Flora in Pará

Veröffentlicht am 15. Oktober 2009

Das Amazonasbecken hat sich durch eine Sequenz von verschiedenen geologischen Verschiebungen vor mehr als 420 Millionen Jahren gebildet, als der südamerikanische Kontinent noch mit dem afrikanischen zusammenhing. Die Trennung und die Anhebung der Andenkette kehrten die Strömung der grossen Seen um, welche den Rio Amazonas gebaren.

Inzwischen begünstigten konstante Temperaturen und intensive Regenfälle die Flora des Amazonasbeckens. Feuchtigkeitsschwankungen, Unterschiede des Wasserstands der Flüsse, in der Qualität des Bodens, im Wind und in der Niederschlagsmenge, schufen ein grosses Mosaik an vegetativen Formen, die bis heute eigentlich viel zu wenig bekannt sind. Diese unfassbare Summe aller Spezies ergibt die Biodiversität des Amazonasbeckens.

Restinga ist ein Ökosystem, welches sich, angrenzend an den Ozean, über die sandigen Küstenflächen ausgebreitet hat. Es setzt sich, entlang der brasilianischen Küste, aus einem Kontingent von pflanzlichen Formen zusammen, deren floristische Komposition und Struktur, je nach Bodenbeschaffenheit, unterschiedlich ausfallen.

In Pará wird diese Flora durch etwa 250 Spezies repräsentiert, die sich über Ebenen und Dünen verteilen – für letztere zur Befestigung besonders wichtig. Die Mehrzahl dieser Pflanzen besitzt eine erstaunliche Resistenz gegen starke Sonnenbestrahlung, hohe Temperaturen, stetigen Wind und zeitweise absinkenden Grundwasserspiegel, während Trockenperioden. Viele dieser Spezies sind bedeutend – sowohl zur Ernährung als auch in der traditionellen Medizin.

„Mangues“ so genannte „Manguezais“ (Mangroven-Dickichte) entwickeln sich auf Tang-Ablagerungen und setzen sich aus Arten zusammen, die mit einem geringen Sauerstoffgehalt auskommen und unempfindlich sind gegen den unterschiedlichen Salzgehalt des Wassers, bedingt durch die Bewegungen von Ebbe und Flut. Die typische Vegetation zeichnet sich durch die Präsenz von wenigen holzhaltigen Arten aus, aber zahlreichen individuellen Spezies.

In Pará kommen die Arten „Rhizophora, Avicennia, Laguncularia“ und „Conocarpus“, mit einem Gesamt von 5 Arten, vor. Die Mangroven dienen den verschiedensten Süss- und Salzwasser-Tieren zur Nahrungsaufnahme, als Fortpflanzungs-Bereich und als „Kinderstube“. Ausserdem sind sie von einer eigenen Fauna bevölkert, von zwar nur geringer Diversifikation, deshalb aber umso zahlreicher, und einige von nicht geringer wirtschaftlicher Bedeutung – wie zum Beispiel der Krebs und die Auster.

„Campos“ und „Campinas“ findet man zwischen Vegetationslücken von unterschiedlicher Ausdehnung und Grösse – Flächen mit savannenartiger Vegetation, bestehend aus verschiedenen Gräsern und vereinzeltem niedrigen Buschwerk. Für die verschiedenen Vegetationsformen, die nicht zum Regenwaldbestand gehören, gebraucht man in Amazonien die genetische Bezeichnung „Campo“, ausser im Fall der „Campinas“ auf den weissen Sandarealen des Rio Negro, die eher einem „Restinga-Bewuchs“ ähneln. Diese Formationen haben eine recht charakteristische Physiognomie, Struktur und Floristik, sind hochgradig endemisch, mit vereinzelten Exemplaren des Waldes, aber von geringerer Statur.

Die „Campos“ und Savannen Amazoniens trifft man sowohl auf dem Festland als auch innerhalb der Überschwemmungsgebiete (Várzeas) an. Erstere verteilen sich besonders auf Amapá, Cachimbo, Cururu, Madeira, Roraima, Trombetas, Paru, Marajó und Carajás. Die „Campos“ der „Várzea“ liegen am unteren Amazonas, am Rio Araguari, der Mündung des Rio Oiapoque, auf den Inseln Caviana und Mexiana. Im Allgemeinen sind die „Campos“ von Gramineas und Ciperaceas bedeckt, aber es gibt auch da Unterschiede, je nach Region Amazoniens, inklusive mit verschiedenen endemischen Arten, wie zum Beispiel im Fall der „Campos“ von „Carajás“, die von allen Regionen am intensivsten studiert wurden. Durch ihre charakteristische Vegetation sind diese Ökosysteme am meisten brandgefährdet.

