Ilha do Marajó

Veröffentlicht am 15. Oktober 2009

In der Amazonasmündung liegt die grösste Flussinsel der Welt, die „Ilha do Marajó“. Mit fast 50.000 km2 grösser als die Schweiz: Rund 150.000 Menschen leben hier verstreut auf 12 Bezirke: Afuá, Anajás, Breves, Cachoeira do Ararí, Chaves, Curralinho, Muaná, Ponta de Pedras, Salvaterra, Santa Cruz do Ararí, São Sebastião da Boa Vista und Soure.

Die meisten Bewohner sind Nachfahren der „Nheengaíba“-Indianer, die 1659 von dem Priester Antonio Vieira befriedet, sich mit afrikanischen Sklaven und portugiesischen Einwanderern mischten. Ihre Keramik-Kunst – aus der präkolumbianischen „Marajoara-Kultur“ – lebt noch immer in alter Tradition in ihnen fort.

In Marajó gibt es zwei Jahreszeiten: Die regenreiche von Januar bis Juni und die weniger regnerische von Juli bis Dezember. Während der ersteren werden grosse Abschnitte der Insel überschwemmt – besonders der östliche, tiefer gelegene Teil der Savannen-Landschaft, wo oft die 3 Meter hoch gelegten Strassendämme nicht mehr passierbar sind – während die westliche, höher gelegene Region des Regenwaldes von einer Überschwemmung verschont bleibt. Marajó ist eine der wichtigsten ökologischen Refugien unseres Planeten und ein für den Naturliebhaber unvergleichlich vielfältiges Spektakel mit schier unerschöpflichen Alternativen.

Der landschaftliche Überfluss ergibt sich aus Regenwald, Savanne, Grasflächen, Flussstränden und Seen aller Grössen, sowie Bächen und Sumpfgebieten – naturbelassen und schön in ihrer Ursprünglichkeit. Ausser den überall zu sichtenden Büffel- und Rinderherden gibt es auf der Insel unzählige interessante Vogelarten. Besonders der „rosarote Löffler“ (Guará), eine Flamingo-Art, deren fliegende Schwärme ein unbeschreiblich entzückendes Bild abgeben. Alligatoren, Piranhas und zahlreiche Exemplare der „Boa Constrictor“ leben hier mit den Haustieren in einer kaum gestörten Idylle.

Marajós Wirtschaft basiert hauptsächlich auf der Büffel- und Rinderzucht, sowie dem Fischfang. Sekundär spielen Holz und Kautschuk-Gewinnung eine Rolle. Die Herden auf den weiträumigen Fazendas ergeben heute einen Bestand von 1 Million Rindern – ein Drittel davon sind Büffel – sowie 200.000 Schweine.

Der „Marajoara-Mann“ ist eine besondere Type: In seiner Kleidung, in seinem Wesen, in der Art zu denken und das Leben zu betrachten, unterscheidet er sich von allen anderen Brasilianern. Er kleidet sich einfach: Hosen, ein besticktes Hemd und Strohhut, sind alles, was er braucht. Und wenn er reitet – oft auf einem Büffel statt auf dem Pferd – dann tut er dies barfuss!
Er ist kein Freund von Diskussionen, fragt kaum, beantwortet nur, was er gefragt wird und hasst es, aus seiner angestammten Routine gerissen zu werden. Er ist ein guter Jäger und Fischer und lehnt keinerlei Arbeit ab, selbst wenn er nicht mit ihr zu Recht kommt.

Die „Marajó-Büffel“ sollen einmal von einem Schiff, das vor der Küste, mit einer Büffelladung aus Indien für Französisch Guyana, sank, herübergeschwommen sein. Hier auf der Insel werden sie fast wie menschliche Wesen behandelt: Sie haben immer und überall „Vorfahrt“ – der Mensch arbeitet mit, und manchmal auch auf, ihnen, aber niemals steht er ihnen im Weg.

Vier Büffelarten unterscheidet man auf Marajó: Das Fleischtier, das Milchtier, das Lasttier und eine Hybridenart. Die Büffel sind den Gegebenheiten der Insel bestens angepasst. Mit ihren breiten Hufen können sie gut schwimmen – sie tauchen zum Beispiel während der Überschwemmungen und weiden die Vegetation unter Wasser ab – sie fressen fast alles und ihr dickes dreischichtiges Fell trotzt Parasiten und Schlangenbissen. Deshalb sind sie den Rindern in bestimmten Gebieten überlegen und dankbarer in der Haltung.

Marajó erreicht man am besten von Belém aus – mit Fährschiffen der „Enasa“, die regelmässig verkehren und für die Überfahrt etwa 6 Stunden brauchen und in „Soure“ anlegen – oder auch per Kleinflugzeug, welches die Strecke in 40 Minuten schafft. Die Gesellschaft TABA fliegt dreimal pro Woche (Montags, Mittwochs und Freitags). „Soure“, die Inselhauptstadt – mit rund 20.000 Einwohnern – hat auch eine Landepiste für kleinere Maschinen. Einfache Übernachtungsmöglichkeiten bieten verschiedene „Fazendas“ auf der Insel.

