen Pernambukanern“ hatte sich der Bundesstaat in die vordersten Reihen nationalen Respekts und Ansehens manövriert. Der letzte Gouverneur dieser Periode war Estácio de Albuquerque Coimbra, der schon einmal das Amt des brasilianischren Vizepräsidenten innegehabt hatte.

Doch Pernambucos nationales Prestige verblasste nach 1930 auch auf dem politischen Sektor. Wirtschaftlich hatte der Staat schon seit der Dekadenz der Zuckerexporte sein ehemaliges Prestige verloren. Nur kulturell fuhr Pernambuco fort, sich durch innovative künstlerische Ideen und intellektuelle Initiativen unter der Elite des Landes zu behaupten. Wissenschaftler, in Pernambuco geboren oder in Recife ausgebildet, machten durch ihre Gedanken und Werke auf sich aufmerksam – manchmal sogar im Ausland.