Várzea tiefliegende Waldareale, die durch das von den Jahreszeiten abhängige Auf und Ab des Flussnetzes entweder überschwemmt oder wieder entleert werden. Diese Flächen präsentieren etwa 100 Spezies von Pflanzen pro Hektar – eine geringere Zahl als auf dem Festland – die aber hinsichtlich ihres Endemismus und ihrer Widerstandsfähigkeit noch wenig untersucht worden sind.

Die „Várzea“ wird in drei Kategorien unterteilt: die „Várzea baixa“ (niedere) und die „Várzea média“ (mittlere) – beide mit überwiegendem Palmenbestand, davon einige, welche mit ihren Wurzeln Sauerstoff festzuhalten imstande sind – wie zum Beispiel die „Açaí-Palme“ und die „Burití“.
Und die „Várzea alta“ (hohe), als dritte Kategorie, deren Boden am wenigsten vom Wasser beeinflusst erscheint und deshalb mehr Biomasse präsentiert, denn hier wachsen gewaltige Bäume, wie der Sumaúma, Assacu, Andiroba und der Copaíba.

Viele für die menschliche Ernährung wichtige Spezies können gemeinsam mit den wilden Pflanzenarten der „Várzea“ heranwachsen, deshalb bemüht sich die eingeborene Bevölkerung, die Monate der Trockenheit für diese Bepflanzung zu nutzen. Mais, Zuckerrohr, Reis, Cupuaçu, Zitronen, Orangen, Bananen und sogar Kakao gedeihen hier prächtig Ausserdem erntet man Früchte und Nüsse von den Wildpflanzen, von der „Açaí-Palme“, der „Ucuúba, Guarumã, Buçu, Jacitara“, dem „Copaiba“, dem „Andiroba“ und anderen. Es gibt keine einzige Palme in der „Varzea“, die den Menschen nicht in irgendeiner Weise nutzbringende Teile liefert, entweder in Form von Früchten, Blättern, Fasern oder Samenkernen.

Floresta de Igapó hierbei handelt es sich um stets überflutete Waldgebiete, meistens tief liegende Galeriewälder an Flussufern. In der Regel sind die Sandböden und schwarzen Wasser des „Igapó“ stark humus-säurehaltig. Und so wachsen hier viele Busch-Pflanzen, Lianen und Bäume mit atmenden Luftwurzeln. Aquatische Pflanzen nisten sich ein, wie die „Victória Régia“ zum Beispiel, unzählige Epiphyten, Moose und bestimmte Bäume, unter ihnen der „Tachi“, die „Burití-Palme“, und die „Mamorana“. Die Artenvielfalt des „Igapó“ kann als Mittelwert zwischen „Várzea“ und „Terra Firme“ angenommen werden – etwa 130 Baum-Spezies auf einen Hektar.

Floresta de Terra Firme diese Waldgebiete „auf dem Festland“ werden durch ihre höhere Lage niemals überschwemmt. Sie sind noch jung, stammen aus dem Tertiär und sind das Ergebnis einer sedimentären Ablagerung durch die Flüsse des Amazonasbeckens. Sie zeichnen sich aus durch einen dichten Bestand von grossen und grössten Bäumen sowie der Bildung eines permanenten Daches aus in sich verschlungenen Baumkronen (Dossel). Im Allgemeinen findet man hier 140 bis 280 Baum-Spezies pro Hektar – eine eindrucksvolle Zahl, wenn man die mal mit dem normalen Baumbestand in einem europäischen Waldgebiet vergleicht.

Bei den Waldgebieten der „Terra Firme“ unterscheidet man dichte Wälder, das sind die artenreichsten und mit einer grösseren Zahl von Hölzern und die offenen Wälder, welche sich näher an Abhängen und Landschaftsübergängen befinden und eine grössere Biomasse aufweisen. Repräsentative Baumarten sind: „Castanha-do-pará, Caucho, Sapucaia, Maçaranduba, Acapu, Cedro, Mogno, Angelim-pedra, Paxiúba, und Figueira“.