Aus der Geschichte des Bundesstaates Alagoas

Veröffentlicht am 18. Oktober 2009

Zwischen dem 16. und dem 17. Jahrhundert drangen französische Piraten von der Küste her in das Gebiet des heutigen Alagoas ein. Sie waren am damals auf dem Weltmarkt sehr begehrten „Brasilholz“ (Pau Brasil) interessiert. Jedoch wurden sie von Duarte Coelho, dem Kommandanten der „Capitania de Pernambuco“ 1535 vertrieben und seine portugiesischen Söldner übernahmen wieder die Kontrolle über den Landstrich. Duarte Coelho intensivierte die Pflanzung von Zuckerrohr in demselben Gebiet und die Konstruktion von Schnapsbrennereien (Engenhos). Er gründete die Städte „Penedo“ und „Alagoas“ (heute „Marechal Deodoro“).

Im Jahr 1570 erforschte eine zweite Truppe, zusammengestellt von Duarte Coelho und kommandiert von Cristóvão Lins, den Norden von Alagoas, wo sie „Porto Calvo“ gründeten und weitere fünf Schnapsbrennereien einrichteten, von denen zwei – „Buenos Aires“ und „Escurial“ – noch existieren.

1630 kamen die Holländer, angelockt von der Aussicht, im Zuckerhandel die Herrschaft zu übernehmen. Und sie begannen einen Kampf um die Besetzung der „Capitania“ Alagoas, die damals bereits durch die vielen Schnapsbrennereien reich geworden war. Erst 1645 gelang es den Portugiesen, die Holländer wieder aus dem Land zu werfen.

Es ist allgemein bekannt, dass die Portugiesen sich mit der Feldarbeit und anderen „niederen“ Verrichtungen nicht die Hände schmutzig machten, sondern erst indianische Sklaven, die sie aus ihren angestammten Wohngebieten verschleppt hatten, zu diesen Verrichtungen zwangen. Aber als diese unter den Peitschen der Aufseher dahinsiechten, verfielen sie auf Schwarze, die sie in ihren afrikanischen Kolonien einfangen liessen und per Schiff nach Bahia herüberbrachten. Schwarze Sklaven waren wesentlich ausdauernder und vor allem, leichter zu dirigieren als die störrischen Indios. Der Handel mit den Sklaven wurde ein weiteres blühendes portugiesisches Geschäft.

PALMARES

Um 1630 treibt der Wille nach persönlicher Freiheit einige der schwarzen Sklaven zum äussersten: sie fliehen aus den Plantagen und Schnapsbrennereien ihrer Feudalherren und gründen das Zentrum des Widerstands der Schwarzen, den „Quilombo de Palmares“, in der „Serra da Barriga“, unter ihrem Führer „Zumbi“. Ihre Kommunen wachsen stetig und erreichen eine Bevölkerung von 30.000 entflohenen Sklaven, die Pflanzungen mit Mais, Bohnen, Maniok, Süsskartoffeln, Bananen und Zuckerrohr – diesmal für sich selbst – anlegen und bewirtschaften. Auch Hühner und Schweine züchten sie und verkaufen einen Teil ihrer Güter an die benachbarten Siedler. Der Überfluss an Lebensmitteln in Palmares ist einer der Gründe, warum die Gemeinschaft über 65 Jahre lang sämtlichen Attacken der weissen Söldnertruppen widerstehen konnte.

1694 ist ihre selbst geschaffene Gemeinschaft am Ende. Sie wird von dem gefürchteten „Bandeirante“ Domingos Jorge Velho und seinen Truppen vollkommen aufgerieben und ihre Pflanzungen zerstört. Wer nicht getötet oder tödlich verwundet wurde, flüchtete sich ins Inland – auch ihr Führer „Zumbi“ ist unter diesen Flüchtlingen – er wird von den Verfolgern getötet. Damit war der Traum von der Freiheit für viele der schwarzen Sklaven zu ende. Offiziell wurden sie erst im Jahr 1888 von ihrer Fron befreit.

Fast während der gesamten Kolonialepoche war Alagoas ein Teil der „Capitania Pernambuco“ und wurde im Jahr 1711 „Comarca“ (Gemarkung). Seine Zuckerindustrie bestand aus einer Anzahl von 200 Schnapsbrennereien, und seine Landwirtschaft beschäftigte sich ausserdem mit Baumwolle, Tabak und Mais. Diese Produktion brachte Alagoas den Status einer selbständigen „Capitania“ ein, die sich von der in Pernambuco löste (1817).

Mit der Unabhängigkeit Brasiliens, im Jahr 1822, wird Alagoas eine „Provinz“ und von da an entwickelt sich das Gebiet noch schneller. 1839 wird Maceió neue Hauptstadt und ersetzt die bis dato Hauptstadt „Cidade de Alagoas“ (heute „Marechal Deodoro“).

1875 wird die erste alagoanische Fabrik für Textilien gegründet – die „Companhia União Mercantil“, im Distrikt von „Fernão Velho“. 30 Jahre später, 1888, gründete man die „Companhia Alagoana de Fiação e Tecidos“ und 1892 die „Companhia Progresso Alagoano, in „Cachoeira“.

In „Rio Largo“ installierte man, 1849, das „Liceu Alagoano“, eine Hochschule, die dem Bildungsinteresse neue Impulse geben sollte. – heute „Colégio Estadual de Alagoas“, für den Mittleren Level. Mit der Gründung des „Instituto Arqueológico e Geográfico Alagoano“, 1869 – heute: „Historisches und Geographisches Institut von Alagoas“, wurden auch auf dem wissenschaftlichen Sektor ein neue Wege beschritten.

Die „Republik“ schliesslich, brachte der Administration in Alagoas eine ganz neue Entwicklung: Verkehrswege in Richtung Norden und ins Landesinnere wurden erschlossen, darunter eine Strasse von „Atalaia“ nach „Palmeiras dos Índios“, die das trockene Inland, den „Agreste“, bezwang.

Man bildete Schülergruppen im ganzen Land, die Hauptstadt Maceió wurde mit neuen Strassen und Avenidas infrastrukturiert, man bekämpfte die Kriminalität, zum Beispiel die Bande des „Lampião“, welche 1938 ausgelöscht wurde (siehe auch Beschreibung), der Hafen von Maceió wurde angelegt und 1940 eingeweiht und Schürfungen nach Erdöl begannen sich im ganzen Land auszubreiten.

Aber trotz alledem hat Alagoas die wirtschaftlichen und sozialen Charakteristika seiner kolonialen Vergangenheit weitgehend beibehalten:
Eine Landwirtschaft, die auf der Produktion von Zuckerrohr und Baumwolle beruht, eine geringe Industrieproduktion, eine kaum urbanisierte Gesellschaft, die immer noch von der Macht und dem Wohlwollen der „Coronéis“ abhängt, den Grossgrundbesitzern und Chefs der lokalen Oligarchien.

Der Name „Alagoas“ stammt von den vielen Seen (Lagoas), die, untereinander verbunden, sich in diesem Gebiet befinden.