„Soure“ ist die Hauptstadt der Insel, mit dem Distrikt gleichen Namens. Hier befand sich einmal eine Siedlung der „Maruanazes-Indianer“. „Soure“ ist das Tor zur Insel – 87 km Luftlinie in nördlicher Richtung von Belém. Hier gibt es eine recht annehmbare Infrastruktur für Besucher, die per Schiff oder Fähre ankommen und die Stadt bietet eine friedliche Atmosphäre, mit guter Luft und einem angenehmen Klima während des ganzen Jahres. Von hier aus kann man auf eine der „Fazendas“ weiterfahren, um dort ein landestypisches Aktivitätenprogramm zu erleben.

Zum Beispiel die „Fazenda Bom Jardim“, wenige Kilometer von „Soure“ – und etwa 100 km nördlich von Belém, bietet dem Besucher die Möglichkeit, eine authentische marajoarische Fazenda kennen zu lernen und an verschiedenen täglichen Aktivitäten teilzunehmen. Auf den 3.300 ha Farmgelände werden Zebu-Rinder, Büffel und Pferde in einer naturbelassenen Umgebung gezüchtet.

Im aus Holz gefertigten Hauptgebäude gibt es zwei Stockwerke: mit 1 Wohn- oder Aufenthaltsraum, 5 Zimmern, 2 Badezimmern – alle Türen und Fenster sind mit Moskito-Gittern geschützt. Strom erzeugt ein Dieselaggregat (von 18 bis 22 Uhr), es gibt frisches gutes Wasser, Radio und TV. Die Ranch kann 18 Personen in Betten unterbringen.

Dieser Ausflug wird vorzugsweise per Flugzeug gestartet – also Transfer vom Hotel zum Airport. Die gecharterten einmotorigen Kleinflugzeuge bringen die Gruppenmitglieder hinüber nach Marajó und landen direkt auf der Piste der Fazenda Bom Jardim (800 m lang). Der frühmorgendliche Anflug über dem Amazonasdelta gehört sicher zu den erregendsten Flugimpressionen: Die kleine Maschine fliegt so tief, dass man bestens alle Einzelheiten in der Wasser- und Dschungel-Wildnis unten erkennen kann.

Kommt man mit dem regulären Flug der TABA in Soure an, wird man vom Personal der Fazenda per Boot abgeholt und erreicht nach 2 bis 2,5 Stunden interessanter Bootstour das Ziel. Auch per Jeep kann man von Soure aus hinkommen – aber nur in den Monaten September bis Dezember (etwa 1 Stunde Fahrt).

Auf der „Büffel-Ranch“ erwartet die Gäste eine Vollpension (alkoholische Getränke gehen extra). Sie werden sehen, die einfachen Menschen tun wirklich ihr bestes um den Besuchern diesen Aufenthalt so angenehm und interessant wie möglich zu gestalten und die tropische Natur ist hier bei jedem Schritt, den man tut, ungewöhnlich interessant.

Die Gäste werden auf dem unendlichen Terrain der Ranch Ausflüge zu Pferd, per Ochsenkarren, Jeep, Motorkanu oder auch zu Fuss und per Ruderboot unternehmen können – auch auf dem Rücken der geduldigsten unter den Büffeln, wenn Ihnen das Spass macht. Zu sehen bekommen sie: verschiedene Spezies von Affen, Wasserschweine, Agutis, Faultiere, Kaimane, Boa Constrictor und andere Waldtiere. Unter den diversen Vogelarten besonders Reiher, Kraniche, Rosarote Löffler, Papageien, Sittiche, Tukane und Falken.

Während der Ausflüge auf Flussläufen und Seen erlebt man die riesigen Mangrove-Wälder, die mit ihren dicken Luftwurzeln richtige Tunnel aus dichtem Grün bilden. Auch Piranha-Fischen steht auf dem Programm, oder sie suchen einmal gemeinsam nach einer der hier so zahlreichen „Boa Constrictor“- Würgeschlangen, die von den erfahrenen eingeborenen Cowboys – oder sollte man besser sagen „Buffaloboys“ – für die Kamera ergriffen und um einen mutigen Hals gelegt wird. Abends kann man auch hier viele Alligatoren mit der Taschenlampe anvisieren – es muss nicht immer am Amazonas sein.

Man steht hier nicht unter „Programm-Stress“ sondern hat viel Musse, seinen besonderen Beobachtungen nachzugehen. Führungen richten sich nach den jahreszeitlichen Bedingungen, also besonders nach dem jeweiligen Wasserstand in den verschiedenen Beobachtungsgebieten. Trotzdem kann man zu jeder Zeit nach Marajó reisen und wird auch zu jeder Jahreszeit Besonderes auf der Insel erleben: während der Regenperiode bietet besonders die Flora ein prachtvolles Bild, das man in der Trockenzeit nicht antreffen wird – aber, wer besonders wegen der Tiere kommt, der sollte seinen Besuch zwischen Juli und Dezember legen.