Paleonthologisches Paraíba

Veröffentlicht am 19. Oktober 2009

Die internationale Gilde der Paleonthologen hat ein Auge auf den kleinen Bundesstaat Paraíba in Brasilien geworfen, seit in der Gegend von Sousa, im extremen Westen des Bundesstaates, einige der ergiebigsten Fundstätten für vorgeschichtliche Fossilien entdeckt wurden. Und das in „Vale dos Dinossaurus“ umbenannte kleine Tal des „Rio do Peixe“ – zwischen „Sousa“ und „Antenor Navarro“ – hat sich zu einem paleonthologischen Studienobjekt ersten Ranges entwickelt.

Das Tal ist gesäumt von Felsen aus dem Präkambium – annähernd 600 Millionen Jahre alt – die Eindrücke der Dinosaurier und verschiedener Reptilien – um die 300 Abdrücke insgesamt – wurden, in ihrer Zeit, vom Lehm des Flussbetts des „Rio do Peixe“ und seiner sumpfigen Umgebung modelliert. Das war vor mindestens 150 Millionen Jahren.

Eine andere wichtige Fundstätte liegt bei „Lagoa de Dentro“, im Distrikt von „Puxinanã“: ein typisches Lager aus dem Pleistozen, zirka 12.000 Jahre alt, in dem man Fossilien aus der nordöstlichen „Säugetier-Mega-Fauna“ gefunden hat. Wenigstens 6 Säugetierarten hat man identifiziert: Faultiere (Eremotherium lauriliardi), Gürteltiere (Pampatherium Humboldti), Glyptodon (Panochtus), Lithopternus (Xenorhinotherium), Hypopotamus (Toxodon platensis) und Mastodon (Haplomastodor Waringi).

DAS TAL DER DINOSAURIER

Gelegen innerhalb der geografischen Mikro-Region des Oberen Rio Piranhas, 7 km von der Stadt Sousa entfernt, im Bundesstaat Paraíba. Es umfasst ein Areal von zirka 40 Hektar. Das Klima ist trocken und sehr warm – der jährliche Niederschlag zwischen 800 und 1000 mm – sein Relief sehr unterschiedlich, mit Höhenlagen zwischen 200 und 300 Metern. Anfahrt über die BR-230, 430 km von der Hauptstadt João Pessoa.

Vorherrschende Vegetationsform ist die schon beschriebene „Caatinga“, dazwischen ein weit auseinander gezogener Baumbestand mit einigen hochwüchsigen Arten, wie „Baraúna“ (Melanoxylon brauna), „Aroeira“ (Schinus molle Lin.), „Angico“ (Piptadenia columbriana) und andere. Die Fauna präsentiert diverse Vogel- und vor allem Greifvogelarten und kleinere Säuger, wie „Gambá“ (Stinktier), „Tatu-peba“ (Gürteltier), „Raposa“ (Fuchs) und andere.

Erstmals im Jahr 1897 entdeckten Bauern der Region die riesigen Fussabdrücke im trockenen Bett des „Rio do Peixe“ und sofort verbreiteten sich Geschichten von riesigen Emas (Straussenvogel) und gigantischen Drachen, die über die „Caatinga“ zögen und, da sie nie jemand gesehen, wahrscheinlich bei Nacht! 1920 schliesslich erklärte der Geologe „Luciano Jaques de Moraes“ die Abdrücke für Fussspuren von Dinosauriern, die einmal in dieser Region gelebt hatten.

Erst in den 70er Jahren wurden die Abdrücke systematisch untersucht und dabei fand man auch neue Saurier-Arten, von denen man heute etwa 20 kennt. 13 von ihnen liegen im Gebiet von „Sousa“, wo man, mit Unterstützung privater Sponsoren und der Weltbank ein touristisch-informatives Projekt geschaffen hat, welches mit Videos, Modellen vom Tal, Fossilien diverser Tierarten und Replikas von Sauriern in natürlicher Grösse, den Besuchern einen umfassenden Eindruck von der Fundstätte und ihren einstigen Bewohnern vermitteln. Natürlich gehört ein Spaziergang zu den Fussabdrücken im Bett des „Rio da Peixe“ auch dazu.

Das „Tal der Dinosaurier“ gilt heute als eins der wichtigsten Gebiete für paleonthologische Studien der Welt, und ausserdem das einzige dieser Art in Südamerika, besonders durch seine Vielfalt an Wechseln verschiedenster Tierarten.

Auf jenem schon erwähnten 46m langen Wechsel des Iguanodontus, den man „Passagem das Pedras“ benannt hat, sind 22 Fussabdrücke von diesem Urweltriesen zu sehen, ein Pflanzen fressender, zweibeiniger Saurier, von etwa 10 Metern Körperlänge und 3 Metern Breite, der um die 4 Tonnen wog. Darüber hinaus gibt es andere Wechsel, wie der „Piau“ oder der „Serrote do Letreiro“ auf denen sich diverse andere Spezies verewigt haben. Fussabdrücke von Fleischfressern, die als Verwandte des Tyrannosaurus Rex und andere, die mit dem Pterodactylus verwandt sind.

Die folgenden Bezirke (Municípios) haben ebenfalls paleonthologische Fundstätten in ihrem Gebiet aufzuweisen, aber die Anfahrt ist eher etwas für Abenteurer, weil umständlicher und schwieriger als über Sousa: Aparecida, Marizópolis, Vieirópolis, São Francisco, São José da Lagoa, Tapada, Santa Cruz, Santa Helena, Nazarezinho, Triunfo, Uiraúna, São João do Rio do Peixe und Cajazeiras.