Kultur, Folklore in Ceará

Veröffentlicht am 19. Oktober 2009

In Ceará wird der Besucher häufig auf Feste und Tanzveranstaltungen treffen, die meistens an den Wochenenden stattfinden, sowohl in der Küstenregion als auch im Inland, dem „Sertão“. Manchmal ganz spontane Manifeste, mit denen das einfache Volk seine besondere Tradition zum Ausdruck bringt. Ein Gemisch aus der Kultur der Portugiesen, der Schwarzen und der Indianer, welche einmal auch in Ceará gelebt haben.

DER FORTAL

Dies ist der in Fortaleza seit 11 Jahren gefeierte „Karneval ausserhalb der Saison“. Ursprünglich sicher nur eine Idee zur Entfaltung einer intensiveren touristischen Bewegung in Richtung der Hauptstadt von Ceará, hat sich das Konzept sowohl in gestiegenen touristischen Besucherzahlen, als auch in der Gunst der Einheimischen besser bewährt, als man je voraussehen konnte!

In der letzten Juliwoche, alljährlich, ist die grosse Strand-Avenida „Beira Mar“ Schauplatz eines Spektakels, zu dem die Teilnehmer aus allen Teilen des Landes anreisen. Mehr als 2 Millionen Menschen beteiligen sich an diesem Fest-Marathon von 4 Tagen und Nächten: mit „Trios Elétricos“, Umzügen mit thematisch dekorierten Wagen durch 4,5 km Strassen, vielen Shows – auch mit internationalen Stars – und viel Tanz und Spiel direkt auf der Avenida am Stadtstrand. Und wie beim grossen Bruder in „Rio de Janeiro“ baut man inzwischen ebenfalls Logen und Zuschauertribünen auf, die die Avenida flankieren und nicht billig an die Touristen verkauft werden.

BUMBA-MEU-BOI oder BOI-CEARÁ
Drama, das traditionell während der Weihnachtszeit dargeboten wird. Entstammt den mittelalterlichen christlichen Festen, bei denen der Ochsenkult zu Ehren von Christi Geburt zelebriert wurde. Aus luso-iberischer Tradition des 16. Jahrhunderts. Wurde von Personen eingeführt, die in Zuckermühlen und „Fazendas“ arbeiteten. In „Cariri“ wird die Darbietung von einem Orchester mit selbstgefertigten Naturinstrumenten begleitet.

REISADO
Stammt von der Iberischen Halbinsel. Eine Gruppe von Personen versammelt sich, um in einem gemeinsamen Chor die Geburt Christi zu verkünden. Sie sind als „römische Gladiatoren“, als die „Drei Könige“ und als „Verfolger der Christen“ u.a. verkleidet. Präsentation währen der Weihnachtszeit oder während der „Heiligen Drei Könige“, im Januar. Bevorzugtes Auftreten vor einer heiligen Grotte oder einer Krippe. Die bekannteste Darbietung findet in „Juazeiro do Norte“ statt.

CANINHA VERDE
Tanz in Reihe aus Portugal – in Brasilien während des Zuckerrohr-Zyklus eingeführt. In Ceará erst ab dem 19. Jahrhundert bekannt geworden. An den Stränden von „Aracati“ verbreitete sich der Tanz in den Siedlungen der Fischer. Wurde anlässlich des Karnevals und anderer Veranstaltungen praktiziert. Heute hat man in diesen Originaltanz verschiedene andere Elemente der brasilianischen Folklore integriert.

DANÇA DO COCO
Dieser Tanz entstand in den Zuckermühlen und Schnapsbrennereien, unter den Sklaven in Ceará. Entstand aus den Arbeitsgesängen, rhythmisch untermalt durch die Schläge der Steine auf die brechende Frucht und wurde schliesslich als Tanz choreographiert. Inzwischen hat er, je nach Region, verschiedene Formen und Rhythmen angenommen. Es gibt einen „Coco de Praia“, also eine Variante, die nur an den Stränden von den Männern getanzt wird und einen „Coco de Sertão“, der im Inland Anklang gefunden hat und paarweise, sehr schnell und eng getanzt wird.

Bei einem „Coco de Praia“, unter den Fischern von „Caponga“ waren wir selbst dabei. Nachfolgend die Schilderung:

„Zum Coco gehören: ein paar Flaschen „Cachaça“, ein Trupp extrovertierter Jangadeiros, (die sind schwer zu bekommen), ein festgestampfter Lehmfussboden und eine kleine Holzkiste von der Grösse eines Schuhkartons.
Der „Cachaça“ macht aus einem scheuen Fischer einen extrovertierten Coco-Tänzer, der die kleine Holzkiste gleich mitbringt und in der Dorfkneipe, auf dem gestampften Lehmfussboden, sind auch die anderen anwesenden Männer nach einer Runde „Cachaça“ bereit, dem von allen geliebten „Coco“ die Ehre zu geben.

Um noch die kleine Holzkiste zu erklären: Auf der wird der Rhythmus geschlagen, ein Rhythmus, der sonst keine Parallelen in Brasilien hat. Dazu intonieren die sonst eher einsilbigen Fischer immer neue Reime, die sich wie bei den „Repentistas“ mit aktuellen Problemen und Ereignissen befassen und sicher auch die Gäste mit einbeziehen werden.

Der „Cachaça“ kreist – das ganze Dorf steht um die Kneipe herum und schaut zu – die Männer gehen ganz aus sich heraus. Klar, dass wer sich wagt, an dem wilden Tanz teilzunehmen, auch gerne aufgefordert wird, aber bitte nur Männer. Denn dies ist ein Männertanz, wie zum Beispiel der „Sirtaki“ in Griechenland.“

MANEIRO PAU
Dieser Volkstanz kam zur Zeit des „Cangaço“ (der Räuber des „Lampião“) in der Gegend von „Cariri“ auf. Charakteristisch sind der Chor der Tänzer und der Rhythmus ihrer Holzknüppel als einziger musikalischer Untermalung. In der Stadt „Crato“ tritt die Gruppe „Maneiro Pau“ zusammen mit der „Banda Cabaçal“ der Brüder „Aniceto“ auf und führen den Volkstanz über dramatische Momente! Normalerweise findet man die Adepten auf Landsitzen am „Fuss der Serra von Crato“ und einigen Nachbarstädten, anlässlich verschiedener Veranstaltungen.

BANDA DE COURO
Eine der typischsten Musikinstrument-Formationen des inneren Ceará, besonders in der Region von „Cariri“. Entstanden unter den Sklaven, weiter entwickelt mit regionalen Eigenheiten der Bevölkerung von „Cariri“, im „Sertão“ von Ceará. Der indianische Einfluss macht sich in der Art der benutzten Instrumente bemerkbar – den „Pífanos“ und den „Pífaros“ – flötenartige Instrumente, die aus Kürbisschalen (Kalebassen) gefertigt sind. Das ganze Orchester setzt sich aus nur 4 Komponenten zusammen: dem „Zabumba“ (grosse Bauchtrommel), Pífanos, Pífaros und einer Holzkiste (auf der Rhythmus geschlagen wird). Die bekannteste „Band“ ist die „Banda Cabaçal“ der Brüder „Aniceto“, die in „Crato“ zuhause sind. Die spielen praktisch alle Art von Volksmusik: antik, regional, religiös und karnevalistisch. Der Rhythmus nennt sich „Baião“ und stammt vom Fuss der Serra in „Cariri“.

TORÉM
Dies ist ein indianischer Tanz des „Tremembé-Volkes“, welches einmal um „Almofala“, im Distrikt „Itarema“, gelebt hat. Der Tanz wurde im 18. Jahrhundert von der weissen Bevölkerung übernommen. Die einzelnen Figuren imitieren verschiedene Tiere der Region, und der Tanz gewinnt an Kreativität durch seine mehr oder weniger geschickten Darsteller. Höhepunkt, wenn der „Mocororó“ serviert wird, ein alkoholisches Gebräu aus Cashew. Anmerkung: sehr stark!

DANÇA DE SÃO GONÇALO
Dieser Tanz kam als Teil ihres Kulturgutes mit den lusitanischen Eroberern nach Brasilien. Er ist Teil des in Portugal sehr populären Kults um „São Gonçalo do Amarante“, heute einer der verbreitetsten Tänze des ländlichen Katholizismus in Brasilien. Im Munizip von „São Gonçalo do Amarante“ wird dieser Tanz während des Festes des Schutzpatrons der Stadt präsentiert – in neun verschiedenen Abschnitten – in einem Ambiente tiefen Glaubens und fröhlicher Erbauung. „São Gonçalo“ ist der Beschützer der fahrenden Sänger und der heiratswilligen Jungfrauen.

MARACATU
Ist afrikanischen Ursprungs. Besteht aus einem festlichen Aufmarsch, zum Beispiel anlässlich eines Karneval-Umzugs. Die Gruppe tanzt zum Rhythmus der Perkussions-Instrumente, voran eine Frau, die auf der Spitze ihres, den Rhythmus synkopierenden Stocks, eine reich geschmückte Puppe „Calunga“ balanciert. Die Teilnehmer marschieren langsam und verhalten.

nach obenBINDFADEN-LITERATUR

„Literatura de Cordel“ ist im gesamten Nordosten bekannt und beliebt: kleine Heftchen in billigem Schwarz/Weiss-Druck, ähnlich den auf der ganzen Welt bekannten „Gi-Bis“, in denen klassische Sagen und Legenden, romantische Liebesabenteuer und Horror-Geschichten, aber auch regionale Ereignisse und lokale Heldentaten, mit entsprechenden Serien-Zeichnungen, und einer naiven Märchensprache in den Sprechblasen, dargestellt werden. Da ein grosser Prozentsatz der Menschen nur wenig oder überhaupt nicht lesen kann, kommt diese Aufmachung dem allgemeinen Bildungsstand entgegen.

„Fehlende Bildung“ ist, besonders hier im Nordosten, nicht unbedingt ein Manko, denn sie wird allenthalben durch eine gute Portion Cleverness ersetzt: Der Verkäufer dieser Heftchen tritt im Allgemeinen auf den grösseren freien Märkten des Nordostens in Erscheinung. An seinem Stand sind die Heftchen zu Dutzenden – manchmal zu Hunderten – hintereinander, auf einer zwischen zwei Pfosten gespannten Schnur (Cordel), aufgereiht.

In Ermangelung von Regalen oder sonst einer den Verkauf erleichternden Einrichtung, stülpt der Verkäufer jedes Heft, mit der aufgeklappten Mitte, auf jene gespannte Schnur – mit der schreiend aufgemachten Titelseite – oft als einzige in Farbe – nach vorn, zum vorbeikommenden Kunden. Nun genügt einem nordöstlichen „Starverkäufer“ diese durchaus publikumswirksame Ausstellung seiner „Schnur-Literatur“ aber noch nicht. Jetzt holt er eine Gitarre, ein Akkordeon oder irgendein anderes Instrument hervor und präsentiert dem amüsierten Publikum seine Titel und eine Vorschau seines Story-Angebots musikalisch und sogar in verblüffend gekonnten Reimen!

Was Wunder, dass seine Heftchen reissenden Absatz finden. Und, kein Wunder, dass sie in astronomischer Auflage nachgedruckt werden!

Ein paar dieser Heftchen-Verkäufer sind regelrechte Berühmtheiten im Nordosten geworden. Und viele Marktbesucher kommen nur ihretwegen, um ihren gesungenen Geschichten zu lauschen und sich an ihrem Humor zu erfreuen.

CENTRO DRAGÃO DO MAR DE ARTE E CULTURA
Hinter diesem langen Namen verbirgt sich das moderne Kultur-, Kunst- und Freizeitzentrum von Fortaleza. Eine Lokalität für die lokale, regionale und auch internationale Kulturbegegnung. 30.000 Quadratmeter reinster Unterhaltung für jeden Geschmack. Im Umkreis des Zentrums gibt es Bars, Restaurants und Unternehmen des kulturellen Sektors, alle untergebracht in restaurierten Gebäuden der Epoche.

Im Zentrum gibt es Museen, Kinos, Theatersäle, ein Amphitheater und sogar ein Planetarium. Unter den Museen ist das der „Cultura Cearense“ bemerkenswert, hier bekommt der Besucher einen ersten Eindruck von der Geschichte, der Kunst und der Kultur des Bundesstaates Ceará.

SPORTLICHES
Auch diejenigen, welche während ihrer Ferien in Ceará ein paar sportliche Tage einbauen möchten, kommen in Ceará nicht zu kurz. Die Vielgestalt der Landschaft, ihrer Höhenunterschiede und klimatischen Kontraste (Strände, Sertão und Gebirge) bieten dem Besucher eine mögliche Programmkombination, die zum Beispiel ein ökologisches Abenteuer mit sportlichen Einlagen, wie Surfen oder Bergsteigen verbinden kann. Hier gibt es sehr viele Variationen und sogar Wettbewerbe, an denen Sie teilnehmen können.

Wer starke Wellen bevorzugt, für den ist, zum Beispiel, Jericoacoara einer der besten Tipps. Sein Strand wird als einer der besten der Welt für Windsurf bezeichnet. Für Taucher bietet die Küste verschiedene optimale Plätze. Der Strand von „Pecém“ ist ein solcher: hier kann man hinunter zu dem, im Zweiten Weltkrieg, gesunkenen Schiff „Pecém“ tauchen, das dem Ort seinen Namen gab, nachdem es von einem Torpedo versenkt wurde. Auch für ANGLER ist die Küste ein Paradies, mit vielen Möglichkeiten zum Ausüben ihres Sports.

Die Mittelgebirge (Serras) sind gut für Klettertouren oder Trekking zwischen einer vielgestaltigen Naturkulisse. „Quixadá“ ist einer der besten Plätze der Welt für den Freiflug. Ideal für neue Rekorde durch seine thermischen Konstanten. Unter europäischen und amerikanischen Experten rangiert er als ihre „Nummer Eins“! Beste Konditionen auch für Adepten des „Cross-Country-Fluges“.